{"id":8244,"date":"2021-12-07T12:40:54","date_gmt":"2021-12-07T11:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8244"},"modified":"2021-12-07T12:42:32","modified_gmt":"2021-12-07T11:42:32","slug":"die-voegel-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8244","title":{"rendered":"Die V\u00f6gel &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Walter Braunfels (1882-1954), lyrisch-phantastisches Spiel in zwei Akten, Libretto: Walter Braunfels, nach Aristophanes gleichnamigem Theaterst\u00fcck, UA: 30. November 1920, M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Nadja Loschky, B\u00fchnenbild: Ulrich Leitner, Kost\u00fcme: Irina Spreckelmeyer<\/p>\n<p>Dirigent: Gabriel Feltz und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Burkhard Fritz (Hoffegut), Joshua Bloom (Ratefreund), Samuel Youn (Prometheus), Wolfgang Stefan Schwaiger (Wiedehopf), Ana Durlovski (Nachtigall), Anna Malesza-Kutny (Zaunschl\u00fcpfer), Seung Jick Kim (Flamingo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Dezember 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Koeln-Die_Vogel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8245\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Koeln-Die_Vogel.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Koeln-Die_Vogel.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Koeln-Die_Vogel-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Hoffegut und Ratefreund, zwei Menschen aus der Stadt, suchen nach dem Reich der V\u00f6gel. Dort angekommen treffen sie auf den K\u00f6nig der V\u00f6gel, Wiedehopf. Ratefreund schl\u00e4gt ihm vor, ein eigenes Reich f\u00fcr die V\u00f6gel zu errichten. Nachdem die V\u00f6gel dar\u00fcber beraten haben, entschlie\u00dfen sie sich, die Idee in die Tat umzusetzen. Hoffegut wird w\u00e4hrenddessen von der Nachtigall in ihren Bann gezogen. Die V\u00f6gel erbauen ihr Reich neu und f\u00fchlen sich Menschen und G\u00f6ttern gegen\u00fcber erhaben. Da erscheint ihnen Prometheus, um sie vor Zeus zu warnen. Erst nachdem Zeus ein Gewitter aufziehen l\u00e4\u00dft und das Reich zerst\u00f6rt, erkennen die V\u00f6gel seine Macht an. Hoffegut und Ratefreund kehren in die Stadt zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt eine dunkle, zerfurchte Landschaft voller Krater und Erdhaufen. Im ersten Akt wird eine Szene aus der Entstehungszeit der Oper, dem ersten Weltkrieg, nachgestellt: Soldaten mit Gewehren bewaffnet bewegen sich in Zeitlupe und fallen verletzt zu Boden. Die Kost\u00fcme enthalten ebenfalls Kriegssymbole und sind in d\u00fcsteren Erdt\u00f6nen gehalten. Das Volk der V\u00f6gel sieht aus wie gefallene Soldaten: sie tragen Kleiderfetzen und Pilotenbrillen, manche haben Verletzungen und st\u00fctzen sich auf Gehhilfen, andere tragen schnabelartige Masken, die an Gasmasken erinnern und haben Krallen an den F\u00fc\u00dfen. Im zweiten Akt zeigt die B\u00fchne Regale mit Eiern als eine Art Zuchtlabor f\u00fcr das Reich der V\u00f6gel, dabei werden ebenfalls Symbole aus dem Nationalsozialismus gezeigt, wie Schilder mit der Aufschrift \u201eDas reinrassige Ei\u201c. Das Reich der V\u00f6gel wird so eher zu einer Dystopie (negatives gesellschaftliches Zerrbild) statt einer Utopie.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gabriel Feltz<\/strong> dirigiert die Ouvert\u00fcre in einem bed\u00e4chtigen Tempo, da\u00df den Klangteppich der einzelnen Instrumente sehr gut entfaltet und einen traumhaften Gef\u00fchl verstr\u00f6mt. <strong>Burkhard Fritz<\/strong> (Hoffegut) singt mit klarem, metallischen Heldentenor, der besonders in der H\u00f6he sein ganzes Volumen entfalten kann. Dabei spielt er seine Rolle \u00fcberwiegend sehr zur\u00fcckhaltend und wirkt oft etwas verloren auf der B\u00fchne. Zum Ende des ersten Akts kann er durch einen sehr gef\u00fchlvollen Gesangspart zusammen mit <strong>Ana Durlovski<\/strong> (Nachtigall) \u00fcberzeugen, dabei l\u00e4\u00dft er sich in ekstatischer Pose in die Arme der anderen Nachtigallen fallen und verk\u00f6rpert seine Verz\u00fcckung auch gesanglich durch das An- und Abschwellen seiner Stimme sehr gut. Leider singt er hin und wieder mit zu viel Druck in der Stimme, so da\u00df er heiser klingt.<\/p>\n<p>Sein Gegenspieler <strong>Joshua Bloom <\/strong>(Ratefreund) \u00fcberzeugt durch einen volumin\u00f6sen sehr donnernden Ba\u00df, den er gekonnt in sein schauspielerische Gestik einbaut. Dabei legt er besonders Wert darauf, das Kom\u00f6diantische seiner Rolle hervorzuheben, pr\u00fcgelt mit einer Peitsche auf seine beiden Diener ein, h\u00e4lt ein Ei wie eine Troph\u00e4e in die Vogelhorde und betont dabei die schnellen Ges\u00e4nge sehr akzentuiert, fast schon lautmalerisch mit lebendiger Mimik, so da\u00df der Text immer sehr deutlich zu verstehen ist. <strong>Wolfgang Stefan Schwaiger<\/strong> (Widehopf) \u00fcberzeugt in der Rolle des gebrochenen Anf\u00fchrers auf Kr\u00fccken gelehnt und spielt diesen leicht schrullig. Seinen hell-gef\u00e4rbten Bariton setzt er sehr gleichm\u00e4\u00dfig ein und bindet die T\u00f6ne im Legato, dabei hat er das l\u00e4rmendes Timbre seiner Stimme sehr gut unter Kontrolle, so da\u00df er nie zu laut wirkt.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer H\u00f6hepunkt unter den M\u00e4nnerstimmen ist der Auftritt von <strong>Samuel Youn <\/strong>(Prometheus), der seinen Ba\u00dfbariton mit technischer Versiertheit dramatisch in der H\u00f6hen donnern l\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend er seine Arme weit von sich streckt und in den Himmel schaut, um Zeus zu huldigen. Auch die leisen T\u00f6ne im sotto voce beherrscht er perfekt und hat durch sein rauhes Timbre immer eine Schwere in der Stimme, die sehr gut zu seiner Rolle pa\u00dft.<\/p>\n<p>Bei den S\u00e4ngerinnen ist <strong>Ana Durlovski<\/strong> (Nachtigall) mit ihrem glockenklaren, leuchtenden Sopran, der ein ausgenommen hohes Timbre hat, der Star des Abends. Sie zieht alle Register in den Koloraturen, betont die Triller in schwindelerregender H\u00f6he mit gekonnter Leichtigkeit und wirkt dabei keine Sekunde angestrengt.<\/p>\n<p>Hervorzuheben ist auch die Leistung des <strong>Chores<\/strong>, der in gro\u00dfer Besetzung trotzdem ausgenommen synchron singt und f\u00fcr dramatische H\u00f6hepunkte sorgt. Ebenso \u00fcberw\u00e4ltigend ist das <strong>Orchester<\/strong>, das den gesamten Abend \u00fcber einen wundersch\u00f6nen Klang erzeugt, und auch vom Tempo her immer auf den Punkt ist, so da\u00df sich der romantische, sehnsuchtsvolle Klang der Musik in allen Instrumenten voll entfalten kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine sehr kurzweilige Inszenierung, die durch viele kom\u00f6diantische Elemente zum Lachen anregt. B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme sind ebenfalls sehr phantasievoll. Der Zusammenhang zwischen dem ersten Weltkrieg und der Handlung wird nicht sofort klar, daf\u00fcr entsch\u00e4digt aber die Musik, die ausnahmslos hervorragend ist, so da\u00df man sich einfach davon berieseln lassen kann. Publikumsliebling ist Ana Durlovski, die mit besonders lautem Applaus belohnt wird. Eine gelungene Premiere!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: \u00a0Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor und Statisterie der Oper K\u00f6ln, Seung Jick Kim (Flamingo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Walter Braunfels (1882-1954), lyrisch-phantastisches Spiel in zwei Akten, Libretto: Walter Braunfels, nach Aristophanes gleichnamigem Theaterst\u00fcck, UA: 30. 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