{"id":7970,"date":"2019-10-06T21:00:42","date_gmt":"2019-10-06T20:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7970"},"modified":"2019-10-10T21:02:54","modified_gmt":"2019-10-10T20:02:54","slug":"tristan-und-isolde-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7970","title":{"rendered":"Tristan und Isolde &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865, M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Enrico L\u00fcbbe, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Linda Redlin, Video fettFilm<\/p>\n<p>Dirigent: Ulf Schirmer, Chor und Gewandhausorchester, Herren des Chores der Oper Leipzig, Choreinstudierung: Thomas Eitler-de Lint<\/p>\n<p>Solisten: Maegan Miller (Isolde), Daniel Kirch (Tristan), Jukka Rasilainen (Kurwenal), Sebastian Pilgrim (K\u00f6nig Marke), Barbara Kozelj (Brang\u00e4ne), Matthias Stier (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Oktober 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Leipzig-Tristan.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7971\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Leipzig-Tristan.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"315\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Leipzig-Tristan.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Leipzig-Tristan-300x145.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod: Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht, so entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet zwar K\u00f6nig Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verr\u00e4t die Liebenden und verwundet Tristan schwer \u2013 Kurwenal bringt den Verletzten nach Kornwall. Tristan stirbt jedoch bei Isoldes Ankunft. Als Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Dieses B\u00fchnenbild l\u00e4\u00dft sich nur schwer real begreifen: auf einer Drehb\u00fchne sind die auseinanderfallenden Holzbauteile eines Schoners aufgebaut. Im ersten Akt sieht man einen gro\u00dfen Messeraum. Hier, an einem tisch, wartet Isolde. Tristan sitzt nebenan in einem Raum, der aus dem Gerippe des Decks zu bestehen scheint. Dazu eine Reihe von Treppenh\u00e4usern, T\u00fcren und Zwischenw\u00e4nden. Im Laufe der Zeit zerf\u00e4llt es immer weiter, Markes Hof spielt im ehemaligen Treppenraum der ersten Klasse. Tristans zerfallene Burg ist eine get\u00e4felte Holzwand, zwischen den Planken ein Graben. Der Herrenchor hat einen gro\u00dfen Auftritt als Matrosen, die f\u00fcr Marke stramm stehen und greifen als Statisten zum Schlu\u00df Tristans Burg an, wo sie auf den Widerstand Kurwenals treffen. Die Kleidung Markes ist ein dunkler langer Wettermantel, die Kleidung seiner Hofgesellschaft entspricht der typischen englischen Land- und Jagdkleidung der ausgehenden Zeit der Segelschiffe. Auch die Kleidung der Hauptdarsteller pa\u00dft in diesen Zeitraum. Auf dieser Spielfl\u00e4che wird die Handlung wie von Wagner beschrieben vollzogen, der Zaubertrank wird von Brang\u00e4ne in einem silbernen Becher serviert und nacheinander von Tristan und Isolde getrunken. Zum Finale erhebt sich noch einmal ein hell erleuchteter Schiffsrumpf, Tristan steht von den Toten auf und geht auf Isolde zu. Oder sind es nur zwei von den Doppelg\u00e4ngern, die immer wieder auftauchen?<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Alle F\u00e4den der musikalischen Spurensuche laufen bei <strong>Ulf Schirmer<\/strong> zusammen. Sein <em>Tristan<\/em> ist von Anfang an ein Liebesdrama. Die Dramatik wird lautstark sp\u00fcrbar, aber ihm gelingt es, die Lautst\u00e4rke f\u00fcr die S\u00e4nger zu kanalisieren, die S\u00e4nger bekommen Freir\u00e4ume zum gestalten, werden in den Klangteppich der Tristan-Romantik eingebettet. Der musikalische Leiter und Intendant der Oper Leipzig, kann sich seine Kr\u00e4fte selber aussuchen. In diesem Falle ist ihm eine Mischung aus altgedienten Recken und Neueinsteigern gelungen.<\/p>\n<p>Da w\u00e4re zun\u00e4chst <strong>Daniel Kirch<\/strong>, der die klassischen Wagner-Tenorrollen schon oft gesungen hat \u2013 bevorzugt an kleinen H\u00e4usern wie Meiningen, Coburg oder Chemnitz. Und auch viele Rollen an der komischen Oper Berlin und nun auch an der Oper Leipzig. Er mu\u00df sich h\u00f6rbar anstrengen, mit viel Kraft k\u00e4mpft er sich durch den Abend, kommt quasi auf dem Zahnfleisch \u00fcber die Ziellinie, aber er singt gleichm\u00e4\u00dfig, zwar nicht mit tenoralem Sch\u00f6nklang, aber hochdramatisch mit gro\u00dfer Leidensmine. Er profitiert von dem gro\u00dfen Strich im zweiten Akt, er erspart ihm den Dialog \u00fcber <em>die Leuchte, die so lange nicht verlosch<\/em>. Ebenso profitiert die Isolde von <strong>Maegan Miller<\/strong>. Sie ist eher ein jugendlicher lyrischer Sopran, die dramatischen Ausbr\u00fcche tragen noch nicht richtig, klingen rauh und angestrengt.<\/p>\n<p>Der Dialog zwischen Tristan und Kurwenal im dritten Akt wird Dank <strong>Jukka Rasilainen<\/strong> zu einem s\u00e4ngerischen H\u00f6hepunkt. Kurwenal ist kein Untergebener, er ist ein Partner auf Augenh\u00f6he, der die Handlung vorantreibt. <strong>Barbara Kozelj <\/strong>ist ein jugendlich schwereloser Wagner-Mezzosopran, der eine wohlige W\u00e4rme auch in den tiefen Lagen verbreitet. Sie vermag zu explodieren, w\u00e4chst mit dem dynamischen Crescendo \u00fcber sich hinaus. <strong>Sebastian Pilgrim<\/strong> als K\u00f6nig Marke ist ein jugendlicher Ba\u00df mit sicherer Tiefe und klangsch\u00f6nem Timbre. An der Dynamik und Dramatik der Charakterstudie des entt\u00e4uschten Liebhabers mu\u00df er noch arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die vielschichtige Inszenierung, die sich alle Interpretations-M\u00f6glichkeiten offen l\u00e4\u00dft und ohne plakative Regieeinf\u00e4lle auskommt: ist es eine kafkaeske Realit\u00e4t oder ein Alptraum von Tristan? Ist es eine Liebesgeschichte, haben Tristan, Isolde und Marke Beziehungen untereinander oder stehen sie nur starr und stumm nebeneinander? Kommen sie wirklich zusammen oder sterben sie getrennt? Jeder Zuschauer kann selbst interpretieren, der Regisseur nimmt sich dankenswerterweise zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ulf Schirmer hat eine gl\u00fcckliche Hand und das Gewandhausorchester stellt hier unter Beweis, da\u00df es zu den f\u00fchrenden Orchestern Europas z\u00e4hlt. S\u00e4ngerisch kein Festival der ganz gro\u00dfen Wagner-Stimmen, aber eine solide und ausgewogene Mischung \u00fcberzeugt das Publikum. Durchg\u00e4ngig freundlicher Applaus f\u00fcr das gesamte Ensemble. Die besten Voraussetzungen also: die Oper Leipzig wird in den n\u00e4chsten Jahren alle 13 spielw\u00fcrdigen Werke des Meisters im Repertoire haben, da kann man Leipzig als Hochburg der Wagnerianer nennen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Tom Schulze<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Maegan Miller (Isolde), Daniel Kirch (Tristan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. 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