{"id":8101,"date":"2020-09-05T16:00:15","date_gmt":"2020-09-05T15:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8101"},"modified":"2020-10-07T16:02:58","modified_gmt":"2020-10-07T15:02:58","slug":"carlo-il-calvo-bayreuth-bayreuth-baroque-opera-festival","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8101","title":{"rendered":"Carlo Il Calvo &#8211; Bayreuth, Bayreuth Baroque Opera Festival"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Antonio Porpora (1686-1768), Dramma per musica in drei Akten, Libretto anonym nach Francesco Silvani, UA: Rom 1738, Teatro delle Dame<\/p>\n<p>Regie: Max Emanuel Cen\u010di\u0107, B\u00fchne: Giorgina Germanou und Kost\u00fcme: Maria Zorba<\/p>\n<p>Dirigent: George Petrou (auch Cembalo), Armonia Atenea<\/p>\n<p>Solisten: Max Emanuel Cen\u010di\u0107 (Lottario, Sohn Ludwigs des Frommen), Franco Fagioli (Adalgiso, Sohn Lottarios, Verlobt mit Gildippe), Suzanne Jerosme (Giuditta, Carlos Mutter, Zweite Frau Ludwigs des Frommen), Nian Wang (Eduige, Giudittas Tochter), Julia Lezhneva (Gildippe, Zweite Tochter Giudittas, Verlobte Adalgisos), Bruno de Sa (Berardo, Spanischer F\u00fcrst und Familienanwalt), Petr Nekoranec (Asprando, Begleiter Giudittas, Carlos Vater), u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. September 2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bayreuth-Baroque_Carlo-il-Calvo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8102\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bayreuth-Baroque_Carlo-il-Calvo.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"368\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bayreuth-Baroque_Carlo-il-Calvo.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bayreuth-Baroque_Carlo-il-Calvo-300x170.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Eine neue Festspielzeit in Bayreuth? Ganz ohne Wagner?<\/p>\n<p>Die vom Bayreuther Kulturreferenten Benedikt Stegmayer initiierte \u201eBayreuth Baroque\u201c besch\u00e4ftigt sich mit dem barocken Opernhaus der Bayreuther Markgr\u00e4fin Wilhelmine. Sie soll die ad\u00e4quate Nutzung des Hauses vorf\u00fchren und so eine weitere Zielgruppe von Festspielg\u00e4sten (also zeitlich nach den Wagnerianern) jedes Jahr Anfang September in die Stadt bringen.<\/p>\n<p>Als k\u00fcnstlerischer Leiter konnte Max Emanuel Cen\u010di\u0107 gewonnen werden. Dieser ist nicht nur ein begnadeter Countertenor unserer Tage, sondern hat schon mehrfach barocke Opern auf die B\u00fchne gebracht, wie zum Beispiel zu den H\u00e4ndel-Festspielen in Karlsruhe. Nicht mit den Mitteln eines historisch informierten Barocktheaters arbeitet er, sondern im Stile des modernen Regietheaters. In diesem Falle wurde mittels der Produktionsgesellschaft \u201eParnassus Arts\u201c unter der Mithilfe des musikalischen Dramaturgen Boris Kehrmann die Oper <em>Carlo il Calvo<\/em> in Athen einstudiert. Dort wurden auch alle B\u00fchnenmaterialien hergestellt. Diese B\u00fchnenausstattung wurde dann knapp eine Woche vor den Auff\u00fchrungen nach Bayreuth gebracht, dort eingerichtet und im Rahmen des <em>Bayreuth Baroque<\/em> dreimal aufgef\u00fchrt. Im Umfeld dieses Opernhauses gibt es n\u00e4mlich keine Produktionsanlagen, alles mu\u00df extern produziert werden. Geprobt und eingeleuchtet werden kann alles aber nur auf der B\u00fchne direkt. Dazu mu\u00df das \u201eMuseum Opernhaus\u201c von der Bayrischen Schl\u00f6sser und Seen Verwaltung f\u00fcr teures Geld gemietet werden. Diese will das Haus nur noch eingeschr\u00e4nkt zur Nutzung freigeben. Daher ist es fraglich, ob man das Haus in den n\u00e4chsten Jahren weiterhin nutzen kann. Finanziell ist man bei maximal 525 Karten pro Vorstellung (bei Corona nur etwas mehr als 200) auf Zusch\u00fcsse angewiesen. Musikalisch ist diese Produktion ein voller Erfolg.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der historische Hintergrund: Kaiser Ludwig der Fromme heiratete nach dem Tod der ersten Frau Irmgard (mit der er den Sohn Lottario hatte) zum zweiten Mal Giuditta, die ihm den Sohn Karl gebar. W\u00e4hrend Lottario Mitkaiser wurde, wurde sp\u00e4ter der sechsj\u00e4hrige Karl Herrscher \u00fcber Gebiete, die man Lottario entzog. Die Oper beschreibt die Auseinandersetzungen zwischen den Familien dieser beiden S\u00f6hne, die mit einer Entf\u00fchrung Karls, der Behauptung Karl sei kein Sohn des Kaisers und einigen barockopertypischen Liebesgeschichten den Boden der Historie verl\u00e4\u00dft \u2013 aber f\u00fcr Spannung auf der B\u00fchne sorgt. Am Ende einigt man sich auf eine Teilung der Herrschaftsgebiete.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Da es im Markgr\u00e4flichen Opernhaus nur eingeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine B\u00fchnentechnik gibt, das Haus als Museum nur wenige Tage f\u00fcr den Aufbau und das Ausleuchten der Kulissen zur Verf\u00fcgung steht, ist nur eine mehr statische Auff\u00fchrung m\u00f6glich. Bei geschlossenem Vorhang kann der gro\u00dfe Schlu\u00dfprospekt, die beiden Seitenkulissen und das Mobiliar auf der B\u00fchne ausgetauscht werden. Auch aus akustischen Gr\u00fcnden wird meist an der Rampe gesungen, w\u00e4hrend die zahlreichen Aktionen der Statisterie im Hintergrund ablaufen. F\u00fcr l\u00e4ngere Umbaupausen, einmal wird ein Oldtimer-Automobil auf die B\u00fchne geschoben, verschiebt man auch die Aktschl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild zeigt verschiedene R\u00e4ume eines herrschaftlichen Anwesens der zwanziger Jahre. Die Verbindung zu mafiosen Strukturen ist augenf\u00e4llig, mag es nun S\u00fcditalien, S\u00fcdamerika oder die Gegend um Chicago sein. Da sind ein gro\u00dfer Speisesaal mit einem riesigen Tisch, an dem w\u00e4hrend des Vorspiels Kaiser Ludwig erstickt, was unter dem Gel\u00e4chter der Oma den Startschu\u00df f\u00fcr die Erbstreitigkeiten gibt \u2013 im Schlu\u00dfbild endet dann Lottario genauso. Im Innenhof wuchern die s\u00fcdl\u00e4ndischen Pflanzen und in der Gem\u00e4ldegalerie h\u00e4ngen viele alte Meister. Dazwischen wuseln unz\u00e4hlige Angeh\u00f6rige der Gro\u00dffamilie, der Familienanwalt und dienstbare Geister herum, die f\u00fcr viel sinnfreie Bewegung im Hintergrund sorgen und viel mit Schu\u00dfwaffen herumfuchteln. Man ist ja schlie\u00dflich die Mafia?<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In dieser Produktion hat sich ein erfahrenes und eingespieltes Team um <strong>Max Emanuel <\/strong>Cen\u010di\u0107 versammelt, der auch der Kopf der Produktionsgesellschaft ist. Er f\u00fchrt somit Regie und ist gleichzeitig Hauptdarsteller \u2013 in diesem Fall der um einen Gro\u00dfteil des Erbes gebrachte Mafiapate Lottario. An diesem Abend stellt er seine gro\u00dfe stimmliche Reichweite unter Beweis, so da\u00df man ihn in Richtung Altus verorten kann. Die strahlende, klare und facettenreiche Stimme ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Die dramatischen Wut-Ausbr\u00fcche gelingen dank eines scheinbar unbegrenzten Volumens \u00fcber die gesamte Bandbreite der Stimme. Die Bravourarie <em>Se tu la reggi al volo \u2013 Wenn Du ihn im Fluge h\u00e4ltst<\/em>, f\u00fcr die er den meisten Applaus erh\u00e4lt, hat er aus Porporas Oper <em>Ezio<\/em> \u00fcbernommen. Giuditta (<strong>Suzanne Jerosme<\/strong>), die Witwe Ludwigs, und ihr Sohn Karl (eine stumme Rolle) sind eigentlich Nebenrollen, im Gegensatz zu dem Liebespaar Adalgiso (Sohn Lotarios) und Gildippe (Tochter Giudittas), die nicht nur die beiden Lager vers\u00f6hnen, sondern auch das wahrlich aufw\u00fchlende und einzige Duett der ganzen Oper <em>Dimmi che m&#8217;ami, o cara \u2013 Sag mir, da\u00df du mich liebst, Geliebte<\/em> gemeinsam haben.<\/p>\n<p>Aber auch der weltbekannte <strong>Franco Fagioli<\/strong> hat anfangs Probleme mit der Rolle des Adalgiso. In seiner ersten Arie <em>Tornate tranquille \u2013 Beruhigt Euch<\/em> st\u00f6\u00dft er an seine Grenzen in der Tonh\u00f6he. Mit seiner Erfahrung und sicheren Spr\u00fcngen quer durch alle Tonh\u00f6hen kann er die Rolle, die f\u00fcr Farinelli geschrieben wurde, danach mit der Auszeichnung \u201eWeltklasse\u201c gestalten.<\/p>\n<p>Ebensolches kann man von <strong>Julia Lezhneva <\/strong>behaupten. Mit ihrer wundersch\u00f6nen, warmen und vollt\u00f6nenden Sopranstimme hat sie keine Probleme diesen unendlich langen und anspruchsvollen Gesangslinien der Gildippe technisch traumwandlerisch sicher zu folgen. Mit ihrer Bravourarie <em>Come nave in mezzo all&#8217;onde \u2013 Wie ein Schiff inmitten der Wellen<\/em> (stammt aus Porporas Oper <em>Siface<\/em>) setzt sie einen fulminanten Schlu\u00dfpunkt \u2013 auch optisch: Zu der Musik tanzt das gesamte Ensemble einen Charleston. Ein szenisch wie musikalischer Kontrapunkt, der in Erinnerung bleiben wird.<\/p>\n<p>Ein weiterer H\u00f6hepunkt im Ensemble ist <strong>Bruno de Sa<\/strong>, der als Sopranist seine Strahlkraft in noch h\u00f6here Klangwelten ausbreitet und dem Anwalt Berardo entsprechende Durchschlagskraft verleiht. <strong>Petr Nekoranec<\/strong> (Asprando) rundet mit leuchtenden tenoralen H\u00f6hen das Ensemble ab. In diesem Fall gehen die tenoralen H\u00f6hen bei Asprando nat\u00fcrlich ein wenig \u00fcber den \u00fcblichen Rahmen hinaus. Da Porpora ein bedeutender Gesangslehrer war, hat er seinen Sch\u00fclern mit diesen Rollen erm\u00f6glicht, entsprechend zu gl\u00e4nzen. Das heutige Ensemble ist in der Lage, es ihnen gleich zu tun. Das Orchester Armonia Atenea mit 25 Personen spielt auf barocken Instrumenten, also zwei H\u00f6rner, zwei Trompeten (alle ohne Ventile), zwei Fl\u00f6ten und die Streicher mit Darmseiten. <strong>George Petrou<\/strong> leitet vom Cembalo aus und sieht sich in der Rolle des kongenialen Begleiters der S\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli und Julia Lezneva sind weltbekannte Topstars des barocken Gesanges zugange, das Orchester <strong>Armonia Atena<\/strong> unter der Leitung von <strong>George Petrou<\/strong> sind im Bereich der barocken Instrumentalmusik bekannt und erfahren. Viele der G\u00e4ste aus nah und fern, besonders die Freundeskreise der Top-K\u00fcnstler, sind begeistert und feiern auch nach f\u00fcnf Stunden Auff\u00fchrungsdauer die Produktion herzlich und ausgiebig.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Falk von Traubenberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Antonio Porpora (1686-1768), Dramma per musica in drei Akten, Libretto anonym nach Francesco Silvani, UA: Rom 1738, Teatro delle Dame Regie: Max Emanuel Cen\u010di\u0107, B\u00fchne: Giorgina Germanou und Kost\u00fcme: Maria Zorba Dirigent: George Petrou (auch Cembalo), Armonia Atenea Solisten:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8101\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8102,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134],"tags":[],"class_list":["post-8101","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8103,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8101\/revisions\/8103"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8102"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}