{"id":8227,"date":"2021-11-13T18:39:27","date_gmt":"2021-11-13T17:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8227"},"modified":"2021-11-13T18:39:27","modified_gmt":"2021-11-13T17:39:27","slug":"siegfried-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8227","title":{"rendered":"Siegfried &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen, Text: Richard Wagner UA: 16. August 1876 Bayreuth<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchnenbild: Stefan Herheim und Silke Bauer, Kost\u00fcme: Uta Heiseke, Licht: Ulrich Niepel, Video-Design: Torge M\u00f8ller, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach und J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Clay Hilley (Siegfried), Ya-Chung Huang (Mime), Iain Paterson (Wanderer), Tobias Kehrer (Fafner), Judit Kutasi (Erda), Nina Stemme (Br\u00fcnnhilde), Sebastian Scherer (Waldvogel)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. November 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Berlin-Siegfried_007ahf_Hilley.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8228\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Berlin-Siegfried_007ahf_Hilley.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Berlin-Siegfried_007ahf_Hilley.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Berlin-Siegfried_007ahf_Hilley-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Siegfried, der Sohn der Geschwister Siegmund und Sieglinde, wird von Alberichs Bruder, dem Zwerg Mime, einsam im Wald aufgezogen. Mimes heimliches Ziel ist es, den starken und furchtlosen J\u00fcngling gegen den Drachen Fafner aufzustacheln, damit er ihn t\u00f6te und seinem Ziehvater so den Ring verschaffe. Doch Siegfried begehrt gegen Mime auf und wird zunehmend unkontrollierbar. Er zwingt ihn, ihm den Namen seiner Mutter zu nennen und schmiedet sich aus den Tr\u00fcmmern des Schwertes Nothung ein neues Schwert, mit dem er sich zur Drachenh\u00f6hle aufmacht. Als er den Riesenwurm Fafner get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt nun auch die List und Berechnung Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildefelsen, um dort die Walk\u00fcre zu erwecken. Den Weg dorthin versperrt ihm der Wanderer, der durch die Menschenwelt streifende Gott Wotan, und es kommt zum Kampf. Wotans Speer, der ihm die Macht \u00fcber die Welt sicherte, wird zerschlagen und seine Herrschaft neigt sich damit dem Ende zu. Siegfried durchbricht den Feuerkreis, weckt Br\u00fcnnhilde und beide entbrennen in Liebe zu einander.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Alle drei Aufz\u00fcge spielen sich inmitten eines Gebirges aus Koffern ab. Im ersten Aufzug hebt sich die B\u00fchne und man erblickt Mime in seiner Werkstatt, der wie eine Karikatur von Richard Wagner aussieht. Blechblasinstrumente h\u00e4ngen von der Decke. In allen Aufz\u00fcgen wird, wie in den vorigen Teilen des <em>Ring<\/em> auch, eine Partitur des St\u00fcckes herumgereicht, die die S\u00e4nger gelegentlich aufschlagen und am Ende zerfetzen. Siegfried tritt im historischen Kost\u00fcm auf und auch der Wanderer sieht so aus, wie man ihn aus \u00e4lteren Inszenierungen kennt. Br\u00fcnnhilde hat in Unterw\u00e4sche zu singen und Alberich erscheint wieder in seiner Maske als b\u00f6ser Clown oder Joker. Beeindruckend ist der Drachen, der die gesamte B\u00fchne einnimmt. Neben den Koffern als B\u00fchnenelement und dem Fl\u00fcgel in der B\u00fchnenmitte werden in dieser <em>Ring<\/em>-Inszenierung h\u00e4ufig gro\u00dfe Seident\u00fccher verwendet, die entweder durch die Luft zu schweben scheinen oder als Videoprojektionsfl\u00e4che schnell aufgezogen werden. Das ist jedoch nicht ganz ohne Risiko, denn, wie an diesem Abend geschehen, diese T\u00fccher k\u00f6nnen sich dabei in den Kulissen verhaken, was dann S\u00e4nger und B\u00fchnentechniker zum schnellen Improvisieren zwingt. Etliche Aktionen, die in Wagners Textbuch vorgeschrieben sind, bekommt man zu sehen, einige aber nicht. Statt eines B\u00e4ren hetzt Siegfried beispielsweise Alberich auf seinen Ziehvater Mime, statt mit seinem neugeschmiedeten Schwert den Ambo\u00df zu zerteilen stellt sich Siegfried vor eine gigantische Weltkarte, Wotans Speer wird von vielen Figuren spielerisch gef\u00fchrt, Erda ist, wie schon im Rheingold, die Souffleuse, die Wotan auf die B\u00fchne holt usw. Die Statisten, die stumm dem Spiel der Hauptfiguren folgen, erscheinen erst im letzten Aufzug und haben sich wieder einmal ihrer Kleider zu entledigen, w\u00e4hrend Siegfried und Br\u00fcnnhilde singen. Mehr szenische Einzelheiten werden in der Gesamtkritik des neuen Berliner <em>Rings<\/em> besprochen werden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sir Donald Runnicles<\/strong> hatte an diesem Abend ein paar stimmstarke S\u00e4nger auf der B\u00fchne, und das dynamische Niveau lag dementsprechend h\u00f6her als in den vergangenen beiden Teilen. Die Schmiedelieder Siegfrieds im ersten Aufzug lie\u00dfen an Kraft und Wucht nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Im dritten Aufzug, der ja st\u00e4rker instrumentiert ist als die vorigen, r\u00fcckte das Orchester dann klanglich in den Vordergrund. Die orchestralen Nebenstimmen und Details, an denen die letzten vier Aufz\u00fcge der Tetralogie reicher sind als die \u00fcbrigen, wurden herausgehoben. Eine wenig hektisch ging es am Beginn des ersten Aufzugs zu. Siegfrieds erste Szene mit Mime und der Anfang der Wandererszene wurden recht schnell genommen, so da\u00df manche Eins\u00e4tze von S\u00e4ngern und Instrumenten rhythmisch nicht ganz auf dem Punkt waren. Auch das Wanderer-Thema wollte bei den ersten Malen noch nicht recht leuchten.<\/p>\n<p>Der S\u00e4nger der Titelrolle <strong>Clay Hilley<\/strong> kann ohne \u00dcbertreibung als Idealbesetzung f\u00fcr diese Rolle angesehen werden. Darstellerisch nimmt man ihm den naiven und energischen jungen Helden ab. Er versteht es, die komischen Momente seiner Partie herauszustellen, ohne seine Figur der L\u00e4cherlichkeit preiszugeben. Und dann ist da nat\u00fcrlich seine Stimme. Scheinbar m\u00fchelos und sicher nimmt diese die hohen und lauten Passagen seiner Partie, wei\u00df dabei dynamisch und klanglich zu nuancieren, und hat eine ausgezeichnete Aussprache. Es war wirklich eine Freude, ihm den Abend \u00fcber zuzusehen und zuzuh\u00f6ren. <strong>Nina Stemme<\/strong> (Br\u00fcnnhilde) ist ihm als Partnerin s\u00e4ngerisch ebenb\u00fcrtig und so konnte man das laute und musikalisch nicht ganz unproblematische \u201eDuett\u201c der beiden am Ende des <em>Siegfried<\/em> bestaunen, bei dem trotz der blechgepanzerten Begleitung immer noch differenziert musikalisch abgestuft wurde. <strong>Iain Paterson<\/strong> (Wanderer) konnte seine Rolle einheitlich durchgestalten. Auch seine Aussprache ist ausgezeichnet, seine Stimme tr\u00e4gt und seine w\u00fcrdevolle Ausstrahlung wurde nicht durch ironische Momente durchbrochen. <strong>Ya-Chung Huang<\/strong> als Mime geh\u00f6rte zu Recht zu den Darstellern, die an diesem Abend den meisten Applaus einheimsten. Auch er spricht wunderbar deutlich und hatte in seinem grotesken Kost\u00fcm viele, oft hektische Aktionen auszuf\u00fchren. Man kann die Personenregie der bisher erw\u00e4hnten Figuren als konventionell oder vielleicht sogar als altert\u00fcmlich bezeichnen. Die Entscheidung, den Waldvogel von einem Kind (<strong>Sebastian Scherer<\/strong>) singen zu lassen, ist allerdings zu hinterfragen. Gewi\u00df, in einem fr\u00fchen Stadium seiner Arbeit an dem St\u00fcck hatte Wagner die Idee, diese Rolle mit einem Knaben zu besetzen. Aber die Partie ist dann doch zu schwer f\u00fcr ein Kind, wie man an diesem Abend h\u00f6ren konnte. Sebastian Scherer sang, so gut man in seinem Alter \u00fcberhaupt nur singen kann, vor allem die h\u00f6chsten T\u00f6ne. Doch einige Silben und kurze T\u00f6ne in mittlerer Lage kamen nicht heraus. Erschwerend hinzu kam die recht mystische Regieidee, den Waldvogel als blutendes Kind darzustellen, das von Siegfried aus irgendeinem Grund gequ\u00e4lt wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dies war die letzte Premiere des neuen Berliner <em>Ring<\/em>, und die Inszenierung ist vielleicht von allen vier Dramen diejenige, die sich am engsten an die originale Handlung h\u00e4lt. Von den S\u00e4ngern her ist dieser Teil am st\u00e4rksten besetzt, es gibt ausschlie\u00dflich hervorragende Leistungen zu bewundern. Die Wechsel der Szenerie sind gelungen \u2013 bis auf die erw\u00e4hnte Panne \u2013, es gibt wie in den anderen Teilen auch heitere Momente, die im <em>Siegfried<\/em> allerdings eher am Platze sind, und in die ersten beiden Aufz\u00fcge waren im besten Sinne des Wortes kurzweilig. Die letzte gut halbst\u00fcndige Szene hatte jedoch ihre L\u00e4ngen, denn hier geschah im Grunde nichts anderes, als da\u00df die S\u00e4nger aus der <em>Siegfried<\/em>-Partitur sangen und sich die Statisten auszogen. Zwar versuchten beide S\u00e4nger, die schwierige Ann\u00e4herung Br\u00fcnnhildes an Siegfried mimisch nachvollziehbar zu gestalten, es wollte aber nicht recht gelingen. Alles in allem: Dieser Teil des <em>Ring<\/em> ist szenisch so gestaltet und s\u00e4ngerisch so gut besetzt, da\u00df man \u00fcber einzelne Schw\u00e4chen und Manierismen dieser Inszenierung hinwegsehen kann. Die gro\u00dfe Spielfreude, die dieser Produktion zu eigen ist, traf hier auf ein St\u00fcck, zu dem sie gut pa\u00dft, die Schlu\u00dfszene ausgenommen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Clay Hilley (Siegfried), Waldvogel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen, Text: Richard Wagner UA: 16. 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