{"id":8275,"date":"2022-02-14T13:14:46","date_gmt":"2022-02-14T12:14:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8275"},"modified":"2022-02-14T13:14:46","modified_gmt":"2022-02-14T12:14:46","slug":"die-sache-makropulos-staatsoper-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8275","title":{"rendered":"Die Sache Makropulos &#8211; Staatsoper Berlin"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto: Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek nach dem gleichnamigen Schauspiel von Karel \u010capek,<\/p>\n<p>UA: 18. Dezember 1926 N\u00e1rodn\u00ed divadlo, Brno (Br\u00fcnn)<\/p>\n<p>Regie: Claus Guth, B\u00fchne:\u00c9tienne Pluss, Kost\u00fcme: Ursula Kudrna, Licht: Sebastian Alphons, Choreographie: Sommer Ulrickson, Dramaturgie: Yvonne Gebauer und Benjamin W\u00e4ntig<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Simon Rattle, Staatskapelle Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Marlis Petersen (Emilia Marty), Ludovit Ludha (Albert Gregor), Peter Hoare (V\u00edtek), Natalia Skrycka (Krista), Bo Skovhus (Jaroslav Prus), Spencer Britten (Janek), Jan Martinik (Dr. Kolenat\u00fd), Jan Je\u017eek (Graf Hauk-\u0160endorf), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Februar 2022 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Berlin-Makropulos-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8276\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Berlin-Makropulos-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Berlin-Makropulos-1.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Berlin-Makropulos-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Ein sich seit einem Jahrhundert hinziehender Erbstreit steht vor seinem Abschlu\u00df. Es geht um das Landgut Loukov, das Albert Gregor und Jaroslav Prus beanspruchen. Gregor mu\u00df mit einem Schriftst\u00fcck beweisen, da\u00df das Gut seinen Vorfahren zusteht, also mit einem Testament des 1827 verstorbenen Baron Prus. Er wartet im Anwaltsb\u00fcro von Dr. Kolenat\u00fd, der mit der ber\u00fchmten Operns\u00e4ngerin Emilia Marty eintritt. Sie kann ihm zum Erstaunen aller genau sagen, wo er das Testament finden kann und was darin steht, n\u00e4mlich da\u00df das Gut dem unehelichen Sohn des Barons Ferdinand Gregor, den er mit der S\u00e4ngerin Ellian MacGregor gehabt habe, vererbt werden solle. Dr. Kolenat\u00fd l\u00e4\u00dft das Dokument holen. Nun mu\u00df aber auch ein Nachweis daf\u00fcr gefunden werden, da\u00df Ferdinand Gregor wirklich der Sohn des Barons war. Emilia Marty bietet Albert Gregor an, diesen Nachweis zu erbringen und bittet im Gegenzug um ein griechisches Dokument, das in seinem Besitz sein m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Nach der Vorstellung im Theater, bei der sie mit gro\u00dfem Erfolg aufgetreten ist, warten mehrere Bewunderer auf die gefeierte S\u00e4ngerin, die sie allesamt unfreundlich abfertigt. Nur dem alten Graf Hauk-\u0160endorf, der in ihr eine Liebhaberin wiederzuerkennen glaubt, die er vor f\u00fcnfzig Jahren hatte, gibt sie einen Ku\u00df. Jaroslav Prus gibt bekannt, er habe ein versiegeltes griechisches Dokument und viele alte mit \u201eE.M.\u201c unterschriebene Liebesbriefe an den Baron Prus gefunden. Dabei handele es sich ihm zufolge doch nicht um Ellian MacGregor, sondern um Elina Makropulos. Damit w\u00e4re Gregor nicht der Erbe des Landgutes. Jaroslav Prus bietet Emilia Marty das griechische Dokument gegen eine Liebesnacht an.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gibt er es ihr und erf\u00e4hrt vom Selbstmord seines Sohnes Janek, aus ungl\u00fccklicher Liebe zu Emilia. Sie zeigt sich davon v\u00f6llig unger\u00fchrt. Kolenat\u00fd, Gregor und andere kommen herein. Emilia Marty soll das Dokument, mit dem sie Gregors Abstammung von Prus belegt hat, gef\u00e4lscht haben. Man durchsucht ihr Gep\u00e4ck und findet weitere Papiere, die Fragen aufwerfen. Emilia gibt ihr Geheimnis preis. Sie ist 1585 auf Kreta geboren und hei\u00dft Elina Makropulos. Ihr Vater, ein Alchmist, hatte an ihr als Kind ein Unsterblichkeitselixier ausprobiert. Seitdem habe sie viele Namen gehabt und an vielen Orten gelebt. Sie ist die Vorfahrin von Albert Gregor. Nach 300 Jahren nehme die Wirkung des Elixieres ab, doch sie w\u00fcnsche sich nicht, noch l\u00e4nger zu leben und \u00fcbergibt das Rezept ihres Vaters Krista, der Tochter, des Anwaltsgehilfen V\u00edtek, die es verbrennt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist in drei Segmente unterteilt, die sich seitlich verschieben lassen. In der Mitte befindet sich eine Art riesiger K\u00fchlkammer, in der Emilia Marty zwischen den Akten ihre Kleidung und Per\u00fccke wechselt. Dabei h\u00f6rt man schweres Atmen \u00fcber die Lautsprecher. Die drei Akte der Oper werden ohne Unterbrechung gespielt. Neben den S\u00e4ngern, deren Kost\u00fcme wie das Ambiente im Stil der Entstehungszeit des Werkes gehalten sind, gibt es stumme Figuren und T\u00e4nzer, die mitunter den Gesangstext pantomimisch verdeutlichen. So gehen gelegentlich ein junges M\u00e4dchen im Kleid einer spanischen Infantin und eine alte Frau am Stock als Doppelg\u00e4ngerinnen Emilia Martys \u00fcber die B\u00fchne. Insgesamt folgt die Regie recht eng den originalen Vorgaben im Libretto (das dankenswerterweise dem Programmheft beigelegt wurde), addiert aber eben besagte Komparsen und t\u00e4nzerische Aktionen. Die Personenf\u00fchrung der S\u00e4nger ist konventionell w\u00e4hrend die T\u00e4nzer oft in verrenkten Posen verharren.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marlis Petersen<\/strong> (Emilia Marty) war an diesem Abend das Zentrum des szenischen und musikalischen Geschehens. Ihre Partie ist nicht zuletzt im letzten Akt ein s\u00e4ngerischer Kraftakt, den sie mit Bravour bew\u00e4ltigte. Darstellerisch war sie ebenfalls souver\u00e4n. Ihre mystische Verwandlung zu einer sich schwerf\u00e4llig bewegenden Greisin in den Zwischenakten kontrastierte mit den drei Akten, in denen sie die verf\u00fchrerische junge Frau gibt. Verglichen mit ihrer die Handlung vollkommen dominierenden Rolle nehmen sich die \u00fcbrigen Partien alle als Nebenrollen aus. Da die Oper zudem sehr viel Gesangstext hat, ist der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Partien rezitativisch, ohne spektakul\u00e4re lyrische oder belcantistische Passagen, in denen man gl\u00e4nzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chst der Hauptrolle l\u00e4ngsten Partien hatten<strong> Ludovit Ludha<\/strong> (Albert Gregor) und <strong>Bo Skovhus<\/strong> (Jaroslav Prus) \u00fcbernommen, die sie ausdrucksvoll und in Balance mit dem gelegentlich lautstarken Orchester vortrugen. Beide M\u00e4nner bedr\u00e4ngen die Marty und sind von ihr zugleich angezogen und abgesto\u00dfen. Ihre Figuren wie auch die des Dr. Kolenat\u00fd, gespielt von<strong> Jan Martinik<\/strong>, und des Graf Hauk-\u0160endorf, gespielt von <strong>Jan Je<\/strong><strong>\u017e<\/strong><strong>ek<\/strong>, tragen kom\u00f6diantische und tragikomische Z\u00fcge, die sie sch\u00f6n herausspielten. Keine der m\u00e4nnlichen Rollen ist heroisch, sondern sie bieten ein Panoptikum moralischer Schw\u00e4chen, welche die Marty relativ unbeteiligt ausnutzt.<\/p>\n<p><strong>Simon Rattle<\/strong>, ein Jan\u00e1\u010dek-Experte, hatte die Staatskapelle Berlin voll im Griff. Jan\u00e1\u010deks Orchestersatz ist oft blockhaft instrumentiert und dynamisch pl\u00f6tzlich wechselnd. Diese schroffen \u00dcberg\u00e4nge gelangen problemlos und die zupackenden orchestralen Vor- und Nachspiele setzten klare Z\u00e4suren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Sache Makropulos<\/em> wird von Jan\u00e1\u010deks sp\u00e4ten Opern am seltensten gezeigt. Das mag zum einen an der Handlung liegen, die literarische Gattungen wie Kriminalst\u00fcck und Schauerroman mit philosophischen \u00dcberlegungen zur Endlichkeit der menschlichen Existenz vermischt, was schwer darzustellen ist, oder auch an der vergleichsweise wenig eing\u00e4ngigen Musik. Die eindr\u00fccklichsten Passagen liegen hier im Orchester, nicht bei den Solisten. Die Regie w\u00e4hlte eine Inszenierung dicht an der Handlung im Libretto, die von stummen Darstellern und T\u00e4nzern verdeutlicht wird, welche die Hauptrolle klar in den Fokus r\u00fcckt. Es wird sehr sch\u00f6n musiziert. Die fremdartigen Orchesterkl\u00e4nge tragen den tschechischen Sprechgesang der S\u00e4nger, die engagiert und zupackend spielen. Da\u00df dennoch gelegentlich L\u00e4ngen entstehen, ist nicht der Regie, sondern dem bisweilen etwas holperigen Handlungsflu\u00df der Oper anzulasten. Ein spannendes Erlebnis ist diese Produktion allemal.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Barbara Braun\/ MuTphoto<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marlis Petersen (Emilia Marty) in der Mitte mit der Vision ihrer hochbetagten Pers\u00f6nlichkeit (im Vordergrund). Im Hintergrund stehend v.l.n.r. Ludovit Ludha (Albert Gregor) und Jan Martinik (Dr. Kolenat\u00fd).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854\u20131928), Oper in drei Akten, Libretto: Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek nach dem gleichnamigen Schauspiel von Karel \u010capek, UA: 18. 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