{"id":8014,"date":"2019-11-27T14:04:07","date_gmt":"2019-11-27T13:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8014"},"modified":"2019-12-06T14:06:47","modified_gmt":"2019-12-06T13:06:47","slug":"tosca-muenchen-staatstheater-am-gaertnerplatz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=8014","title":{"rendered":"Tosca &#8211; M\u00fcnchen, Staatstheater am G\u00e4rtnerplatz"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Melodramma in drei Akten, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardou, UA: 14. Januar 1900 Rom, Teatro Costanzi<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne\/Kost\u00fcme\/Licht: Stefano Poda<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Orchester, Chor, Extrachor und Kinderchor des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz, Choreinstudierung: Pietro Numico<\/p>\n<p>Solisten: Oksana Sekerina (Floria Tosca), Artem Golubev (Mario Cavaradossi), Noel Bouley (Baron Scarpia), Timos Sirlantzis (Cesare Angelotti), Levente Pali (Mesner), Juan Carlos Falcon (Spoletta), Holger Ohlmann (Sciarrone), Martin Hausberg (Schlie\u00dfer), Nestor Erofeev (Hirt)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. November 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/M\u00fcnchen-Tosca.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8015\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/M\u00fcnchen-Tosca.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"412\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/M\u00fcnchen-Tosca.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/M\u00fcnchen-Tosca-300x190.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rom 1800. Der Maler Cavaradossi verspricht dem politischen Gefangenen Angelotti Unterst\u00fctzung bei seiner Flucht. Diesen Fl\u00fcchtigen will Polizeichef Scarpia will ergreifen. Er foltert Cavaradossi, in dem er ein Mitwisser Angelottis vermutet. Tosca, Cavaradossis Geliebte, will er zu seiner Geliebten machen. Angelotti ver\u00fcbt Selbstmord. In einer Begegnung mit Tosca ersticht diese Scarpia, nachdem er ihr die Flucht Cavaradossis zu erm\u00f6glichen versprochen hatte. Auf dem Hochplateau der Engelsburg wir Cavaradossi standrechtlich erschossen. Daraufhin st\u00fcrzt sich Tosca von der Engelsburg in die Tiefe.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Basis f\u00fcr das B\u00fchnenbild aller drei Akte ist die Finsternis. Aus dieser Dunkelheit erhebt sich ein mal mehr mal weniger beleuchteter Raum mit markant strukturierten W\u00e4nden: die Oberfl\u00e4che sieht aus wie eine Spachtelmasse, bestrichen mit dunkler \u00d6lfarbe, \u00e4hnlich wie bei historischen Bilderrahmen.<\/p>\n<p>Im ersten Akt steht in diesem Raum ein \u00fcberdimensionales liegendes Kreuz aus dem gleichen Material, das sich um sich selber dreht. Die Kleidung der Kirchg\u00e4nger ist zeitlos der katholischen Liturgie angepa\u00dft. Im zweiten Akt steht in diesem dunklen Raum quer auf der gesamten B\u00fchnenbreite ein sehr langer Holztisch, auf dem Papiere, Lebensmittel und E\u00dfbesteck zu finden sind. Cavaradossi und seine Gefolgsleute tragen dunkle Uniform mit Schulterkoppel. Scarpia wird von Tosca erst erschossen, dann erstochen. Im dritten Akt senken sich ein gefederter Fl\u00fcgel (von der Statue auf der Engelsburg) und ein gro\u00dfes Flechtwerk aus St\u00e4ben (f\u00fcr den Sternenhimmel?) auf die B\u00fchne herab. Cavaradossi versinkt zur Exekution im B\u00fchnenboden, bleibt genauso wie seine Folterszenen f\u00fcrs Publikum unsichtbar. Zum Schlu\u00df schie\u00dfen Spoletta und seine Schergen mit Pistolen auf Tosca, die nach vorn an die Rampe ins Licht l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Puccini ist ein Meister der edlen, warmen, kraftvollen musikalischen Stimmungen, die eine psychologische Deutung untermalt. <strong>Anthony Bramall<\/strong> gelingt dies auch mit dem Orchester des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz h\u00f6rbar zu machen. Hier werden Emotionen als permanente musikalische H\u00f6hepunkte zelebriert. Neben dem perfekt aufeinander abgestimmten Orchester k\u00f6nnen auch die verst\u00e4rkten <strong>Ch\u00f6re<\/strong> harmonisch zusammen wirken. Besonders positiv der <strong>Kinderchor<\/strong> in der Kirche, der durch den Chor von der Seite unterst\u00fctzt wird. Die Russin <strong>Oksana Sekerina <\/strong>hat bei ihrem ersten Engagement in Deutschland keinerlei Probleme als schwerer Sopran mit viel Erfahrung im italienischen Fach die hysterisch-emotionalen H\u00f6hepunkte ausdrucksvoll auszudr\u00fccken. <strong>Artem Golubev <\/strong>bleibt als Cavaradossi leider bla\u00df, ihm fehlt die Leuchtkraft und das strahlende <em>Forte<\/em>, um die dramatischen Momente glaubw\u00fcrdig darzustellen. Die <em>Vittoria<\/em>-Rufe verhallen ungeh\u00f6rt, aber bei <em>E lucevan le stelle<\/em> \u2013 es <em>leuchten die Sterne<\/em> bekommen vom mitf\u00fchlenden Publikum Szenenapplaus.<\/p>\n<p><strong>Noel Bouley<\/strong> l\u00e4\u00dft sich als indisponiert ansagen, liefert aber ein beeindruckendes Rollenportr\u00e4t eines d\u00e4monischen intelligent verschlagenen Scarpia ab, der nicht b\u00f6sartig mit tiefer Stimme gurgelt, sonder mit eloquenten tief fundiertem Bariton die Parallele zum Jago aus Otello aufzeigt. Beeindruckend, da\u00df auch die Nebenrollen ad\u00e4quat besetzt sind, wie <strong>Levente Pali<\/strong> als eloquent aufdringlicher Mesner oder <strong>Juan Carlos Falcon<\/strong> als b\u00f6sartiger Spoletta. Besonders erfreulich der Knabensopran, <strong>Nestor Erofeev <\/strong>(Hirte) tastet sich herzerw\u00e4rmend durch die kurze Rolle.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Erfolg f\u00fcr das Staatstheater am G\u00e4rtnerplatz: Zufriedener Applaus eines dankbaren Publikums. Bemerkenswert wieder, wie hoch der jugendliche Besucheranteil an einem fast voll besetzten Haus ist \u2013 \u00a0an einem Montagabend! Da sieht man gerne \u00fcber die wieder einmal gescheiterte Aktualisierung des Werkes in eine fiktive faschistoide Epoche mit automatischen Schu\u00dfwaffen ab. Die f\u00fcr die Handlung wichtige Schlacht bei Marengo fand 1800 statt &#8211; die zugeh\u00f6rigen <em>Vittoria-Rufe<\/em> Cavaradossis bleiben unauff\u00e4llig \u2013 \u00fcberfordern den Regisseur und den Solisten. Normalerweise ist diese Szene musikalisch und szenisch ein Publikumsliebling. Hier nicht. Ebenso das r\u00e4tselhafte Finale, in dem Tosca zwar von Spoletta und seinen Schergen erschossen wird, aber dann diese von der umfallenden Hausfassade erschlagen werden und Tosca ins Licht l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Christian POGO Zach<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Oksana Sekerina (Floria Tosca), Holger Ohlmann (Sciarrone), Chor des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Melodramma in drei Akten, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardou, UA: 14. 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