{"id":8117,"date":"2020-12-06T12:39:59","date_gmt":"2020-12-06T11:39:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8117"},"modified":"2020-12-07T19:32:41","modified_gmt":"2020-12-07T18:32:41","slug":"written-on-skin-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8117","title":{"rendered":"Written on Skin &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von: Georges Benjamn (*1960) \u00a0Oper in drei Akten, Libretto: Martin Crimp, \u00a0basierend auf <em>Guillem de Cabestanh \u2013Le Coeur Mang\u00e9<\/em>\u00ab (anonymer Text aus dem 13. Jahrhundert), UA: 7. Juli 2012, UA: 7. Juli 2012, Festival d\u2018 Aix-en-Provence<\/p>\n<p>Regie: Benjamin Lazar, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Adeline Caron<\/p>\n<p>Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier Roth und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Solisten: Robin Adams (The Protector), Magali Simard-Gald\u00e8s (Agn\u00e8s), Cameron Shahbazi (Angel 1\/Engel, The Boy), Judith Thielsen (Angel 2\/Marie) Dino L\u00fcthy (Angel 3\/John)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung (Online-Stream): 02.12.2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K\u00f6ln-Oper-Written-on-Skin.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8121\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K\u00f6ln-Oper-Written-on-Skin.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K\u00f6ln-Oper-Written-on-Skin.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K\u00f6ln-Oper-Written-on-Skin-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Agn\u00e8s ist mit einem reichen Protektor (Besch\u00fctzer) verheiratet, der zur Gewalt neigt und ihr Zuneigung verweigert. Ein Engel sucht das Ehepaar in Gestalt eines Jungen auf und bietet seine Dienste als Illustrator f\u00fcr ein Buch an, das die Grausamkeit des Protektors beschreiben soll. Der Protektor engagiert ihn. Agn\u00e8s, die Analphabetin ist, beginnt eine Aff\u00e4re mit ihm und fordert ihn auf, ein Bild ihrer Liebe zu malen, womit sie ihren Mann konfrontieren kann. Als ihr Mann diese Seite in dem vollendeten Buch liest, will er sich r\u00e4chen. Er t\u00f6tet den Jungen und tischt seiner Frau sein Herz zum Essen auf. Als sie erf\u00e4hrt, was sie zu sich genommen hat, springt sie aus dem Fenster.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Premiere im doppelten Sinne: so k\u00fcndigte Intendantin Birgit Meyer den Abend im Online-Stream an. Denn: zum ersten Mal wurde eine Auff\u00fchrung der Oper K\u00f6ln coronabedingt nicht vor Publikum im Theatersaal gespielt, sondern \u00fcber das Internet auf die heimischen Bildschirme \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne im Staatenhaus ist mit Sand ausgelegt und erinnert an eine W\u00fcstenlandschaft. Die Kleidung der Darsteller ist im ersten Teil altert\u00fcmlich angehaucht, mit langen Leinengew\u00e4ndern und Kopfbedeckungen, was an die Bibelgeschichte der Geburt Jesu erinnert. Sp\u00e4ter tragen die Hauptdarsteller aber Jeans und T-Shirt, was nicht zum Gesamtbild pa\u00dft. Ansonsten bleibt die Inszenierung ein Spiel mit Metaebenen (d.h. da\u00df man sich von seinen Gedanken distanziert). Die Beziehungen untereinander werden nur erz\u00e4hlt, aber nicht gezeigt. Somit gibt es auch keine Szene des Beischlafs bzw. des N\u00e4herkommens. Erotische Stimmung wird von Magali Simard-Gald\u00e8s (als Agn\u00e8s) Schauspiel erzeugt, die sich in einer Szene sogar barbusig auf dem Sandboden r\u00e4kelt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Robin Adams<\/strong> (The Protector) singt mit einem sehr grollenden Bariton in der Tiefe, was seine Brutalit\u00e4t gut unterstreicht. Im Zusammenspiel mit seiner Ehefrau betont er besonders die Aggressivit\u00e4t und \u00dcberlegenheit durch w\u00fctende Blicke, dem Anschwellen seiner Stimme in der H\u00f6he bis hin zu Schreien, verbunden mit unbeweglicher Mimik. Zudem h\u00e4lt er auf der B\u00fchne (vielleicht auch coronabedingt?) immer Abstand zu ihr, \u00a0so da\u00df sich die beiden nie n\u00e4herkommen. Ein stimmlicher Kontrast ist der liebliche Countertenor von <strong>Cameron Shahbazi<\/strong> (The Boy), der einen sehr k\u00fchlen und kalkulierten Engel gibt. Dazu pa\u00dft das helle, sehr klirrende Timbre seiner Stimme ausgenommen gut, etwa in der Messerszene am Ende des zweiten Teils ahmt er durch seinen Legatogesang im sotto voce den Unnahbaren, der \u00fcber allen Dingen steht.<\/p>\n<p>Besonders beeindruckend ist die Leistung von <strong>Magali Simard-Gald\u00e8s <\/strong>(Agn\u00e8s): ihr glockenklarer Sopran klingt in den H\u00f6hen unangestrengt und leicht. Im ersten Teil bringt sie das Unschuldige und Unterw\u00fcrfige ihrer Rolle auch gesanglich durch einen sehr zarten und leise intonierten Gesang zum Ausdruck. Im zweiten und dritten Teil steigert sie sich, indem sie ihre Wollust genauso schauspielerisch wie auch gesanglich in den Vordergrund bringt. Beispielsweise als sie sich gegen\u00fcber ihrem Mann verteidigt, singt sie die Phrase <em>I am not a child \u2013 ich bin kein Kind<\/em> aggressiver und betont auch durch den Wechsel in die Bruststimme die T\u00f6ne sehr viel eindringlicher. <strong>Judith Thielsen<\/strong> (Engel 2) singt mit einem deutlich w\u00e4rmeren und raumf\u00fcllenderen Sopran, <strong>Dino L\u00fcthy<\/strong> (Angel 3) \u00fcberzeugt mit einem strahlenden Tenor. Dabei ist die Aktion der beiden oft \u00fcbertrieben und grenzt fast schon an eine Karikatur, auch durch die \u00fcberdeutliche Artikulation des Textes.<\/p>\n<p>Das Orchester bringt unter der Leitung von <strong>Fran\u00e7ois-Xavier Roth <\/strong>eine solide Leistung. Durch das ausgeglichene Zusammenspiel zwischen Orchester und Gesang und die dynamische Kontrolle in den einzelnen Instrumenten wird eine stimmungsvolle Atmosph\u00e4re erzeugt, die fast an einen Thriller erinnert.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Frage steht im Raum: \u201eKann eine Oper im Streaming (\u00fcber Internet) genauso \u00fcberzeugen, wie live?\u201c Dies ist nat\u00fcrlich nicht mit \u201eja\u201c zu beantworten. Trotzdem ist es eine gute Idee, den Zuschauern eine M\u00f6glichkeit zu geben, wenigstens ansatzweise eine Oper mitzuerleben! Leider kann nat\u00fcrlich gerade die Atmosph\u00e4re des B\u00fchnenbilds und der Gesamtklang nur bedingt \u00fcber den Bildschirm vermittelt werden. Er h\u00e4ngt sicher auch stark von der Qualit\u00e4t der Lautsprecher oder dem Empfang zuhause, der technischen Ausr\u00fcstung also, ab. Die Abwechslung von Nahaufnahmen und Totalen war gut gew\u00e4hlt, so da\u00df ein Gesamteindruck der B\u00fchne vermittelt wird, sogar auch die einzelnen Partien der Solisten. Die Inszenierung ist unterhaltend, ja spannend und intensiv, allerdings finden sich auch einige Ungereimtheiten: Es fehlt der Zeitbezug \u00fcber eventuell hinweisende Kost\u00fcme. Musikalisch ist der Eindruck aber jedenfalls \u00fcberzeugend und, besonders durch die hervorragende Leistung von Magali Simard-Gald\u00e8s, beeindruckend.<\/p>\n<p>Insgesamt ein Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Magali Simard-Gald\u00e8s (Agn\u00e8s)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von: Georges Benjamn (*1960) \u00a0Oper in drei Akten, Libretto: Martin Crimp, \u00a0basierend auf Guillem de Cabestanh \u2013Le Coeur Mang\u00e9\u00ab (anonymer Text aus dem 13. Jahrhundert), UA: 7. Juli 2012, UA: 7. 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