{"id":7998,"date":"2019-11-12T18:23:05","date_gmt":"2019-11-12T17:23:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7998"},"modified":"2019-11-15T18:25:44","modified_gmt":"2019-11-15T17:25:44","slug":"carmen-koeln-oper-staatenhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7998","title":{"rendered":"Carmen &#8211; K\u00f6ln, Oper \u2013 Staatenhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von: Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra-Comique in vier Akten, Text: Henri Meilhac, Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris, Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Regie: Lydia Steier, B\u00fchne: Momme Hinrichs, Kost\u00fcme: Gianluca Falaschi<\/p>\n<p>Dirigent: Claude Schnitzler und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<br \/>\nSolisten: Adriana Bastidas-Gamboa (Carmen), Martin Muehle (Don Jos\u00e9), Claudia Rohrbach (Mica\u00ebla), Oliver Zwarg (Escamillo), Matthias Hoffmann (Zuniga), Moral\u00e8s (Luk\u00e1\u0161 Ba\u0159\u00e1k), Alina Wunderlin (Frasquita), Arnheidu Eir\u00edksd\u00f3ttir (Merc\u00e9d\u00e8s), Miljenko Turk (Le Danca\u00efre)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. November 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/K\u00f6ln-CARMEN.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7999\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/K\u00f6ln-CARMEN.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/K\u00f6ln-CARMEN.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/K\u00f6ln-CARMEN-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Don Jos\u00e9 ist in die Zigeunerin Carmen verliebt. Doch diese ist ein Freigeist und will sich keinem Mann unterwerfen. Bei einem Streit verletzt Carmen eine Arbeiterin und soll verhaftet werden. Doch als sie mit Don Jos\u00e9 eine gemeinsame Liebesnacht f\u00fcr ihre Freiheit verspricht, l\u00e4\u00dft er sie fliehen. F\u00fcr diese Pflichtverletzung mu\u00df er zwei Monate Gef\u00e4ngnisstrafe absitzen. Als er aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wird, werden die beiden ein Liebespaar. Nach kurzer Zeit aber verl\u00e4\u00dft Carmen Don Jos\u00e9 wieder, denn sie hat sich in den Torero Escamillo verliebt. Noch immer besessen von Carmen fleht Don Jos\u00e9 sie an, zu ihm zur\u00fcckzukommen. Als diese ihn erneut abweist, ersticht er sie.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt im ersten Akt das Innere einer Schlachthalle: im vorderen Teil ist ein Gatter angebracht, dahinter befindet sich ein Boden aus Fliesen mit Blutflecken und Marktst\u00e4nden mit Fleischtheken.<\/p>\n<p>Im zweiten Akt verwandelt sich der Schauplatz in das Innere einer Kirche mit einem Marienschrein im Vordergrund, im dritten Akt markieren Wohnwagen mit erotischen Aufschriften ein milieuartiges Lager von Prostituierten und Gangstern. Die Stierkampfarena wird durch eine Halloween-artige Parade versinnbildlicht: das Volk tr\u00e4gt entstellende Horror-Masken, tote Stier-Attrappen werden mit einem Gabelstapler hineingefahren, eine blutverschmierte Jesus-Figur rennt \u00fcber die B\u00fchne und Skelette jonglieren auf Stelzen.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind im Stil der 1950er Jahre gehalten: die Frauen tragen Petticoats, die Zigeunerbande Nadelstreifenanz\u00fcge wie in einem Mafiosofilm. Carmen erscheint in gr\u00fcnem Overall mit Stiefeln, sp\u00e4ter verwandelt sie sich in eine Marienfigur und im letzten Akt tr\u00e4gt sie einen Flamenco-Rock mit einem Marienbild. Der ist Tod ist das beherrschende Thema auf der B\u00fchne: in jedem Akt wird ein Double von Carmen von einem Torero mit Lanzen erstochen. Am Ende bringt sich Carmen selbst um.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester befindet sich an diesem Abend auf der linken Seite im Saal 1 des Staatenhauses. Das hat leider Auswirkungen auf die gesamte musikalische Leistung, denn das Dirigat von <strong>Claude Schnitzler<\/strong> kann so von den Solisten nicht gut gesehen werden. Oft sind Gesang und Orchester nicht ganz synchron. Die bekannteste Arie der Oper ist leider nicht die Glanzarie von <strong>Adriana Bastidas Gamboa<\/strong> (Carmen): mit ihrem volumin\u00f6sen, dunkel gef\u00e4rbtem Mezzosopran singt sie <em>L\u2019amour est un oiseau rebelle<\/em> \u2013 <em>Die Liebe ist ein rebellischer Vogel<\/em> zwar sehr konzentriert, es fehlt ihr aber an Energie und Schwung, um das Temperamentvolle der Arie hervorzuheben. Nachdem sie sich in ihrem ersten Auftritt aber richtig frei gesungen hat, wird alles deutlich besser. In der Seguidilla <em>Pr\u00e8s de remparts de Seville \u2013 Nahe der Stadtmauern von Sevilla <\/em>\u00fcberzeugt sie zum Beispiel durch den spielerischen Wechsel zwischen energisch rollender Bruststimme und gl\u00e4nzenden Spitzent\u00f6nen. Dabei betont sie schauspielerisch eine sehr burschikose und brutale Carmen-Figur: ihre Mimik ist die ganze Zeit verbissen, dabei bespuckt, tritt und verletzt sie ihre Mitstreiter auf der B\u00fchne ununterbrochen. Ihr m\u00e4nnlicher Gegenpart <strong>Martin Muehle<\/strong> (Don Jos\u00e9) ist dagegen schauspielerisch eine der wenigen Figuren auf der B\u00fchne, mit der man wirklich sympathisieren kann. Auch gesanglich ist seine Darbietung das Highlight des Abends. Sein m\u00e4nnlicher Tenor hat ein dunkles Timbre, dabei l\u00e4\u00dft er sein Stimme besonders in der H\u00f6he schmettern, hat dies aber technisch perfekt unter Kontrolle. Besonders im Duett <em>Parle-moi de ma m\u00e8re<\/em> \u2013 <em>Erz\u00e4hl mir von meiner Mutter <\/em>zusammen mit <strong>Claudia Rohrbach<\/strong> (Mica\u00ebla) gelingt M\u00fchle das An- und Abschwellen der Stimme in den Forte-Partien unglaublich gut, ebenso gelungen ist seine mezza voce in der Tiefe. Seine Mitstreiterin \u00fcberzeugt durch einen glockenklaren, hellen Sopran, den sie immer auf den Punkt und technisch versiert einsetzt. Im Zusammenklang erg\u00e4nzen sich die beiden Stimmen wunderbar und transportieren dabei sehr viel Gef\u00fchl. Ebenfalls erw\u00e4hnenswert sind die beiden S\u00e4ngerinnen <strong>Alina Wunderlin<\/strong> (Frasquita) und <strong>Arnheidu Eir\u00edksd\u00f3ttir<\/strong> (Merc\u00e9d\u00e8s), die sehr frech und kokettierend mit ihren Stimmen umgehen. Wunderlin hat einen sehr hellen, flinken Sopran, der besonders in der H\u00f6he wunderbar zur Geltung kommt, Eir\u00edksd\u00f3ttir \u00fcberzeugt mit einem geschmeidigen dunkleren Sopran, der sehr sanft klingt.<\/p>\n<p><strong>Oliver Zwarg<\/strong> (Escamillo) hinterl\u00e4\u00dft leider keinen sehr guten Eindruck. Er hat von Anfang an Probleme mit dem Rhythmus, sein Einsatz kommt fast immer verz\u00f6gert. Zudem scheint er angeschlagen zu sein, da er die hohen T\u00f6ne nicht lange halten kann und auch nicht immer sauber intoniert. Der <strong>Chor<\/strong> braucht einige Zeit, um sich zu steigern: im ersten Akt wirken die Frauenstimmen rhythmisch und intonatorisch um einiges sicherer als die M\u00e4nnerstimmen, die oft nicht im Takt sind. Zum Ende des zweiten Akts erreicht der Chor aber eine sehr gute Dynamik und singt sehr gut aufeinander abgestimmt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt setzt die Inszenierung auf Radikalit\u00e4t, Provokation und brutale Gewaltsymbole, gemischt mit religi\u00f6sen Andeutungen, die wohl den Versuch darstellen, Carmens Rolle als Frau innerhalb der Gesellschaft zwischen \u201eHeiliger\u201c und \u201eHure\u201c in Frage zu stellen. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, was die Regisseurin mit einer solchen Auff\u00fchrung bezwecken m\u00f6chte. Wenn Text und Aussage des St\u00fcckes nicht mit dem zusammenpassen, was auf der B\u00fchne gezeigt wird, dann bleibt man, wie meine ca. achtj\u00e4hrige Sitznachbarin mit der Frage zur\u00fcck: <em>Was soll das?<\/em><\/p>\n<p>Warum so viel Respektlosigkeit vor Religion und Gesellschaft? Was haben denn bitte Jesus und Maria in einer Carmen-Oper zu suchen, zusammen mit Prostituierten, Mafiosi und Koks?<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Applaus gibt es zu Recht f\u00fcr Martin Muehle und Adriana Bastidas-Gamboa, das Regie-Team erh\u00e4lt auch einige Buhs. Leider wird die gute musikalische Leistung von der schockierenden Inszenierung \u00fcberschattet. Kein glanzvoller Moment f\u00fcr die Oper K\u00f6ln!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild von: Hans-J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Adriana Bastidas-Gamboa (Carmen), Martin Muehle (Don Jos\u00e9)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von: Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra-Comique in vier Akten, Text: Henri Meilhac, Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. 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