{"id":8052,"date":"2020-03-09T20:07:35","date_gmt":"2020-03-09T19:07:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8052"},"modified":"2020-03-09T20:07:35","modified_gmt":"2020-03-09T19:07:35","slug":"norma-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8052","title":{"rendered":"Norma &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Libretto: Felice Romani, UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Yona Kim, B\u00fchne: Christian Schmidt, Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Reinhard Traub, Dramaturgie: Angela Beuerle<\/p>\n<p>Dirigent: Matteo Beltrami, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Marcelo Puente (Pollione), Liang Li (Oroveso), Marina Rebeka (Norma), Diana Haller (Adalgisa), Gabriele Rossmanith (Clotilde), Dongwon Kang (Flavio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. M\u00e4rz 2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hamburg-Norma.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8053\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hamburg-Norma.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"436\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hamburg-Norma.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hamburg-Norma-300x201.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die heidnische Hohepriesterin Norma liebt im von R\u00f6mern besetzten Gallien heimlich den r\u00f6mischen Prokonsul Pollione, mit dem sie zwei Kinder hat. Pollione jedoch hat sich in die Novizin Adalgisa verliebt und m\u00f6chte mit dieser fliehen. Als Norma davon erf\u00e4hrt, wird sie zwischen Rache, Selbstmord und Selbstaufgabe mehrfach hin- und hergerissen. Schlie\u00dflich jedoch opfert sie sich selbst auf dem Scheiterhaufen. Der davon \u00fcberw\u00e4ltige Pollione schlie\u00dft sich ihr an.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung verlegt die Handlung in eine zeitlos abstrakte Gegenwart. Auf der schwarzen B\u00fchne befindet sich ein zweist\u00f6ckiger, bleich beleuchteter, beweglicher Container. Der Raum wird von einem dichten, asiatisch anmutenden Rankengewirr umschlossen. Die mit Hackebeilen hantierenden gallische Priesterinnen bilden hier eine Sekte, deren Kost\u00fcme und Verhalten an die TV-Serie <em>The Handmaid&#8217;s Tale \u2013 Der Report der Magd <\/em>erinnern.<\/p>\n<p>Die Gallier sind gewaltbereite Fanatiker, die auch vor Folter und Mord nicht zur\u00fcckschrecken und somit voller \u00dcberzeugung die martialischen Ch\u00f6re schmettern, w\u00e4hrend die R\u00f6mer als Soldaten gekleidet sind. Am Ende wird Norma im Container als lebensgro\u00dfe Puppe verbrannt, w\u00e4hrend Pollione zu Boden sinkt und Adalgisa hilflos zusieht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><em>Marina Rebeka<\/em> ist ab ihrem ersten Auftritt eine spektakul\u00e4re wie authentische Norma. Die ber\u00fchmte Arie <em>Casta Diva \u2013 Keuche G\u00f6ttin <\/em>singt sie im Sitzen. Dabei schreitet sie mit staunenswerter Makellosigkeit den gesamten Bereich vom Pianissimo bis zum Fortissimo aus. Dementsprechend lange dauert der Zwischenapplaus. Mit schier unbegrenztem Volumen und packender Dramatik schleudert sie im weiteren Verlauf des Abends die Spitzent\u00f6ne bis in den dritten Rang, gestaltet dabei jedoch ebenfalls einf\u00fchlsam \u2013 etwa wenn sie zu Beginn des Zweiten Akts darum ringt \u2013 ob sie ihre Kinder t\u00f6ten soll. Da\u00df Diana Haller als Adalgisa auf \u00e4hnlich hohem Niveau agiert, macht sich nicht nur an ihrer feinen <em>messa di voce<\/em> bemerkbar, sondern ebenfalls in den Duetten mit <em>Rebeka<\/em>, die zu den H\u00f6hepunkten des Abends werden. Mit ihrer schlanken beweglichen Stimme, der es ebenfalls nicht an Plastizit\u00e4t mangelt, stellt sie die perfekte Erg\u00e4nzung zu <em>Rebeka<\/em> dar.<\/p>\n<p>Durchweg erfreulich f\u00e4llt auch der Pollione von Marcelo Puente aus. Mit bebendem Vibrato und tenoraler W\u00e4rme f\u00fcllt er das Stereotyp des Liebhabers mit Leben. Gl\u00fccklicherweise bew\u00e4ltigt Puente auch die H\u00f6he mit genau der Leichtigkeit, die auch Rebeka und Haller zu eigen ist, so da\u00df der Tenor in dieser <em>Norma <\/em>alles andere als eine Schwachstelle ist. \u00dcberhaupt klingt keiner der Darsteller auch nur ansatzweise angestrengt oder grell, ein angenehm intensiver Ensembleklang ist also garantiert.<\/p>\n<p>Liang Li f\u00e4llt als Oroveso vom stimmlichen Gewicht her leicht ab, gestaltet jedoch ebenfalls mit scheinbarer M\u00fchelosigkeit. Gabriele Rossmanith und Dongwan Kang erf\u00fcllen die kleineren Rollen als Clotilde und Flavio darstellerisch und stimmlich ebenfalls \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Matteo Beltrami erf\u00fcllt die Rolle des Begleitorchesters mit zauberhafter Sicherheit, Vielseitigkeit und feurigem Ernst. Alleine die zahlreichen Fl\u00f6tensoli sind zum Einrahmen sch\u00f6n gespielt, w\u00e4hrend die Streicher den Gesang auf der B\u00fchne mit samtigem <em>Cantabile<\/em> vervollst\u00e4ndigen. Zudem versteht es Beltrami, Orchestergraben und B\u00fchnengeschehen differenziert auszubalancieren, so da\u00df auf der B\u00fchne nie etwas untergeht, die Orchesterstimmen jedoch ebenfalls nie zu sehr in den Hintergrund treten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend die musikalische Seite dieser Hamburger <em>Norma <\/em>zum Triumph wurde und dementsprechend vom Publikum bejubelt, wurde die Regie mit lauten, deutlichen Buhs bedacht. F\u00fcr Belcanto-Fans ist diese <em>Norma <\/em>sicher ein Mu\u00df, da es keine musikalischen Ausf\u00e4lle gibt und das Haupttrio Spitzenleistungen liefert. Die Regie orientiert sich zwar am martialischen Text, setzt jedoch auf starke Kontrastwirkung zur Musik, was nicht jedermanns Sache ist.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marcelo Puente (Pollione), Marina Rebeka (Norma); Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Libretto: Felice Romani, UA: 26. 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