{"id":8044,"date":"2020-02-11T11:33:29","date_gmt":"2020-02-11T10:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8044"},"modified":"2020-02-11T11:33:29","modified_gmt":"2020-02-11T10:33:29","slug":"der-rosenkavalier-berlin-staatsoper-unter-den-linden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8044","title":{"rendered":"Der Rosenkavalier &#8211; Berlin, Staatsoper  unter den Linden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864\u20131949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: Dresden 26. Januar 1911, K\u00f6nigliches Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Andr\u00e9 Heller, B\u00fchne: Xenia Hausner, Mitarbeit B\u00fchne: Nanna Neudeck, Kost\u00fcme: Arthur Arbesser, Mitarbeit: Onka Allmayer-Beck, Licht: Olaf Freese, Video: G\u00fcnter J\u00e4ckle und Philipp Hillers<\/p>\n<p>Dirigent: Zubin Mehta, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Choreinstudierung: Anna Milukova<\/p>\n<p>Solisten: Camilla Nylund (Feldmarschallin), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Baron Ochs auf Lerchenau), Mich\u00e8le Losier (Octavian), Roman Trekel (Herr von Faninal), Nadine Sierra (Sophie), Anna Samuil (Jungfer Marianne), Erik Rosenius (ein Polizeikommissar), Atalla Ayan (ein S\u00e4nger), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. Februar 2020 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Berlin-Rosenkavalier.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8045\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Berlin-Rosenkavalier.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"464\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Berlin-Rosenkavalier.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Berlin-Rosenkavalier-300x214.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt im Wien der 1740er Jahre. Nachdem sie eine Liebesnacht mit ihrem jugendlichen Geliebten, dem Graf Octavian, verbracht hat, wird die Feldmarschallin F\u00fcrstin Werdenberg durch den Besuch ihres Vetters, Baron Ochs auf Lerchenau, gest\u00f6rt. In Hast verkleidet sich Octavian als Kammerzofe und hat sich fortan den Nachstellungen des Barons, der sich mit seinen zahllosen Aff\u00e4ren br\u00fcstet, zu erwehren. Der verarmte Baron plant Sophie, die Tochter des Parven\u00fcs Herrn von Faninal, zu heiraten, um an Geld zu kommen. Die Marschallin macht den Vorschlag, durch seinen entfernten Vetter Octavian eine silberne Rose an die zuk\u00fcnftige Braut \u00fcberbringen zu lassen, dem der Baron zustimmt. Darauf empf\u00e4ngt die F\u00fcrstin etliche Bittsteller und wird verstimmt. Sie wirft alle G\u00e4ste hinaus und erkl\u00e4rt auch dem entt\u00e4uschten Octavian, da\u00df ihre Aff\u00e4re fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu einem Ende kommen werde. Im zweiten Aufzug empf\u00e4ngt Herr von Faninal seinen zuk\u00fcnftigen Schwiegersohn, der seine Braut Sophie allerdings mit seiner Grobschl\u00e4chtigkeit abst\u00f6\u00dft. Sie findet den jungen Rosenkavalier Octavian viel interessanter, dem die Schm\u00e4hungen des Barons zu weit gehen, so da\u00df er zum Degen greift und ihn verwundet. Faninal l\u00e4\u00dft ihn hinauswerfen und droht seiner Tochter, sie ins Kloster zu geben, wenn sie den Baron nicht ehelichen wolle. Im dritten Aufzug l\u00e4dt der Baron Ochs in der Hoffnung auf eine weitere Aff\u00e4re die Kammerzofe der Marschallin, bei der es sich in Wahrheit um den verkleideten Octavian handelt, zum Souper ein. Nachdem eine Unbekannte, die sich als seine Frau ausgibt, mit vielen Kindern auftaucht, die ihn Papa nennen, ruft man nach der Sittenpolizei, die auch auf den Plan tritt. Die Maskerade wird beendet, doch nicht ohne da\u00df Herr von Faninal sich zuvor ein Bild von der zweifelhaften Moral seines zuk\u00fcnftigen Schwiegersohns machen kann. Die Marschallin l\u00f6st die angespannte Situation auf, indem sie den Baron fortschickt, Herrn von Faninal ihre Kutsche anbietet und Octavian mit Sophie zusammenf\u00fchrt. Das junge Paar lobt sich ewige Treue.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Kost\u00fcme und B\u00fchnenbild sind bunt und halten sich nicht strikt an eine bestimmte historische Epoche. Am ehesten l\u00e4\u00dft sich das Bild des zweiten Aufzugs in der \u00c4ra des Jugendstils verorten dank der gro\u00dfen Klimt-Gem\u00e4lde an den W\u00e4nden. Abweichend von den Anweisungen des Librettos spielt der dritte Aufzug nicht in einer billigen Wiener Gastst\u00e4tte, sondern in einem sogenannten Palmenhaus.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch war diese Oper erstklassig besetzt. Die Staatskapelle Berlin unter <strong>Zubin Mehta<\/strong> lie\u00df die Partitur in allen Farben leuchten. Die Eins\u00e4tze der Bl\u00e4ser sa\u00dfen tadellos, die dynamischen Schattierungen waren fein abgestuft, die Tempi lie\u00dfen den S\u00e4ngern die n\u00f6tige Luft und die Ensembles der S\u00e4nger waren gut durchh\u00f6rbar. Die Hauptpartien waren durchweg exzellent besetzt. <strong>Camilla Nylund<\/strong> hat eine hervorragend ausgeglichene Stimme und eine wohltuend deutliche Aussprache. Darstellerisch gab sie die F\u00fcrstin w\u00fcrdevoll und \u00fcberlegen, mit wenigen lakonischen Bewegungen, ganz wie von dem Librettisten beabsichtigt. Ein ganz anderes Fach bedient <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong>, der sich auf die burleske Rolle des Baron Ochs spezialisiert hat. Zum einen singt er seinen Part in einem breiten \u00f6sterreichischen Dialekt, was eine andere Vokalisierung als die des Hochdeutschen nach sich zieht. Dennoch bleibt seine Aussprache verst\u00e4ndlich und seine Tongebung rund. Zwar tritt er als Baron vorzugsweise plump und polternd in Erscheinung, aber seine szenische Pr\u00e4senz bleibt bei allen Grobheiten dennoch nicht ohne eine gewisse Eleganz. N\u00e4chst ihnen beiden war es die S\u00e4ngerin der Partie der Sophie, <strong>Nadine Sierra<\/strong>, die am meisten begeisterte. Ihre Stimme klingt f\u00fcr einen Sopran recht warm und dunkel, auch in den h\u00f6heren Registern und bei den lauten Stellen, ihre Aussprache ist deutlich und ihre schauspielerische Leistung \u00fcber jeden Zweifel erhaben. <strong>Mich\u00e8le Losier<\/strong> (Octavian) l\u00f6ste die Aufgabe, sowohl einen energischen Siebzehnj\u00e4hrigen als auch eine naive Kammerzofe zu spielen, schauspielerisch souver\u00e4n. Allerdings war ihre Tongebung als Octavian manchmal so wie ihre Gestik etwas zu zackig und scharf. Einzelne T\u00f6ne stachen zu sehr heraus und im Vergleich mit den anderen Hauptrollen k\u00f6nnte ihre Aussprache noch etwas besser sein. Das gilt nicht f\u00fcr <strong>Roman Trekel<\/strong> als Herr von Faninal. Seine sprecherische Gestaltung ist vorbildlich, doch ist seine Stimme den starken orchestralen Akzenten zu Beginn seiner Partie nicht ganz gewachsen und sein Spiel bleibt etwas steif. Letzteres gilt auch f\u00fcr den S\u00e4nger des Polizeikommissars, <strong>Erik Rosenius<\/strong>, der eine etwas monotone Tongebung hat; beides pa\u00dft allerdings gut zu seiner Rolle. Etwas zu gro\u00df ist das Tremolo von <strong>Anna Samuil<\/strong> (Jungfer Marianne), deren schwer zu gestaltender Part auch etwas besser artikuliert h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Von den kleinen Rollen war es wie h\u00e4ufig die des S\u00e4ngers, dargeboten von <strong>Atalla Ayan<\/strong>, die am meisten Applaus einheimste, und das zu Recht. Ein kraftvoller Tenor, ein langer Atem, eine ausgeglichene H\u00f6he und eine im besten Sinne des Wortes belcantistische Tongebung kennzeichnen seinen Vortrag.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein wenig widerspr\u00fcchliche Eindr\u00fccke hinterlie\u00df dieser Abend. Wie bereits gesagt: Musikalisch gab man den <em>Rosenkavalier<\/em> tadellos. Was beim Publikum jedoch nicht recht ankam, war die Inszenierung und weshalb dem so ist, dar\u00fcber kann man nur spekulieren. <strong>Andr\u00e9 Heller<\/strong> und sein recht gro\u00dfes Team von Mitarbeitern haben sich sichtlich alle M\u00fche gegeben, das St\u00fcck mit sch\u00f6nen Bildern zu versehen, die Personenregie kam ohne Gewaltsamkeiten daher, und es gab keine dekonstruktiven Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Man kann zusammenfassend sagen, da\u00df die Absichten des Regieteams die besten gewesen sein d\u00fcrften. Und dennoch hat es nicht f\u00fcr einen umwerfenden Abend gereicht. Mag sein, da\u00df der allzu gro\u00dfe Respekt vor dem Librettisten und dem Komponisten \u2013 ihre beiden Portraits waren als Projektionen auf dem Pausenvorhang gegenw\u00e4rtig \u2013 das Regieteam ein wenig zu sehr in Ehrfurcht erstarren lie\u00df. Mag auch sein, da\u00df Hellers fehlende praktische Erfahrung als Opernregisseur verhindert hat, da\u00df das Team einen eigenen Zugang zum Werk zu er\u00f6ffnen imstande war. Diese Inszenierung tut sicherlich niemandem weh, aber wom\u00f6glich hat das Publikum eine etwas spektakul\u00e4rere Produktion erwartet. In dieser Form hatte sie leider ein paar L\u00e4ngen. Wenn man m\u00f6chte, kann man sich bei der Fernseh\u00fcbertragung dieser Inszenierung am 21. M\u00e4rz auf 3sat selber ein Bild davon machen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Credits: Ruth Walz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nadine Sierra (Sophie), Mich\u00e8le Losier (Octavian) und Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864\u20131949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: Dresden 26. 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