{"id":8193,"date":"2021-09-06T15:59:15","date_gmt":"2021-09-06T14:59:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8193"},"modified":"2021-09-06T15:59:15","modified_gmt":"2021-09-06T14:59:15","slug":"die-tote-stadt-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8193","title":{"rendered":"Die tote Stadt &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Erich Wolfgang Korngold (*1897) Oper in drei Bildern, Libretto: Paul Schott, UA: 4. Dezember 1920, K\u00f6ln und Hamburg<\/p>\n<p>Regie: Tatjana G\u00fcrbaca, B\u00fchnenbild: Stefan Heyne, Kost\u00fcme: Silke Willrett<\/p>\n<p>Dirigent: Gabriel Feltz und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Stefan Vinke (Paul), Au\u0161rine Stundyte (Marietta), Miljenko Turk (Frank), Dalia Schaechter (Brigitta), Anna Malesza-Kutny (Juliette), Regina Richter (Lucienne), John Heuzenroeder (Victorin), Dustin Drosdziok (Grad Albert)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 04.09.2021 (Live-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koln_DieToteStadt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8194\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koln_DieToteStadt.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koln_DieToteStadt.jpg 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koln_DieToteStadt-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Paul lebt als Witwer mit seiner Haush\u00e4lterin Brigitta zur\u00fcckgezogen in der Stadt Br\u00fcgge. Dort verherrlichen beide seine verstorbene Frau Marie in einem Tempel wie eine Heilige. Als Paul die T\u00e4nzerin Marietta trifft, die seiner verstorbenen Frau verbl\u00fcffend \u00e4hnelt, f\u00fchlt er sich zu ihr hingezogen. Brigitta sieht das als Verrat an ihrer Herrin und verl\u00e4sst Paul. Marietta, angestachelt die tote Rivalin zu besiegen, verf\u00fchrt Paul, doch dieser kann sich nicht von dem Bild seiner toten Frau trennen. Als Marietta die Haare der Toten umlegt und damit tanzt, verliert Paul die Kontrolle und erw\u00fcrgt sie. Vor seinem Freund Frank k\u00fcndigt er an Br\u00fcgge zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung wurde bereits im letzten Dezember 2020, anl\u00e4\u00dflich der einhundert Jahre zur\u00fcckliegenden Urauff\u00fchrung in K\u00f6ln, aufgef\u00fchrt \u2013 allerdings aufgrund der Corona-Auflagen nur als Live-Stream im Internet und unter Ausschlu\u00df des Publikums vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Dank ge\u00e4nderter Corona-Regeln konnte die K\u00f6lner Oper den Auftakt der neuen Spielzeit nun auch wieder vor einem nahezu vollst\u00e4ndig gef\u00fcllten Staatenhaus zelebrieren. Nach wie vor wurde der Zutritt nur mit dem Erf\u00fcllen der 3-G-Regel (Geimpft, Getestet oder Genesen) erm\u00f6glicht, das Tragen der Atemschutzmaske am Platz war aber nicht mehr n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Das Orchester wird rechts von der B\u00fchne positioniert. In der Mitte der B\u00fchne befindet sich ein ca. ein Meter hohes Bar-Rondell als Drehkonstruktion, um das Barhocker positioniert sind, und das von einem <strong>Kaiserpanorama <\/strong>inspiriert wurde. Durch Vorh\u00e4nge kann die abgegrenzte Mitte ge\u00f6ffnet werden, so da\u00df Pauls Innenleben hier wie ein St\u00fcck im Theater sprichw\u00f6rtlich auf dem Pr\u00e4sentierteller sich befindet. Durch Projektionen, die an schwarz-wei\u00df Filme der 1940er und 1950er Jahre erinnern, wirkt das Psychodrama an vielen Stellen wie ein Zusammenschnitt aus Hitchcock-Filmen. Durch sakrale Symbole wie zum Beispiel Grabkerzen versucht die Inszenierung immer wieder die Todessehnsucht, die in Pauls Innerem angelegt ist, zu vergegenw\u00e4rtigen. Die Kost\u00fcme sind elegant, schlicht und zeitlos: die M\u00e4nner tragen Anz\u00fcge, Brigitta ein schwarzes Kost\u00fcm, Marietta einen beigen Trenchcoat.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dem Orchester kommt bei Korngold, der auch f\u00fcr Filme komponierte, eine besondere Rolle zu, was hohe Erwartungen vom Dirigat mit sich brachte. Diese werden von Anfang an erf\u00fcllt: Der traumhafte, mystische Klang der Musik konnte sich unter der Leitung von <strong>Gabriel Feltz<\/strong> sehr gut entfalten. Sein Dirigat ist sehr pr\u00e4zise: die Eins\u00e4tze der S\u00e4nger gibt er mit rhythmischer Sicherheit vor und nimmt das Orchester bei den Gesangsparts gen\u00fcgend zur\u00fcck. Gleichzeitig schafft er es, die verschiedenen Motive der Musik, die von neoromantischen, sakralen Kl\u00e4ngen bis hin zu rauschhaften Dissonanzen reichen, dynamisch und spannungsvoll aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>Dalia Schaechter<\/strong> (Brigitta), die optisch und schauspielerisch an die Figur der Mrs. Denvers aus Hitchcocks <em>Rebecca<\/em> erinnert, singt mit einem satten Mezzosopran, in der Tiefe mit sehr gro\u00dfem Volumen, in der H\u00f6he weich und mit angenehm schimmerndem Vibrato. Im ersten Bild schwelgt sie in Erinnerungen an ihre Herrin und l\u00e4\u00dft die Spitzent\u00f6ne, besonders als Ausdruck f\u00fcr die Verherrlichung der Vergangenheit, anmutig gl\u00e4nzen. Dabei \u00f6ffnet und schlie\u00dft sie den Vorhang zum \u201eTempel der Erinnerung\u201c oft mit einem unheimlichen Blick ins Publikum und einem verhei\u00dfungsvollen L\u00e4cheln, was die Situation kommentiert und ihr etwas D\u00fcsteres und Diabolisches verleiht.<\/p>\n<p><strong>Stefan Vinke<\/strong> (Paul), der als Zweitbesetzung f\u00fcr den ausgefallenen Burkhard Fritz einspringt, kommt zu Beginn nicht so richtig in Fahrt. Seine Stimme bricht ihm im ersten Bild \u00f6fter weg, und durch zu viel Aspirieren wirkt er oft angestrengt und heiser. Dies legt sich zum Gl\u00fcck im zweiten und dritten Bild, wo er die hohen T\u00f6ne mit mehr Kraft und Substanz intoniert und seinen polternden Heldentenor in den schwierigen Gesangspartien zu H\u00f6chstleistungen bringt. Die lauten T\u00f6ne liegen ihm aber insgesamt mehr, als die leisen; im <em>sotto voce<\/em> klingt er manchmal zu hart. W\u00e4hrend er im ersten Bild seine Rolle sehr zur\u00fcckhaltend und bla\u00df verk\u00f6rpert, zeigt er im zweiten und dritten Bild auch schauspielerisch mehr Einsatz, beschmiert sich beispielsweise mit einem roten Kreuz, um seine religi\u00f6se Verbundenheit zu verdeutlichen, rei\u00dft, dem Wahn verfallen, die Augen weit auf und formt lautlose W\u00f6rter mit seinen Lippen.<\/p>\n<p>Dagegen ist sein m\u00e4nnlicher Kollege Miljenko Turk (Frank) sowohl schauspielerisch als auch gesanglich von Anfang bis Ende auf der B\u00fchne pr\u00e4sent. Als besorgter Freund legt er viel Schmelz in seinen hellen Bariton, den er sehr weich und sanft intoniert. Dabei klingt sein Bariton klar und strahlend in der H\u00f6he, und er kann auch schauspielerisch gute Akzente setzen. Als Pierrot tanzt er mit einem an Besessenheit erinnerndem Lachen \u00fcber die B\u00fchne und macht viele extrovertierte Gesten, die seine Selbstvergessenheit unterstreichen.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt unter den Frauenstimmen ist aber mit Abstand <strong>Au\u0161rine Stundyte<\/strong> (Marietta), die ihren \u00fcppigen, pr\u00e4chtigen Sopran in den H\u00f6hen wunderbar strahlen l\u00e4\u00dft und dabei sehr selbstbewu\u00dft das Bild einer mond\u00e4nen T\u00e4nzerin abgibt. Kokettierend setzt sie ihre weiblichen Reize ein, um Paul zu verf\u00fchren, dabei l\u00e4\u00dft sie ihre Stimme in der H\u00f6he anmutig anschwellen. Im Lied <em>Gl\u00fcck, das mir verblieb<\/em> kann sie aber auch im <em>sotto voce<\/em> Sehnsucht und Verlust gut stimmlich h\u00f6rbar machen. Auch erw\u00e4hnenswert ist der Einsatz des Chores von der Seite, der fast engelsgleich die sakralen Motive der Partitur aufzeigt. Besonders der Kinderchor ist, hier sehr harmonisch, verk\u00f6rpert Reinheit und Unschuld.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man von einigen L\u00e4ngen im ersten und zweiten Bild absieht, ist die Inszenierung spannend und mitrei\u00dfend. Besonders gelungen ist aber die musikalische Darbietung, allen voran die hervorragende Leistung des Orchesters. Den gr\u00f6\u00dften Applaus und Bravorufe gibt es f\u00fcr Stefan Vinke, der sich trotz Schw\u00e4chen gut durch die schwierige Partitur arbeitete. Noch ein bi\u00dfchen mehr \u00fcberzeugt allerdings Au\u0161rine Stundyte mit ihrer durchg\u00e4ngig hervorragenden Darbietung. Insgesamt ein sehens- und h\u00f6renswertes St\u00fcck!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<br \/>\nBild von: Paul Leclaire<br \/>\nDas Bild zeigt: Stefan Vinke (Paul)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koeln-August_Fuhrmann-Kaiserpanorama_1880.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8195\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koeln-August_Fuhrmann-Kaiserpanorama_1880.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"258\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koeln-August_Fuhrmann-Kaiserpanorama_1880.jpg 400w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Koeln-August_Fuhrmann-Kaiserpanorama_1880-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Als Kaiserpanorama bezeichnet man ein um die Wende zum 20. Jahrhundert popul\u00e4res Massenmedium, das es bis zu 25 Personen gleichzeitig erm\u00f6glichte, stereoskopische Bilderserien durch ein Guckloch zu betrachten. Gezeigt wurden haupts\u00e4chlich exotische und f\u00fcr den Normalb\u00fcrger unerschwingliche Reiseziele und Landschaften. (Wikipedia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Erich Wolfgang Korngold (*1897) Oper in drei Bildern, Libretto: Paul Schott, UA: 4. 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