{"id":8071,"date":"2020-03-01T06:55:05","date_gmt":"2020-03-01T05:55:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8071"},"modified":"2020-05-14T06:57:23","modified_gmt":"2020-05-14T05:57:23","slug":"die-grossherzogin-von-gerolstein-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8071","title":{"rendered":"Die Gro\u00dfherzogin von Gerolstein &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Operette (Opera-bouffe) in drei Akten, Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, Wiener Textfassung: Ernst Poettgen, f\u00fcr die Semperoper eingerichtet von Josef E. K\u00f6pplinger, Zusatztexte von Thomas Pigor,<\/p>\n<p>UA: 12. April 1867, Paris, Theatre des Varietes, Wiener Fassung, 13.Mai 1867, Theater an der Wien<\/p>\n<p>Regie: Josef E. K\u00f6pplinger, B\u00fchne: Johannes Leiacker und Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Jonathan Darlington, S\u00e4chsische Staatskapelle, S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Kinderchor der Semperoper, Choreinstudierung: Jan Hoffmann<\/p>\n<p>Solisten: Anne Schwanewilms (Gro\u00dfherzogin), Maximilian Mayer (Fritz), Katerina von Bennigsen (Wanda), Martin Winkler (General Bumm), Daniel Prohaska (Prinz Paul), J\u00fcrgen M\u00fcller (Baron Puck), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Februar 2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dresden-Gerolstein_gp_169.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8072\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dresden-Gerolstein_gp_169.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dresden-Gerolstein_gp_169.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Dresden-Gerolstein_gp_169-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Fritz, ein Soldat, liebt Wanda. Sein Vorgesetzter General Bumm ist von diesem Verh\u00e4ltnis nicht begeistert, da er sich selber erfolglos um Wanda bem\u00fcht hat. Als die Gro\u00dfherzogin von Gerolstein (GHZ) \u00a0ihrem Regiment einen Besuch abstattet, wirft sie ein Auge auf Fritz und ernennt ihn zum General, was Prinz Paul mi\u00dff\u00e4llt, denn dieser hofft, von der Gro\u00dfherzogin endlich erh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n<p>Siegreich kehrt Fritz zur\u00fcck von einem \u201eScheingefecht\u201c zur\u00fcck und erbittet von der Gro\u00dfherzogin die Verm\u00e4hlung mit Wanda. In der Hochzeitsnacht werden Komplotte von (Ex)-General Bumm und der eifers\u00fcchtigen Gro\u00dfherzogin geschmiedet, um Fritz zu degradieren. Doch am Ende bekommt jeder mehr oder weniger das, was er will.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung beginnt schon vor der Vorstellung: Als wahrhafter \u201erunning gag\u201c jagt eine Herde Touristen durch die R\u00e4nge der Semperoper und lauscht den wenig erhellenden Erl\u00e4uterungen des Fremdenf\u00fchrers. Diese Gruppe nimmt immer wieder Teile der Handlung auf der B\u00fchne in Augenschein und kommentiert sie. Ort dieser Handlung geh\u00f6rt eher zur benachbarten Gem\u00e4ldegalerie \u201eAlte Meister\u201c, die gerade wiederer\u00f6ffnet wurde. Allerdings sind die Wandgem\u00e4lde im Hintergrund von Kugeln durchl\u00f6chert. Die Einschu\u00dfl\u00f6scher bilden das Wort \u201eGerolstein\u201c, das Gem\u00e4lde (Reiter mit S\u00e4bel) und ein nackter Kriegsgott fallen nicht aber aus dem Goldrahmen. Hier wird den Touristen ein ehemaliger Operettenstaat vorgef\u00fchrt, doch die Touristen und eingebaute Zitate verweisen jedoch in die Gegenwart. So beschwert sich Prinz Paul \u00fcber die \u201e investigativen Journalisten\u201c bei einer \u201ePegida-Demo\u201c. Die dreizehn Gerolsteiner Soldaten d\u00fcrfen, mit Pickelhaube perfekt ausgestattet, auf und ab galoppieren. In dem hier dargestellten Operettenstaat wirkt das nat\u00fcrlich nicht milit\u00e4risch stramm, sondern revueartig heiter. Die Gro\u00dfherzogin l\u00e4\u00dft erst das Badewasser ein, dann das gelbe Quietsche-Entchen zu Wasser und versucht bei ihrem neuernannten General zu landen. Aber das ist genauso erfolglos wie die Kriegsz\u00fcge ihres Generals und so endet die Geschichte \u2013 \u00a0wie vorgesehen \u2013 mit einer Vernunftehe. Ganz unspektakul\u00e4r.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die musikalische Darlegung der Offenbach\u2018schen Ideen ist f\u00fcr Jonathan Darlington und der Staatskapelle Dresden quasi ein feierliches Moment. Schon die gew\u00e4hlte Spielfassung \u00fcberzeugt von Anfang bis Ende \u2013 vom bestens eingestimmten Kinderchor am Anfang bis zu dem musikalischen Rausschmei\u00dfer nach dem Schlu\u00dfapplaus. Vom Verschw\u00f6rer-Terzett im Finale des ersten Aktes bis zur meist gestrichenen Verschw\u00f6rungsszene des dritten Aktes mit dem Zitat der Schwertweihe aus Meyerbeers <em>Prophet<\/em>.<\/p>\n<p>Der gute musikalische Eindruck wird ein wenig von der alterfahrenen <strong>Anne Schwanewilms<\/strong> in der Titelrolle getr\u00fcbt, die gesanglich sehr verhalten, wahrlich keine m\u00e4nnerverschlingende Amazone abgibt. Der <em>S\u00e4bel ihres Vaters<\/em> ist alles andere als schwungvoll. Auch<strong> Katerina von Bennigsen <\/strong>l\u00e4\u00dft beim Publikum f\u00fcr Wanda wenig Liebesgef\u00fchle aufkommen \u2013 weder stimmlich, noch szenisch. Daf\u00fcr k\u00f6nnen die vom M\u00fcnchner G\u00e4rtnerplatztheater bekannten Protagonisten <strong>Daniel Prohaska<\/strong> als Prinz Paul (mit Verve und gekonnt gelangweiltem Ausdruck) sowie <strong>Sigrid Hauser<\/strong> als Erusine von Nepumukka sowohl stimmlich als auch schauspielerisch eloquent und elegant die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. S\u00e4ngerisch besondere Aufmerksamkeit erzielt <strong>Maximilian Mayer<\/strong> als Fritz mit melodi\u00f6ser tenoraler Stimmf\u00fchrung. <strong>Martin Winkler<\/strong> gibt einen brummigen General Bumm, mit tiefer baritonaler Durchschlagskraft mal trottelig, mal intrigant.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>An der Dresdener Semperoper ist das M\u00fcnchner G\u00e4rtnerplatztheater zu Gast \u2013 unter der Leitung des Intendanten Josef E. K\u00f6pplinger, der nicht nur eine allzeit lustige Produktion in seinem in M\u00fcnchen sehr beliebten Revue-Stil auf die B\u00fchne stellt, sondern auch bew\u00e4hrte S\u00e4nger-Darsteller mitgebracht hat. Die Handlung erz\u00e4hlt von einem heutigen Operettenzwergstaat, der vom Tourismus lebt \u2013 und darum die Handlung um einen Touristenf\u00fchrer samt Reisegruppe erg\u00e4nzt hat.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r ist eher eine gut choreographierte Tanztruppe und Touristenattraktion. Kein Wunder, da\u00df diese Truppe \u2013 falls man sie tats\u00e4chlich in die Schlacht schickt \u2013 mangels Gegner die Touristen verhaftet, was nat\u00fcrlich nicht sein darf und zum Sturz von General Fritz f\u00fchrt. Die musikalischen Kostbarkeiten Offenbachs, weswegen das St\u00fcck auch heute noch gespielt wird, werden dem Publikum nicht nur eloquent und unterhaltsam serviert, sondern auch musikalisch auf dem Niveau einer Staatsoper angeboten: Das Publikum dankt mit donnerndem Applaus.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anne Schwanewilms (Gro\u00dfherzogin), Daniel Prohaska (Prinz Paul)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Operette (Opera-bouffe) in drei Akten, Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, Wiener Textfassung: Ernst Poettgen, f\u00fcr die Semperoper eingerichtet von Josef E. K\u00f6pplinger, Zusatztexte von Thomas Pigor, UA: 12. 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