{"id":8048,"date":"2020-02-19T10:44:45","date_gmt":"2020-02-19T09:44:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8048"},"modified":"2020-02-29T10:47:30","modified_gmt":"2020-02-29T09:47:30","slug":"die-meistersinger-von-nuernberg-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8048","title":{"rendered":"Die Meistersinger von N\u00fcrnberg &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883) in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 2. November 1862 \u00a0M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Jens-Daniel Herzog, B\u00fchne: Mathis Neidhardt, Kost\u00fcme: Sibylle G\u00e4deke<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle und Staatsopernchor, Choreinstudierung: Jan Hoffmann<\/p>\n<p>Solisten: Georg Zeppenfeld (Hans Sachs), Vitalij Kowaljow (Veit Pogner), Adrian Er\u00f6d (Sixtus Beckmesser), Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing), Oliver Zwarg (Fritz Kothner), Sebastian Kohlhepp (David), Sara Jakubiak (Eva), Christa Mayer (Magdalene), Alexander Kiechle (Nachtw\u00e4chter), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. Februar 2020<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Dresden-Meistersinger_0562.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8049\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Dresden-Meistersinger_0562.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Dresden-Meistersinger_0562.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Dresden-Meistersinger_0562-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Walther von Stolzing liebt Pogners Tochter Eva. Sie soll demjenigen zur Frau gegeben werden, der den Meistersingerwettstreit gewinnt. Die Meistersingervereinigung lehnt die Aufnahme des Ritters zun\u00e4chst wegen seines unkonventionellen, nicht regelkonformen Probeliedes ab. Allein der Schuster Hans Sachs tritt f\u00fcr ihn ein und erkennt sein Talent. Auch der Stadtschreiber Beckmesser interessiert sich f\u00fcr Pogners Tochter, doch am Ende ist es Walther von Stolzing, der den Wettstreit und damit Eva gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf einer Drehb\u00fchne erblickt man zun\u00e4chst die Hauptb\u00fchne der Semperoper, die durch die beiden B\u00fchnenportale klar erkennbar ist. Durch entsprechende Drehung sieht man das Beleuchtungsportal von der Hinterb\u00fchne aus, oder die beiden Nebenr\u00e4ume auf den Seitenb\u00fchnen, das mal Kantine, B\u00fcro des Spielplangestalters Sachs oder Sachs\u2018 Schusterstube ist. \u00dcber den Nebenr\u00e4umen befinden sich Funktionsr\u00e4ume der Oper wie Maske oder Requisite. Die Opernhausbediensteten laufen entweder in heutiger Kleidung umher oder wenn sie in dem \u201eSt\u00fcck im St\u00fcck\u201c auftreten, in den \u00fcblichen Renaissancekost\u00fcmen der Meistersinger. Am Ende ist all die M\u00fche vergebens: Eva zerst\u00f6rt das Meistergalerie-Bild Stolzings, der als neuer Meister gef\u00fchrt werden soll und flieht vor den Zw\u00e4ngen der gar nicht so freien Kunst.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nach diesem Abend kann man den Generalmusikdirektor der S\u00e4chsischen Staatsoper <strong>Christian Thielemann<\/strong> durchaus als deren Hausgott bezeichnen. Wieder einmal feilte er an der Einstudierung dieser Produktion, die zuerst bei den Osterfestspielen in Salzburg einstudiert wurde und jetzt nochmals f\u00fcr die \u00dcbernahme an der Semperoper geprobt wurde. Und wieder meint man ganz neue T\u00f6ne oder Phrasierungen zu h\u00f6ren, selbst die Generalpause im <em>Wach Auf!- Chor<\/em> wirkt noch l\u00e4nger. Auch die Zusammenarbeit mit dem Chor der Semperoper ist fehlerfrei und problemlos, sogar die oft problematische <em>Pr\u00fcgelfuge<\/em> l\u00e4uft synchron.<\/p>\n<p>Der <strong>Chor<\/strong> bleibt im Vortrag spannungsgeladen und pr\u00e4sent bis in die h\u00f6chsten Spitzent\u00f6ne. Besonders das Solistenensemble sucht seinesgleichen und bildet die derzeit besten Kr\u00e4fte im Wagnerfach ab. An erster Stelle sind die beiden Stars\u00e4nger zu nennen, die am Haus engagiert sind. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> ist sicherlich der derzeit f\u00fchrende Hans Sachs. Er singt die Rolle, die anderswo im losen Sprechgesang endet, kontinuierlich aus, gestaltet die Phrasierungen elegant und wortverst\u00e4ndlich und tr\u00e4gt immer schwerelos leicht vor, da\u00df man meinen k\u00f6nnte, diese Rolle w\u00e4re doch ganz einfach. Ebenfalls fest am Haus ist <strong>Christa Mayer<\/strong>, die in Bayreuth genauso bekannt ist. Sie verleiht der untersch\u00e4tzen Nebenrolle der Magdalene Ausruckskraft und jugendlichen Elan und wertet die Rolle deutlich auf.<\/p>\n<p>Ebenso jugendlich dynamisch, kraftvoll (wenn auch gelegentlich etwas zu viel des Guten) gibt <strong>Sara Jakubiak<\/strong> der Eva einen erfrischenden Auftritt. Ihr <em>Seelig wie die Sonne<\/em> wirkt nachdenklich introvertiert und sie kann auch im anschlie\u00dfenden <em>Quintett<\/em> zusammen mit <strong>Klaus Florian Vogt <\/strong>harmonieren und dabei dominieren. Er ist als Walther immer noch der jugendliche Tenor vom Dienst, auch wenn er mittlerweile immer mehr Volumen hinzugewinnt und jetzt dem lyrischen schweren Tenorfach zugerechnet werden kann. Sein <em>Preislied<\/em> tr\u00e4gt er sehr nuanciert vor, kann auch die Lautst\u00e4rke stufenweise steigern und gewinnt den Preis am Ende v\u00f6llig zu Recht.<\/p>\n<p><strong>Vitalij Kowaljow<\/strong> ist ein mehr als solider Veit Pogner, <strong>Adrian Er\u00f6d<\/strong> gibt dem Sixtus Beckmesser das Niveau eines Stadtschreibers, ohne ihn als Karikatur zu \u00fcberzeichnen. Sein <em>Preislied<\/em> mi\u00dflingt wegen seiner hohen Anspr\u00fcche. <strong>Oliver Zwarg<\/strong> hat schon als Veit Pogner re\u00fcssiert. Er singt die Rolle des Fritz Kothner mit durchschlagsstarker Eleganz und sicherer Phrasierung. <strong>Sebastian Kohlhepp<\/strong> ist ein jugendlich dynamischer Lehrbube David. <strong>Alexander Kiechle<\/strong> kann als Nachtw\u00e4chter mit durchschlagsstarker Nachwuchskraft auf sich aufmerksam machen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip funktioniert die \u00dcbertragung der <em>Meistersinger<\/em> in die heutige Zeit sicherlich als ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Freiheit der Kunst, in diesem Falle als Anerkennung des kreativen aber aggressiven Neuk\u00fcnstlers Stolzing als pseudo-avantgardistischer Trendsetter; denn er wird als derber Wandergeselle dargestellt. Der N\u00fcrnberger Intendant <strong>Jens-Daniel Herzog<\/strong> versteckt jedoch diese Aussage in seiner f\u00fcr die Salzburger Osterfestspiele entstandenen Produktion hinter den Ablenkungen eines bombastisch aufwendigen B\u00fchnenbildes und den \u00fcberfl\u00fcssigen M\u00e4tzchen und absonderlichen Einf\u00e4llen des Regietheaters. So l\u00e4uft in der tiefgr\u00fcndigen Diskussion zwischen Sachs und Beckmesser in der Schusterstube im Hintergrund in der Maske des Opernhauses <em>Pogner,<\/em> dessen Direktor offensichtlich Sachs ist (und auch noch die Rolle des Sachs in der gleichzeitig stattfindenden <em>Meistersinger<\/em>-Produktion hat) eine v\u00f6llig sinnlose, hinzuerfundene Fummelei zwischen einem Meister und der Garderobiere ab. Besonders \u00e4rgerlich ist es, wenn die Handlung ver\u00e4ndert wird: zum Beispiel das Wiedersehen zwischen Stolzing und Eva <em>Das t\u00f6rige Kind, da hast du&#8217;s, da<\/em>. Statt Romantik gibt es eine Diskussion mit Sachs und Beckmesser. Allerdings beeindruckt das durchdachte und sehr aufwendig konzipierte B\u00fchnenbild.<\/p>\n<p>Dank <strong>Christian Thielemann<\/strong>, einem herausragenden Solistenensemble und einem perfekt aufeinander abgestimmten Chor und Staatskapelle ist diese Auff\u00fchrungsserie eine Sternstunde der derzeitigen Wagner-Rezeption und ein Meilenstein in der Auff\u00fchrungsgeschichte der Semperoper. Auch eine bilder- und geschichtenlastige Inszenierung kann nicht ablenken von den zahllosen musikalischen H\u00f6hepunkten, wie <em>Pr\u00fcgelfuge, Einzug zur Festwiese und dem Wach Auf! Chor<\/em>, die ganz offensichtlich intensiv geprobt wurden. Am Ende enthusiastischer Jubel des Publikums aus Freude dar\u00fcber an diesem Ereignis teilgenommen haben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Georg Zeppenfeld (Hans Sachs), Sebastian Kohlhepp (David)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883) in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 2. 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