{"id":8190,"date":"2021-09-06T15:48:33","date_gmt":"2021-09-06T14:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8190"},"modified":"2021-09-06T15:59:53","modified_gmt":"2021-09-06T14:59:53","slug":"hamburg-staatsoper-les-contes-dhoffmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8190","title":{"rendered":"Les Contes d&#8217;Hoffmann &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880) , phantastische Oper, f\u00fcnf Akte, Libretto: Jules Barbier, UA: 10. Februar 1881 Paris, Op\u00e9ra-Comique<\/p>\n<p>Regie: Daniele Finzi Pasca, unter Mitarbeit von Mellissa Vettore B\u00fchne: Hugo Gargiulo, Matteo Verlicchi Kost\u00fcme: Giovanna Buzzi, Ambra Schumacher Licht: Daniele Finzi Pasca, Marzio Picchetti Video: Roberto Vitalini, Choreographie: Maria Bonzanigo, Dramaturgie: Savina Kationi, Ralf Waldschmidt<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper (Leitung: Eberhard Friedrich)<\/p>\n<p>Solisten: Benjamin Bernheim (Hoffmann), Olga Peretyatko (Olympia\/Antonia\/Giulietta\/Stella), Angela Brower (La Muse\/Nicklausse), Luca Pisaroni (Lindorf\/Copp\u00e9lius\/Dr. Miracle\/Dapertutto), Gideon Poppe (Andr\u00e8s\/Cochenille\/Frantz\/Pitichinaccio), Kristina Stanek (La M\u00e8re), Martin Summer (Ma\u00eetre Luther\/Crespel), Dongwon Kang (Nathana\u00ebl), J\u00fcrgen Sacher (Spalanzani), Daniel Schliewa (Wilhelm\/Wolfram), Han Kim (Le Capitaine des Sbirres), Bernhard Hansky (Schl\u00e9mil\/Hermann)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. September 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Hamburg-Hoffmanns-Erz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8191\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Hamburg-Hoffmanns-Erz.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"419\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Hamburg-Hoffmanns-Erz.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Hamburg-Hoffmanns-Erz-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Dichter E.T.A. Hoffmann in der Weinstube aus Liebeskummer mit Kameraden um die S\u00e4ngerin Stella zecht, erz\u00e4hlt er ihnen in Gegenwart seines Rivalen Lindorf von seinen vergangenen ungl\u00fccklichen Liebesgeschichten, die ebenfalls den Erz\u00e4hlungen Hoffmanns entnommen sind. Diese Geschichten um die mechanische Puppe Olympia, die kranke S\u00e4ngerin Antonia und der Kurtisane Giulietta bilden den Gegenstand der drei folgenden Akte. Hoffmans unerkannter Begleiter ist dabei die Muse der Dichtung, die ihm sch\u00fctzend zur Seite steht. Als er am Ende seiner Erz\u00e4hlungen so betrunken ist, da\u00df er Stella vergr\u00e4tzt und sich diese Lindorf anschlie\u00dft, erinnert die Muse ihn an seine wahre Liebe in Gestalt der Kunst.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnengeschehen darf man wohl als im besten Sinne \u00e4sthetisch ansprechend bezeichnend, und dank der weitgehenden inhaltlichen Orientierung am Originaltext auch im Sinne von Hoffmann und Offenbach. So verschlie\u00dft sich die Auff\u00fchrung in keinem Augenblick der romantischen Mischung aus farbenfrohem Spektakel sowie fantastisch grotesken Geisterspiel samt Artistik, ohne dabei den Gedanken an das Sch\u00f6ne je zu opfern. St\u00e4ndig scheint dabei auf verspielte Weise durch, da\u00df es sich \u201anur\u2018 um ein B\u00fchnenspiel handelt. Selbst wenn das Gezeigte eigene Wege geht, ist es stark am Libretto orientiert. So erscheint die kranke Antonia als gebrechlicher, lebensgro\u00dfer blauer Schmetterling in einem \u00fcberdimensionalen Schmetterlingskasten, im Venedig-Akt kommen auf spektakul\u00e4re Weise Spiegel in diversen \u00a0Formen zum Einsatz, und Olympia singt und tanzt auf einer gewaltigen Spieldose. F\u00fcr das beeindruckend gespiegelte Venedig-B\u00fchnenbild samt Taubenschar gab es bei der Premiere sogar Szenenapplaus. Um das Fantastische zu betonen, schweben wiederholt die Hoffmannschen Geister und Imaginationen \u00fcber die K\u00f6pfe der Figuren hinweg, etwa in Form von Kleinzack, Antonias toter Mutter oder der hinzu erfundenen Verdopplung der Muse als stummer Figur. Auch die \u00fcberwiegend historisch gehaltenen, durchweg stilvollen Kost\u00fcme wissen zu erfreuen. So wirkt Lindorf mit seinen grotesk langen Fingern\u00e4geln wie ein Wiederg\u00e4nger Nosferatus, im Venedig-Akt ist die Festgesellschaft barock gekleidet, und Olympia sieht tats\u00e4chlich aus wie eine Puppe, samt Zahnr\u00e4dern auf dem R\u00fccken. Auf geschmackvolle Weise kommt auch die Videotechnik zum Einsatz. So \u201aspiegeln\u2018 sich im Barfenster im Ersten Akt die drei verschiedenen Gesichter von Hoffmans Lieben, wenn er diese besingt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Hamburger Auff\u00fchrung macht von der g\u00e4ngigen Praxis Gebrauch, die Rollen je nach S\u00e4ngerfach mehrfach zu besetzen. Gl\u00fccklicherweise bringen alle Beteiligten die schauspielerischen und stimmlichen F\u00e4higkeiten mit, um diesen Spagat zu meistern. Allen voran der Star des Abends in Gestalt von <strong>Olga Peretyatko<\/strong>. Dank ihres schier endlosen Atems und einer farbig weichen Gestaltung ist f\u00fcr sie keine Koloratur zu lang, ihre Gestaltung klingt bis in die h\u00f6chsten H\u00f6hen m\u00fchelos, nicht nur in \u201eOlympias Lied\u201c. Man meint tats\u00e4chlich, vier verschiedene Frauenfiguren vor sich zu haben.<\/p>\n<p>Als einziger Hauptdarsteller versieht <strong>Benjamin Bernheim<\/strong> als Hoffmann zwar nur eine Rolle, bringt jedoch genug charakterliche Festigkeit mit, um in allen seinen \u201aErz\u00e4hlungen\u2018 zu \u00fcberzeugen. Dank einer m\u00fchelos strahlenden H\u00f6he und vollem Timbre widerlegt er erfreulicherweise das Stereotyp, da\u00df der Tenor in der Oper das schw\u00e4chste Glied ist. Nicht nur dank seiner Aufmachung ist <strong>Luca Pisaroni<\/strong> ein herrlicher B\u00f6sewicht, dessen Ba\u00dfbariton \u00fcber viel Volumen verf\u00fcgt, so da\u00df er auch die <em>Spiegelarie<\/em> problemlos meistert.<\/p>\n<p>Auch <strong>Angela Browers<\/strong> Mezzosopran l\u00e4\u00dft an aufbl\u00fchender weicher Farbe und Espressivo keine W\u00fcnsche offen. Mit kom\u00f6diantischem Talent gesegnet ist <strong>Gideon Poppe,<\/strong> der unter anderem als Cochenille ein T\u00e4nzchen hinlegt und dabei Lacher aus dem Publikum erntet. Dem auf franz\u00f6sischem Gebiet geschulten <strong>Kent Nagano<\/strong> gelingt es, dem <strong>Philharmonischen Staatsorchester Hamburg<\/strong> duftig str\u00f6menden, differenzierten Wohlklang zu entlocken. Neben den sattelfesten Streichern wissen vor allem die vielen herrlichen Fl\u00f6tensoli zu begeistern. Coronabedingt (?) wurden Teile des Chores der Hamburgischen Staatsoper in den Logen im ersten und zweiten Rang platziert, was jedoch keinesfalls von Nachteil war, sondern einen transparenten Raumklangeffekt zur Folge hatte, der mit dem restlichen Chor auf der B\u00fchne wunderbar verschmolz.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Bravi samt Standing Ovations f\u00fcr die S\u00e4nger mitsamt Applaus ohne Buhs f\u00fcr das ausgezeichnete italienische Regieteam rund um Daniele Finzi Pasca am Premierenabend. An imaginativer Kraft und Fantasie l\u00e4\u00dft dieser Hamburger <em>Hoffmann<\/em> nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, den man auf allen Ebenen f\u00fcr Ohren und Augen nur w\u00e4rmsten empfehlen kann. Um es mit E.T.A. Hoffmann selbst zu sagen: Diese Auff\u00fchrung entf\u00fchrt das Publikum ins \u201ewunderbare Geisterreich\u201c Offenbachs.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880) , phantastische Oper, f\u00fcnf Akte, Libretto: Jules Barbier, UA: 10. 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