{"id":815,"date":"2009-10-01T22:27:37","date_gmt":"2009-10-01T20:27:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=815"},"modified":"2010-03-21T23:41:10","modified_gmt":"2010-03-21T22:41:10","slug":"basel-theater-drei-frauen-urauffuhrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=815","title":{"rendered":"Basel, Theater &#8211; DREI FRAUEN (Urauff\u00fchrung)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Rihm (*1952), Musiktheater in drei Monodramen und zwei Zwischenspielen.<br \/>\nAria\/Ariadne, Szenerie f\u00fcr Sopran und kleines Orchester (2001) nach einer Dichtung von Friedrich Nietzsche<br \/>\nZwischenspiel I: Das Gehege, eine n\u00e4chtliche Szene aus &#8222;Schlu\u00dfchor&#8220; von Botho Strau\u00df f\u00fcr Sopran und Orchester (2004\/2005)<br \/>\nZwischenspiel II:  Penthesilea Monolog, nach der Dichtung von Heinrich von Kleist f\u00fcr dramatischen Sopran und Orchester (2005)<br \/>\nRegie: Georges Delnon, B\u00fchne: Roland Aeschlimann, Kost\u00fcme: Marie-Th\u00e9r\u00e8se Jossen, Dramaturgie: Ute Vollmar, Licht: Hermann M\u00fcnzer, Video: Christoph Sch\u00f6del<br \/>\nDirigent: Andr\u00e9 de Ridder, Sinfonieorchester Basel<br \/>\nSolisten: Yeree Suh (Ariadne), Rayanne Dupuis (Anita), Renate Behle (Penthesilea), Rolf Romei (Dionysos)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 25. September 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/basel-dreifrauen.jpg\" TITLE=\"basel-dreifrauen.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/basel-dreifrauen.jpg\" ALT=\"basel-dreifrauen.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Wolfgang Rihms Oper Drei Frauen setzt sich aus drei unabh\u00e4ngig voneinander entstandenen Monologen der Jahre 2001 bis 2005 zusammen und verbindet sie zu einem Triptychon. Aria\/Ariadne, der erste Teil, basiert auf einem Text von Nietzsche und zeigt Ariadne, die, allein zur\u00fcckgelassen und in ihrer Vereinsamung gefangen, die Heimkehr des Gottes Dionysos erfleht. In Das Gehege (nach Botho Strau\u00df) schenkt eine Frau namens Anita nachts einem geliebten Adler die Freiheit. Doch der flieht weder aus seinem K\u00e4fig noch nimmt er das Opfer Anitas an, die sich ihm zur Ausweidung anbietet. Schlie\u00dflich t\u00f6tet sie ihn. In Penthesilea Monolog (nach der gleichnamigen Dichtung Kleists) erwacht die Amazone neben ihrem ermordeten Geliebten und mu\u00df feststellen, da\u00df sie selbst ihn im Wahn auf bestialische Weise get\u00f6tet hat.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Verschmelzung unabh\u00e4ngiger weiblicher Selbstgespr\u00e4che zu einem gro\u00dfen Ganzen gelingt der Inszenierung mittels szenischer Leitmotive: Der Schrank, optisch gleich, wechselt seine Funktion vom blo\u00dfen W\u00e4scheschrank im ersten Teil zur Voliere in Das Gehege. Ein Kissen ist zun\u00e4chst winzig klein gegenw\u00e4rtig und w\u00e4chst von Monolog zu Monolog, bis es die ganze B\u00fchne einnimmt. Das Geschehen auf der B\u00fchne wird wie ein Daumenkino gestaltet, das der Betrachter langsam Bild f\u00fcr Bild durchbl\u00e4ttert. Dadurch entstehen immer wieder neue Standbilder, und es bleibt Zeit f\u00fcr die Aufnahme jedes Details. Die Frauen tragen in allen drei Monodramen dasselbe Kost\u00fcm, lediglich in anderer Farbe. So k\u00f6nnen die drei Psychogramme als unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselbe Person verstanden werden. Ariadne wird zudem ein greises Alter Ego an die Seite gestellt \u2013 Sinnbild f\u00fcr das endlose Warten auf die Heimkehr des geliebten Dionysos.<br \/>\nDie Darsteller und das Orchester sind die ganze Auff\u00fchrung hindurch hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang versteckt, der Distanz zu den Akteuren schafft. Aufgehoben wird diese allerdings durch pr\u00e4zise eingesetztes Licht, durch das ein intimer Einblick in das Seelenleben der Frauen geboten wird. Der Schleier wird in den Zwischenspielen zur Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Videoinstallationen, die thematisch-visuell zur n\u00e4chsten Szene \u00fcberleiten.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie drei Solistinnen interpretierten ihre Partien feinsinnig und demonstrierten neben gro\u00dfer Textsicherheit und Textverst\u00e4ndlichkeit auch ein enormes schauspielerisches Talent.<br \/>\n<strong>Yeree Suh<\/strong> (Ariadne) \u00fcberzeugte mit einer gro\u00dfen dynamischen Bandbreite ihres Soprans, ihr Gesang war auch im piano deutlich artikuliert. Nur wollte man ihr die Emphase ihrer Rolle nicht immer glauben, wirkte sie zuweilen doch mehr wie ein kleines M\u00e4dchen als eine rasende Frau.<br \/>\n<strong>Rayanne Dupuis<\/strong> (Anita) meisterte ihren schwierigen Part der Anita mit ihrem glasklaren, fast kristallinen Sopran vortrefflich, ebenso wie <strong>Renate Behle<\/strong> (Penthesilea), die ihre Rolle als moderne Amazone mit gro\u00dfer Eindringlichkeit darbot und mit einer kr\u00e4ftig-durchdringenden Stimme gl\u00e4nzte.<br \/>\nDas <strong>Orchester<\/strong> unter der Leitung <strong>Andr\u00e9 de Ridders<\/strong> pr\u00e4sentierte eine gro\u00dfe Palette differenziertester Klangfarben. Einer eher traditionellen Instrumentenbehandlung steht die enorme Anforderung der Partitur an das Orchester gegen\u00fcber, das deren Anforderungen aber sehr gut umzusetzen wu\u00dfte. Im ersten Teil, nur in der Besetzung eines Kammerorchesters spielend, sind es vor allem Oboe und H\u00f6rner, die in Dialog mit der Stimme treten oder sie unisono unterst\u00fctzen. Die beiden anderen Monodramen sind f\u00fcr gro\u00dfes Orchester geschrieben und kontrastieren mit dem ersten: War der erste Teil melancholisch, so steigert sich der musikalische Ausdruck nun von aggressiven bis hin zu hochdramatischen Stimmungen. Die Musik spiegelt immer die Emotionen der Solistinnen wider. Durchsichtig schimmernde Kl\u00e4nge, aber auch kraftvolle Blechakkorde kennzeichnen Rihms Musik, die von extremen Dynamikschwankungen lebt. Die Komposition ist nicht einfach zu h\u00f6ren und stellt durch ihre tiefe Emotionalit\u00e4t einen gro\u00dfen Anspruch an den Zuh\u00f6rer.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAn diesem Abend pr\u00e4sentierte man nicht nur eine gelungenen Urauff\u00fchrung, sondern auch eine sehenswerte Oper, die dementsprechend vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde.<br \/>\nDas Basler Theater beweist damit, da\u00df es auch mit zeitgen\u00f6ssischer Musik keine Schwierigkeiten hat. Das Publikum spendete allen Akteuren gro\u00dfen Beifall \u2013 und auch dem Komponisten Wolfgang Rihm, der dieser Urauff\u00fchrung beiwohnte.<\/p>\n<p>Isabell SeiderBild: Peter Schnetz<br \/>\nDas Bild zeigt Yeree Suh (Ariadne)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Rihm (*1952), Musiktheater in drei Monodramen und zwei Zwischenspielen. 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