{"id":8283,"date":"2022-03-07T18:32:27","date_gmt":"2022-03-07T17:32:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8283"},"modified":"2022-03-08T19:36:09","modified_gmt":"2022-03-08T18:36:09","slug":"die-walkuere-kopenhagen-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8283","title":{"rendered":"Die Walk\u00fcre &#8211; Kopenhagen, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), erste Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner UA: 26. Juni 1870, Staatsoper M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: John Fuljames, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Tom Scutt, Licht: DM Wood<\/p>\n<p>Dirigent: Thomas S\u00f8nderg\u00e5rd, K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle<\/p>\n<p>Solisten: Bryan Register (Siegmund), Morten Staugaard (Hunding), Tomasz Konieczny (Wotan), Ann Petersen (Sieglinde), Hanne Fischer (Fricka), Trine M\u00f8ller (Br\u00fcnnhilde), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. M\u00e4rz 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopenhagen-Walkuere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8284\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopenhagen-Walkuere.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopenhagen-Walkuere.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopenhagen-Walkuere-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Sieglinde findet in ihrer H\u00fctte einen fremden Mann vor, der sich auf der Flucht befindet. Er stellt sich ihr und ihrem Mann Hunding als Wehwalt vor. W\u00e4hrend der Erz\u00e4hlung seiner Flucht wird deutlich, da\u00df er ein Feind von Hundings Sippe ist. Hunding gew\u00e4hrt ihm Asyl f\u00fcr eine Nacht und k\u00fcndigt an, ihm am n\u00e4chsten Tag nachzusetzen. Alle begeben sich zur Ruhe. Sieglinde, die ihren Gatten bet\u00e4ubt hat, erscheint. Siegmund offenbart ihr seine wahre Identit\u00e4t und zieht das Schwert Nothung aus dem Stamm einer Esche, die in der H\u00fctte steht. Beide entdecken, da\u00df sie Zwillingsgeschwister sind und verlieben sich ineinander. Daraufhin stellt Fricka, die Schutzg\u00f6ttin der Ehe, ihren Gatten Wotan zur Rede. Siegmund und Sieglinde sind seine au\u00dferehelichen Kinder, ebenso wie die neun Walk\u00fcren. Die Walk\u00fcren haben gefallene Helden nach Walhall zu bringen, die die G\u00f6tterburg vor einem Angriff Alberichs verteidigen sollen. Siegmund soll den Ring des Nibelungen an sich bringen. Doch, wie Fricka ihrem Mann darlegt, w\u00e4re das ein Versto\u00df gegen seine eigenen Gesetze. Wotan befiehlt Br\u00fcnnhilde, Siegmund im Kampf mit Hunding sterben zu lassen. Sie erscheint Siegmund und verk\u00fcndet ihm seinen baldigen Tod. Von Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt droht er damit, sich und seine ohnm\u00e4chtige Zwillingsschwester zu t\u00f6ten. Br\u00fcnnhilde empfindet Mitgef\u00fchl und setzt sich \u00fcber Wotans Befehl hinweg, der dann selbst in den Kampf eingreift und Hunding den Sieg davontragen l\u00e4\u00dft. Unterdessen sammeln sich die Walk\u00fcren, um nach Walhall zu ziehen. Br\u00fcnnhilde bittet sie um Hilfe f\u00fcr Sieglinde, die von Siegmund ein Kind erwartet, doch vergebens. Sieglinde flieht in den Wald und Br\u00fcnnhilde erwartet ihren zornigen Vater, der sie aus Walhall verst\u00f6\u00dft. Er versenkt sie in Schlaf und schlie\u00dft einen Kreis aus Feuer um ihren Felsen, der nur von demjenigen, der seinen Speer nicht f\u00fcrchtet, durchbrochen werden kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne wird in allen drei Aufz\u00fcgen von einer gro\u00dfen Treppe dominiert. Im ersten spielt sich die Handlung in Hundings H\u00fctte unter der Treppe ab, im zweiten steht sie am rechten Rand, im dritten in der Mitte der Szene. Die Darsteller von Wotan und Walk\u00fcren befinden sich in allen Aufz\u00fcgen auf der B\u00fchne und haben im ersten Aufzug stumme Aktionen am Rand auszuf\u00fchren, die die Handlung in der H\u00fctte kommentieren. Wotan erscheint im ersten Aufzug als Demiurg mit den Walk\u00fcren als seinen Assistentinnen, die an Schreibtischen sitzen. Hundings H\u00fctte ist ihr Labor f\u00fcr ein soziales Experiment, das gl\u00fcckt. Mit Frickas Forderung nach Beendigung dieses Experimentes wird Wotans B\u00fcro aufgel\u00f6st. Es befinden sich von Aufzug zu Aufzug immer weniger Akteure auf der B\u00fchne. Das karge B\u00fchnenbild des dritten Aufzugs wird durch starke Effekte belebt, etwa bei Wotans Abschied am Schlu\u00df, bei dem Br\u00fcnnhilde auf ihrem Felsen in die H\u00f6he entschwebt. Die Kost\u00fcme sind unspektakul\u00e4r und entsprechen der aktuellen Mode. Fricka tr\u00e4gt einen eleganten Anzug, Wotan eine Art Kittel und Hunding erscheint im Holzf\u00e4llerlook. Die Regie konzentriert sich auf psychologische Prozesse und Interaktionen zwischen den Figuren. Sie setzt viele Regieanweisungen Wagners um und deutet den Wortinhalt des Gesangstextes aus. Das geschieht gelegentlich visuell, etwa wenn Wotan in seinem Monolog im zweiten Aufzug den Sohn Alberichs erw\u00e4hnt und Alberich mit einem Kind auf dem Arm am Rande sichtbar wird. Es gibt keine ironisierenden oder das musikalisch-dramatische Konzept verfremdenden Einschl\u00e4ge, sondern die musikalischen und szenischen Wende- und H\u00f6hepunkte werden so umgesetzt, wie es die Partitur erfordert. Obwohl es nur wenige szenische Elemente gibt, gelingt es mit Hilfe von Licht, Statisten und Umgruppierungen von Requisiten viele Schaupl\u00e4tzen zu schaffen. So entsteigen zur bekannten Musik des sogenannten Walk\u00fcrenrittes die gefallenen Helden einem Schutthaufen und wanken die Treppe in der B\u00fchnenmitte hinauf der mit Lichtpanelen angedeuteten G\u00f6tterburg entgegen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die gro\u00dfartige Akustik im Kopenhagener Opernhaus lie\u00df das Orchester unter der Leitung von <strong>Thomas S\u00f8nderg\u00e5rd<\/strong> in allen Farben satt erstrahlen und die erw\u00e4hnte Treppe sowie mehrere leuchtende Platten auf der B\u00fchne fungieren als Schallreflektoren f\u00fcr die S\u00e4nger, so da\u00df ihre Stimmen und der Text gut durch das starke Orchester hindurchkamen. Alle S\u00e4nger, von denen keiner deutscher Muttersprachler ist, sprachen sehr gut oder sogar ausgezeichnet aus. Zu den Leistungen im einzelnen: <strong>Bryan Register<\/strong> (Siegmund) hat eine wohlklingende, \u00fcber viele Schattierungen verf\u00fcgende Tenorstimme. Seine Aussprache ist deutlich und klar; einzig das \u201ech\u201c (wie in Ach), ein schwieriger Laut f\u00fcr S\u00e4nger, steht ihm nicht zur Verf\u00fcgung. Darstellerisch wirkte er gelegentlich ein wenig unsicher. <strong>Ann Petersens<\/strong> Leistung als Sieglinde war s\u00e4ngerisch heterogen. Sie hat sch\u00f6ne, starke, hohe T\u00f6ne zur Verf\u00fcgung und vermag ihre lyrischen Parts sauber durchzugestalten. Aber in den schnellen Sprechgesangspassagen forcierte sie leider. Schauspielerisch war ihre Leistung absolut solide. <strong>Morten Staugaard<\/strong> (Hunding) war darstellerisch vielleicht der beste S\u00e4nger des Abends und besitzt ein modulationsf\u00e4higes Organ. <strong>Trine M\u00f8ller<\/strong> brachte als Br\u00fcnnhilde eine ungew\u00f6hnlich jugendliche Erscheinung auf die B\u00fchne, spielte mit Hingabe und hat einen geradlinigen Stimmklang ohne jegliche Verschlei\u00dferscheinungen. Ihre Stimme ist nicht riesengro\u00df, daf\u00fcr aber ausgeglichen, mit leicht ansprechendem Ansatz und einer makellosen H\u00f6he und befand sich stets in guter Balance mit dem Orchester. Die Leistungen all dieser S\u00e4nger allein schon lohnen den Besuch dieser Produktion. Was die Auff\u00fchrung allerdings zu einem exzeptionellen Erlebnis werden lie\u00df, war <strong>Tomasz Koniecznys<\/strong> Wotan. Bei ihm handelt es sich um eine musikalische Idealbesetzung f\u00fcr diese Rolle und einen S\u00e4nger auf dem H\u00f6hepunkt seiner stimmlichen M\u00f6glichkeiten. Konieczny ist ein Meister der klanglichen Nuancierung und hat eine ungemein abwechslungsreiche Technik, die ihm sowohl erlaubt, extrem deutlich zu deklamieren, also fast schon zu sprechen, als auch mit Hilfe der klingenden Schlu\u00dfkonsonanten als Bindemittel lange melodische Linien herzustellen, die vor allem am Schlu\u00df der <em>Walk\u00fcre<\/em> gefordert sind. Vom gerade noch h\u00f6rbaren Hauchen bis zu volumin\u00f6sen T\u00f6nen, die keine dynamische Obergrenze zu kennen scheinen, steht ihm eine Palette von Kl\u00e4ngen zu Verf\u00fcgung, die ich in dieser Variationsbreite noch bei keinem S\u00e4nger dieser Partie geh\u00f6rt habe. Allein auf einem einzigen Ton und Vokal gelingt es ihm, schnell nacheinander verschiedene Obertonspektren zu erzeugen, was seinen Part ungew\u00f6hnlich sprechnah und damit gut verst\u00e4ndlich und zugleich musikalisch interessant und ausdrucksvoll werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion d\u00fcrfte jeden Wagnerfreund begl\u00fccken, sowohl in ihrer respektvollen, ernsthaften Regie als auch von den musikalischen Leistungen her. Ein kraftvolles, aber immer kultiviert spielendes Orchester begleitet S\u00e4nger, die ihren Text nicht nur gut aussprechen, sondern ihn auch facettenreich verk\u00f6rpern. Und wer das noch nicht getan hat, mu\u00df Tomasz Konieczny schlicht und ergreifend einmal geh\u00f6rt haben. F\u00fcr den Wotan in der <em>Walk\u00fcre<\/em> d\u00fcrfte es derzeit keinen besseren S\u00e4nger geben. Gekr\u00f6nt wird der Abend von einem Feuerzauber, der seinem Namen gerecht wird.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Camilla Winther<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Cecilia Lund Tomter (Gerhilde), Cecilia Hjortsberg (Ortlinde), Johanne H\u00f8jlund (Waltraute), Anna Danik (Schwertleite), Valda Wilson (Helmwige), Frida Lund-Larsen (Siegrune) sowie Statisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), erste Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner UA: 26. 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