{"id":7985,"date":"2019-10-28T21:48:21","date_gmt":"2019-10-28T20:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7985"},"modified":"2019-10-28T21:48:21","modified_gmt":"2019-10-28T20:48:21","slug":"don-carlos-stuttgart-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7985","title":{"rendered":"Don Carlos &#8211; Stuttgart, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Fran\u00e7ois Joseph Pierre M\u00e9ry und Camille du Locle, UA: 11. M\u00e4rz 1867 Paris, Salle de la rue Le Peletier<\/p>\n<p>Regie: Lotte de Beer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christof Hetzer, Licht: Alex Brok, Dramaturgie: Franz-Erdmann Meer Herder, Peter Te Nuyl<\/p>\n<p>Dirigent: Cornelius Meister, Chor: Manuel Pujol, Orchester, Chor, Extrachor und Statisterie der Staatsoper Stuttgart<\/p>\n<p>Solisten: Goran Juri\u0107 (Philipp II.), Massimo Giordano (Don Carlos), Bj\u00f6rn B\u00fcrger (Marquis von Posa), Falk Struckmann (Der Gro\u00dfinquisitor), Michael Nagl (Ein M\u00f6nch), Olga Busuioc (Elisabeth von Valois), Ksenia Dudnikova (Prinzessin Eboli), Carina Schmieger (Thibault, Page Elisabeths), Claudia Muschio (Eine Stimme vom Himmel), Christopher Sokolowski (Graf von Lerma\/K\u00f6niglicher Herold), Kyung Won Yu (Ein Holzf\u00e4ller)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Oktober (Premiere, in franz\u00f6sischer Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stuttgart-Don-Carlos.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7987\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stuttgart-Don-Carlos.png\" alt=\"\" width=\"644\" height=\"424\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stuttgart-Don-Carlos.png 644w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stuttgart-Don-Carlos-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zu Seltenheit, da\u00df Verdis<em> Don Carlos <\/em>einmal in urspr\u00fcnglicher Gestalt aufgef\u00fchrt wird. Noch vor der Urauff\u00fchrung in Paris wurden einige Passagen gestrichen. Auch eine italienische Fassung des Komponisten existiert. Diese ist zwar textlich vertretbar, jedoch verliert das Werk durch die starken K\u00fcrzungen an Einheitlichkeit. W\u00e4hrend das Drama Friedrich Schillers auf brillante Weise die Mechanismen des spanischen Hofes entwickelt und der Dramaturgie eindrucksvolles barockes Intrigentheater pr\u00e4sentiert, formt Verdi den Stoff ins Opernhafte, wo Liebe und Eifersucht der Figuren ins Zentrum r\u00fccken. Seinerzeit hatte <em>Don Carlos<\/em> einen eher m\u00e4\u00dfigen Erfolg und auch heute noch ringt das Werk um die entsprechende Anerkennung.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Wald von Fontainebleau treffen sich der spanische Thronfolger Carlos und die franz\u00f6sische Prinzessin Elisabeth. Eigentlich sind beide f\u00fcreinander bestimmt, allerdings entscheidet K\u00f6nig Philipp von Spanien im letzten Moment anders und nimmt sie selbst zur Frau. Carlos Freund Rodrigo r\u00e4t ihm, sich als echter Mann und K\u00f6nig zu beweisen und fordert von ihm, den Oberbefehl \u00fcber die spanischen Niederlande zu verlangen. Sein Vater verweigert ihm dies. Als Nebenbuhlerin agiert Prinzessin Eboli, die ein Auge auf Carlos geworfen hat. In einer Verwechslung wirft sich Carlos ihr an den Hals, mit fatalen Folgen. Ihre Rache folgt auf dem Fu\u00df: sie spielt nun Rodrigo, Carlos und Elisabeth gegeneinander aus. Am Ende mu\u00df sie deswegen in die Verbannung und auf die anderen warten lediglich auf Tod und Verzweiflung.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein leerer, weitl\u00e4ufiger dunkler Raum dominiert \u00fcber weite Strecken des Abends hinweg die Szene. Der fehlende Atmosph\u00e4re der B\u00fchne steht ein klar durchdachter Einsatz von Requisiten gegen\u00fcber, immer eng an die Handlung gebunden und aufs wesentliche beschr\u00e4nkt: zu Beginn steht schon ein wei\u00dfes Bett f\u00fcr Carlos und Elisabeth bereit, als die Entscheidung K\u00f6nig Philipps bekannt wird. Eine idyllische Gartenszene mit Baum folgt beim ersten Auftritt Ebolis, sp\u00e4ter sehen wir K\u00f6nig Philipp an einem gro\u00dfen wei\u00dfen Schreibtisch. Dieser reduzierten Ausstattung der Soloszenen steht eine raumf\u00fcllende Chorregie der Massenszenen entgegen. So sieht man ein in d\u00fcsteren Erdt\u00f6nen gekleidetes Volk der Armen, an welches Elisabeth ihr Almosen verteilt oder z.B. eine breitfl\u00e4chig organisierte Autodaf\u00e9-Szene in einem Gef\u00e4ngnis. Die Soloszene Elisabeths im f\u00fcnften Akt ist der v\u00f6llige Kontrast dazu: hier steht die S\u00e4ngerin v\u00f6llig allein auf einer leeren B\u00fchne. Die Kost\u00fcme sind formsch\u00f6n und stilvoll, Elisabeth und Carlos meist in wei\u00df, die Frauen in sch\u00f6nen Gew\u00e4ndern, die Vertreter der katholischen Kirche in ihren Roben. Was jedoch st\u00f6rt: w\u00e4hrend des ganzen Abends sind mehrere Scheinwerfer vertikal auf den Dirigenten gerichtet, was die Sicht auf den B\u00fchnenraum stark einschr\u00e4nkt. Insbesondere bei Verwendung von B\u00fchnennebel hat das unangenehme Auswirkungen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Dirigat von <strong>Cornelius Meister<\/strong> erklingt die \u201eausf\u00fchrliche\u201c franz\u00f6sische Fassung des <em>Don Carlos<\/em> inklusive der Ballettmusik. Die erste, sp\u00e4ter gestrichene Szene erlebt man ebenso wie einige l\u00e4ngere Dialogpassagen im vierten und f\u00fcnften Akt. In der Ballettmusik wurde ein zeitgen\u00f6ssisches Werk eingef\u00fcgt, die <em>Pussy-(r)-Polka<\/em> von Gerhard Winkler, die sich nahtlos an Verdis Musik anschlie\u00dft und einige Elemente daraus wieder aufgreift. Das Orchester ist energiegeladen und kontrastreich, vor allem in Bezug auf die Dynamik.<\/p>\n<p>Die S\u00e4nger sind \u00fcber weite Strecken wenig affektiert, verhalten sich vielmehr franz\u00f6sisch-k\u00fchl. Schlie\u00dflich bietet Verdi hier weniger Bravoureinlagen wie in seinen italienischen Opern. Die wortreichen Dialoge gelingen eindrucksvoll unter Beibehaltung der dramatischen Spannungsb\u00f6gen, sowohl das Duo Elisabeth-Carlos (Olga Busioc-Massimo Giordano) als auch Ksenia Dudnikova als Eboli pr\u00e4sentieren sich als Charakterrollen.<\/p>\n<p><strong>Massimo Giordano<\/strong> ist f\u00fcr einen Verdi-Tenor wenig selbstdarstellerisch, erscheint oftmals etwas verhalten und introvertiert. <strong>Olga Busuioc<\/strong> erntet vor allem mit ihrem Monolog im f\u00fcnften Akt gro\u00dfen Applaus <em>Toi qui sus le n\u00e9ant des grandeurs de ce monde \u2013 Du, der du die Nichtigkeit der irdischen Gr\u00f6\u00dfe erkanntest<\/em>. <strong>Ksenia Dudnikova<\/strong> als Eboli ist ein interessanter farbenreicher Mezzosopran mit der erforderlichen Beweglichkeit in ihrem Auftritt des zweiten Aktes <em>Au palais des f\u00e9es.<\/em> Sehr charakterstark ist <strong>Goran Juri\u0107<\/strong> als K\u00f6nig Philipp. Sein Timbre ist durchdringend mit den entsprechenden d\u00fcsteren Farben. Seine Artikulation ist klar und auch die Ausdrucksst\u00e4rke in <em>Elle ne m\u2018aime pas<\/em> \u2013 <em>sie liebt mich nicht!<\/em> \u00fcberzeugt. Auch der <strong>Chor<\/strong> leistet ganze Arbeit, wenn auch die Textverst\u00e4ndlichkeit oftmals nicht gew\u00e4hrleistet ist, entsteht eine eindrucksvoll klingende Masse.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Regisseurin <strong>Lotte de Beer<\/strong> erz\u00e4hlt die Handlung getreu dem Libretto aus dem Geist der Musik heraus. Zwar ist das Reduzieren auf die wesentlichsten Requisiten bei der Dauer des Abends etwas erm\u00fcdend, doch bleibt trotz der Sp\u00e4rlichkeit die Atmosph\u00e4re stets gewahrt. Da\u00df die Ballettmusik mit einer Pantomime untermalt ist, kann man nachvollziehen. Da man in Deutschland keine eigentliche Tradition f\u00fcr Balletteinlagen in Opern wie in Frankreich kennt (bei uns hier war man stets mehr dem Singspiel verpflichtet), ist dieser k\u00fcnstlerische Schritt nachvollziehbar. Auch musikalisch \u00fcberzeugt dieser <em>Don Carlos<\/em>. Vom klischeehaften italienisch angehauchten Verdi bleibt am Ende wenig \u2013 was bei dieser franz\u00f6sischen Fassung durchaus vertretbar ist. Nur mu\u00df der Zuschauer einige Zeit mitbringen: mit knapp f\u00fcnf Stunden und zwei Pausen erfordert diese Oper eine gro\u00dfe Portion Aufmerksamkeit und Durchhalteverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Dr. Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Matthias Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Olga Busuioc (Elisabeth von Valois), Ksenia Dudnikova (Prinzessin Eboli)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Fran\u00e7ois Joseph Pierre M\u00e9ry und Camille du Locle, UA: 11. 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