{"id":823,"date":"2009-10-08T23:24:46","date_gmt":"2009-10-08T21:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=823"},"modified":"2010-03-21T23:41:04","modified_gmt":"2010-03-21T22:41:04","slug":"bonn-opernhaus-%e2%80%93-ezio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=823","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus \u2013 EZIO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel, Opera seria in drei Akten, Libretto: Pietro Metastasio,  inspiriert von Jean Racines Schauspiel Britannicus. UA: 15. Januar 1732, King\u00b4s Theatre Haymarket,  London, Regie: Aldona Farrugia nach G\u00fcnter Kr\u00e4mer, B\u00fchne: J\u00fcrgen B\u00e4ckmann, Kost\u00fcme: Falk Bauer<br \/>\nDirigent: Andrea Marchiol, Beethoven Orchester Bonn, erweitert mit Theorbe und Cembalo<br \/>\nSolisten: Yosemeh Adjei (Ezio, Countertenor), Mariselle Martinez (Valentiniano, Mezzo), Julia Kamenik (Fulvia, Sopran), Susanne Blattert (Onoria, Mezzo)), Giorgos Kanaris (Massimo, Bariton), Martin Tzonev (Varo, Ba\u00df), Witalij K\u00fchne (Valentiniano II, T\u00e4nzer); T\u00e4nzer<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 4. Oktober 2009 (Premiere, Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-ezio.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/bonn-ezio.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-ezio.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/bonn-ezio.jpg\" \/><\/a>Die Handlung ist im Jahr 451 n.Chr. angesiedelt, die Vorherrschaft des r\u00f6mischen Weltreichs neigt sich dem Ende zu. Der Konsul und Feldherr Ezio (Aetius) Flavius, kehrt siegreich aus der Schlacht gegen die Hunnen unter Attila nach Rom zur\u00fcck. Der kaisertreue K\u00e4mpfer ist den Intrigen am Hof von Kaiser Valentiniano (Valentinianus) nicht gewachsen. Dieser macht Ezio nicht nur seine Braut Fulvia streitig, sondern beschuldigt ihn, angestachelt von seinem intriganten Minister Maximus (Massimo), des Hochverrats und verurteilt ihn zum Tode. Die Hinrichtung erfolgt nur zum Schein. Am Ende, nach Aufl\u00f6sung eines intriganten Komplotts, kann Ezio Fulvia in die Arme schlie\u00dfen und Kaiser Valentiniano entpuppt sich als gn\u00e4diger Herrscher.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nBereits w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre sind die Protagonisten Valentiniano und Ezio auf der Vorderb\u00fchne: Ezio tr\u00e4gt einen heutigen Kampfanzug, dazu einen Stahlhelm. Er ist blutverschmiert und h\u00e4lt in der Hand eine durchsichtige Plastikt\u00fcte, darin &#8211; ein abgeschlagener menschlicher Kopf. Kaiser Valentiniano steht vor einem Spiegel und bewegt sich wie ein T\u00e4nzer bei Tanz\u00fcbungen. Als sich die B\u00fchne nach hinten weiter \u00f6ffnet, sieht man eine S\u00e4ulengalerie. Diesen Raum bev\u00f6lkert das Personal des St\u00fcckes. Alle sind elegant in einen Frack gekleidet. Fulvia tr\u00e4gt ein Abendkleid, Onoria ein kn\u00f6chellanges Kost\u00fcm.<br \/>\nDie Rolle des Kaisers Valentiniano wurde gedoppelt:  Einen Part \u00fcbernimmt die Altistin Mariselle Martinez. Sie charakterisiert die besonnene Seite des Kaisers. Den anderen verk\u00f6rpert der T\u00e4nzer Witalij K\u00fchne. Er stellt die Aggressionen des Kaisers gegen seine H\u00f6flinge dar.<br \/>\nDer Heimkehrer Ezio wird von allen bewundert. Gemeinsam s\u00e4ubert der Hofstaat ihn in einer Badewanne vom Blut des Schlachtfeldes. Am Ende legt man ihm w\u00e4hrend er die Arie <em>Se la mia vita dono \u00e8 Augosto \u2013 Wenn das Leben ein Geschenk von Augustus ist<\/em> singt, einen Frack an. Nun geh\u00f6rt er optisch zur h\u00f6fischen Gesellschaft. Im ersten Akt steht ein Panzer auf der B\u00fchne. Ezio erklimmt ihn, um <em>Se fedele mi brama \u2013 wenn ich mich noch Treue sehne<\/em> bravour\u00f6s zu singen (Sonderapplaus). Im dritten Akt h\u00e4ngt das Kriegsfahrzeug an Stahlseilen in dem von Nebelschwaden erf\u00fcllten B\u00fchnenhimmel. Die f\u00fcnf (nicht bei H\u00e4ndel\/Metastasio vorgesehene) T\u00e4nzer, die H\u00f6flinge und K\u00e4mpfer darstellen, erg\u00e4nzen tanzend fast alle Arien. Mit der Zeit bekommt diese Aktion gewisse stereotype Z\u00fcge. Waffen, in der Hinterhand gehalten, und maskenhafte Freundlichkeit symbolisieren das h\u00f6fische Intrigenspiel. Die Hinrichtungsszene im letzten Akt bleibt hinter einer schwarzen, d\u00fcsteren Wand verborgen, auf die der Valentiniano-T\u00e4nzer mit Kreide mehr und mehr Namen schreibt. Doch es ist eben nur eine Scheinhinrichtung. Ezio \u00fcberlebt und im Schlu\u00dfbild regnet es Rosenbl\u00e4tter.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDer Countertenor <strong>Yosemeh Adjei<\/strong> ist ein Gl\u00fccksfall der Besetzung. Mit Bravour bew\u00e4ltigte er die Vielzahl seiner Arien und ist auch schauspielerisch gut. <strong>Julia Kamenik<\/strong> (Fulvia) verf\u00fcgt \u00fcber einen wundersch\u00f6nen Sopran, den sie leider im Gegensatz zu ihm nicht besonders an barocker Literatur geschult hat und entsprechend \u201emodern\u201c einsetzt. <strong>Mariselle Martinez<\/strong> (Mezzo) beeindruckte nachhaltig. <strong>Susanne Blattert<\/strong>, <strong>Giorgos Kanaris<\/strong>, sowie <strong>Martin Tzonev<\/strong> singen ihre Partien \u00fcberzeugend. Das <strong>Orchester der Beethovenhalle<\/strong> wurde von einem mit barocker Musik vertrauten <strong>Andrea Marchiol<\/strong> (er war u.a. Assistent von Thomas Hengelbrock und Ren\u00e9 Jacobs) geleitet. Besonders die zweite H\u00e4lfte der Oper nahm die Zuschauer mit ihrer aufbl\u00fchenden Interpretation gefangen. Theorbe und Bl\u00e4ser gaben ihr bestes.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine h\u00f6renswerte Auff\u00fchrung. Auf der B\u00fchne sieht man allerdings keine Barockoper. Die f\u00fcr eine Barockoper typischen Arien wurden von den S\u00e4ngern eindrucksvoll gesanglich gestaltet. Hervorzuheben ist <strong>Yosemeh Adjei<\/strong>, der auf sehr hohem Niveau zu erleben war. Die Regie trug mitunter durch grelle Effekte (Kopf in der Plastikt\u00fcte und \u00e4hnliches) reichlich dick auf. Streng genommen w\u00e4re das Kriegsfahrzeug (Panzer) entbehrlich gewesen; denn Ezios blutverschmiertes Schwert und andere Waffen sprechen ohnehin die Sprache der Gewalt.<br \/>\nFelizitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Yosemeh Adjei (Ezio; von hinten), Witalij K\u00fchne (Valentiniano Double), Mariselle Martinez (Valentiniano)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel, Opera seria in drei Akten, Libretto: Pietro Metastasio, inspiriert von Jean Racines Schauspiel Britannicus. UA: 15. 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