{"id":8152,"date":"2021-06-07T17:28:45","date_gmt":"2021-06-07T16:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8152"},"modified":"2021-06-07T17:29:45","modified_gmt":"2021-06-07T16:29:45","slug":"faust-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8152","title":{"rendered":"Faust &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod (1818-1893) Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Barbier und Michael Carr\u00e9, nach dem Theaterst\u00fcck Faust\u00a0 von Johann Wolfgang von Goethe, UA:: 19. M\u00e4rz 1859, Paris, Th\u00e9\u00e2tre-Lyrique<br \/>\nRegie: Johannes Erath, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Herbert Muraurer<br \/>\nDirigent: Fran\u00e7ois-Xavier Roth; G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<br \/>\nSolisten: Alexander Fedin (Alter Faust), Young Woo Kim (Junger Faust), Samuel Youn (M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s), Anne-Catherine Gillet (Marguerite), Miljenko Turk (Valentin), Regina Richter (Si\u00e9bel), Lucas Singer (Wagner), Judith Thielsen (Marthe)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 5. Juni 2021 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong>Der alternde Gelehrte Doktor Faust l\u00e4\u00dft sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein, um seine Jugend wiederzugewinnen. Er verliebt sich in das unschuldige M\u00e4dchen Marguerite und verf\u00fchrt sie mit Hilfe des Teufels. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht verl\u00e4\u00dft er sie jedoch wieder, um weitere Abenteuer zu erleben. Marguerite bekommt ein Kind und wird von der Gesellschaft f\u00fcr diese S\u00fcnde versto\u00dfen. In ihrer Verzweiflung t\u00f6tet sie es und wird als Kindsm\u00f6rderin zum Tode verurteilt. Als Faust sich seines Vergehens an ihr bewu\u00dft wird, versucht er sie zu retten. Doch Marguerite vertraut ihre Seele Gott an und kann sich so vor den F\u00e4ngen des Teufels besch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Koeln-Faust-21.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8156\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Koeln-Faust-21.png\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"550\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Koeln-Faust-21.png 366w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Koeln-Faust-21-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/a>Vorbemerkung<br \/>\n<\/strong>Von der Pariser Op\u00e9ra wurde das Werk von Gounod zuerst abgelehnt, so da\u00df es schlie\u00dflich im Th\u00e9\u00e2tre-Lyrique seine Urauff\u00fchrung erlebte. Die Erstfassung der Oper wurde im Stile der op\u00e9ra-comique mit gesprochenen Dialogen aufgef\u00fchrt. Sp\u00e4ter wurden diese durch komponierte Rezitative ersetzt. Diese Version ist die bis heute \u00fcbliche Fassung der Oper. Die K\u00f6lner Auff\u00fchrung nimmt die erste Version der Oper aus der weitgehend rekonstruierten Originalfassung von Gounods <em>Faust<\/em> von 1859 mit gesprochenen Dialogen nach der Neuausgabe von Paul Pr\u00e9vost.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Mit einem ausgekl\u00fcgelten Hygienekonzept \u00f6ffnet die K\u00f6lner Oper im Staatenhaus zum ersten Mal nach langer Pause wieder ihre Pforten f\u00fcrs Publikum. Mit einem negativen Coronatest oder einem Nachweis \u00fcber Impfung oder Genesung, wurde der Eintritt m\u00f6glich. Der Saal selbst war zur Vorbeugung vor Ansteckung nur zu ca. einem Drittel gef\u00fcllt und die Pl\u00e4tze im Schachbrettmuster belegt. Dank der guten Bel\u00fcftung im Saal war das Tragen der Maske am Platz nicht unangenehm.<\/p>\n<p>Der Orchestergraben befindet sich ebenerdig direkt vor der B\u00fchne, was einen guten Blick auf das Dirigat von <strong>Fran\u00e7ois-Xavier Roth<\/strong> und das <strong>G\u00fcrzenich Orchester<\/strong> zul\u00e4\u00dft. Dahinter befindet sich eine aufwendige B\u00fchnenkonstruktion, die aus mehreren ellipsenf\u00f6rmigen Seitenw\u00e4nden besteht, die ineinander verschoben werden k\u00f6nnen. An den W\u00e4nden werden Projektionen gezeigt. Man sieht Krankenhausszenen als Symbol der Alterung und des Todes, oder sp\u00e4ter rote Lippen, die die Versuchung der H\u00f6lle verdeutlichen.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind sehr extravagant, bunt und unterstreichen die Charaktere der Figuren. M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s tr\u00e4gt beispielsweise einen schwarz-wei\u00dfen Anzug mit aufgedruckten Schmetterlingen und Marguerite eine Schulm\u00e4dchenuniform, sp\u00e4ter dann ein lachsfarbenes T\u00fcllkleid.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Eingeleitet wird der Abend durch d\u00fcstere T\u00f6ne der Ouvert\u00fcre, f\u00fcr die Fran\u00e7ois-Xavier Roth ein sehr langsames Tempo w\u00e4hlt. Die einzelnen Orchester stimmen kann dabei die nachdenkliche und bedr\u00fcckende Stimmung der Oper sehr gut entfalten und auf den Abend einstimmen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen rollt <strong>Alexander Fedin<\/strong> (Faust im Alter) zusammengekauert in einem Rollstuhl auf die B\u00fchne. In der Eingangsarie <em>Rien! En vain j\u2019interroge<\/em>, en mon ardente veille \u2013 <em>Nichts! Umsonst befrage ich der lichten Sterne Chor<\/em> besingt er das traurige Fazit seines Lebens mit einem hohen Tenor, sehr laut und akzentuiert. Dabei klingt er in den H\u00f6hen sehr scharf und oft etwas nasal. Das helle Timbre seiner Stimme pa\u00dft sehr gut zu der Zerbrechlichkeit des alternden Faust. Sein Mitstreiter M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s (<strong>Samuel Youn<\/strong>) legt von Anfang an sowohl schauspielerisch als auch gesanglich eine Glanzleistung hin. Schon w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre r\u00e4kelt er sich mit s\u00fcffisantem L\u00e4cheln an der Ballustrade des Orchestergrabens und raucht eine Zigarette. Durch diese l\u00e4ssigen Gesten und seinen raumf\u00fcllenden, donnernden Ba\u00df, der ein rauhes Timbre aufweist, dr\u00fcckt er seiner Rolle einen ganz eigenen Stempel auf. In der Arie <em>Le veau d\u2019or \u2013 Das goldene Kalb<\/em> tanzt er auf einem Sarg, dirigiert mit anfeuernden Gesten die Menge, singt dabei sehr akzentuiert und l\u00e4\u00dft seine Stimme in der H\u00f6he bedrohlich anschwellen, um seine Macht zu verdeutlichen. Die gesprochenen Dialoge \u00fcbernimmt w\u00e4hrend des ganzen Abends f\u00fcr ihn Fran\u00e7ois-Xavier Roth aus dem Orchestergraben heraus, was zuerst irritiert, aber schnell nicht mehr auff\u00e4llt. Ebenfalls erw\u00e4hnenswert ist <strong>Young Woo Kim<\/strong> (Junger Faust), dessen leuchtender Tenor im Vergleich zu Fedin sehr viel mehr Substanz und Resonanz mitbringt. In der Liebesarie zu Marguerite betont er mit einem s\u00fc\u00dfen, schmelzenden Gesang seine Verliebtheit und gleichzeitig die Verzweiflung \u00fcber einen m\u00f6glichen Verlust. Dabei hat seine Stimme ein ausnehmend warmes Timbre und klingt immer satt und voll. Schauspielerisch betont er den Elan des jungen Faust durch eine sehr auffallende Mimik.<\/p>\n<p>Bei den S\u00e4ngerinnen kann Anne-Catherine Gillet (Marguerite) besonders \u00fcberzeugen, da sie eine gro\u00dfe Bandbreite an Gef\u00fchlen gesanglich sehr gut umsetzen kann. Ihr Sopran hat ein samtenes, sehr weiches Timbre und klingt auch in der H\u00f6he immer angenehm ausbalanciert. In der Ballade von K\u00f6nig Thule wechselt sie sehr gekonnt zwischen Brust- und Kopfstimme, was dem erz\u00e4hlerischen Stil mehr Nachdruck verleiht. Besonders gut ist sie aber auch im letzten Akt, als sie die Trauer \u00fcber Fausts Abwesenheit besingt. Hier legt sie sehr viel Gef\u00fchl in die T\u00f6ne und steigert sich in den Spitzent\u00f6nen, da\u00df es wie ein Aufschrei der Verzweiflung klingt.<\/p>\n<p>Unter den m\u00e4nnlichen Stimmen ist <strong>Miljenko Turk<\/strong> (Valentin) noch zu erw\u00e4hnen, der mit einem schmetternden Tenor singt und besonders in seinem letzten Auftritt, als er seine Schwester verflucht, sehr energisch und mit Inbrunst seine Verachtung besingt. Schauspielerisch zeigt er dabei sehr viele Facetten, indem er in einem Nachthemd \u00fcber die B\u00fchne robbt, sich mit einem Degen aufschlitzt und von Wahnsinn besessen seine Schwester fast erw\u00fcrgt.<\/p>\n<p>Sehr zu loben ist die Leistung des Chores, der aufgrund der Coronaauflagen nur von der Seitenlinie singen darf. Zwar sind deshalb manchmal Gesang und Orchester nicht ganz synchron. Daf\u00fcr ist der opulente und ausgewogene Klang der Stimmen aber umso \u00fcberzeugender und sorgt f\u00fcr einige G\u00e4nsehautmomente. Ebenso \u00fcberw\u00e4ltigend ist das Orchester, das dem gesamten Abend eine hervorragende Leistung abruft: besonders in den Geigen werden die schwelgerischen Kl\u00e4nge der Walzer und M\u00e4rsche durch eine mitrei\u00dfende Dynamik betont.<\/p>\n<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Da\u00df nach so langer Zeit endlich wieder eine Oper live gegeben werden konnte war nicht nur f\u00fcr das Publikum ein sp\u00fcrbar besonderer Moment. Auch das Ensemble schien den Abend besonders zu zelebrieren. Die Kraft der Musik war wie eine unsichtbare Macht sp\u00fcrbar und schaffte es, trotz der Distanz, die die Zuschauer untereinander und die Darsteller auf der B\u00fchne halten mu\u00dften, eine Verbindung zu schaffen. Die Inszenierung ist zeitlos, opulent und konzentriert sich auf das Fantastische und Surreale der Oper. Dabei stehen Symbole, die den Tod verdeutlichen im Vordergrund, wie beispielsweise ein Sarg, der sp\u00e4ter auch als Kinderwiege umfunktioniert wird, dann auch aufgebahrte Leichen in Betten.<\/p>\n<p>Musikalisch war der Abend ein wahrer Genu\u00df, allen voran durch die hervorragende Leistung von Samuel Youn, Young Woo Kim und Anne-Catherine Gillet, die den meisten Applaus bekamen. Aber auch f\u00fcr den Chor und das Orchester spendete der Saal tosenden Beifall. Ein wundersch\u00f6ner Abend!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anne-Catherine Gillet (Marguerite), Young Woo Kim (Junger Faust)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Charles Gounod (1818-1893) Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Barbier und Michael Carr\u00e9, nach dem Theaterst\u00fcck Faust\u00a0 von Johann Wolfgang von Goethe, UA:: 19. 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