{"id":8106,"date":"2020-11-04T09:55:36","date_gmt":"2020-11-04T08:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8106"},"modified":"2020-11-07T09:57:52","modified_gmt":"2020-11-07T08:57:52","slug":"die-zauberfloete-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8106","title":{"rendered":"Die Zauberfl\u00f6te &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Deutsche Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Emanuel Schikaneder, UA: 30. September 1791, Theater im Freihaus auf der Wieden, Wien<\/p>\n<p>Regie: Josef E. K\u00f6pplinger, B\u00fchne\/Videos: Walter Vogelweider, Kost\u00fcme: Dagmar Morell<\/p>\n<p>Dirigent: Omer Meir Wellber, S\u00e4chsische Staatskapelle, S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten: Ren\u00e9 Pape (Sarastro), Joseph Dennis (Tamino), Markus Marquardt (Sprecher), Mateusz Hoedt (1. Priester), Gerald Hupach (2. Priester), Matthias Henneberg (2. Geharnischter), Nikola Hillebrand (K\u00f6nigin der Nacht), Tuuli Takala (Pamina), Sebastian Wartig (Papageno), Katerina von Bennigsen (Papagena), Simeon Esper (Monostatos).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. November 2020<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Dresden-Zauberflte_GP_196-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8108\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Dresden-Zauberflte_GP_196-1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Dresden-Zauberflte_GP_196-1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Dresden-Zauberflte_GP_196-1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis dieser Produktion, sind zwei Bemerkungen notwendig. Zum einen ist der 1. November der letzte Tag, bevor die Opern und die Kultur wieder einmal trotz wirksamen Hygienekonzeptes schlie\u00dfen m\u00fcssen. So gab es einen gewissen Zeitdruck, das St\u00fcck mu\u00dfte gek\u00fcrzt, die Zuschauerzahl noch weiter reduziert werden. Kein Einzelfall: am Vorabend wurde in Leipzig die <em>Lohengrin<\/em>-Premiere von Mitte November kurzfristig vorgezogen. Gespielt wurde eine zweist\u00fcndige Kurzfassung, nur deren musikalische Interpretation des Gewandhausorchesters wird in Erinnerung bleiben Hier mu\u00dften einige Zuschauer quasi kurz vor Beginn den Saal verlassen \u2013 neue Vorschrift f\u00fcr noch weniger Personen im Raum.<\/p>\n<p>Am 1. November, um 11:00 Uhr gab die S\u00e4chsische Staatskapelle unter Leitung von Christian Thielemann im Kulturpalast ein Konzert. Dieses wurde vom Dienstag vorgezogen, um es nicht absagen zu m\u00fcssen. Quasi wurde also die Generalprobe zum Konzert, die Eintrittskarten blieben g\u00fcltig, das Konzert war trotz M\u00f6glichkeit zur R\u00fcckgabe ausverkauft. Der Kulturpalast wurde erst vor kurzem vollst\u00e4ndig renoviert und ist der wichtigste Konzertsaal der Landeshauptstadt Dresden. Gespielt wurden zwei Fanfaren von Richard Strauss von der Chorempore aus und vor allem Beethovens D-Dur-Violinkonzert mit Julia Fischer als Solistin. Ihre Zugabe war die Sarabande in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Schumanns Zweite Sinfonie in E-Dur setzte einen fulminanten Schlu\u00dfpunkt unter ein filigran zelebriertes Konzert einer bestens aufgelegten Staatskapelle. Sogar Christian Thielemann soll bei dem Jubelschrei des Publikums Tr\u00e4nen in den Augen gehabt haben.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin der Nacht beauftragt Prinz Tamino, ihre von Sarastro entf\u00fchrte Tochter Pamina zu befreien. Tamino macht sich zusammen mit dem Vogelf\u00e4nger Papageno auf den Weg. Beide erhalten zum Schutz magische Instrumente: Tamino eine Zauberfl\u00f6te, Papageno ein Glockenspiel. In Sarastros Tempel findet Papageno Pamina und rettet sie vor Monostatos. Sarastros Oberaufseher Monostatos nimmt den Prinz gefangen und bringt ihn zu Sarastro. Papageno und Tamino sollen drei Pr\u00fcfungen bestehen. Papageno bricht das Schweigen und mu\u00df Tamino verlassen. Tamino besteht die erste Pr\u00fcfung. Zusammen mit Pamina besteht er mit Hilfe der Zauberfl\u00f6te auch die Pr\u00fcfungen des Feuers und des Wassers. Dadurch werden sie in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen. Papageno spielt sein Glockenspiel und bekommt seine Papagena. Ein Versuch der K\u00f6nigin der Nacht in den Tempel einzudringen scheitert.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Diese <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> beginnt auf einer leeren B\u00fchne. W\u00e4hrend des Vorspiels fahren die Suffitten herein, und es senkt sich der Hintergrundprospekt herab, auf den ein Sternenhimmel, ein bergiger Hintergrund, wahlweise mit Mond und\/oder Sonne projiziert werden kann. Auch ein Baum im Vordergrund kann eingeblendet werden, der w\u00e4chst, bl\u00fcht und verbrennt. Aber vor dem monstr\u00f6sen portalf\u00fcllenden Sternenhimmel, der an den Entwurf von Schinkel erinnert, kann nichts bestehen, wirkt alles klein und winzig. Es handelt sich um eine fiktive M\u00e4rchenwelt mit teils bunt peppigen Kleidern, farblich grenzwertigen Per\u00fccken und langen Gew\u00e4ndern f\u00fcr die Priester. In diese Welt tritt ein kleiner Junge in Jeans und Stra\u00dfenkleidung. Dieser ist das ab und zu auftretende Kinderdouble des Tamino \u2013 warum eigentlich?<br \/>\nZum Ende des Vorspiels werden drei Seile \u00fcber die B\u00fchne gespannt, sie k\u00f6nnen in verschiedenen Farben leuchten und werden sp\u00e4ter die K\u00f6nigin der Nacht samt Gefolge in die Versenkung treiben. Die drei gro\u00dfen W\u00fcrgeschlangen hingegen werden von schwarz gekleideten Puppenspielern auf die B\u00fchne getragen und dann zerlegt. Diese bewegen auch die sp\u00e4ter von Tamino mit seiner Zauberfl\u00f6te herbeigerufenem Tier \u2013 was sehr nach einem Einfall von \u201eDisneys K\u00f6nig der L\u00f6wen\u201c aussieht. Geschickt werden im weiteren Verlauf Kulissen auf die B\u00fchne geschoben und wieder entfernt, beispielsweise steht ein wei\u00dfer Gitterrahmen oder eine Felswand f\u00fcr den Tempel. Erg\u00e4nzt wird die Handlung durch spektakul\u00e4re Videos auf den B\u00fchnenhintergrund, die Schreckenspforten werden durch eine alles vernichtende Feuersglut dargestellt, die auch den Baum vernichtet, wobei Roland Emmerich stolz w\u00e4re \u00fcber die virtuelle Wasserflut, die sich \u00fcber den Berg w\u00e4lzt. Im Finale legen sich Tamino und Pamina dem\u00fctig im Initialisierungsritus auf den Boden, bekommen ein wei\u00dfes Gewand. Sie entscheiden sich aber noch gegen die Priesterschaft, legen alles wieder ab und gehen schnell ab.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Auf musikalischer Seite mu\u00df man die zahlreichen Eingriffe in das Libretto bedauern. Um auf ca. 130 Minuten pausenlose Spielzeit zu kommen, hat man die Dialoge und Rezitative drastisch gek\u00fcrzt, auch in manchen Musiknummern Teile oder einzelne Wiederholungen. So kommt der \u201eSiebenfache Sonnenkreis\u201c, den die K\u00f6nigin der Nacht von Sarastro wiederhaben will, nicht vor. Komplett gestrichen ist das <em>Duett der Zwei Priester<\/em> (Nr. 11) und das Terzett Nr. 16 der drei Knaben <em>Seid uns zum zweiten Mal willkommen<\/em>.<\/p>\n<p>Die s\u00e4ngerische Umsetzung ist bei diesem Ensemble in den besten H\u00e4nden. <strong>Ren\u00e9 Pape <\/strong>als weltbekannter und gefeierter Ba\u00df mu\u00df man nicht vorstellen. Sein Sarastro mit wundersch\u00f6ner warmer und sicherer tiefer Intonation ist Weltspitze.<br \/>\n<strong>Nikola Hillebrand<\/strong> ist neu im Dresdner Ensemble als technisch sicherer Koloratursopran mit glasklarer Stimme. Die Koloraturen in <em>Der H\u00f6lle Rache<\/em> sind f\u00fcr Sie eine wirkliche Glanznummer. Die beiden Liebespaare erg\u00e4nzen sich zu gleichwertigen P\u00e4rchen. <strong>Sebastian Wartig <\/strong>ist der Papageno mit der spielerischen Leichtigkeit eines echten Spielbaritons, Paroli bietet ihm <strong>Katerina von Bennigsen <\/strong>als Papagena mit gl\u00e4nzendem Sopran. Gleiches gilt f\u00fcr Tamino und Pamina. Mit lyrischem, gef\u00fchlvollem Tenor gef\u00e4llt der Einspringer <strong>Joseph Dennis, <\/strong>auch wenn er am Anfang etwas zu nerv\u00f6s ist. <strong>Tuuli Takala <\/strong>als Pamina verf\u00fcgt \u00fcber eine sehr lyrisch ausgepr\u00e4gte Stimme und begeistert vor allem mit <em>Ach ich f\u00fchl&#8217;s, es ist verschwunden<\/em>.<br \/>\n<strong>Simeon Esper<\/strong> als Spieltenor ist mit der Rolle des Monostatos szenisch etwas allein gelassen \u2013 die Rolle bleibt bla\u00df. Er kann sich jedoch mit tenoralem Glanz stimmlich durchsetzen, von <em>Alles f\u00fchlt der Liebe Freuden! <\/em>bis<em> Weil ein Schwarzer h\u00e4\u00dflich ist.<\/em> Ein sch\u00f6nes Beispiel wie gut die Semperoper aus dem Ensemble heraus schwierige Nebenrollen besetzen kann, sind <strong>J\u00fcrgen M\u00fcller<\/strong> in der schwierigen Tenor-Rolle des mit Inbrunst intonierten Ersten Geharnischten, sowie als Damen die weltbekannte Wagner-Heroine <strong>Christa Mayer<\/strong> und <strong>Roxana Incontrera<\/strong>, die dem Publikum als K\u00f6nigin der Nacht in Erinnerung bleibt.<br \/>\nEine solide Basis ist der bestens einstudierte Chor und die drei Solisten des T\u00f6lzer Knabenchors (warum eigentlich keine Kruzianer?). Die drei Knaben \u00fcberzeugen mit sehr klarer kindlicher Intonation auch in den hohen Registern. Das Staatskapelle Dresden unter der Leitung von <strong>Omer Meir Wellber <\/strong>ist trotz kleinerer Besetzung ein harmonisch vollt\u00f6nender Partner der Solisten und l\u00e4\u00dft Mozarts Zauberwelt bildlich vor den Ohren der Zuh\u00f6rer auferstehen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt einen ewigen Streit, was die eigentliche Intention der <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> ist. Die einen sehen darin ein Fanal f\u00fcr den Geist der Aufkl\u00e4rung, manifestiert in einer Botschaft Mozarts \u00fcber die Freimaurer. Die anderen sehen einen einfachen Jahrmarktszauber, ein Zaubersingspiel, um das einfache Volk zu beeindrucken \u2013 aufgef\u00fchrt in einer einfachen Holzbude auf der Wieden von einem \u201eJahrmarktsgaukler Schikaneder.\u201c<br \/>\nJosef E. K\u00f6pplinger hat sich klar f\u00fcr den zweiten Weg entschieden und zeigt eine moderne Fassung eines einfachen Kinderm\u00e4rchens, der mit optischen Effekten die Zuschauer beeindrucken will und so wahrscheinlich dem Resultat der Urauff\u00fchrung nahekommt.<br \/>\nLeider pa\u00dft K\u00f6pplinger sich auch den Corona Vorgaben an: Mehr als zwanzig Minuten sind gestrichen, die Personenf\u00fchrung sieht keinerlei pers\u00f6nliche N\u00e4he der Personen vor. Musikalisch mit Weltstars und Ensemblemitgliedern herausragend besetzt, verdient diese Produktion einen zweiten Besuch \u201enach Corona\u201c, wenn die Striche gefallen sind und sich auch die Personenf\u00fchrung sinnvoller erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Das Publikum feiert die Premiere als die letzte M\u00f6glichkeit, Kultur zu konsumieren bevor die Nacht \u00fcber Deutschland f\u00e4llt und kein Theater, Museum, Literaturvortrag oder Gedichtrezension mehr m\u00f6glich ist. Man kann Streamings konsumieren, aber es gilt genauso wie f\u00fcr die geschlossenen Gastst\u00e4tten: \u201eDer Dosenfra\u00df zu Hause s\u00e4ttigt nicht!\u201c Und rettet keinen Soloselbst\u00e4ndigen finanziell.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach und Kollegen<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sebastian Wartig (Papageno), Tuuli Takala (Pamina)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Deutsche Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Emanuel Schikaneder, UA: 30. September 1791, Theater im Freihaus auf der Wieden, Wien Regie: Josef E. K\u00f6pplinger, B\u00fchne\/Videos: Walter Vogelweider, Kost\u00fcme: Dagmar Morell Dirigent: Omer Meir Wellber, S\u00e4chsische Staatskapelle,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8106\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8108,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134],"tags":[],"class_list":["post-8106","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8106"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8111,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8106\/revisions\/8111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8108"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}