{"id":8158,"date":"2021-05-27T17:32:37","date_gmt":"2021-05-27T16:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8158"},"modified":"2021-06-07T18:01:13","modified_gmt":"2021-06-07T17:01:13","slug":"salzburger-festspiele-pfingsten-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8158","title":{"rendered":"Salzburger Festspiele Pfingsten 2021"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Poema Sinfonico<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Konzert mit Werken<br \/>\nvon Felix Mendelssohn (1809-1847), Symphonie Nr. 4 \u2013 Italienische und Konzert f\u00fcr Violine und Orchester<br \/>\nvon Ottorino Respighi (1879-1936) Pini di Roma \u2013 Poema sinfonico, UA: 14.12.1924 in Rom<br \/>\nDirigent: Zubin Mehta, Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino<\/p>\n<p>Solisten: Maxim Vengerov (Violine)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 22. Mai 2021 im Gro\u00dfen Festspielhaus<\/p>\n<p><strong><em>What Passion Cannot Music Raise<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Arienabend mit Werken von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Nicola Porpora (1686-1768), Johann Adolph Hasse (1699\u20131783), Georg Philipp Telemann (1681-1767), Antonio Vivaldi (1678-1741)<br \/>\nDirigent: Gianluca Capuano, Les Musiciens du Prince-Monaco<\/p>\n<p>Solisten: Cecilia Bartoli (Mezzosopran)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. Mai 2021, Im Haus f\u00fcr Mozart<\/p>\n<p><strong><em>Il Trionfo del Tempo e del Disinganno<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oratorium in zwei Teilen, Libretto: Kardinal Benedetto Pamphili, UA: Juni 1707, Collegio Clementino<br \/>\nRegie: Robert Carsen, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Gideon Davey<br \/>\nDirigent: Gianluca Capuano, Les Musiciens du Prince-Monaco<\/p>\n<p>Solisten: Melissa Petit (Bellezza-Sch\u00f6nheit, Sopran), Cecilia Bartoli (Piacere- Vergn\u00fcgen, Mezzo), Lawrence Zazzo (Disinganno-Erkenntnis, Countertenor), Charles Workman (Tempo-Zeit, Tenor)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. Mai 2021, Im Haus f\u00fcr Mozart<\/p>\n<p><strong><em>Tosca<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Melodramma in drei Akten, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardou, UA: 14. Januar 1900 Rom, Teatro Costanzi, konzertante Auff\u00fchrung<br \/>\nDirigent: Zubin Mehta, Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino, Choreinstudierung: Lorenzo Fratini, Chor der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor, Choreinstudierung: Wolfgang G\u00f6tz<\/p>\n<p>Solisten: Anna Netrebko (Floria Tosca), Jonas Kaufmann (Mario Cavaradossi), Luca Salsi (Baron Scarpia), Alessandro Spina (Cesare Angelotti), Alfonso Antoniozzi (Mesner), Francesco Pittari (Spoletta), Giulio Mastrototaro (Sciarrone), Adolfo Corrado (Schlie\u00dfer), Cecilia Bartoli (Hirt)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. Mai 2021, Gro\u00dfes Festspielhaus<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Salzburger Pfingstfestspiele freute man sich immer besonders. Schlie\u00dflich waren die Pfingstfestspiele 2020 ausgefallen und die Sommerfestspiele selbst k\u00f6nnen bislang nur sehr eingeschr\u00e4nkt stattfinden. Salzburg im Sommer steht f\u00fcr Kunst, Kultur, Mozart, aber auch f\u00fcr Prominentenrummel und Blitzlichtgewitter. Die Pfingstfestspiele speziell stehen f\u00fcr die Auseinandersetzung mit der historischen Auff\u00fchrungspraxis meist barocker oder historischer Werke. Speziell seit Cecilia Bartoli die Leitung \u00fcbernommen hat, stieg auch der k\u00fcnstlerische Anspruch und auch die Reputation bzw. Nachfrage. Die Auswahl der Solisten und Gastorchester entspricht den hohen Erwartungen. Meist wird eine der Produktionen in den Kanon der Salzburger Festspiele im Sommer \u00fcbernommen. In diesem Jahr mu\u00dften zahlreiche Kompromisse gemacht werden hinsichtlich Abstand, gro\u00dfes Orchester, Chor und Zuschauerzahl. Man subsumiert das unter dem Schreckenswort Hygieneregeln. Dieses Jahr gab es nur drei Orchester. Die gro\u00dfen Werke wie <em>Tosca<\/em> konnten nur konzertant unter der Nutzung der gesamten B\u00fchnenbreite im gro\u00dfen Festspielhaus stattfinden. Die Proben wurden reduziert, so da\u00df die versuchte szenische Darstellung durch die S\u00e4nger nur als verwirrend beschrieben konnte. Der Kinderchor blieb hinter dem gro\u00dfen Orchester fast unbemerkt und mu\u00dfte sich in der Applausordnung erst wieder in den Vordergrund spielen.<\/p>\n<p>Die kleineren barocken Werke hingegen mit kleinem Orchester, keinem Chor und wenigen Solisten hatten im Haus f\u00fcr Mozart viel Platz, so da\u00df auch eine angemessene szenische Produktion m\u00f6glich war, die allen Erwartungen entsprach und in den h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt wurde. Und weil die Solisten getestet oder geimpft waren, durften sie sich sogar einander n\u00e4hern.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Salzburg-trionfo-2021-c-sf-monika-rittershaus-04.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8159\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Salzburg-trionfo-2021-c-sf-monika-rittershaus-04.png\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"550\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Salzburg-trionfo-2021-c-sf-monika-rittershaus-04.png 364w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Salzburg-trionfo-2021-c-sf-monika-rittershaus-04-199x300.png 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>So \u00fcberzeugte das Oratorium <strong><em>Il Trionfo del Tempo e del Disinganno <\/em><\/strong>von Anfang an mit einer pfiffigen Choreographie, die alle Hebel des modernen Regietheaters zog. Eigentlich ein St\u00fcck \u00fcber Moral und Geltungsdrang zeigt die Handlung einen den Wettbewerb eines Models, der mit vielen modischen Kost\u00fcmen und Verkleidungswechseln einherging. Auch die Solisten des Orchesters, die mit Trompete oder Querfl\u00f6te orchestersolistischen Verpflichtungen nachgingen, wurden neu eingekleidet.<\/p>\n<p>Der junge H\u00e4ndel findet 1707 in Rom eine Anordnung des Papstes vor, der Opernauff\u00fchrungen verboten hat. Es sei ein Zeichen der Bu\u00dfe nach einem verheerenden Erdbeben. Der Zweiundzwanzigj\u00e4hrige umgeht das p\u00e4pstliche Dekret aber raffiniert und komponiert sein erstes Oratorium als eine verkappte Oper. Der r\u00f6mische Kardinal Benedetto Pamphili hatte ihm dazu ein rhetorisch brillantes, hochphilosophisches Libretto geschrieben.<\/p>\n<p>Das Oratorium feiert am Ende also den Sieg der Zeit und der Erkenntnis \u00fcber die Sch\u00f6nheit und das sich am\u00fcsieren. Diese vier allegorischen Figuren verhandeln existentielle Fragen zwischen h\u00f6chster Lebensart und Verg\u00e4nglichkeit, zwischen <em>Carpe Diem<\/em> (etwa: genie\u00dfe den Augenblick) und Memento Mori (etwa: sei des Todes stets gewi\u00df).<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit hat mit dem Vergn\u00fcgen einen Pakt geschlossen, der ihr im \u201eSpiegel der T\u00e4uschung\u201c ewige Jugend suggeriert. Im Kampf mit der Zeit und der Erkenntnis kommt die Sch\u00f6nheit schlie\u00dflich zu der schmerzlichen Einsicht, den Blick in den \u201eSpiegel der Wahrheit\u201c zu wagen und damit ihre Verg\u00e4nglichkeit zu akzeptieren. Sie bereut ihr ausschweifendes Leben und f\u00fcgt sich dem g\u00f6ttlichen Willen.<\/p>\n<p>Das stark moralisierende Sujet trifft den aktuellen Zeitgeist in der Coronakrise genau \u2013 mit ihrem Verzichtsgebot und ihrem Zwang, auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen zu sein. Und ohne Chor, mit nur vier Protagonisten ist H\u00e4ndels Oratorium auch auff\u00fchrungspraktisch perfekt f\u00fcr die Pandemie. Regisseur Robert Carsen w\u00fcrzt \u201eIl Trionfo del Tempo e del Disinganno\u201c mit einer Schar von T\u00e4nzerinnen und Statisten.<\/p>\n<p>Im sch\u00f6nen Salzburg geht es los: Das Finale von \u201eThe World\u2019s next Topmodel\u201c findet dort statt. In der Jury: Cecilia Bartoli im roten Hosenanzug, mit Kurzhaarschnitt und Zigarette als personifiziertes Vergn\u00fcgen, Lawrence Zazzo im eleganten schwarzen Anzug und Charles Workman im Priestergewand als Allegorien von Erkenntnis und Zeit. Das Schaulaufen der Models gewinnt Belezza, die Sch\u00f6nheit, in Gestalt von M\u00e9lissa Petit. F\u00fcr diese \u201eAllerweltsfrau\u201c beginnt nun eine Achterbahn der Gef\u00fchle zwischen Vergn\u00fcgungssucht und Entsagung.<\/p>\n<p>Zusammen mit der Choreographin Rebecca Howell inszeniert Robert Carsen den Palast des Vergn\u00fcgens als Hippe Party mit Discokugeln und flirrenden Time-Codes. Die Zeit rast dahin, auch Alkohol ist im Spiel und Belezza hat Sex mit dem DJ. Zuvor hat sie Cecilia Bartoli als diabolische Drahtzieherin in virtuelle Traumwelten entf\u00fchrt, die doch nur billige Blue-Box-Effekte sind. \u00dcberhaupt kommt wieder mal in dieser Festspiel-Produktion viel Video zum Einsatz. Umso st\u00e4rker wirken Momente des Innehaltens, etwa wenn sich die T\u00e4nzer zur \u201eUrnen-Arie\u201c der Zeit ausziehen und nackt zu Boden fallen.<\/p>\n<p>Ausstatter Gideon Davey l\u00e4\u00dft H\u00e4ndels Parabel in der Mode- und Theaterwelt spielen. Gl\u00fchbirnen-gerahmte Schminkspiegel in der K\u00fcnstlergarderobe symbolisieren \u201eSpiegel der T\u00e4uschung\u201c \u2013 was sind sie anderes im Theater.<\/p>\n<p>Und der \u201eSpiegel der Wahrheit\u201c? B\u00fchnenf\u00fcllend bekommt das betuchte Festspielpublikum den Spiegel vorgehalten, wird zum Nachdenken, zur Selbstreflexion aufgefordert. Belezza landet erst noch auf der Couch von Psychiater Disinganno \u2013 Der Erkenntnis, bevor sie am Ende auf der bis zur Brandmauer leeren B\u00fchne zu sich selbst findet. Oder zu Gott? Carsen l\u00e4\u00dft das sympathischerweise offen. Seine Inszenierung fr\u00f6mmelt nie. Er versucht, die allegorischen Figuren als Menschen von heute zu zeigen. Insgesamt wirkt das Setting jedoch allzu glatt, artifiziell und k\u00fchl \u2013 zu sch\u00f6n, um wahr zu sein.<\/p>\n<p>Das von der Bartoli mitbegr\u00fcndete Alte-Musik-Ensemble <em>Les Musiciens du Prince-Monaco<\/em> lotet im Graben die unfa\u00dfbare Klangfantasie des jungen H\u00e4ndel mit etlichen Zupfinstrumenten, reichem Continuo und konzertierender Orgel lustvoll aus. Manchmal schl\u00e4gt Gianluca Capuano am Pult arg forsche Tempi an, so da\u00df die S\u00e4nger nicht immer hundertprozentig mitkommen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ndels <strong><em>Il Trionfo del Tempo e del Disinganno<\/em><\/strong> hat Capuano mit ungew\u00f6hnlich reifen M\u00e4nnerstimmen besetzt. Der Tenor Charles Workman ist ein stimmstarker, manchmal etwas grober Herrscher \u00fcber die Zeit, der Countertenor Lawrence Zazzo ber\u00fchrt besonders in der <em>Schlummer-Arie<\/em> der Erkenntnis mit bezaubernden Lyrismen. Die junge M\u00e9lissa Petit braucht auch gesanglich eine Weile, um zu sich zu finden \u2013 ihrem Timbre fehlt es gewi\u00df nicht an Sch\u00f6nheit. Aber f\u00fcr die Riesenpartie w\u00fcrde man sich eine klarere, fokussiertere, auch flexiblere Sopranstimme w\u00fcnschen. Den Vogel abgeschossen aber hat \u2013 wieder mal und immer noch \u2013 Cecilia Bartoli mit ihrer einzigartigen Gesangskunst, die als <em>Piacere <\/em>sichtlich und h\u00f6rbar Vergn\u00fcgen hat an ihrer Rolle. Die teuflischen Charaktere waren eben schon immer die dankbarsten.<\/p>\n<p>Cecilia Bartoli hat ihre T\u00e4tigkeit als Mezzosopran und Intendantin als S\u00e4ngerdarstellerin historischer Musik noch pers\u00f6nlich bereichert. Sie untermauert dies nun noch mit dem Arienabend <em>What Passion Cannot Music Raise<strong>.<\/strong><\/em> Unterst\u00fctzt noch von einem gro\u00dfartigen Orchester wurde hier ein H\u00f6hepunkt der barocken Gesangskunst zelebriert, bei dem Frau Bartoli mit Arien in ihrer bekannten pers\u00f6nliche gestalterische Note das Publikum \u00fcberzeugen konnte<\/p>\n<p>Das Orchester <em>Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino<\/em> stellt sein gro\u00dfes K\u00f6nnen in der Darstellung klassischer Musik und italienischen Programmpunkten unter Beweis. <em>Poema Sinfonico <\/em>ist das Programm und der Titel des Werkes von Ottorino Respighi. Es ist eine Wiederentdeckung. Der Kontakt zwischen Zubin Mehta<strong>, <\/strong>dem Orchester und Maxim Vengerov funktioniert reibungslos, obwohl Mehta mittlerweile nicht mehr sehr beweglich wirkt und eher auf kleine Gesten setzt bevor die Arme herniedersinken. Die akustischen Verh\u00e4ltnisse im gro\u00dfen Festspielhaus sind ideal f\u00fcr ein solches Galakonzert. Die Zugabe konnte nach Respighi konnte nat\u00fcrlich nur das Intermezzo aus der Cavalleria Rusticana sein.<\/p>\n<p>Fast zwanzig Minuten Applaus, davon mindestens die H\u00e4lfte mit dem gesamten Publikum des Gro\u00dfen Festspielhauses, besiegelten die <strong><em>Tosca<\/em><\/strong>, den letzten Termin der Pfingstfestspiele.<\/p>\n<p>Als gro\u00dfer Alchimist einer perfekten Auff\u00fchrung versteht es der gerade 85 Jahre alt gewordene Zubin Mehta, Solisten, Orchester und Chor unter seine Fittiche zu nehmen, ihnen allen das Beste zu entlocken und es dann zu einer wunderbaren musikalischen Geschichte zu verschmelzen, in der nichts dem Zufall \u00fcberlassen wird, die aber immer spontan ist.<\/p>\n<p>Der Klang des <em>Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino<\/em> ist \u00fcppig, aber ohne jede Affektiertheit oder Selbstgef\u00e4lligkeit, und darauf verl\u00e4\u00dft sich Mehta, um eine lebendige und mitrei\u00dfende Lesung zu gestalten, in der die Erz\u00e4hlung mit winzigen Rubati zum Leben erwacht und mit mitrei\u00dfender Dynamik, die sich in melodische Einblicke von absoluter Sch\u00f6nheit \u00f6ffnet. Eine <em>Tosca<\/em> in Techicolor-Cinemascope, aber gleichzeitig intim, in der der indische Dirigent mit den S\u00e4ngern atmet \u2013 die linke Hand ist ganz f\u00fcr sie da \u2013 und ihnen die idealen Bedingungen bietet, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.<\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung in Konzertform \u2013 nur eine Leinwand hinter dem Orchester, auf die nach und nach die Abbildungen von Sant\u2018Andrea della Valle, Palazzo Farnese und Castel Sant\u2018Angelo projiziert werden \u2013 lenkt gl\u00fccklicherweise die Aufmerksamkeit auf die Musik nicht ab. Sie tritt in ihrer ganzen brillanten Kraft hervor.<\/p>\n<p>Die S\u00e4ngerschar ist eine von denen, die man einst als \u201ediskographisch\u201c bezeichnet h\u00e4tte, bestehend aus Stars, die sich mit der Demut, die nur den Gro\u00dfen eigen ist, ganz in den Dienst der Musik stellen.<\/p>\n<p>In der Titelrolle zeigt Anna Netrebko \u2013 tats\u00e4chlich in letzter Minute f\u00fcr Anja Harteros eingesprungen \u2013 eine \u00fcppige Phrasierung, die sich mit der Sch\u00f6nheit ihres \u00fcber die Jahre braun gewordenen Timbres verbindet. Die Beherrschung der Holzbl\u00e4ser, die Leichtigkeit der Ausstrahlung, die Suche nach Farben tun ihr \u00fcbriges; ihre Tosca ist leidenschaftlich, aber nicht r\u00fccksichtslos, une trag\u00e9dienne elegant, aber gleichzeitig stolz auf ihre Zerbrechlichkeit.<\/p>\n<p>An ihrer Seite zeigt Jonas Kaufmann einen Cavaradossi von kindlicher Ader, in seiner Interpretation vollkommen. Kaufmann beherrscht den \u00fcppigen Gesangsstil mit mezzevoci \u2013 Stimmsetzen. Die Pianissimoattacke in <em>Qual occhio al mondo \u2013 welche Augen auf dieser Welt<\/em> entfaltet sich in leidenschaftlich verzweifelten Ausbr\u00fcchen und gelingen ihm meisterhaft.<\/p>\n<p>Gro\u00dfartig war der elegant sadistische Scarpia von Luca Salsi \u2013 der anstelle des angek\u00fcndigten Bryn Terfel aus Wien angereist \u2013 der die ganze Palette an Farben und Akzenten, die seine Stimme besitzt, in den Dienst der Figur stellen konnte.<\/p>\n<p>Alfonso Antoniozzi, einer der intelligentesten S\u00e4nger, ist ein Sagrestano, der reich an Sinn f\u00fcr Humor ist, w\u00e4hrend Alessandro Spina ein Angelotti von gro\u00dfer Autorit\u00e4t darstellt.<\/p>\n<p>Francesco Pittaris Spoletta und Giulio Matrototaros Sciarrone sind extravagant \u2013 und weit mehr als Nebenrollen \u2013 ebenso Adolfo Corrado als Carceriere.<\/p>\n<p>Cecilia Bartoli singt den Hirtenstornello (Hirtenruf) in Lederhosen und tadellosem Romanesco (r\u00f6mischer Dialekt) gibt ihm endlich die W\u00fcrde, die er verdient, und fegt Jahrzehnte verstimmter und monotoner Kinder in weniger als zwei Minuten hinweg; einfach fantastisch.<\/p>\n<p>Der Chor des Maggio, vorbereitet von Lorenzo Fratini, ist der Protagonist einer brillanten Auff\u00fchrung, ebenso wie die Kinderstimmen des Theater Kinderchors unter der Leitung von Wolfgang G\u00f6tz.<\/p>\n<p>Der Triumph wurde bereits erw\u00e4hnt, aber er ist es wert, wiederholt zu werden: Zwanzig Minuten tosender Applaus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit diesem Festspielprogramm sind die Pfingstfestspiele mit eigenst\u00e4ndigem Profil aus dem Schatten der Salzburger Sommerfestspiele herausgetreten. F\u00fcr die historische Auff\u00fchrungspraxis mit spezialisierten Orchester-Ensembles findet man hier den entsprechenden Raum, das S\u00e4ngerensemble bietet auf, was unter dem Schlagwort \u201eFarinelli und Friends\u201c Rang und Namen hat, man kann hier von \u201eBartoli und Ihre Freunde\u201c sprechen: Das Besetzung des Schlu\u00dfaktes mit drei weltbekannten Hauptdarstellern spricht B\u00e4nde. Diese <em>Tosca<\/em> wird zu den Salzburger Festspielen hinzukommen \u2013 in welcher Besetzung ist noch nicht ganz klar. Das Publikum akzeptiert die aktuellen Einschr\u00e4nkungen \u2013 die Geduld mit der eine luftdichte FFP2-Maske f\u00fcr fast drei Stunden akzeptiert wird. mag sogar erstaunen. Die musikalische Seite hingegen steht strahlend da, der nahezu hysterische Schlu\u00dfapplaus der aufgef\u00fchrten Veranstaltungen mag als Beleg gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Monika Rittershaus<br \/>\nDas Bild zeigt: Melissa Petit (Bellezza-Sch\u00f6nheit), Cecilia Bartoli (Piacere- Vergn\u00fcgen) in <em>Il Trionfo del Tempo e del Disinganno<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Poema Sinfonico Konzert mit Werken von Felix Mendelssohn (1809-1847), Symphonie Nr. 4 \u2013 Italienische und Konzert f\u00fcr Violine und Orchester von Ottorino Respighi (1879-1936) Pini di Roma \u2013 Poema sinfonico, UA: 14.12.1924 in Rom Dirigent: Zubin Mehta, Orchestra del Maggio<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8158\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8159,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134,193],"tags":[],"class_list":["post-8158","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured","category-salzburger-festspiele-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8158"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8160,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8158\/revisions\/8160"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8159"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}