{"id":8219,"date":"2021-10-30T12:24:41","date_gmt":"2021-10-30T11:24:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8219"},"modified":"2021-11-03T12:35:52","modified_gmt":"2021-11-03T11:35:52","slug":"giovanna-darco-rom-teatro-dellopera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8219","title":{"rendered":"Giovanna d&#8217;Arco &#8211; Rom, Teatro dell&#8217;Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Verdi, Giuseppe (1813-1901), Dramma lirico in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Temistocle Solera nach Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller, UA: 15. Februar 1845, Teatro alla Scala, Mailand<\/p>\n<p>Regie: Davide Livermore, B\u00fchne: Michele Della Cioppa<\/p>\n<p>Dirigent: Daniele Gatti, Orchester, Chor Chorleiter: Roberto Gabbiani, Corpo di Ballo: Eleonore Abbagnato<\/p>\n<p>Solisten: Nino Machaidze (Giovanna), Francesco Meli (Carlo VII), Roberto Frontali (Giacomo), Dmitry Beloselskiy (Talbot)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Oktober 2021, Teatro Costanzi, Rom (Premiere 17. 10. 2021)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Rom-Giovanna.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8220\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Rom-Giovanna.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Rom-Giovanna.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Rom-Giovanna-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung <\/strong><\/p>\n<p>Temistocle Solera hatte schon die Libretti f\u00fcr <em>Nabucco<\/em> und <em>Die Lombarden<\/em> geschrieben. Er war damals in Italien der anerkannteste Librettist. Verdi hatte ihn daher auch gern f\u00fcr die neue Oper engagiert. Es war Verdis ausdr\u00fccklicher Wunsch, ein oratorienhaftes Werk herauszugeben, wobei er sich an den Stil von Rossinis Oper <em>Mos\u00e8 in Egitto<\/em> aus dem Jahre 1818 hielt. Insgesamt wollte das Mail\u00e4nder Publikum monumentale historische Szenen erleben. Und hier bot er diese ihm.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Prolog wird vom hundertj\u00e4hrigen Krieg der franz\u00f6sischen Krone mit den englischen Vasallen berichtet, wie der franz\u00f6sische K\u00f6nig Charles VII. durch die Sch\u00e4ferstochter Giovanna d\u2019Arco (Johanna von Orleans) davon abgehalten wird, abzudanken. Giovanna fordert ihn dagegen auf, mit ihr in die Schlacht gegen die englischen Vasallen zu ziehen. Doch Giovannas Vater Giacomo verspricht dem englischen Heerf\u00fchrer Talbot, ihm seine Tochter auszuliefen, die er ohnehin f\u00fcr eine Hexe h\u00e4lt. Nachdem die Franzosen \u00fcber die Engl\u00e4nder gesiegt hatten, bittet Charles VII. Giovanna bei ihm, der sie liebt, zu bleiben. Giovanna akzeptiert diesen Wunsch und begleitet Charles VII. zur Kr\u00f6nung in die Kathedrale nach Reims.<\/p>\n<p>Als dann die Menge Giovanna zujubelt und Charles VII. sie zur Schutzpatronin Frankreichs ausruft, will ihr Vater das \u2013 wie er meint \u2013 gottesl\u00e4sterliche Treiben beenden und beschuldigt sie vor der Menge der Hexerei. Giovanna sagt nichts zu ihrer Verteidigung, da sie sich schon lange wegen ihrer Liebe zu Charles VII. schuldig f\u00fchlt. Ein Gewittersturm scheint ihre Schuld zu best\u00e4tigen. Sie wird an die Engl\u00e4nder ausgeliefert. W\u00e4hrend einer erneuten Schlacht mit den englischen Vasallen wendet sich das Schlachtgl\u00fcck erst als Giovannas Fesseln gel\u00f6st werden, so da\u00df sie in die Schlacht mit eingreifen kann. Aber sie wird dabei t\u00f6dlich verwundet und stirbt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die riesige B\u00fchne zeigt eine in konzentrischen Kreisen stufig emporsteigende B\u00fchne. Dar\u00fcber h\u00e4ngt eine ziemlich gro\u00dfe Weltkugel, die im Verlauf der Oper die Bilder nach dem Operninhalt abwechselte. So erblickt man zu Anfang eine Karte mit L\u00e4ndern, die aber nicht das damalige Frankreich zur Zeit des hundertj\u00e4hrigen Kriegs Frankreichs mit den englischen Vasallen aufwies. Viele der gezeigten Bilder sind leider nicht identifizierbar. Auf dieser B\u00fchne, die w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung immer gleich bleibt, konnte man den Auftritt und das Weggehen von englischen und franz\u00f6sischen Kriegern erblicken. Leider waren die englischen und die franz\u00f6sischen Truppen wegen ziemlich \u00e4hnlicher Kleidung kaum zu unterscheiden. So war die Anwesenheit der unterschiedlichen gegnerischen Truppen nur dann zu verstehen, wenn man aufmerksam der in englischer und italienischer Sprache notierten \u00dcbertiteling folgte. Das war nicht immer m\u00f6glich!<\/p>\n<p>Die Regie hatte den Einfall, die B\u00fchne mit \u201eEngeln\u201c zu f\u00fcllen. Das waren Personen, die auf ihrem R\u00fccken riesige Fl\u00fcgel trugen, die oft im glei\u00dfenden wei\u00dfen Licht aufleuchteten. K\u00f6nig Carlo VII. trug einen mit der Bourbonenlilie geschm\u00fcckten langen k\u00f6nigsblauen Mantel. Giovanna d\u2019Arco war in ein fu\u00dflanges Gewand von wei\u00dfer Farbe gekleidet. Von Zeit zu Zeit hatte sie zus\u00e4tzlich einen goldenen Brustpanzer angelegt, der ihre k\u00e4mpferische Haltung anzeigte. Die dritte Person, die sich in dieser Oper als Hauptperson entpuppte, war Giovannas Vater Giacomo, ein Hirt aus dem Dorf Domr\u00e9my (Departement Vosges). Er tr\u00e4gt einen halblangen schwarzem Ledermantel, wollene Hose mit Hosentr\u00e4gern und am Hals offenem karierten Hemd. Das Gesicht ziert ein Bart nach heutiger M\u00e4nnermode. Erw\u00e4hnenswert ist es noch, da\u00df nach der heute \u00fcblichen Regieeinfall Giovanna von einer Doppelg\u00e4ngerin als T\u00e4nzerin begleitet wird, die mit gro\u00dfen Spr\u00fcngen wohl die gedachten Bewegungen Giovannas zeigten. Hinzu kam \u2013 wom\u00f6glich um die oratorienhafte Oper zu beleben, das permanente Auftreten des Balletts. \u00dcberhaupt \u00e4hnelte die Darstellung oft einer Ballettvorstellung, wobei anzumerken ist, da\u00df im Libretto nirgendwo ein Ballett auch nur angedeutet ist.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst pr\u00e4zis erklingt in der Sinfonie \u00fcber dem Streicherchor eine Fl\u00f6te, die stets die Vergegenw\u00e4rtigung der Weiblichkeit vermitteln soll. Dirigent <strong>Daniele Gatti<\/strong> f\u00fchrt mit sicherer Hand das <strong>Orchestra des Teatro dell\u2018 Opera<\/strong>. Der Fl\u00f6tist besitzt auch den geforderten Erz\u00e4hlton. Es ist die Liebe zwischen dem franz\u00f6sischen K\u00f6nig Carlo VII. und der einfachen, aber ungemein temperamentvollen Sch\u00e4ferin aus Domr\u00e9my. Dann beginnt im Andante pastorale der Fl\u00f6tist <strong>Marco Enrico Macalli<\/strong> mit einer reizenden Melodie, die alsbald von einer Klarinette in Terzen und Sexten begleitet wird. Die Liebe von Johanna von Orleans und K\u00f6nig Carlo VII. wird hier musikalisch beschrieben. Gatti gelingt es, uns dieses \u201eGem\u00e4lde\u201c plastisch und eindrucksvoll darzubieten. Es folgt der Eingangschor, der mit \u00fcberw\u00e4ltigender Dynamik die einzelnen \u00a0gegnerischen Soldatentrupps vorstellt. Es mu\u00df hervorgehoben werden, da\u00df der Chor einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Eindruck im gesamten Verlauf der Oper hierlie\u00df.<\/p>\n<p>Der beeindruckendste S\u00e4nger war zweifellos der aus Genova stammende <strong>Francesco Meli<\/strong> als Carlo VII). Seine Tenorstimme ist klar, klangsch\u00f6n, nie, auch bei Forcierung, aufdringlich, mit einem Wort, eine Stimme besitzt nicht irgendwelche Fehler. Es ist eine Freude, ihn im Gesang zu erleben. Er beginnt mit <em>Amici, v\u2019appressate \u2013 Freunde, kommt herbei, dies ist der letzte Befehl des K\u00f6nigs<\/em>. Seine Stimme klingt hier sehr hell. In seinem Auftrittsgesang wird seine Stimme auch vom Tutti des Orchesters nicht \u00fcberdeckt und in den H\u00f6henlagen wird sie nicht scharf. Die Stimme bleibt immer sonor und klangvoll. Mit lebhaftem langem Applaus bedankt sich das Publikum.<\/p>\n<p>Mit <em>Sempre all\u2018 alba ed alla sera \u2013 am Morgen wie am Abend richte ich stets mein Gebet an dich<\/em> erleben wir die Georgierin <strong>Nino Machaidze<\/strong> als Giovanna d\u2019Arco \u2013 Johanna von Orl\u00e9ans. Ihre Auftrittsarie wird vom Verschleifen der Silben so in ihrer Intonation getr\u00fcbt, da\u00df kaum Freude f\u00fcr ihre sonst sch\u00f6n timbrierte Stimme aufkommt. Erst gegen Ende der Oper erh\u00e4lt ihre Stimme den Reiz, den ich von fr\u00fcheren Auftritten der S\u00e4ngerin habe.<\/p>\n<p>Ihr Vater Giacomo (Roberto Frontali) betritt die B\u00fchne mit <em>Franco son io, ma in core m\u2019\u00e8 prima patrice amore \u2013 ich bin Franzose, doch meinem Herzen ist die Ehre wichtiger als das Vaterland<\/em>. Seiner Stimme gibt er so reichlich Vibrato, da\u00df damit die Wortverst\u00e4ndlichkeit arg getr\u00fcbt wird. Es scheint mir, da\u00df viele Baritone heute diese All\u00fcre haben. Ihre Stimmen werden damit nicht eing\u00e4ngiger und klarer, sondern eher undeutlich. Eigentlich schade, weil daher sein mit Temperament und \u00fcberzeugender Gestik vorgetragener Gesang stark beeintr\u00e4chtigt wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt im sch\u00f6nen und den vollst\u00e4ndigen Text enthaltenem Programm eine Reihe von Szenenabbildungen der Erstauff\u00fchrung der Oper von 1972 in der Regie von Alberto Fassini, die das Operngeschehen in \u00fcberzeugende Form darbot. Ein wenig h\u00e4tte sich der aus Turin stammende Regisseur <strong>Davide Livermore<\/strong> davon entleihen sollen. Das Publikum h\u00e4tte sich wohl mehr gefreut als der h\u00f6fliche Schlu\u00dfapplaus es dann bezeugte. Vermutlich war es die Absicht des Regisseurs, Verdis Oper authentisch dazustellen. Aber der Eindruck war keine handlungsdurchwirkte Oper, sondern ein Oratorium, das die Geschichte Frankreichs genau pr\u00e4sentieren wollte. Aber eine Oper sollt schon mehr Handlung aufweisen. Man konnte nicht einmal wegen der fast gleichen Kost\u00fcme die Truppe der englischen Vasallen von den Mannen Carlos VII. unterscheiden. So beschlich wohl nicht nur den Autor dieser Rezension des \u00f6fteren eine erm\u00fcdende Langeweile. Nur gut, da\u00df das Orchester unter Daniele Gatti eine Sternstunde vermittelte.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Fabrizio Sansoni<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Roberto Frontali (Giacomo), Nino Machaidze (Giovanna), Francesco Meli (Carlo VII), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Verdi, Giuseppe (1813-1901), Dramma lirico in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Temistocle Solera nach Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller, UA: 15. 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