{"id":8223,"date":"2021-11-10T16:52:43","date_gmt":"2021-11-10T15:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8223"},"modified":"2021-11-10T16:53:23","modified_gmt":"2021-11-10T15:53:23","slug":"das-rheingold-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8223","title":{"rendered":"Das Rheingold &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Vorabend in vier Szenen zu dem B\u00fchnenfestspiel <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Text: R. Wagner, UA: 2. September 1869, \u00a0M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchnenbild: Stefan Herheim und Silke Bauer, Kost\u00fcme: Uta Heiseke, Licht: Ulrich Niepel, Video-Design: Torge M\u00f8ller, Spielleitung: Constanze Weidenknecht und Philine Tiezel, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach und J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin<\/p>\n<p>Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Markus Br\u00fcck (Alberich), Derek Welton (Wotan), Annika Schlicht (Fricka), Valeriia Savinskaia (Woglinde), Arianna Manganello (Wellgunde), Karis Tucker (Flo\u00dfhilde), Joel Allison (Donner), Attilio Glaser (Froh), Thomas Blondelle (Loge), Ya-Chung Huang (Mime), Andrew Harris (Fasolt), Tobias Kehrer (Fafner), Flurina Stucki (Freia), Judit Kutasi (Erda)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. November 2021 (Premiere des gesamten <em>Ring<\/em>-Zyklus)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Rheingold_096hf_HarrisBlondelleKehrerSchlichtStuckerWeltonLehman.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8224\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Rheingold_096hf_HarrisBlondelleKehrerSchlichtStuckerWeltonLehman.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Rheingold_096hf_HarrisBlondelleKehrerSchlichtStuckerWeltonLehman.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/DOB-Rheingold_096hf_HarrisBlondelleKehrerSchlichtStuckerWeltonLehman-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Wotan hat den Riesen Fasolt und Fafner die G\u00f6ttin Freia als Lohn f\u00fcr den Bau der G\u00f6tterburg versprochen. Da die G\u00f6tter jedoch von Freias \u00c4pfeln essen m\u00fcssen, um ihre ewige Jugend zu behalten, versucht er mit ihnen zu verhandeln. Dabei hilft ihm Loge, der berichtet, da\u00df der Nibelung Alberich aus dem Rheingold einen Ring geschmiedet habe, der ihm unerme\u00dfliche Macht verleiht, indem er die Liebe verflucht habe. Diese Macht nutze er nun, um sein Volk zu knechten, das ihm Sch\u00e4tze sch\u00fcrfen und schmieden m\u00fcsse. Die Riesen willigen ein, Freia gegen den Schatz des Nibelungen zu tauschen, und Loge und Wotan begeben sich nach Nibelheim, wo sie Zeuge von Alberichs Schreckensherrschaft werden, der ihnen seinen Plan verr\u00e4t, mit dem Gold der Nibelungen sich die gesamte Welt zu unterwerfen. Loge gelingt es durch eine List, Alberich zu fesseln und gemeinsam mit Wotan zwingt er ihn, ihnen seinen Schatz, einen Tarnhelm und den Ring, auszuh\u00e4ndigen. Daf\u00fcr belegt Alberich den Ring mit einem Fluch, der seinem Tr\u00e4ger den Tod bringen soll. Die Riesen bestehen auf der \u00dcbergabe des gesamten Schatzes zusammen mit dem Ring, den Wotan nicht herzugeben bereit ist. Erst nachdem die G\u00f6ttin Erda ihn vor dem Ring warnt und ihm das Ende der G\u00f6tter prophezeit, wird der Tausch vollzogen. Fafner erschl\u00e4gt seinen Bruder Fasolt, um an den Ring zu kommen und die G\u00f6tter ziehen in ihre Burg ein, die von Wotan den Namen Walhall erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle werden nur einige Momente der Auff\u00fchrung beschrieben. Die Inszenierung als Ganze wird eingehender in einer abschlie\u00dfenden Bewertung des gesamten neuen Berliner <em>Rings<\/em> besprochen werden. Die B\u00fchne ist offen, als die Zuschauer ihre Pl\u00e4tze einnehmen, und sobald eine Gruppe mit Koffern die B\u00fchne betritt, kehrt Ruhe ein. Das Orchester beginnt mit dem Vorspiel. Die Gruppe Statisten, die sich h\u00e4ufig auf der B\u00fchne aufhalten, plazieren ihre Koffer unter einem Fl\u00fcgel in der B\u00fchnenmitte und ziehen sich bis auf die Unterw\u00e4sche aus, w\u00e4hrend die Rheint\u00f6chter, die sich unter den Reisenden oder Fl\u00fcchtenden befinden, zu singen beginnen. Alberich ist ebenfalls Teil der Gruppe. Er schminkt sich eine Clownsmaske bevor er seinen ersten Einsatz hat. Die Statisten haben mehrere Funktionen. Entweder sie verdoppeln den gesungenen Textinhalt pantomimisch oder sie werden zur szenischen Dekoration und deuten etwa die Wogen des Rheins an. Die G\u00f6tter und Riesen sind Karikaturen. Freia hat zwei riesige goldene \u00c4pfel vor der Brust h\u00e4ngen, Donner und Froh sehen wie zwei Tanzmusiker in wei\u00df aus. Sie alle agieren \u00fcbertrieben und ironisch. Mime sieht aus wie Richard Wagner und schmiedet seinem Bruder Alberich einen Helm, mit dem der, den Hitlergru\u00df entbietend, Nibelheim kurzerhand in eine faschistische Diktatur verwandelt. Loge hat gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit Gustaf Gr\u00fcndgens (Mephisto), spielt aber wesentlich holzschnittartiger. Wotan und Fricka versuchen seri\u00f6s zu wirken, was bei den zahlreichen selbstironischen Scherzen \u2013 Erda ist die Souffleuse, die den G\u00f6ttern die <em>Ring<\/em>-Handlung erkl\u00e4rt, Wotan steigt ihr anschlie\u00dfend in Unterw\u00e4sche nach \u2013 nicht gerade einfach ist.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sir Donald Runnicles<\/strong> l\u00e4\u00dft es eher leise angehen. Die Kl\u00e4nge aus dem Orchester sind immer rund und durchgestaltet, die Akzente \u2013 also in erster Linie die Orchesterzwischenspiele \u2013 werden klar gesetzt und den W\u00fcnschen der S\u00e4nger wird entsprochen. Mitunter wird das Tempo daher schnell angezogen, wenn ein S\u00e4nger davonzueilen droht. Vielleicht k\u00f6nnte man an einigen Stellen etwas mehr riskieren und die Kr\u00e4fte dieses gro\u00dfbesetzen Klangk\u00f6rpers entfesseln auf die Gefahr hin, da\u00df er etwas roher klingen d\u00fcrfte. Wie auch immer, das Orchester stellt die solide musikalische Basis dieses Abends dar, w\u00e4hrend die s\u00e4ngerischen Leistungen ein wenig heterogen waren. Beginnen wir mit den gegl\u00fcckten Leistungen dieses Abends: <strong>Derek Walton<\/strong> (Wotan) spielt und singt seine Rolle, so ihn die Regie denn l\u00e4\u00dft, ruhig und w\u00fcrdevoll. Seine Stimme und Aussprache passen ausgezeichnet dazu. <strong>Thomas Blondelle<\/strong> (Loge) hat die vielleicht dankbarste Partie im <em>Rheingold<\/em>. Seine Aussprache und Mimik sind \u00fcberaus deutlich, seine K\u00f6rpersprache einheitlich diabolisch und sehr beweglich, seine Stimme tr\u00e4gt gut. Allerdings hat er wie alle Darsteller so viele Aktionen auszuf\u00fchren, da\u00df er vor lauter Agieren mit dem Text durcheinanderkommt. Das geschieht auch anderen S\u00e4ngern an diesem Abend!<\/p>\n<p>Die beiden S\u00e4nger der Riesen, <strong>Andrew Harris<\/strong> (Fasolt) und <strong>Tobias Kehrer<\/strong> (Fafner), sehen aus wie Landstreicher in skandinavischen Kinderfilmen. Aber sie verf\u00fcgen beide \u00fcber eine volumin\u00f6se Ba\u00dfstimme. Sie haben eine wohltuend klare Diktion. Letzteres l\u00e4\u00dft sich auch \u00fcber <strong>Annika Schlicht<\/strong> (Fricka) und auch <strong>Flurina Stucki<\/strong> (Freia) sagen, die die wenigen kantablen Partien im <em>Rheingold<\/em> sch\u00f6n und ausgewogen vortragen.<\/p>\n<p><strong>Ya-Chung Huang<\/strong> sang sehr gut, hatte aber durch seine steife Wagnermaske keine M\u00f6glichkeit, seine Rolle als Mime irgendwie mimisch zu gestalten. \u00dcberraschend fielen an diesem Abend mehrere Textschw\u00e4chen auf, u.a. bei <strong>Markus Br\u00fcck<\/strong> (Alberich) und <strong>Joel Allison<\/strong> (Donner). Br\u00fcck kann durchaus laute, wohlklingende T\u00f6ne produzieren, wozu diese Partie allerdings nicht angetan ist. Hier k\u00e4me es auf eine sprecherische Gestaltung der Vokallinien an; vielleicht w\u00fcrde sich hier eher ein gellender denn ein heiserer Ton anbieten, den er mitunter anschl\u00e4gt. Seinen Text hat man nicht sonderlich gut verstanden. Auch an der Aussprache der Rheint\u00f6chter w\u00e4re noch etwas zu verbessern.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit der ersten vollst\u00e4ndigen Auff\u00fchrung des neuen Berliner <em>Ring<\/em> \u2013 die Produktionen der <em>Walk\u00fcre<\/em> (s. OPERAPOINT 28.09.2020) und der <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> (s. OPERAPOINT 21.10.2021) haben wir bereits besprochen \u2013 werden sich einige szenische Zusammenh\u00e4nge zwischen den vier Teilen vielleicht kl\u00e4ren \u2013 oder auch nicht. Die Rolle der Komparsen bleibt nach wie vor im Dunkeln. Handelt es sich um Emigranten, um Fl\u00fcchtlinge oder um Menschen, die deportiert werden? Warum befinden sich Alberich und die Rheint\u00f6chter unter ihnen? Wie auch immer, s\u00e4mtliche Akteure, einschlie\u00dflich der stummen Partien, spielen ihre Rollen mit Hingabe. Die Inszenierung ist vom B\u00fchnenbild her sehr abwechslungsreich wie es sich f\u00fcr den Vorabend der Tetralogie mit seinen st\u00e4ndigen Schauplatzwechseln auch geh\u00f6rt. Die szenischen Aktionen halten durchweg ein hohes Tempo. Anders gesagt: Die Angst der Regie vor szenischem Stillstand ist mit H\u00e4nden zu greifen. St\u00e4ndig wird zu einer Orchesterpassage getanzt, der Fl\u00fcgel traktiert, \u00fcbertrieben gestikuliert oder die <em>Rheingold<\/em>-Partitur herumgereicht. Dieses Spiel mit zahlreichen Metaebenen und die ruhelose Personenregie ist der Verst\u00e4ndlichkeit der Inszenierung nicht gerade zutr\u00e4glich. Sie macht es auch den S\u00e4ngern schwer, eine Rolle zusammenh\u00e4ngend zu gestalten und selbst der Orchestervortrag scheint, zumindest in der Wahrnehmung aus dem Zuschauerraum, an der hyperaktiven Regie zu leiden. Zu vieles ist wie in einem Trickfilm oder im alten Vaudevilletheater musikalisch-szenisch exakt zu koordinieren, zu viele szenische Einf\u00e4lle st\u00f6ren die Entwicklung einer musikalischen oder erz\u00e4hlerischen Linie. Das Publikum hatte seine Freude an den guten s\u00e4ngerischen Leistungen an diesem Abend. Bei einigen Aktionen auf der B\u00fchne war aber ein berechtigtes St\u00f6hnen aus dem Zuschauerraum zu vernehmen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Andrew Harris (Fasolt), Thomas Blondelle (Loge), Tobias Kehrer (Fafner), Annika\u00a0Schlicht (Fricka), Flurina Stucki (Freia), Derek Welton (Wotan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Vorabend in vier Szenen zu dem B\u00fchnenfestspiel Der Ring des Nibelungen, Text: R. Wagner, UA: 2. 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