{"id":8287,"date":"2022-03-14T12:07:33","date_gmt":"2022-03-14T11:07:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8287"},"modified":"2022-03-14T12:07:33","modified_gmt":"2022-03-14T11:07:33","slug":"turandot-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8287","title":{"rendered":"Turandot &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Giuseppe Adami, Renato Simoni, UA: 25. April 1926 \u00a0Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Yona Kim, B\u00fchne: Christian Schmidt,\u00a0 Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Reinhard Traub,\u00a0 Video: Phillip Bu\u00dfmann,\u00a0 Bewegungscoach: Ramses Sigl, Dramaturgie: Angela Beuerle<\/p>\n<p>Dirigent: Giacomo Sagripanti, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Alsterspatzen \u2013 Kinder- und Jugendchor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Anna Smirnova (Turandot), J\u00fcrgen Sacher (Altoum), Liang Li (Timur), Gregory Kunde (Calaf), Guanqun Yu (Li\u00f9), Roberto de Candida (Ping), Daniel Kluge (Pang), Seungwoo Simon Yang (Pong), Chao Deng (ein Mandarin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. M\u00e4rz 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hamburg-Turandot.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8288\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hamburg-Turandot.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"438\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hamburg-Turandot.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hamburg-Turandot-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Peking aus alter Zeit hat die Prinzessin Turandot, Tochter des Kaisers von China, geschworen, den Mann zu heiraten, der ihre drei R\u00e4tsel l\u00f6st. Doch wer sie nicht l\u00f6st, wird hingerichtet. Dieses Schicksal ist bislang allen Bewerbern widerfahren. Und obwohl ihn alle davor warnen, verliebt der heimatlose Tartarenk\u00f6nig Calaf sich beim ersten Anblick in Turandot und schl\u00e4gt den Gong, um besagte Pr\u00fcfung abzulegen. Zur \u00dcberraschung aller und der Prinzessin kann Calaf jedoch die drei R\u00e4tsel l\u00f6sen. Nun stellt Calaf der Prinzessin selbst ein R\u00e4tsel: Kann sie bis Sonnenaufgang seinen Namen erraten, geh\u00f6rt sein Leben ihr. Wenn nicht, mu\u00df sie ihn heiraten. Obwohl die Prinzessin nun alles unternimmt, um diesen zu erfahren, scheitert sie. Als sie Calafs Dienerin Li\u00f9 foltern l\u00e4\u00dft, damit diese den Namen preisgibt, ersticht diese sich, um nichts zu verraten. Erst als Calaf Turandot einen Ku\u00df abringt, gibt diese nach und gibt zu, da\u00df sie ihn vom ersten Augenblick an geliebt hat und es kommt zu einem gl\u00fccklichen Ende.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Hamburger Inszenierung ist in Sachen B\u00fchnenbild, Kost\u00fcmen und Grundhaltung traumhaft d\u00fcster \u2013 die vorherrschende Farbe ist schwarz \u2013, psychologisch entlarvend und weist sogartige Symbolkraft auf. Als Videoprojektion wird wiederholt der bleiche Vollmond riesenhaft auf die schwarze B\u00fchnenwand geworfen, die sich mehrmals zum Kaiserpalast hinein \u00f6ffnet. Das Volk von Peking wird als gehobene Gesellschaft im Stil der 1920er Jahre dargestellt, deren Kost\u00fcme eine Mischung aus chinesischer und westlicher Mode sind. Hier sind fast alle wei\u00df im Gesicht. Calaf verliebt sich nicht, als er Turandot sieht, sondern fa\u00dft vielmehr den Entschlu\u00df dazu aus einer Art Todeswunsch heraus sowie aus \u00dcbermut. Die in der Kindheit traumatisierte Turandot wirkt wie ein n\u00e4chtlicher Todesd\u00e4mon, der ihr altersschwacher Kaiservater nicht gewachsen und die gegen die Liebe immun ist. W\u00e4hrend die drei Minister von einer sch\u00f6nen Zukunft schw\u00e4rmen, in der Turandot endlich verheiratet ist, h\u00e4ngt diese im Hintergrund am Strick. Da wundert es nicht, da\u00df sie Calaf am Schlu\u00df unter dem Jubel des Volkes ersticht. Turandot ist und bleibt hier die \u201ePrincipessa di morte\u201c. Li\u00f9 hat ebenfalls wenig zu lachen. Zu Beginn schon h\u00e4lt der Mandarin ihr ein Messer an den Hals und dann l\u00e4\u00dft Calaf sie permanent links liegen. Nach ihrem Tod wird als Videoprojektion das Foto von Puccinis Leichnam gezeigt, da dieser nach jener Szene verstorben war, ohne dass er die Oper selbst noch zu Ende komponieren konnte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Gregory Kunde und Anna Smirnova bilden das stimmstarke Duo aus Turandot und Calaf, die mit viel B\u00fchnenpr\u00e4senz und vokalem Drama f\u00fcr gro\u00dfe Momente sorgen. F\u00fcr die ber\u00fchmte Arie <em>Nessun dorma<\/em>&#8211; <em>keinen Schlaf<\/em> erh\u00e4lt <strong>Kunde<\/strong> erwartungsgem\u00e4\u00df, aber zurecht lauten Zwischenapplaus, da sein Tenor nicht nur hier vor warmen Farben schillert. <strong>Smirnova<\/strong> verstrahlt stimmlich wie darstellerisch das verlangte eisige Charisma, gestalterisch pa\u00dft sie zur Turandot wie die Faust aufs Auge. Ihr Mezzosopran fesselt mit hochdramatischer Strenge, zudem scheinen ihr stimmlich schier unbegrenzte Kr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung zu stehen, so da\u00df sie mit den Spitzent\u00f6nen nur so um sich schleudert.<\/p>\n<p><strong>Guanqun Yu<\/strong> bildet mit ihrem bl\u00fchenden lyrischen Sopran und flexibler Linienf\u00fchrung den anr\u00fchrenden Gegenpol zur unbarmherzigen Turandot. Auch darstellerisch erweist sie sich als mehr als \u00fcberzeugend. <strong>Roberto de Candida, Daniel Kluge<\/strong> und <strong>Seungwoo Simon Yang<\/strong> bilden als maskentragendes Ministertrio ein kom\u00f6diantisches Mini-Ensemble, das \u00fcber eine souver\u00e4ne innere Balance verf\u00fcgt und spielerisch den Spagat zum Horror schafft. <strong>J\u00fcrgen Sacher<\/strong> beweist als gebrechlicher Kaiser mit gebieterischer Stimme darstellerisches Talent, w\u00e4hrend auch <strong>Liang Li<\/strong> mit seinem Ba\u00df als alter K\u00f6nig Autorit\u00e4t verstrahlt. Mit gespenstischer Diabolik agiert <strong>Chao Deng<\/strong>.<\/p>\n<p>Da <em>Turandot<\/em> auch eine gro\u00dfe Choroper ist, hat der <strong>Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/strong> zusammen mit den <strong>Alsterspatzen<\/strong> einiges zu tun. Beide meistern die vielen gro\u00dfen und kleinen Szenen aber durchweg souver\u00e4n, mit guter Abstimmung zu Ensemble und Orchester, und wenn n\u00f6tig stimmgewaltig.<\/p>\n<p>Dirigent <strong>Giacomo Sagripanti<\/strong> h\u00e4lt nicht nur alle F\u00e4den \u00fcberlegt zusammen, sondern zaubert mit dem <strong>Philharmonischen Staatsorchester Hamburg<\/strong> auch einen astreinen Puccini-Klang ohne jegliche Wackler, aber daf\u00fcr voller Exotismen, subtiler Details, feiner Temposchwankungen und viel Delikatesse, die tats\u00e4chlich den ganzen Reichtum an Puccinis sp\u00e4tem Orchesterstil plastisch zum Vorschein bringt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Hamburger <em>Turandot<\/em> ist musikalisch \u00fcber jeden Zweifel erhaben und lohnt unbedingt den Besuch. An der Regie m\u00f6gen sich die Geister scheiden, sie wirkt trotz ihres Pessimismus jedoch bezwingend wie stringent und verf\u00fcgt \u00fcber suggestive Bildkraft. Das Publikum feierte alle Beteiligten begeistert. Ein einziger Buhrufer ging im Jubel unter.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Roberto de Candida (Ping), Daniel Kluge (Pang), Seungwoo Simon Yang (Pong),<\/p>\n<p>Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Giuseppe Adami, Renato Simoni, UA: 25. 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