{"id":8233,"date":"2021-11-29T12:11:56","date_gmt":"2021-11-29T11:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8233"},"modified":"2021-11-29T12:17:08","modified_gmt":"2021-11-29T11:17:08","slug":"elektra-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8233","title":{"rendered":"Elektra \u2013 Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Januar 1909 Dresden. K\u00f6nigliches Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Dmitri Tcherniakov\u00a0 Kost\u00fcme: Elena Zaytseva\u00a0 Licht: Gleb Filshtinsky\u00a0 Video: Tieni Burkhalter<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg<\/p>\n<p>Solisten: Violeta Urmana (Klyt\u00e4mnestra), Au\u0161rin\u00e9 Stundyt\u00e9 (Elektra), Jennifer Holloway (Chrysothemis), John Daszak (Aegisth), Lauri Vasar (Orest), Chao Deng (Pfleger des Orest), Luminita Andrei (Vertraute), Tahnee Niboro (Schlepptr\u00e4gerin), Thomas Ebenstein (junger Diener), Hubert Kowalczyk (Alter Diener), Brigitte Hahn (Brigitte Hahn), Marta \u015awiderska (Erste Magd), Kady Evanyshyn (Zweite Magd),\u00a0 Kristina Stanek (Dritte Magd), Gabriele Rossmanith (Vierte Magd), Hellen Kwon (F\u00fcnfte Magd)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. November 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hamburg-Elektra_HH_177.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8234\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hamburg-Elektra_HH_177.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hamburg-Elektra_HH_177.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hamburg-Elektra_HH_177-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im antiken Griechenland. Agamemnon wurde nach der R\u00fcckkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner Frau Klyt\u00e4mnestra und ihrem Geliebten Aegisth ermordet. Elektra brachte ihren Bruder Orest in Sicherheit und kehrte an den Hof von Mykene zur\u00fcck, wo sie wie eine Ausgesto\u00dfene lebt und laut von der Rache an ihrer Mutter und an Aegisth durch Orest fantasiert. Doch dann erz\u00e4hlt ihre Schwester Chrysothemis zun\u00e4chst, da\u00df Orest gestorben sei. Nun will Elektra, da\u00df stattdessen Chrysothemis die Rache vollstreckt. Diese lehnt jedoch ab. Schlie\u00dflich erscheint jedoch ein Fremder, der sich ihr gegen\u00fcber als Orest zu erkennen gibt. Mit Elektras Hilfe t\u00f6ten sie Klyt\u00e4mnestra und Aegisth. Elektra tanzt vor Freude, bis sie zusammenbricht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung verlegt das Geschehen in die Zeit der Entstehung der Oper, in das Wohnzimmer eines gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Anwesens \u00e0 la Buddenbrooks. Dementsprechend kommt alles sehr b\u00fcrgerlich daher. Das Quartett der M\u00e4gde zu Beginn ist eine Teestunde, die burschikos zurechtgemachte Elektra ist das schwarze Schaf der Familie. In ihrem Agamemnon-Arioso platziert sie nach und nach Pl\u00fcschtiere auf dem Tisch und bastelt sich aus ihren eigenen Klamotten als lebensgro\u00dfe Puppe den Vater, den sie so sehr vermi\u00dft. Klyt\u00e4mnestra wirkt als k\u00f6rperlich ausf\u00e4llige Hausherrin mit lichtem abstehendem Haar so, als habe der Mord an ihrem Mann sie schon fr\u00fch in die Demenz gest\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Bei aller Modernisierung jedoch orientiert der Text sich nah am Libretto. So schwingt Elektra am Schlu\u00df etwa eine Taschenlampe, wenn Aegisth sich von ihrem \u201eLicht\u201c gest\u00f6rt f\u00fchlt. Durch diese Verankerung der griechischen Trag\u00f6die im Realismus des Normalen, erh\u00e4lt der expressiv morbide Text von Hofmannsthal eine ironische Note, das Ganze hat mitunter etwas von einem Spiel im Spiel. Drastische Effekte inklusivem Blut gibt es erst am Schlu\u00df nach den beiden Rachemorden. Die gr\u00f6\u00dfte Abweichung zum Libretto besteht wohl darin, da\u00df Orest am Ende per \u00dcbertext als Serienm\u00f6rder entlarvt wird, der mit dem Geschehen eigentlich gar nichts zu tun hat, und darum dann auch noch Chrysothemis ersticht. Leider steht dieser Einfall recht isoliert da und mag sich nicht recht ins Gesamtkonzept f\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Neben <strong>Violeta Urmanas<\/strong> Klyt\u00e4mnestra entpuppte das <strong>Philharmonische Staatsorchester Hamburg<\/strong> unter <strong>Kent Nagano<\/strong> sich als der Premierenstar, denn so differenziert und zugleich zupackend h\u00f6rt man das ungew\u00f6hnlich gro\u00df besetzte Strauss\u2019sche Elektra-Orchester wohl nur selten. Von hochnerv\u00f6sen psychischen Klangfiguren und Gesten \u00fcber brutale Ger\u00e4uscheffekte bis zu bewu\u00dft kitschigem melodischen Schwelgen \u2013 hier war alles klar zu vernehmen und transportierte zugleich jene rauschhaft expressive Wucht, die dieses Werk so einzigartig macht. Und das mit einer spieltechnischen Sicherheit, Detailversessenheit und Beseeltheit, die immer wieder Erstaunen lie\u00df. Erneut zeigte sich hier, da\u00df <strong>Nagano<\/strong> nicht nur ein Mann f\u00fcr die Moderne ist, sondern auch f\u00fcr gro\u00df besetzte Werke.<\/p>\n<p>Als titelgebende Elektra hinterlie\u00df <strong>Au\u0161rin\u00e9 Stundyt\u00e9<\/strong> einen gemischten Eindruck. Einerseits war sie in den intensiven Momenten ganz da und schleuderte ihre Spitzent\u00f6ne bis in die hintersten Reihen, andererseits gingen vor allem im Parlando und im Mezzoforte viele Feinheiten von Hofmannsthals Text verloren und waren schlicht nicht zu h\u00f6ren. Auch schauspielerisch wirkte sie vergleichsweise zur\u00fcckhaltend, was jedoch genau so gut auch der Regie liegen k\u00f6nnte. Deutlich pr\u00e4senter, weil durchschlagskr\u00e4ftiger, wirkte da <strong>Jennifer Holloway<\/strong> als Elektras Schwester Chrysothemis, die alles in allem intensiver und plastische gestaltete. In einer eigenen Liga spielte an diesem Abend <strong>Violeta Urmanas<\/strong> geistig umnachtete Klyt\u00e4mnestra. Urmana artikulierte mit plastischer Klarheit, die ihresgleichen suchte. Zugleich verstrahlte sie ein \u201awahnsinniges\u2018 Charisma, das sie pr\u00e4destiniert f\u00fcr diese Rolle machte. Der Orest von <strong>Lauri Vasar<\/strong> verstrahlte Autorit\u00e4t, w\u00e4hrend <strong>John Daszak<\/strong> als Aegisth den Spagat zwischen komischer Figur und Mordkomplizen spielend meisterte. Die zahlreichen kleineren Rollen waren allesamt passend besetzt und wu\u00dften zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Am Premierenabend \u00fcbert\u00f6nte der Jubel die vereinzelten Buhs f\u00fcr das Regieteam um. Musikalisch \u00fcberzeugt diese expressive Hamburger Elektra unbedingt, vor allem die Leistung des Orchesters ist hervorzuheben, und auch die Inszenierung wei\u00df zu gefallen.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Au\u0161rin\u00e9 Stundyt\u00e9 (Elektra), Jennifer Holloway (Chrysothemis), Violeta Urmana (Klyt\u00e4mnestra), Luminita Andrei (Vertraute)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Januar 1909 Dresden. 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