{"id":8080,"date":"2020-07-25T13:19:10","date_gmt":"2020-07-25T12:19:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8080"},"modified":"2020-09-20T10:23:28","modified_gmt":"2020-09-20T09:23:28","slug":"dreigroschenoper-muenchen-gaertnerplatztheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8080","title":{"rendered":"Dreigroschenoper &#8211; M\u00fcnchen, G\u00e4rtnerplatztheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), St\u00fcck mit Musik in einem Vorspiel und 8 Bildern, Libretto: Bertold Brecht nach The Beggar\u2019s Opera von John Gay, verbindende Texte\u00a0 f\u00fcr eine konzertante Fassung der kritischen Kurt-Weill-Edition (2000) von Stephan Hinton, UA: 31. August 1928 Berlin, Theater am Schiffbauerdamm.<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Orchester und Chor des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz<\/p>\n<p>Solisten: Erwin Windegger (J.J. Peachum), Dagmar Hellberg (Celia Peachum), Nadine Zeintl (Polly Peachum), Maximilian Mayer (Macheath, genannt Mackie Messer), Stefan Bischoff (Tiger Brown), Anna-Katharina Tonauer (Lucy), Julia Klotz (Spelunken-Jenny), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Juli 2020 (Saisonabschlu\u00df)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Dreigroschenoper-M\u00fcnchen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8081\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Dreigroschenoper-M\u00fcnchen.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"351\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Dreigroschenoper-M\u00fcnchen.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Dreigroschenoper-M\u00fcnchen-300x162.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Bettelk\u00f6nig Peachum und seine Frau klagen, da\u00df ihre Tochter Polly die Nacht mit dem Gangsterchef Mackie Messer verbracht hat. W\u00e4hrend dessen halten Mackie und Polly Hochzeit in einem Pferdestall. Mackies alter Freund, der Polizeichef Tiger Brown, wohnt der Hochzeit bei. Als die Peachums das erfahren, wollen sie Mackie der Polizei ausliefern. Polly warnt ihren Mann, der in ein Bordell flieht. Jenny, eine der Huren und Ex-Geliebte Mackies, von den Peachums bestochen, verr\u00e4t ihn. Er wird verhaftet. Doch Lucy, auch eine Ex-Geliebte Mackies und Tochter des Polizeichefs Brown, verhilft ihm zur Flucht. Peachum droht nun Brown, mit seinen Bettlern die k\u00f6nigliche Kr\u00f6nung zu st\u00f6ren, wenn Mackie nicht gefangen wird. Mackie hat wieder bei den Huren Unterschlupf gefunden, die ihn wieder verraten. Diesmal soll er gehenkt werden. Bevor die Hinrichtung jedoch vollzogen werden kann, verk\u00fcndet ein k\u00f6niglicher Bote, da\u00df Mackie nicht nur begnadigt, sondern auch geadelt worden ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wird hier dem Prinzip Brechts gefolgt, auf leerer B\u00fchne zu spielen. Oder wird es ad absurdum gef\u00fchrt, wenn man es konzertant spielt und nur rudiment\u00e4re kurze Verbindungstexte dazwischen einf\u00fcgt? Eine richtige Antwort gibt es nicht, dies ist eine klassische konzertante Auff\u00fchrung ohne Kulissen, ohne Bewegungschoreographie und ohne ausf\u00fchrliche Rahmenhandlung. Orchester und Solisten f\u00fcllen mit \u201eMindestabstand\u201c \u00e0 la Corona den gesamten B\u00fchnenraum. Chors\u00e4nger f\u00fcllen die Proszeniumslogen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger-Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Solisten, einige Chors\u00e4nger und die Musiker: Das G\u00e4rtnerplatztheater kann die anspruchsvollen Rollen mit Ensemblemitgliedern besetzen. Da w\u00e4re <strong>Anna-Katharina Tonauer<\/strong>, die als Lucy, Mackies Braut, als dramatischer Sopran mit der Arie der Lucy den Schwerpunkt der Musik der Zwanziger Jahre (Jazz und Blues) zu der Welt der Oper verschiebt. Diese anspruchsvolle Konzertarie ist meist nicht vorgesehen, im Gegensatz zu den Moritatens\u00e4ngern am Ende, die hier gestrichen sind.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich Anspruchsvolles l\u00e4\u00dft sich auch \u00fcber den <em>Salomon-Song<\/em> der Spelunken-Jenny sagen: Ein eindrucksvoll-witziger Auftritt von <strong>Julia Klotz<\/strong>. Dabei hatten die ersten Auftritte einf\u00fchlsam in die Welt der Musik von Kurt Weill eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Nadine Zeintl<\/strong> hat das als Polly mit der <em>Schnurre der Seer\u00e4uber-Jenny<\/em> erotisch l\u00e4ssig getan, genauso wie das Maximilian Mayer als Macheath \u2013 genannt Mackie Messer \u2013 als l\u00e4ssiger Gangster-Tenor geschafft hat. <strong>Dagmar Hellweg<\/strong> (Celia Peachum) hat ihn mit einer dramatisch vorgetragen <em>Moritat von Mackie Messer<\/em> hinrei\u00dfend eingef\u00fchrt. <strong>Erwin Windegger<\/strong> ist der Bettlerchef im feinen italienischen Zwirn und zelebriert ad\u00e4quat den <em>Morgenchoral<\/em>. <strong>Stefan Bischoff<\/strong> ist mit eher lyrisch hellem Bariton der unscheinbare Polizeichef Brown.<\/p>\n<p>Das GMD des Hauses <strong>Antony Bramall<\/strong> ist der H\u00fcter der 22 Instrumente (vom Banjo bis zum Harmonium, vom Saxophon bis zum Klavier), die von den 13 Musikern gespielt werden. Die Melodik und Rhythmik der unz\u00fcchtigen Welt der Zwanziger Jahre, die Ankl\u00e4nge an Jazz und Revuemusik und die humoristischen Vorstellungen der Musikwelt von Kurt Weill werden lebendig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die letzte Vorstellung der Spielzeit 2019\/20 ist auch ein Menetekel f\u00fcr die kommende Spielzeit. Mit der Fortsetzung der Coroa-Auflagen ist zu rechnen: Der Mindestabstand wird zum Stigma f\u00fcr alle Kulturveranstaltungen. 13 Solisten und 13 Musiker finden heute auf der B\u00fchne und \u00fcberbauten Orchestergraben Platz: Der Abstand zwischen Solisten und Chors\u00e4ngern auf der B\u00fchne ist fixiert, der Abstand zwischen den Orchestermitgliedern f\u00fchrt zu kleinerer Orchestergr\u00f6\u00dfe, der Zuschauerraum ist nur noch zu 30% gef\u00fcllt und Pausengastronomie wird vermieden. Das wird zu einem Spielplan mit Kurzopern und gek\u00fcrzten Opern f\u00fchren. In diesem Fall ist die <em>Dreigroschenoper<\/em> eine konzertante Auff\u00fchrung der vollst\u00e4ndigen musikalischen Fassung mit nur kurzen gesprochenen Verbindungstexten. Die Handlung der Oper bleibt aber erkennbar. Brecht w\u00e4re \u00fcber diese Auff\u00fchrung, die Reduzierung der Handlung auf das wesentliche, auf das Ausbleiben irrationaler Regietheatereinf\u00e4llen sehr erfreut gewesen. Musikalisch und s\u00e4ngerisch ist der Abend ein schlagender Beweis f\u00fcr die gelungene Ensemblepflege am G\u00e4rtnerplatztheater, hier kann man leichte Muse und gro\u00dfe Oper, gro\u00dfe Stimmen und Charaktere besetzen. Brecht-Theater auf Weltniveau! Das Publikum jubelt so laut, als w\u00e4re das Haus voll besetzt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Marie-Laure Briane<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Weill (1900-1950), St\u00fcck mit Musik in einem Vorspiel und 8 Bildern, Libretto: Bertold Brecht nach The Beggar\u2019s Opera von John Gay, verbindende Texte\u00a0 f\u00fcr eine konzertante Fassung der kritischen Kurt-Weill-Edition (2000) von Stephan Hinton, UA: 31. 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