{"id":8017,"date":"2019-11-03T10:05:04","date_gmt":"2019-11-03T09:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8017"},"modified":"2019-12-10T10:06:48","modified_gmt":"2019-12-10T09:06:48","slug":"das-rheingold-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8017","title":{"rendered":"Das Rheingold &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 22. September 1869, M\u00fcnchen Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie und B\u00fchne: Alexander M\u00fcller-Elmau, Kost\u00fcme: Julia Kaschinski<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester des Landestheater Coburg<\/p>\n<p>Solisten: Michael Lion (Wotan), Kora Pavelic (Fricka), Olga Shurshina (Freia), Marvin Zobel (Donner), Peter Aisher (Froh), Simeon Esper (Loge), Martin Trepl (Alberich), Dirk Mestmacher (Mime), Felix Rathgeber (Fasolt), Bartosz Araszkiewicz (Fafner), Evelyn Krahe (Erda), Dimitra Kotdou (Woglinde), Laura Incko (Wellgunde), Emily Lorini (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. November 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Coburg-Rheingold.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8018\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Coburg-Rheingold.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Coburg-Rheingold.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Coburg-Rheingold-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Alberich wirbt um die drei Rheint\u00f6chter, die ihn aber nur verspotten. Daraufhin entsagt er der Liebe und stielt ihnen das Rheingold. Aus diesem Gold l\u00e4\u00dft er einen machtvollen Ring schmieden, mit dessen Kraft er sich die Nibelungen untert\u00e4nig macht. Die Riesen Fafner und Fasolt haben f\u00fcr den Gott Wotan die Burg Walhall erbaut, und fordern nun von ihm als Lohn die G\u00f6ttin Freia. Doch Wotan will Freia nicht herausgeben, und der intrigante Gott Loge \u00fcberzeugt ihn davon, als Ersatz Alberich den Ring und das Rheingold wieder zu entrei\u00dfen. Alberich verflucht den Ring, den Wotan den Riesen zum Rheingold reicht, um Freia auszul\u00f6sen. Fafner erschl\u00e4gt seinen Bruder, die G\u00f6tter aber ziehen in die Burg Walhall ein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper hei\u00dft zwar <em>Rheingold<\/em>, aber vom Rhein ist im dunklen Raum eines Museums nichts zu sehen. \u00dcber der B\u00fchne h\u00e4ngt eine \u00fcbergro\u00dfe Mondscheibe, hinter der sich auch eine Erdscheibe verbirgt, dahinter ein gro\u00dfer Lichtstrahler, der f\u00fcr die Sonne oder Walhall steht. Besucher bestaunen den Stumpf der eingegangenen Weltesche und die drei Rheint\u00f6chter als Ausstellungsobjekte in drei Glasvitrinen (mit transparentem Cape wirken sie eher \u00e4gyptisch). Sie erwachen zum Leben, als sich Alberich unter den Schmutzfangmatten hervorw\u00fchlt. Die Besucher sitzen bis zum Schlu\u00df der Vorstellung auf Museumsklappst\u00fchlen und beobachten zun\u00e4chst wie Alberich das Rheingold in Form eines gro\u00dfen goldenen Gehirns raubt. Wotan erwacht von einer Art Todesschlaf auf einer Plattform, den Blumenschmuck r\u00e4umen die m\u00e4nnlichen G\u00f6tter in eine mitgebrachte Sch\u00fcssel. Die Riesen kommen im gro\u00dfen Fellmantel daher, darunter tragen sie eine Art Schutzausstattung \u2013 wohl f\u00fcr American Football. Auch die G\u00f6tter tragen gerne Pelzm\u00e4ntel \u2013 als Machtsymbol. Die Plattform versinkt im Boden. Durch die \u00d6ffnung am Boden schwingen sich Wotan und Loge in die Schwefelkluft. Aus der \u00d6ffnung taucht auch Mime mit dem Kettengewirk des Tarnhelms in der Hand auf. Alberich als Schlange bleibt unsichtbar, wird nur mit verschrecktem Blick auf das Publikum angedeutet. Nachdem Alberich als kaum sichtbarer kleiner Frosch festgenommen wurde, senkt er unter Zwang den Goldschatz \u2013 ein vergr\u00f6\u00dfertes goldenes Hirn \u2013 von oben auf Freia herab, bevor ihm Wotan den kleinen Ring vom Finger zieht. Eine Besucherin verwandelt sich kopfsch\u00fcttelnd in Erda und mahnt Wotan den Ring abzugeben. Aus der liegengelassenen Handtasche Erdas entwendet Wotan eine Sonnenbrille. Die ben\u00f6tigt er f\u00fcr den Einzug nach Walhall, denn das Licht blendet doch stark. Die G\u00f6tter stehen auf der Plattform, eine gro\u00dfe Lichtquelle im Hintergrund steht f\u00fcr Walhall, die Br\u00fccke w\u00f6lbt sich imagin\u00e4r aus dem Publikumsraum hinauf. Die Rheint\u00f6chter ohne Cape d\u00fcrfen noch kurz das Rheingold beweinen, was die G\u00f6tter sektschl\u00fcrfend ignorieren \u2013 eine sch\u00f6ne Pose f\u00fcr das monumentale Schlu\u00dfbild.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es reift langsam die Erkenntnis, da\u00df man mittlerweile \u00fcberall einen <em>Ring<\/em> auf hohem Niveau besetzen kann, auch an vermeintlich kleinen H\u00e4usern! In Coburg kommt noch hinzu, da\u00df fast alle Rollen vom Haus aus besetzt werden k\u00f6nnen, nur Simeon Esper als Loge und Evelyn Krahe als Erda sind G\u00e4ste. Der ganz gro\u00dfe Gl\u00fccksgriff ist <strong>Michael Lion<\/strong> als Wotan. Der altgediente Ba\u00df am Haus hat keinerlei Probleme mit den Tiefen und zeichnet den zweifelhaften Charakter eines verzweifelten Gottes mit eloquenter weicher Stimme und langen tragenden Phrasierungen. Ebenso eloquent gestaltet <strong>Simeon Esper<\/strong> wie ein Lieds\u00e4nger die Rolle des Loge. Auch wenn er manchmal etwas zu hart phrasiert und ungewohnte Klangbilder erzeugt.<\/p>\n<p>Da ist als gleichwertiger Antipode zu Wotan <strong>Martin Trepl<\/strong> als Alberich viel \u00fcberzeugender. Bislang eher mit kleineren Rollen betraut, w\u00e4chst er \u00fcber sich hinaus und baut die Rolle als wortverst\u00e4ndliche Charakterzeichnung aus. <strong>Dirk Mestmacher<\/strong> ist als Spieltenor mit der Rolle des Mime gut im Rennen. Er kann sich mit tenoralem Glanz stimmlich gegen Alberich durchsetzen. <strong>Marvin Zobel <\/strong>ist der spielerisch sichere Donner, die imposanten <em>Heda-Hedo <\/em>Rufe sind markante Punkte. <strong>Peter Aisher<\/strong> gibt den Gott Froh mit lyrischem, gef\u00fchlvollen Tenor, kann mit dem Ausruf <em>Zur\u00fcck<\/em>! wie ein Heldentenor explodieren. <strong>Felix Rathgeber<\/strong> kann den Fasolt nicht nur charakterlich, sondern auch stimmlich vielschichtig gestalten. Sein sicherer Ba\u00df-Bariton verf\u00fcgt \u00fcber eine gro\u00dfe Palette an Stimmfarben und Ausdruckskraft. <strong>Bartosz Araszkiewicz <\/strong>mit gro\u00dfer Tiefe und viel gurgelnden Pathos kann nicht mithalten, er tremoliert und klingt als Fafner zu rauh. <strong>Kora Pavelic <\/strong>\u00fcberrascht als Fricka mit einer sehr lyrisch ausgepr\u00e4gten Stimme, die eine liebevolle Ehefrau gibt, w\u00e4hrend <strong>Evelyn Krahe<\/strong> mit ihrem kr\u00e4ftigen dunklen \u201eechten\u201c Alt eine weise Erda ist. Besonders lobenswert die durchschlagskr\u00e4ftigen Rheint\u00f6chter, die stimmlich bestens miteinander harmonieren.<\/p>\n<p><strong>Roland Kluttig <\/strong>schwei\u00dft die S\u00e4ngerriege zusammen, und ihm gelingt es auch, dem Philharmonischen Orchester das richtige Gef\u00fchl f\u00fcr den <em>Ring<\/em> zu vermitteln. Selten hat man das Anschwellen des Rheins, den ber\u00fchmten Es-Dur-Akkord am Anfang, so feinsinnig gewoben und transparent geh\u00f6rt. Beim Einzug der G\u00f6tter wird es trotz kleinem Orchester monumental und wuchtig, aber man h\u00f6rt auch feine Nuancen und ausgefeilte Kl\u00e4nge in den leiseren Passagen. Ein wirklicher Unterschied zu den Interpretationen gro\u00dfer Orchester mit kompletter orchestraler Besetzung ist eigentlich nicht auszumachen \u2013 und das ist bei reduzierter Besetzung, z.B. nur einer Harfe statt bis zu acht Harfen schon eine Leistung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Beziehungen des Coburger Theaters zu Richard Wagner waren ausgezeichnet, denn schon fr\u00fch bem\u00fchte man sich um die Auff\u00fchrungsrechte f\u00fcr das kleine Coburger Hoftheater. Gegen dringend ben\u00f6tigtes Geld gab es die Autorisierung des Meisters f\u00fcr eine <em>Coburger Fassung des Rienzi<\/em>. Sie wurde von den Coburger Kapellmeistern auf weitere Werke Wagners ausgedehnt. Im Falle dieses <em>Rheingolds<\/em> spielt man eine erweiterte Coburger Fassung, die sogenannte Lessing-Fassung mit Ba\u00dftrompete und Wagnertube, dennoch resultiert eine Reduzierung von 123 auf 42 Stimmen, die maximale Kapazit\u00e4t des Orchestergrabens und der Portallogen. Das erste Gastspiel einer Coburger Fassung nach Bayreuth (<em>Tannh\u00e4user<\/em>) f\u00fchrte \u00fcbrigens 1860 ins Markgr\u00e4fliche Opernhaus, als man dort den Meister nur dem Namen nach kannte. Egal \u2013 ein erfreuliches Ergebnis eines <em>Rheingold<\/em>-Erlebnisses wird vom Publikum durchweg freundlich gefeiert. F\u00fcr ein sogenanntes kleines Haus mit relativ kleiner B\u00fchne und Orchestergraben eine beachtliche Leistung \u2013 einen ganzen <em>Ring<\/em> stemmen zu wollen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Sebastian Buff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: drei Rheint\u00f6chtern und Alberich, im Hintergrund Museumsbesucher, Eschenstumpf und Mondscheibe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 22. 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