{"id":7967,"date":"2019-09-22T20:57:29","date_gmt":"2019-09-22T19:57:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7967"},"modified":"2019-11-28T09:21:54","modified_gmt":"2019-11-28T08:21:54","slug":"orfeo-ed-euridice-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7967","title":{"rendered":"Orpheus und Eurydike  &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Azione teatrale per musica in drei Akten, Libretto: Pierre-Louis Moline nach Raniero de\u2019 Calzabigi, Pariser Fassung, deutsch von Hans Swarowsky, UA: 2. August 1774, Paris.<\/p>\n<p>Regie: Nilufar K. M\u00fcnzing, B\u00fchne: Britta Lammers, Kost\u00fcme: Uta Gruber-Ballehr<\/p>\n<p>Musikalische Leitung: Walter E. Gugerbauer, Hofer Symphoniker, Opernchor mit <em>Coruso<\/em> &#8211; Erster deutscher freier Opernchor (Chorleitung: Roman David Rothenaicher).<\/p>\n<p>Solisten: Minseok Kim (Orfeo), Sophie-Magdalena Reuter (Euridice), Yvonne Prentki (Amor)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. September 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Hof-Orpheus.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7968\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Hof-Orpheus.png\" alt=\"\" width=\"424\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Hof-Orpheus.png 424w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Hof-Orpheus-196x300.png 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Euridice, die Gattin des sagenumwobenen S\u00e4ngers Orfeo, stirbt. Amor gestattet ihm, zu seiner Geliebten in die Unterwelt zu steigen \u2013 allerdings unter der Bedingung, diese auf dem R\u00fcckweg nicht anzusehen oder dieses Verbot zu erkl\u00e4ren. Euridice bedr\u00e4ngt Orfeo ob seiner Lieblosigkeit. Als er sich ihr schlie\u00dflich zuwendet, stirbt sie. Verzweifelt will er ihr in den Tod folgen, aber Amor bringt die Liebenden wieder zusammen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Lediglich zwei gro\u00dfe Kulissen pr\u00e4gen das B\u00fchnenbild. Ein halbes Haus und eine Wand mit T\u00fcr werden immer wieder herumgefahren, gedreht, neu positioniert. Einmal sieht man aus dem Haus aus den Fenstern heraus, einmal sieht man die K\u00fcche des Hauses. \u00dcber dem Herd ist die Wand voller Kalenderbl\u00e4tter. Die Beleuchtung des Hintergrundes macht die Orte kenntlich. Nach dem Blau des allt\u00e4glichen Landlebens, steht die schwarze Wand, durch deren Lochmaske Lichtstrahlen wie Laserschwerter dringen f\u00fcr die Unterwelt \u2013 hier herrscht brutale Gewalt. Die Furien tragen schwarz, das Haar ist wie im Fahrtwind festgeklebt. Im wei\u00dfen Licht und wei\u00dfem Gewand kommt der g\u00f6ttliche Frieden, ein violett-bl\u00e4ulicher Herbstabend mit franz\u00f6sisch-italienischer Landkleidung schlie\u00dft harmonisch vers\u00f6hnlich den Abend.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt von einer gro\u00dfen Zahl an Chorsolisten ist der <strong>Chor<\/strong> nicht nur ein gro\u00dfer Gesangsapparat, sondern zusammen mit der <strong>Ballettcompagnie<\/strong> wird er zu einem Bewegungsapparat geformt, der die Handlung und alle Aktionen bzw. Gef\u00fchle der Solisten untermalt und kommentiert. Die perfekten Choreographien und das perfekte Zusammenspiel des Chores erg\u00e4nzen die Bildgewalt der Harmonien, der Klangwelten Glucks, geformt in klarer barocker Musiksprache unter der Leitung von <strong>Walter E. Gugerbauer<\/strong>. Glucks franz\u00f6sische Reformoper steht weniger f\u00fcr eine pomp\u00f6se barocke Pracht als f\u00fcr einen transparenten schlanken Klang. Und steht auch f\u00fcr die Leistungen der drei Ensemblemitglieder des Theaters Hof: In der Wiener Fassung hat Gluck die Rolle des Orfeo f\u00fcr den Alt-Kastraten Gaetano Guadagni vorgesehen, f\u00fcr die sp\u00e4tere Pariser Fassung wurde die Alt-Partie des Orfeo f\u00fcr den S\u00e4nger Joseph Legros durch eine hohe Tenorstimme ersetzt. Heutzutage ist es \u00fcblich die Rolle mit einer Altistin, einem Mezzo mit Tiefe, oder einem Countertenor zu besetzen. So wird klar, wie hoch die Anforderungen an <strong>Minseok Kim <\/strong>in der Partie des Orfeo sind, die er mit tadelloser lyrischer Stimmf\u00fchrung und sicherer tenoraler H\u00f6he gestaltet. <strong>Sophie-Magdalena Reuter <\/strong>ist ein ausdrucksstarker Sopran, die die kafkaesken und verzweifelten Momente der Euridice auch s\u00e4ngerisch mit jugendlicher klarer Stimme umsetzen kann. Der Sopran von <strong>Yvonne Prentki<\/strong> verf\u00fcgt \u00fcber ein zartes tragendes Piano als Basis ihrer in zahlreichen Rollen erarbeiteten barocken Stimmf\u00fchrung. Das f\u00fchrt zu einer ausgewogenen Gestaltung der beiden Arien des Amors.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum bejubelt einen Meilenstein in der Geschichte des Theater Hof heftig und lange: Die Mischung aus Oper und Ballett mit choreographierten Ensembles und gedoppelten Hauptdarstellern r\u00fcckt die Produktion in die N\u00e4he der legend\u00e4ren Produktion von Pina Bausch im Pariser Palais Garnier. Ein gl\u00fccklicher Abend, wenn es m\u00f6glich ist, das Ballettensemble in eine Oper zu integrieren, was an mancher Staatsoper nicht m\u00f6glich ist. S\u00e4ngerisch vom Haustenor getragen, der sich \u00fcber die Jahre in Hof sehr gut entwickelt hat und sich hiermit unverzichtbar macht. Unverzichtbar eigentlich auch Walter E. Gugerbauer, unter dem sich die Hofer Symphoniker auch sp\u00fcrbar weiterentwickelt haben und an diesem Abend f\u00fcr das Werk Glucks herausragendes leisten. Leider wird er wohl zum Spielzeitende Hof verlassen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: H. Dietz Fotografie, Hof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Minseok Kim (Orpheus), Sophie-Magdalena Reuter (Eurydike) und Yvonne Prentki (Amor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Azione teatrale per musica in drei Akten, Libretto: Pierre-Louis Moline nach Raniero de\u2019 Calzabigi, Pariser Fassung, deutsch von Hans Swarowsky, UA: 2. August 1774, Paris. Regie: Nilufar K. 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