{"id":8076,"date":"2020-08-19T13:14:32","date_gmt":"2020-08-19T12:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8076"},"modified":"2020-09-21T17:05:56","modified_gmt":"2020-09-21T16:05:56","slug":"sonnenflammen-bayreuth-ersatzprogramm-bayreuther-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8076","title":{"rendered":"Sonnenflammen  &#8211; Bayreuth, Ersatzprogramm Bayreuther Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Siegfried Wagner (1869-1930), Oper in drei Akten, Dichtung vom Komponisten, UA: 30. Oktober 1918 Darmstadt<\/p>\n<p>Regie: Peter Paul Pachl, B\u00fchne und Video: Robert Pflanz, Kost\u00fcme: Christian Bruns<\/p>\n<p>Dirigent: Ulrich Leykam, Digitales Orchester<\/p>\n<p>Solisten: Uli B\u00fctzer (Kaiser Alexios), Rebecca Broberg (Kaiserin Irene), Giorgio Valenta (Ritter Fridolin), Steven Scheschareg (Albrecht: Vater von Fridolin), Dirk Mestmacher\/William Wallace (Gomella), Julia Reznik (Iris: Gomelias Tochter), Maarja Purga (Eustachia), Robert Fendl (Ritter Gottfried, Gesandte Venedigs), Xenia Galanova (Eunoe\/Phila), Reuben Scott (Bote\/Verschw\u00f6rer\/Priester\/Sklave), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. August 2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bayreuther-Ersatz-Sonnenflammen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8077\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bayreuther-Ersatz-Sonnenflammen.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bayreuther-Ersatz-Sonnenflammen.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bayreuther-Ersatz-Sonnenflammen-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die 1918 uraufgef\u00fchrte Oper ist eine im historischen Kontext des Untergangs von Byzanz versteckte soziale Situationsanalyse des untergehenden deutschen Kaiserreiches. Der Gegensatz zwischen der degenerierten realit\u00e4tsfernen Hofgesellschaft und der hungernden Gesellschaft wird h\u00e4ufiger thematisiert. Die verschrobene Handlung ist die Liebe des fahnenfl\u00fcchtigen Kreuzritters Fridolin zur Tochter des Hofnarren, Iris, die aber nur halb erwidert bleibt. Denn Iris l\u00e4\u00dft sich vom Kaiser Alexios mit einer Halskette bet\u00f6ren. Er hatte seinem Hofnarren Gomella befohlen, Iris ihm als Strafe f\u00fcr den Diebstahl von Rosen\u00f6l gef\u00fcgig zu machen. Au\u00dferdem ist seine Liebe zur Kaiserin Irene, die ihm nur einen degenerierten kranken Thronfolger geboren hat, erkaltet.<\/p>\n<p>Die Kaiserin sch\u00fctzt Iris vor weiteren Nachstellungen des Kaisers und Fridolins. Ein Attentat auf den Kaiser scheitert. Als Konspirant wird Fridolin verhaftet, der sich wahnsinnig stellt und daf\u00fcr als zweiter Hofnarr begnadigt wird. Der Vater versucht seinen Sohn Fridolin zur R\u00fcckkehr in die Heimat zu bewegen. Dieser erkennt seine ehrlose Situation als Fahnenfl\u00fcchtiger und bekennt sich zum Bleiben und zu Iris. Die Kaiserin ertr\u00e4nkt sich mitsamt dem Kind, die Kreuzritter greifen an and legen Feuer. In dem Brand geht die Hofgesellschaft unter.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt eine beleuchtete Spielfl\u00e4che, eingebaut in einem ehemaligen Kino. Links neben dem neu geschaffenen Portal werden \u00dcbertitel projiziert. Auf der eigentlich leeren B\u00fchne wird mit B\u00fcndeln von bunten Schaumstoffschlangen, (Pool-Nudeln), aufrecht stehend oder liegend, ein B\u00fchnenbild geschaffen. Eine Holzkiste dient als Altar oder Sitzgelegenheit.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme k\u00f6nnen in historisierender Weise bez\u00fcglich Byzanz gesehen werden. Andererseits k\u00f6nnte man sie mit Strohhut, wei\u00dfem Anzug, Bikini und Birkenstock Sandalen auch als modern ansehen. Zentraler Blickfang ist die b\u00fchnenf\u00fcllende Projektionsfl\u00e4che, auf der mal mehr mal weniger sinnvolle Videos oder abstrakte Bilder eingeblendet werden.<\/p>\n<p>Am Anfang stehen bewegte Bilder aus den Jahren 1048-1423, auch1920. Hier geht es um das Leben in Byzanz und bei Revolutionswirren. Ein Waldbild und eine Verlobungsfeier schlie\u00dfen sich in der Ouvert\u00fcre an. Das Schlu\u00dfbild wird von einer Zusammenstellung vieler Tagesschau-Sprecher eingeleitet, das nach einem Atompilz und viel hellem Licht den Untergang von Byzanz darstellt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nicht weniger als 18 Rollen weist der Besetzungszettel f\u00fcr die Sonnenflammen aus, einige davon sind sogar zusammengelegt worden. Die Anforderungen an die S\u00e4nger sind dabei hoch, Siegfried Wagner orientierte sich durchaus auch an seinem Vater, aber auch an anderen Sp\u00e4tromantikern. Die meisten hier auftretenden K\u00fcnstler sind junge Nachwuchskr\u00e4fte, nur wenige haben bereits Erfahrungen mit den Opern Siegfried Wagners sammeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Rebecca Broberg<\/strong> war bereits im Vorjahr an der Oper <em>An Allem ist H\u00fctchen Schuld<\/em> beteiligt und gibt der Kaiserin Irene die emotionale Ausdruckskraft. Ihr eher dramatischer Sopran gibt der Verzweiflung weiten Raum.<\/p>\n<p>Ihr Partner und die wichtigste und markanteste Rolle ist Kaiser Alexios. <strong>Uli B\u00fctzer<\/strong> charakterisiert ihn als dynamisch dekadenten Herrscher, technisch sauber mit flexibler baritonaler Stimme. Das Ziel seiner Begierde wei\u00df sich stimmlich zu behaupten. <strong>Julia Reznik <\/strong>in der Rolle der Iris gibt mit ihrem souver\u00e4nen<\/p>\n<p>jugendlichen Sopran ihr Operndeb\u00fct. Der ebenfalls an Iris interessierte und Gegenspieler des Kaisers ist Ritter Fridolin. F\u00fcr den Fridolin konnte mit <strong>Giorgio Valenta,<\/strong> ein erfahrener lyrischer Tenor, gewonnen werden, der mit den Mitteln des Belcanto der technisch schwierigen Rolle Herr wird und den Kampf um Iris musikalisch \u00fcberzeugend gestaltet. Wirklich schade, da\u00df sein Vater Albrecht (<strong>Steven Scheschareg<\/strong>) ihn mit volumin\u00f6ser baritonaler Stimme wegen seiner Fahnenflucht beschimpft.<\/p>\n<p>Die szenisch wichtige Rolle der Attent\u00e4terin \u00fcbernimmt <strong>Xenia Galanova<\/strong>. Als Eunoe und auch Phila kann sie mit einer gro\u00dfen vollt\u00f6nenden und ausdrucksstarken Sopranstimme leider nur kurz Aufmerksamkeit erregen.<\/p>\n<p>Corona wirft einen starken Schatten. Vermag die Verwendung von Solisten-Sextetten noch die Vorschrift \u201eAbstand der Chormitglieder\u201c ad\u00e4quat l\u00f6sen, kann ein Orchester aus dem Synthesizer nicht befriedigen. Technisch mag die Programmierung durch <strong>Ulrich Leykam<\/strong> \u00fcberzeugen \u2013 auch wenn der Computer durch einige Systemausf\u00e4lle f\u00fcr Kunstpausen verantwortlich zeichnet. Das Klangbild aus dem Synthesizer ist steril und kann nat\u00fcrlich nicht die Klangf\u00fclle eines Streichorchesters ersetzen. Es klingt immer so wie die Gruppe <em>Kraftwerk<\/em> fr\u00fcher. Als Notl\u00f6sung ist es aber akzeptabel.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder einmal eine Produktion eines Werkes Siegfried Wagners, die unter schwierigen Bedingungen zustande kam. War es noch 2019 m\u00f6glich im Markgr\u00e4flichen Opernhaus seine Oper <em>An Allem ist H\u00fctchen Schuld!<\/em> (und in einem Konzert mit Klavierbegleitung u.a. Ausschnitte aus den <em>Sonnenflammen<\/em>) auf einer respektablen Opernb\u00fchne darzustellen, stand diese ein Jahr sp\u00e4ter nicht mehr zur Verf\u00fcgung. Diese wird von der Bayerischen Schl\u00f6sserverwaltung als Museum nur begrenzt zur Verf\u00fcgung gestellt. Daher mu\u00dfte der Veranstalter auf die preiswertere B\u00fchne eines ehemaligen Kinos ausweichen, das erst k\u00fcrzlich auf private Initiative als Kulturzentrum reaktiviert wurde. Was auch ein gewisses Schlaglicht auf die \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung bzw. Interesse in Bayreuth und besonders auf die Auff\u00fchrung der Werke Siegfried Wagners wirft.<\/p>\n<p>Eine etwas spartanische Ausstattung und eine k\u00fcrzere Probenzeit hat sich in diesem Zusammenhang auch angeboten. Hingegen war eine exquisite S\u00e4ngerriege erfreut, in Coronazeiten eine M\u00f6glichkeit zum Auftritt zu bekommen \u2013 was die vielen Nebenrollen deutlich aufwertete. Ein weiterer R\u00fcckschlag war der \u00fcberraschende Tod von Johannes F\u00f6ttinger am 26.Juli, der die wichtige Rolle des Gomella \u00fcbernehmen sollte. Die Rolle wurde kurzfristig von Dirk Mestmacher und William Wallace \u00fcbernommen, die sich die Rolle szenisch und musikalisch aufteilten. Besonderes Lob f\u00fcr das Programmheft, das eigentlich der Ausstellungskatalog zu der Ausstellung der Siegfried-Wagner-Gesellschaft zum 90. Todestag in der Bayreuther Stadtbibliothek ist, der auf interessante Parallelen des Narren Gomella zum Vaterbild Richard Wagner und zu Verdis Narren Rigoletto hinweist. Eine weitere Einschr\u00e4nkung war der Corona-Mindestabstand im Publikum, dem mehr als die H\u00e4lfte der Sitzpl\u00e4tze zum Opfer fielen. Das Publikum bedankte sich eindringlich f\u00fcr die gelungene Umsetzung dieses musikalisch sehr anspruchsvollen und immer wieder \u00a0untersch\u00e4tzten Werk Sonnenflammen. Langer und freundlicher Applaus f\u00fcr alle Mitwirkenden.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Das Solo-Vokalsextett der Damen (Damenchor) bei der Vorbereitung des Messerattentats<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Siegfried Wagner (1869-1930), Oper in drei Akten, Dichtung vom Komponisten, UA: 30. 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