{"id":8210,"date":"2021-10-21T11:07:56","date_gmt":"2021-10-21T10:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8210"},"modified":"2021-11-13T18:40:02","modified_gmt":"2021-11-13T17:40:02","slug":"goetterdaemmerung-deutsche-oper-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8210","title":{"rendered":"G\u00f6tterd\u00e4mmerung &#8211;  Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen und einem Vorspiel, Libretto: R. Wanger, UA: 17. August 1876 Bayreuth. Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchnenbild: Stefan Herheim und Silke Bauer, Kost\u00fcme: Uta Heiseke, Licht: Ulrich Niepel, Video-Design: Torge M\u00f8ller, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach und J\u00f6rg K\u00f6nigsdorf<\/p>\n<p>Dirigent: Sir Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Jeremy Bines<\/p>\n<p>Solisten: Clay Hilley (Siegfried), Thomas Lehman (Gunther), J\u00fcrgen Linn (Alberich), Gidon Saks (Hagen), Nina Stemme (Br\u00fcnnhilde), Aile Asszonyi (Gutrune; dritte Norn), Okka von der Damerau (Waltraute), Anna Lapkovskaja (erste Norn; Flo\u00dfhilde), Karis Tucker (zweite Norn; Wellgunde), Meechot Marrero (Woglinde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Oktober 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DO-Berin-Goetterdaemmerung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8211\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DO-Berin-Goetterdaemmerung.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DO-Berin-Goetterdaemmerung.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DO-Berin-Goetterdaemmerung-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die drei Nornen sehen das Ende der G\u00f6tter voraus. Siegfried verabschiedet sich bei Tagesanbruch von Br\u00fcnnhilde, die er auf dem Walk\u00fcrenfelsen zur\u00fcckl\u00e4\u00dft, um in der Welt Heldentaten zu vollbringen. Er trifft auf dem Hof der Gibichungen ein und wird dort das Opfer einer Intrige: Gutrune bietet ihm einen Trank an, der ihn Br\u00fcnnhilde vergessen l\u00e4\u00dft. Daraufhin verspricht Siegfried Gunther, ihm Br\u00fcnnhilde als Braut vom Walk\u00fcrenfelsen zu bringen, wenn er dessen Schwester Gutrune heiraten d\u00fcrfe. Gunther willigt ein. Hagen, der Urheber dieser Intrige, gibt Siegfried den Rat, sich mit Hilfe des Tarnhelms in Gunther zu verwandeln, um Br\u00fcnnhilde zu t\u00e4uschen. Als die beiden aufgebrochen sind, gibt er sich als Alberichs Sohn zu erkennen.<\/p>\n<p>Die Walk\u00fcre Waltraute kommt zu Br\u00fcnnhilde, um ihr mitzuteilen, da\u00df Wotan sich von ihr w\u00fcnsche, den Ring, den sie von Siegfried bekommen hat, den Rheint\u00f6chtern zu geben und so das Ende der G\u00f6tter einzuleiten. Br\u00fcnnhilde weigert sich und schickt ihre Schwester fort. Siegfried in der Gestalt Gunthers erscheint, \u00fcberw\u00e4ltigt sie und nimmt ihr den Ring. Vor ihrer R\u00fcckkehr am n\u00e4chsten Morgen \u00fcbergibt er sie unbemerkt an Gunther. Hagen ruft die Mannen zusammen, um Gunther mit seiner Braut Br\u00fcnnhilde zu empfangen. Br\u00fcnnhilde ist verwirrt und best\u00fcrzt, als sie Siegfried mit Gutrune erblickt, der sie nicht zu kennen vorgibt. Als sie den Ring an seinem Finger sieht, bezichtigt sie ihn des Verrates an Gunther. Siegfried weist ihren Verdacht von sich. Hagen l\u00e4\u00dft Siegfried und Br\u00fcnnhilde auf seinen Speer schw\u00f6ren, da\u00df sie beide die Wahrheit sprechen. Nachdem Siegfried mit Gutrune und der Hochzeitsgesellschaft weitergezogen ist, beschlie\u00dfen Gunther, Hagen und Br\u00fcnnhilde, da\u00df er f\u00fcr seinen Verrat mit dem Tode b\u00fc\u00dfen soll. Man beraumt eine Jagd an.<\/p>\n<p>Auf der Jagd verl\u00e4uft sich Siegfried und begegnet den Rheint\u00f6chtern, die ihn warnen und den Ring verlangen. Er weigert sich und sie verschwinden. Die Jagdgesellschaft trifft ein. Hagen verabreicht Siegfried einen Trank, der seine Erinnerung an Br\u00fcnnhilde wieder herstellt. Als er begeistert von seiner Vereinigung mit der Walk\u00fcre berichtet, t\u00f6tet ihn Hagen. Die Jagdgesellschaft kehrt mit dem toten Siegfried an den Hof der Gibichungen zur\u00fcck. Dort kommt es zum Streit um den Ring zwischen Gunther und Hagen, der seinen Halbbruder t\u00f6tet. Bevor er den Ring an sich nehmen kann, erscheint Br\u00fcnnhilde, l\u00f6st die Intrige auf, nimmt den Ring an sich, und befiehlt, Siegfrieds Leichnam zu verbrennen. Sie folgt ihm mit in den Tod, der Rhein tritt \u00fcber die Ufer, die Rheint\u00f6chter erhalten den Ring zur\u00fcck und die G\u00f6tterburg Walhall geht in Flammen auf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zwei szenische Elemente sind zentral in allen Aufz\u00fcgen: ein paar gewaltige Kofferstapel im Hintergrund und ein Fl\u00fcgel im Vordergrund, aus dem die Figuren steigen und auf dem sie liegen oder spielen. Die Halle der Gibichungen und der Ort der einleitenden Nornenszene sind dem Foyer der Deutschen Oper nachempfunden. Der Chor der Mannen und die stummen Statisten im Vorspiel sind wie das Opernpublikum gekleidet, sehen den Solisten zu und trinken Sekt; das tun auch die Gibichungen, und zwar ausgiebig. Die stummen Statisten im Vorspiel und in der Schlu\u00dfszene haben sich ihrer Kleider bis auf die Unterw\u00e4sche zu entledigen. Die G\u00f6tter, die auf ihr Ende warten, werden mehrfach als stumme Statisten im Hintergrund sichtbar, z.B. bei Waltrautes Bericht, vor dem Schwur auf Hagens Speer \u2013 den dieser Wotan aus der Hand nimmt \u2013 und in der letzten Szene. Das Feuer um den Walk\u00fcrenfelsen und der Rhein werden mit Videoprojektionen angedeutet. Diese Momente sind, wie auch ein \u00fcber die B\u00fchnen schreitender brennender Stuntmen im zweiten Aufzug, im wahrsten Sinne des Wortes spektakul\u00e4r.<\/p>\n<p>Es gibt etliche szenische Binnenbez\u00fcge in dieser Inszenierung, die so nicht im Textbuch stehen. Die Rheint\u00f6chter verwandeln sich z.B. in die Nornen, die Siegfried seinen Tod ank\u00fcndigen. Daneben gibt es externe popkulturelle Bez\u00fcge. Alberich und sein Sohn Hagen sehen z.B. wie der Joker aus dem gleichnamigen Film mit Joaquin Phoenix aus \u2013 also wie eine Schurkenfigur aus den <em>Batman<\/em>-Comics \u2013 und verhalten sich \u00e4hnlich psychotisch; Gunther und Siegfried verwandelt der Tarnhelm ebenfalls in den Joker. In dieser Inszenierung ist Hagen zu Beginn ein eleganter Herr mit zackigen Bewegungen. Er setzt sich w\u00e4hrend des letzten Orchesterzwischenspiels im ersten Aufzug in die erste Zuschauerreihe. Von dort aus hat er den Dialog mit seinem Vater Alberich zu Beginn des zweiten Aufzuges zu singen. Danach zeigen sich Z\u00fcge des Wahnsinns bei ihm. Er begn\u00fcgt sich nicht nur damit, Siegfried zu t\u00f6ten, sondern schl\u00e4gt der Leiche auch noch den Kopf ab und zieht Siegfrieds R\u00fcstung an. Neben Gunther t\u00f6tet er auch noch Gutrune. Hagen bleibt als einziger Charakter w\u00e4hrend des abschlie\u00dfenden Orchesternachspiels im dritten Aufzug auf der B\u00fchne und geht dann in den Zuschauerraum ab. Auch die Personengestaltung der anderen Hauptfiguren unterscheidet sich von Wagners Textbuch. Siegfried ist als Karikatur gestaltet, eine Figur, die sich weder durch Eleganz noch durch Tragik auszeichnet, sondern vor allem durch ihre au\u00dferordentliche Naivit\u00e4t. Gunther hat im ersten Aufzug viel zu kichern und feixen, w\u00e4hrend er im letzten Siegfrieds Tod lautstark schluchzend beklagt. Gutrune f\u00fchlt sich als K\u00f6der f\u00fcr den grob zupackenden Siegfried im ersten Aufzug alles andere als wohl.<\/p>\n<p>Die Rolle der Br\u00fcnnhilde l\u00e4\u00dft diese Inszenierung hingegen relativ unangetastet. Ein mimisches Mittel, dessen sich man h\u00e4ufig bedient, ist das vormals unter Opernregisseuren verp\u00f6nte Mickey-Mousing. D.h. die Darsteller bewegen sich zuweilen wie animierte Figuren rhythmisch synchron zur Musik. Dies ist ein historisches Stilmittel, das zu Wagners Zeit angewendet wurde, und auch im Bereich des Gestischen greift diese Inszenierung vor allem bei den stummen Akteuren auf die ausladende Theatergeb\u00e4rde des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. Daneben kommen lebende Bilder vor, also das Verharren der Akteure in statuenartigen Posen, die im 19. Jahrhundert beliebt war.<\/p>\n<p>Im zweiten und dritten Aufzug werden die G\u00f6tter in historischen Kost\u00fcmen, so wie sie in den <em>Ring<\/em>-Inszenierungen im 19. Jahrhundert Usus waren, im Hintergrund sichtbar. Diese werden vor dem Ende des Werkes ausgezogen und mit Siegfrieds Leichnam in den Fl\u00fcgel gelegt. Die B\u00fchne wird in Nebel geh\u00fcllt, der sich mit den letzten Akkorden aufl\u00f6st. Das letzte Bild zeigt die halbnackte B\u00fchne mit dem Fl\u00fcgel in der Mitte, die gefegt wird. Weitere Bez\u00fcge und szenische Elemente werde ich in meiner Rezension des gesamten neuen Berliner <em>Ringes<\/em> im November eingehender beschreiben.<\/p>\n<p>Da die vier Teile der <em>Ring<\/em>-Tetralogie pandemiebedingt nicht in der richtigen Reihenfolge zu sehen waren und die Premiere des <em>Siegfried<\/em> erst im Rahmen des ersten Zyklus stattfinden wird, k\u00f6nnen sich die szenischen Bez\u00fcge zwischen den einzelnen Dramen dem Zuschauer noch nicht restlos erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Donald Runnicles<\/strong> arbeitete die dynamischen Kontraste des Orchesterparts \u00fcberaus plastisch heraus, vor allem bei den pl\u00f6tzlichen Zur\u00fccknahmen vom Forte ins Pianissimo. Wie stets bei ihm richtete sich die Lautst\u00e4rke des Orchesters nach den stimmlichen Kapazit\u00e4ten der S\u00e4nger. So wurden Hagens Rufe relativ leise gestaltet, w\u00e4hrend die Szene Waltraute\/Br\u00fcnnhilde im Vorspiel, in welcher zwei kr\u00e4ftige Stimmen zu h\u00f6ren waren, vergleichsweise laut genommen wurde. Die orchestralen Zwischen- und Nachspiele wurden dynamisch ebenfalls klar nuanciert. Die st\u00e4rksten Akzente hob sich der Dirigent f\u00fcr die Trauermusik und das Nachspiel vom letzten Aufzug auf. Aber auch die Chorszenen im zweiten Akt, bei denen die B\u00fchne durch eine glatte R\u00fcckwand verkleinert wurde und die Chorpartien damit direkt in den Zuschauersaal abstrahlten, wurden sehr kraftvoll begleitet. Leider war der S\u00e4nger des Hagen, <strong>Gidon Saks<\/strong>, an diesem Abend stimmlich indisponiert, so da\u00df es schwer f\u00e4llt, seine Leistung angemessen zu beschreiben. Einige laute T\u00f6ne kamen gut durch den dichten Chor- und Orchesterklang hindurch. Aber leider klang seine Stimme durchweg belegt und auch die Gestaltung einiger Vokale schien ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Hinzu kam die im Grunde stimmlich unl\u00f6sbare Aufgabe, das Zwiegespr\u00e4ch mit Alberich mit dem R\u00fccken zum Publikum vor dem Orchester sitzend singen zu m\u00fcssen. Darstellerisch machte er seine vokalen Probleme allemal wett, aber insgesamt w\u00fcrde man sich hier einen S\u00e4nger mit mehr Stimmvolumen w\u00fcnschen.<\/p>\n<p><strong>Nina Stemme<\/strong>, die zu den f\u00fchrenden hochdramatischen S\u00e4ngerinnen weltweit geh\u00f6rt, spielte und sang die Partie der Br\u00fcnnhilde packend und ohne erkennbare Schwierigkeiten. Bei ihr kann man sich auf die hohen, lauten Passagen freuen, und es gelang ihr, ihrer Rolle W\u00fcrde zu verleihen, auch wenn sie den ganzen Abend \u00fcber in Unterw\u00e4sche auf der B\u00fchne zu stehen hatte. Einen stimmlich jugendlichen und erheiternden Siegfried gab <strong>Clay Hilley<\/strong>. Er zeichnet sich durch eine sehr starke und zugleich leicht ansprechende Stimme aus, sein Spiel war beweglich und pa\u00dfte damit zu den kom\u00f6diantischen Z\u00fcgen, die es in dieser Inszenierung gibt. Neben Hilley und Stemme waren es <strong>Thomas Lehman<\/strong> (Gunther) und <strong>Okka von der Damrau<\/strong> (Waltraute), die das Publikum mit ihrem Gesang begeisterten. Dem dramatischen Sopran Stemmes stand mit dieser Mezzosopranistin eine ebenb\u00fcrtige Stimme zur Seite. Lehman hat wie Hilley ein \u00fcberragendes Talent als Darsteller und vermochte souver\u00e4n zwischen kom\u00f6diantischen und tragischen Stilebenen zu wechseln. Die S\u00e4nger all dieser Partien verf\u00fcgen \u00fcber eine deutliche Textaussprache, an der <strong>Aile Asszonyi<\/strong> als Gutrune noch etwas arbeiten mu\u00df, denn bei ihr litt auch die Tongebung daran, da\u00df vor allem die kurzen Vokale nicht gut herauskamen; bei ihrer Verk\u00f6rperung der dritten Norn, die allerdings auch in einem vergleichsweise gemessenen Tempo singt, war das nicht der Fall. Die Ensembles der drei Nornen und Rheint\u00f6chter waren insgesamt ziemlich homogen, wenn auch <strong>Meechot Marrero<\/strong> als Woglinde bisweilen hervorstach.<\/p>\n<p>Die <strong>Ch\u00f6re<\/strong> und die zahlreichen Statisten bewegten sich auf dem mitunter recht engen B\u00fchnenraum ohne erkennbare Schwierigkeiten und gestalteten ihre st\u00e4ndig zwischen Zuschauer, Akteur und G\u00f6tterstatue wechselnden Rollen mit Hingabe.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt ist es noch nicht m\u00f6glich, Zusammenh\u00e4nge dieser Inszenierung mit denjenigen der vorhergehenden Dramen herzustellen, um sie fair beurteilen zu k\u00f6nnen. Was sich vorerst aus der Inszenierung der <em>Walk\u00fcre<\/em> (s. OPERAPOINT 2020 Nr. 4) ableiten l\u00e4\u00dft, ist folgendes: Wichtige Requisiten \u2013 wie der Fl\u00fcgel in der Szenenmitte \u2013 sind in ihrer Funktion unbestimmbar. Mitunter spielt ein Charakter, der die Handlung steuert oder vorantreibt, auf ihm, mitunter aber auch eine Figur, die passiv ist. Oder er dient den Figuren schlicht als Lager und Podest. Die Kofferberge, die in der <em>Walk\u00fcre<\/em> als Element recht zentral waren, sind in der <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> nur reine Dekoration. Die Bez\u00fcge, die szenisch innerhalb des Werkes zwischen den Figuren hergestellt werden, sind mitunter so zahlreich, da\u00df sie nichtssagend werden: Wie ist Siegfrieds Verwandlung in Alberich\/Hagen zu erkl\u00e4ren? Werden sie alle von Alberich gesteuert oder ist die Jokermaske ein Symbol f\u00fcr etwas anderes?<\/p>\n<p>Vielleicht vermag die Auff\u00fchrung des gesamten Zyklus hier besser Aufschlu\u00df zu geben. Auch die Erz\u00e4hlperspektiven \u00e4ndern sich dauernd. Einmal geht es um die Rezeption von Wagners Werk, also die Reaktionen des Publikums auf das St\u00fcck, ein anderes Mal um einen Kommentar zur Handlung und dann wieder um die eigentliche Geschichte, die im <em>Ring<\/em> erz\u00e4hlt wird. Es ist dabei nicht immer deutlich, auf welcher Ebene man sich gerade befindet. Beginnt die Inszenierung z.B. mit einer typischen, verfremdenden Spiegelung \u2013 das Opernpublikum erblickt sich im Vorspiel selbst auf der Szene \u2013, so verwandeln sich die Statisten nach ihrer Entkleidung in den Feuerkreis, der Br\u00fcnnhilde einschlie\u00dft, also in ein b\u00fchnenbildnerisches Element. Nur \u2013 warum?<\/p>\n<p>Musikalisch gibt es nichts auszusetzen. Man bekommt hier wahrhaft gro\u00dfe Stimmen zu h\u00f6ren, das stark instrumentierte Orchester begleitet diskret und \u00fcbernimmt das Geschehen da, wo es soll. Im Zweifelsfall wird eher zur\u00fcckhaltend musiziert. Verglichen mit der Premiere der <em>Walk\u00fcre<\/em> war das Publikum mit dieser Inszenierung zufriedener. Das mag daran liegen, da\u00df <strong>Stefan Herheim<\/strong> mehr Ruhe in den Vortrag und das szenische Geschehen einkehren lie\u00df, so da\u00df die Szenen eine st\u00e4rkere Wirkung zu entfalten verm\u00f6gen. Verglichen mit seiner <em>Walk\u00fcre<\/em> erscheint die <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> kurz gesagt, trotz einiger humoristischer Momente im ersten Aufzug, ernster und ernsthafter.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nina Stemme (Br\u00fcnnhilde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Vorspiel, Libretto: R. Wanger, UA: 17. August 1876 Bayreuth. 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