{"id":8216,"date":"2021-10-25T12:48:06","date_gmt":"2021-10-25T11:48:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8216"},"modified":"2021-10-30T12:52:12","modified_gmt":"2021-10-30T11:52:12","slug":"die-entfuehrung-aus-dem-serail-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8216","title":{"rendered":"Die Entf\u00fchrung aus dem Serail \u2013 Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)<\/p>\n<p>Libretto: Johann Gottlieb Stephanie, UA: 16. Juli 1782 \u00a0Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie: David B\u00f6sch \u00a0Ausstattung: Patrick Bannwart, Falko Herold\u00a0 Licht: Bernd Gallasch<\/p>\n<p>Dirigent: Adam Fischer, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper (Leitung: Eberhard Friedrich)<\/p>\n<p>Solisten: Burghart Klau\u00dfner (Bassa Selim), Tuuli Takala (Konstanze), Narea Son (Blonde), Martin Mitterrutzner (Belmonte), Michael Laurenz (Pedrillo), Ante Jerkunica (Osmin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Oktober 2021<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hamburg-DieEntfhrugnausdemSerail_C_JrgLandesberg_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8217\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hamburg-DieEntfhrugnausdemSerail_C_JrgLandesberg_03.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hamburg-DieEntfhrugnausdemSerail_C_JrgLandesberg_03.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hamburg-DieEntfhrugnausdemSerail_C_JrgLandesberg_03-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Mitte des 16. Jahrhunderts will der junge Adlige Belmonte seine Geliebte Konstanze aus dem t\u00fcrkischen Serail des Bassa Selim befreien, der von dessen Aufseher Osmin bewacht wird. Dem Bassa wurden Konstanze und deren Zofe Blonde sowie der Diener Pedrillo von Piraten verkauft, nachdem diese Schiffbr\u00fcche erlitten. Der Bassa wirbt um Konstanze, die den Bassa respektiert, ihm jedoch keine Liebe entgegenbringt, w\u00e4hrend Osmine um Blone wirbt. Mit Hilfe Pedrillos schleicht Belmonte sich getarnt in den Serail. Letzen Endes scheitert der Befreiungsversuch und der Bassa erkennt in Belmonte den Sohn seines Erzfeindes. Anstatt jedoch alle hinrichten zu lassen, l\u00e4sst er sie in einer gro\u00dfm\u00fctigen Geste frei und wird daraufhin von den Janitscharen und vom Volk gefeiert.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorspiel wird per Video-Animationen die Vorgeschichte zur Handlung erz\u00e4hlt. So liegt der Serail des Bassa Selim hier auf einer n\u00e4chtlichen Insel, die Belmonte per Schlauchboot erreicht. Ob die fast komplett schwarze leere B\u00fchne daher r\u00fchrt, da\u00df der Serail als Nachtclub\/Puff gedeutet wird oder die Trauer den durch seine Verluste gebeutelten Bassa symbolisiert, ist schwer zu sagen. Das einzig \u201aT\u00fcrkische\u2018, das in der Auff\u00fchrung bleibt, ist der Umstand, da\u00df sich der Bassa in Momenten der weisen Eingebung dreht wie ein Derwisch. Auch der Text wurde an manchen Stellen erg\u00e4nzt beziehungsweise gek\u00fcrzt, wobei die \u00c4nderungen sich aber in Grenzen halten. So singt der G\u00e4rtner Pedrillo von der \u201aNordseek\u00fcste\u2018 w\u00e4hrend Osmin diesen f\u00fcr ein \u201aWeichei\u2018 h\u00e4lt. Der Bassa wiederum darf zwischen den Akten auch mal andere Texte zitieren. Osmin tr\u00e4gt die meiste Zeit eine Axt und wirkt wie eine Art T\u00fcrsteher. In der \u201aMartern\u2018-Arie Konstanzes schwankt der Bassa sch\u00f6n zwischen Hingabe und Zorn, wenn er in der einen Sekunde Champagner kredenzt und in der n\u00e4chsten mit dem G\u00fcrtel zuschlagen will. \u00dcberhaupt nimmt sich diese Hamburger <em>Entf\u00fchrung<\/em> einige Freiheiten, ohne sich jedoch allzu weit vom Text oder der Musik zu entfernen. So will Bassa Selim am Schlu\u00df kurz Osmin erschie\u00dfen, weil dieser die beiden Liebespaare nicht ziehen lassen will, doch dann \u00fcberzeugen ihn diese, dass nichts so h\u00e4\u00dflich ist wie die Rache. Die Grundbotschaft des Singspiels, dass Vergebung und Liebe h\u00f6chste G\u00fcter sind, bleibt also erhalten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch k\u00f6nnen bei dieser Entf\u00fchrung alle Beteiligten zufriedenstellen, teilweise auch beeindrucken. Nicht nur k\u00f6rperlich hervor ragt <strong>Ante Jerkunica<\/strong> als Osmin hervor, dessen tiefklarer Ba\u00df in Sachen Pr\u00e4senz und Plastizit\u00e4t an diesem Abend wohl un\u00fcbertroffen bleibt. Zudem formuliert er so deutlich, dass man jede gesungene Silbe versteht, und auch darstellerisch ist er herrlich b\u00f6se. Der unter anderem als Filmschauspieler renommierte <strong>Burghart Klau\u00dfner<\/strong> ist als Bassa Selim wunderbar besetzt. Mit suchendem Z\u00f6gern in Stimme und K\u00f6rpersprache gibt er den innerlich zerrissenen Herrscher mit subtilem Charisma, der sich zur richtigen Entscheidung erst durchringen mu\u00df. <strong>Tuuli Takala<\/strong> \u00fcberzeugt als Konstanze mit ihrem flexibel biegsamen Koloratursopran, der vor allem in der H\u00f6he viel Farbe verstrahlt, jedoch fehlt es bei der Gestaltung manchmal an der letzten Pr\u00e4zision. Anders ist da <strong>Martin Mitterrutzner<\/strong> als Belmonte, dessen leichtem Tenor es nie an Klarheit und Biegsamkeit mangelt und der auch die H\u00f6he problemlos meistert, daf\u00fcr aber nicht immer die letzte Durchschlagskraft aufweist. Letzteres gilt auch f\u00fcr <strong>Michael Laurenz<\/strong> als Pedrillo, der viel kom\u00f6diantisches Talent mitbringt, jedoch stimmlich weniger pr\u00e4sent wirkt als <strong>Narea Son<\/strong> als aggressiv auftretende Blonde, deren Volumen schier unersch\u00f6pflich wirkt und die \u00fcberaus agil sowie mit viel W\u00e4rme gestaltet. Unter dem Mozart-Exegeten <strong>Adam Fischer<\/strong> klingt das erh\u00f6ht plazierte <strong>Philharmonische Staatsorchester Hamburg <\/strong>beschwingt leicht, aber wenn n\u00f6tig auch zupackend. Nicht nur die Janitscharenmusik f\u00e4hrt so ins Blut. Die Streicher spielen mit leichtem Bogen, so da\u00df eine sch\u00f6ne Mischung aus historisch informiertem Spiel auf modernem Instrumentarium entsteht. Leider sind jedoch vor allem in den hohen Streichern auch immer wieder Wackler dabei, die den Gesamteindruck nicht zu sehr tr\u00fcben. Zudem stimmt die Abstimmung mit den S\u00e4ngern nicht immer hundertprozentig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine Hamburger <em>Entf\u00fchrung<\/em>, die musikalische zufriedenstellt, szenisch jedoch nicht allzu viel Bleibendes hinterlassen d\u00fcrfte. Wer diesen unsterblichen Mozart-Streich auf der B\u00fchne erleben will, wird gleichwohl gl\u00fccklich damit werden.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Burghart Klau\u00dfner (Bassa Selim), Tuuli Takala (Konstanze), Ante Jerkunica (Osmin), Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Libretto: Johann Gottlieb Stephanie, UA: 16. 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