{"id":7990,"date":"2019-10-26T18:11:59","date_gmt":"2019-10-26T17:11:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7990"},"modified":"2019-11-15T18:14:24","modified_gmt":"2019-11-15T17:14:24","slug":"effi-briest-cottbus-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7990","title":{"rendered":"Effi Briest &#8211; Cottbus, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Siegfried Matthus, Oper Libretto: Frank Matthus, nach dem Roman Effi Briest von Theodor Fontane, UA: 19. Oktober 2019 Cottbus<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne: Guido Petzold, Kost\u00fcme: Sven Bindseil<\/p>\n<p>Musikalische Leitung: Alexander Merzyn, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Opernchor des Staatstheaters Cottbus (Chorleitung: Christian M\u00f6bius).<\/p>\n<p>Solisten: Liudmila Lokaichuk (Effi), Andreas J\u00e4pel (Baron Innstetten), Martin Shalita (Major Crampas), Gesine Forberger (Luise), Ulrich Schneider (Vater Briest), Carola Fischer (Kinderm\u00e4dchen Roswitha), B\u00f6sel (Marietta Trippelli), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Oktober 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Cottbus-Effi_15_presse.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7991\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Cottbus-Effi_15_presse.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"436\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Cottbus-Effi_15_presse.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Cottbus-Effi_15_presse-300x201.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die siebzehnj\u00e4hrige Effi Briest wird mit dem doppelt so alten Baron von Innstetten verheiratet, der bereits um ihre Mutter geworben hatte. Effi ist eine lebenslustige, bisweilen \u00fcberm\u00fctige junge Frau, Innstetten hingegen ein pflichtbewu\u00dfter und aufstiegsorientierter preu\u00dfischer Ministerialbeamter \u2013 und selten zu Hause. Der charmante, theaterbegeisterte Major Crampas bemerkt, da\u00df Effi sich vernachl\u00e4ssigt f\u00fchlt, allein im Haus in Kessin, ver\u00e4ngstigt wegen einer Gespenstergeschichte. Die beiden beginnen eine kurze Aff\u00e4re, die endet als Innstetten Minister in Berlin wird. Als Innstetten Jahre sp\u00e4ter von diesem Verh\u00e4ltnis erf\u00e4hrt, t\u00f6tet er Crampas im Duell und verst\u00f6\u00dft Effi \u2013 ihre Tochter Annie darf sie nicht mehr sehen. Auch ihre Eltern lassen sie im Stich. Sie siecht einsam in Berlin dahin, zum Sterben darf sie nach Hause zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Unter Jakob Peters-Messer wird ein ganz einfaches B\u00fchnenbild umgesetzt. Eigentlich besteht es nur aus einem mannshohen Ring mit Zitaten aus dem Roman Effi Briest, der im Mittelpunkt der B\u00fchne steht. Drumherum tauchen die notwendigen Requisiten auf wie Fl\u00fcgel, N\u00e4hschrank, St\u00fchle oder Tische. Das Duell mit Crampas wird mit Pistolen ausgetragen \u2013 ohne Musikbegleitung, aber mit gro\u00dfem Knall.<\/p>\n<p>Man erscheint in authentischer wilhelminischer Gesellschaftskleidung, d.h. schwarzer Anzug oder Kost\u00fcm mit wei\u00dfem Hemd oder Bluse. Nur Effi Briest tr\u00e4gt nach dem hellen Sommerkleidchen der Jugend ein blaues Chiffonkleid. F\u00fcr den Auftritt des Chores w\u00e4hrend der Italienreise kleiden sie sich als venezianische Gondoliera, f\u00fcr den Konzertabend bei Gie\u00dfh\u00fcbler dominiert der schwarze Zylinder.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Auftragskomposition und das Libretto orientiert sich an den Dialogen aus dem Roman von Theodor Fontane, der Zeitgeist des Romans und Fontanes Wortwahl steht im Mittelpunkt, die Oper und die Musik treten dahinter zur\u00fcck. Siegfried Matthus l\u00e4\u00dft Fontane wirken. Somit bietet sich auch, an um \u00fcber weite Strecken der Handlung einen Parlando-Stil zu pflegen. Einzig das Kinderlied der Roswitha (<strong>Carola Fischer)<\/strong> mit dynamisch frischer Stimme) f\u00fcr Annie, der Chanson der Marietta Trippelli <strong>(B\u00f6sel) <\/strong>mit anz\u00fcglicher Stimmf\u00fchrung) und die gro\u00dfe dramatische Verzweiflungsarie der Effi Briest <strong>(Liudmila Lokaichuk)<\/strong> zeigen die gro\u00dfen gestalterischen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Die Komposition von <strong>Siegfried Matthus<\/strong> ist durchdacht! Die Verzweiflungsarie ist ganz offensichtlich auf <strong>Liudmila Lokaichuk<\/strong> zugeschnitten, ihre Stimme ist im schweren russischen (Glinka), franz\u00f6sischen (Meyerbeer) und italienischen Fach zu Hause. Sie empfiehlt sich auch f\u00fcr weitere Sopranpartien aus dem Gesamtwerk von Siegfried Matthus. <strong>Andreas J\u00e4pel<\/strong> als Baron Innstetten ist der schwergewichtige preu\u00dfische Beamte mit steifem Vaterm\u00f6rderkragen.<\/p>\n<p><strong>Alexander Merzyn <\/strong>gibt diesem Sp\u00e4twerk des modernen Komponisten, f\u00fcr den der Begriff zeitgen\u00f6ssische Musik wegen ausgewogener Harmonik und romantischen Kl\u00e4ngen unpassend scheint, die entsprechende Dynamik und die zur\u00fcckhaltende Untermalung der Dialoge durch das elegant folgende <strong>Philharmonische Orchester<\/strong>. Die Feinabstimmung zwischen Orchester und Chor ist immer gegeben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Beitrag des Staatstheaters Cottbus zum Fontane-Jahr ist ein gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr das Staatstheater Cottbus: Das Auftragswerk stellt Fontane in den Mittelpunkt und l\u00e4\u00dft szenisch und musikalisch die <em>verklemmte und pr\u00fcde<\/em> Zeit Kaiser Wilhelms wieder auferstehen. Viel aufwendiger, aber detailverliebt sind die Kost\u00fcme.<\/p>\n<p><strong>Siegfried Matthus<\/strong> ist eine w\u00fcrdige Umsetzung des Werkes auf die Opernb\u00fchne gelungen. Sie ben\u00f6tigt, keinerlei Regieeinf\u00e4lle. Die im Volksmund verbreiteten Zitate <em>Das ist ein zu weites Feld<\/em> durch Vater Briest und <em>Wenn ich darf<\/em> durch Annie werden genu\u00dfvoll zelebriert. Vorhang zu und keine Fragen offen: Begeisterung des Publikums ohne jeden Abstrich, geradezu heftiger Applaus f\u00fcr die Solisten, Chor und Orchester.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Marlies Kross<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: (im Vordergrund v.l.n.r.) Liudmila Lokaichuk (Effi), Andreas J\u00e4pel(Innstetten), Christian Henneberg(Gie\u00dfh\u00fcbler)sowie Damen und Herren des Opernchores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Siegfried Matthus, Oper Libretto: Frank Matthus, nach dem Roman Effi Briest von Theodor Fontane, UA: 19. 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