{"id":806,"date":"2009-10-03T21:36:34","date_gmt":"2009-10-03T19:36:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=806"},"modified":"2010-03-21T23:41:10","modified_gmt":"2010-03-21T22:41:10","slug":"berlin-deutsche-oper-die-frau-ohne-schatten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=806","title":{"rendered":"Berlin, Deutsche Oper &#8211; DIE FRAU OHNE SCHATTEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864 \u2013 1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal<br \/>\nUA: 1919 Wien<br \/>\nInszenierung: Kirsten Harms, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Bernd Damovsky, Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer<br \/>\nDirigent: Ulf Schirmer, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: William Spaulding, Kinderchor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung: Dagmar Fiebach<br \/>\nSolisten: Manuela Uhl (Kaiserin), Robert Brubaker (Kaiser), Doris Soffel (Amme), Stephen Bronk (Geisterbote), Eva Johansson (Baraks Weib), Johan Reuter (Barak, der F\u00e4rber), Hulkar Sabirova (H\u00fcter der Schwelle, Stimme des Falken), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. September 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/berlin-do-frau-o-schatten.jpg\" TITLE=\"berlin-do-frau-o-schatten.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/berlin-do-frau-o-schatten.jpg\" ALT=\"berlin-do-frau-o-schatten.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Kaiserin der s\u00fcd\u00f6stlichen Inseln stammt aus dem Feenreich. Noch geh\u00f6rt sie nicht ganz zu den Menschen, denn sie wirft keinen Schatten und kann keine Kinder empfangen. Ihrem Gatten droht darum die Verwandlung in Stein. Ihre Amme, die sich zum Ziel gesetzt hat, sie wieder zur\u00fcck in das Feenreich zu bringen, macht sich mit ihr auf in die Menschenwelt zu dem F\u00e4rber Barak und seiner jungen Frau. Auch sie haben keine Kinder, allerdings deshalb, weil die F\u00e4rbersfrau es nicht will. Die Amme versucht, der F\u00e4rbersfrau ihren Schatten und damit ihre Fruchtbarkeit abzukaufen, doch die Kaiserin schreckt davor zur\u00fcck, ihr Gl\u00fcck mit dem Leid anderer zu erkaufen und erl\u00f6st durch ihren Verzicht ihren Mann und das F\u00e4rberehepaar.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nKirsten Harms siedelt die Oper inszenatorisch in der Zeit ihrer Entstehung an, also in der Zeit des ersten Weltkrieges. Zwei Sph\u00e4ren werden einander in den ersten beiden Akten gegen\u00fcbergestellt: der steinerne Palast des Kaisers und das armselige, von vielen in Lumpen geh\u00fcllten Gestalten erf\u00fcllte Haus des F\u00e4rbers. Im dritten Akt bewegen sich die Akteure durch eine Mondlandschaft mit rauchenden Kratern. Die R\u00e4ume aller B\u00fchnenbilder sind eng, d\u00fcster und karg. Leuchtende, bunte Farben fehlen. Viele vom Libretto vorgeschriebene szenische Effekte dieser Zauberoper werden nicht umgesetzt, etwa die m\u00e4rchenhafte Kahnfahrt der schlafenden Kaiserin am Schlu\u00df des zweiten Aktes. Das Spiel mit Symbolen, das dieses Werkes auszeichnet, bleibt nahezu ganz ausgeklammert.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie drei weiblichen Hauptpartien dieses Werkes brauchen vor allem starke Stimmen, um gegen das gewaltige Orchester, das Strauss hier vorsieht, \u00fcberhaupt eine Chance zu haben. \u00dcber diese verf\u00fcgen die drei wichtigsten S\u00e4ngerinnen des Abends zweifelsohne. <strong>Manuela Uhl<\/strong> als Kaiserin und <strong>Doris Soffel<\/strong> als Amme vermochten daneben noch mit der schauspielerischen Darstellung ihrer Rollen zu \u00fcberzeugen, was <strong>Eva Johansson<\/strong> als F\u00e4rbersfrau nicht immer gelang. Eine gewisse Steifheit ihres Spieles sowie etliche stereotyp ausgef\u00fchrte Gesten lie\u00dfen ihren Vortrag ein wenig eint\u00f6nig werden. Rein stimmtechnisch lieferte sie allerdings eine imponierende Leistung ab, indem sie die dynamischen Schattierungen ihrer Partie differenziert herausarbeitete. Die Deutlichkeit des Gesangstextes ist in dieser Oper vor allem bei denjenigen Passagen, die aus langen, hohen T\u00f6nen bestehen, ein Problem, mit dem <strong>Manuela Uhl<\/strong> gut, <strong>Doris Soffel<\/strong> allerdings nicht immer \u00fcberzeugend fertig wurde. Ebenfalls deutlich, allerdings allzu forciert und schauspielerisch statisch war der Gesangsvortrag <strong>Robert Brubakers<\/strong> (Kaiser). Sein Bestreben, den starken Orchesterklang \u00fcbert\u00f6nen zu wollen, wirkte vor allem bei seinem Auftritt im ersten Akt viel zu gewaltsam, auch wenn die Tongebung an sich ausgeglichen und sein Gesang technisch akkurat ist. Sowohl darstellerisch als auch stimmlich am \u00fcberzeugendsten war <strong>Johan Reuter<\/strong> als Barak. Seine Gesangsdarbietung war erstaunlich wenig schwerf\u00e4llig. Bei Reuter paart sich ein angenehmes Timbre mit einer ausnehmend gut verst\u00e4ndlichen Aussprache des Textes, und er verk\u00f6rperte die Figur des F\u00e4rbers glaubw\u00fcrdig.<br \/>\n<strong>Ulf Schirmers<\/strong> Dirigat dieser Oper, die zum Anspruchsvollsten geh\u00f6rt, was Strauss je geschrieben hat, vermochte den unerh\u00f6rten Farbeinreichtum der Partitur zum Leuchten zu bringen. Klar erkennbar ging es Schirmer darum, Wohlklang zu erzeugen, all den gewagten Registerwechseln, virtuosen Instrumentalpassagen und Orchestereffekten zum Trotz. Dies gelang, und dar\u00fcberhinaus vermochte er das Orchester stets gegen\u00fcber der B\u00fchne dynamisch so auszubalancieren, da\u00df die Stimmen der S\u00e4nger nirgends verdeckt wurden. Beeindruckend durchh\u00f6rbar gelang vor allem die gewaltige Schlu\u00dfmusik des zweiten Aktes, die rhythmisch ebenso kompliziert ist wie die gesamte Oper, aber bei vollem Einsatz des Tuttis leicht ins L\u00e4rmende abgleiten kann.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung transponiert die Handlung ins Menschliche und eliminiert die m\u00e4rchenhaften Z\u00fcge der Oper. Dadurch wird einerseits die M\u00f6glichkeit gewonnen, die Handlung realistisch \u2013 und nicht symbolisch \u2013 wirken zu lassen. Andererseits stehen die prachtvolle Musik und das n\u00fcchterne B\u00fchnenbild in einem seltsamen Kontrast. Musikalisch ist die Auff\u00fchrung gro\u00dfartig. Es gibt keine wirklichen s\u00e4ngerischen Schwachstellen und die Schwierigkeiten der Partitur werden vom Orchester souver\u00e4n gemeistert.<br \/>\nDr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Marcus Lieberenz im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN<br \/>\nDas Bild zeigt: Manuela Uhl (Kaiserin) und Doris Soffel (Amme)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864 \u2013 1949), Oper in drei Akten, Text von Hugo von Hofmannsthal UA: 1919 Wien Inszenierung: Kirsten Harms, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Bernd Damovsky, Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer Dirigent: Ulf Schirmer, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=806\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1],"tags":[],"class_list":["post-806","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-deutsche-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=806"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1288,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions\/1288"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}