{"id":7964,"date":"2019-10-07T19:20:26","date_gmt":"2019-10-07T18:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7964"},"modified":"2019-10-07T19:20:26","modified_gmt":"2019-10-07T18:20:26","slug":"der-ferne-klang-stockholm-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7964","title":{"rendered":"Der ferne Klang &#8211; Stockholm, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Franz Schreker (1878-1934), Oper in drei Akten, Libretto: Franz Schreker, UA: 18. August 1912 Frankfurt a.M., Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Christof Loy, B\u00fchnenbild: Raimund Orfeo Voigt, Kost\u00fcm: Barbara Drosihn, Licht: Olaf Winter, Dramaturg: Yvonne Gebauer<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Blunier, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der k\u00f6niglichen Oper, Chorleitung: James Grossmith<\/p>\n<p>Solisten: Agneta Eichenholz (Grete Graumann), Daniel Johansson (Fritz), Lars Arvidson (Dr. Vigelius; der Baron), Klas Hedlund (Kavalier; ein zweifelhaftes Individuum), Ola Eliasson (der Graf; Rudolf), Miriam Treichl (Gretes Mutter; eine alte Frau; eine Spanierin; die Kellnerin), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Oktober 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stockholm-Ferner-Klang.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7965\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stockholm-Ferner-Klang.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stockholm-Ferner-Klang.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Stockholm-Ferner-Klang-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt in Deutschland und Venedig und erstreckt sich \u00fcber ein Vierteljahrhundert. Im ersten Akt verl\u00e4\u00dft der Komponist Fritz seine junge Geliebte Grete, um sich auf die Suche nach dem vollendeten Klang zu begeben. Er verspricht zu ihr zur\u00fcckzukehren, wenn er Ruhm erlangt habe. Unterdessen hat Gretes Vater seine eigene Tochter beim Kegeln an den Wirt seines Stammlokals verspielt. Er und ihre Mutter verlangen von ihr, sich mit dem Wirt zu verm\u00e4hlen. Grete l\u00e4uft von zu Hause fort und ger\u00e4t in die F\u00e4nge einer Kupplerin.<\/p>\n<p>Der zweite Akt spielt zehn Jahre sp\u00e4ter auf einer Insel bei Venedig. Grete, die nun den Namen Greta angenommen hat, ist eine ber\u00fchmte Kurtisane und gibt ein Fest im Kreise ihrer Verehrer. Der Graf ist in sie verliebt und macht schon l\u00e4nger vergeblich Avancen. Grete, die insgeheim immer noch ihrer Liebe zu Fritz nachtrauert, veranstaltet einen Wettbewerb: Wer das sch\u00f6nste Lied vortr\u00e4gt, darf die Nacht mit ihr verbringen. Der Graf beginnt mit einer d\u00fcsteren Ballade, gefolgt von dem Kavalier, der ein schl\u00fcpfriges Lied vortr\u00e4gt. Auch Fritz ist anwesend. Er und Grete erkennen sich und sie k\u00fcrt ihn trotz allgemeinen Protestes zum Sieger des Wettbewerbs. Als er jedoch versteht, was aus seiner ehemaligen Geliebten geworden ist, wendet er sich angewidert von ihr ab, und sie wirft sich in die Arme des Grafen.<\/p>\n<p>Der dritte Akt spielt f\u00fcnfzehn Jahre danach wieder in Deutschland. Man gibt ein St\u00fcck, zu dem Fritz die Musik geschrieben hat, doch das Publikum versteht das Ende nicht und die Urauff\u00fchrung mi\u00dfgl\u00fcckt. Fritz, der von einer t\u00f6dlichen Krankheit gezeichnet ist, blickt auf sein Leben zur\u00fcck, das er als ebenso mi\u00dfgl\u00fcckt empfindet. Der perfekte Klang ist ihm nie begegnet. Doch am Morgen nach der Premiere erwacht er und h\u00f6rt ihn. In dem Moment tritt Grete, die nunmehr Tini hei\u00dft und sich auf der Stra\u00dfe prostituiert, ein. Sie erkennen und beide versprechen sich, f\u00fcr immer zusammenzubleiben. Fritz h\u00f6rt den Klang, nach dem er gesucht hat, und stirbt in Gretes Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die schnellen und farbigen Klangwechsel der Partitur haben ihre Entsprechung auf der Szene. Das B\u00fchnenbild ist zum Teil halb abstrakt, etwa im ersten Akt, der zu Beginn vor einer vergilbten Landschaft spielt, zum Teil surreal, etwa am Ende des gleichen Aktes, in dem die Charaktere des zweiten Aktes aus einem tiefen Wald auftauchen. Solche bildlichen Vorgriffe kommen h\u00e4ufiger vor, und die Besetzung etlicher kleinerer Rollen mit denselben S\u00e4ngern ist offenbar nicht nur \u00f6konomischen Interessen geschuldet, sondern auch k\u00fcnstlerisch motiviert, denn so erscheinen bestimmte Charaktere in ver\u00e4nderter Gestalt immer wieder im Geschehen. St\u00e4ndig geschieht etwas auf der Szene, oft sogar mehrere stumme Handlungen parallel. Dies ist vor allem im zweiten Akt der Fall.<\/p>\n<p>Die Choreographie ist aufwendig und mehrere stumme Figuren \u2013 zumeist T\u00e4nzer \u2013 agieren zwischen den S\u00e4ngern. Die Kost\u00fcme entsprechen der Entstehungszeit der Oper, d.h. die m\u00e4nnlichen Figuren treten in Frack oder Anzug auf. Das Altern und die Entwicklung der Charaktere werden \u00fcber die Maske deutlich. Visueller und musikalischer Rhythmus befinden sich durchweg im Einklang und den Regieanweisungen des Komponisten\/Librettisten wird Folge geleistet. Um den S\u00e4ngern die M\u00f6glichkeit zu geben, stimmlich durch das dichte Orchestergewebe hindurchzukommen, ist die B\u00fchne im ersten und letzten Akt verkleinert worden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Schrekers Musik geh\u00f6rt zu den instrumentatorisch filigransten Sch\u00f6pfungen f\u00fcr Orchester \u00fcberhaupt. Das Klangbild ver\u00e4ndert sich unaufh\u00f6rlich und in schneller Folge. Um die komplexe Textur des Orchesterparts zur Geltung kommen zu lassen, braucht man schon einen Schreker-Spezialisten, den die k\u00f6niglicher Oper an diesem Abend aufbieten konnte: <strong>Stefan Blunier<\/strong> hat sich international als Schreker-Dirigent einen Namen gemacht und die Klangsicherheit des Orchesters war schlicht und einfach atemberaubend. Nicht nur harmonisch und instrumentatorisch, auch dynamisch schillerte es an diesem Abend in allen Farben und feinsten Abstufungen. Zugleich lie\u00df Blunier den S\u00e4ngern Luft zum Atmen und Raum, um ihre schweren Parts vorzutragen. In dieser Oper treibt Schreker den Wagnerschen Sprechgesang gleichsam auf die Spitze, d.h. konkret, es gibt zwar kantable, aber keine melodisch sonderlich eing\u00e4ngigen Passagen, weil die Nachahmung der Sprechtonf\u00e4lle des Deutschen hier den Vorrang vor der rein musikalischen Gestaltung hat so wie Ausdruckskraft der Stimmen vor der belcantistischen Tonsch\u00f6nheit. Auch melodramatische Passagen kommen vor, d.h. die S\u00e4nger haben laut zur orchestralen Begleitung zu sprechen oder zu rufen und viel im Grenzbereich zwischen lautem Singen und Sprechen zu arbeiten. Die sichere Beherrschung der deutschen Aussprache hat folglich h\u00f6chste Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die eigentliche Hauptrolle der Oper ist Grete Graumann, die von <strong>Agneta Eichenholz<\/strong> gesanglich und darstellerisch mit Hingabe vorgetragen wird. Die schnellen gesprochenen Abschnitte gl\u00fccken ihr ebenso wie die pl\u00f6tzlichen lyrischen Zur\u00fccknahmen. Die extreme Entwicklung dieser tragischen Figur ergreifend darzustellen gelingt ihr vollkommen. Der S\u00e4nger des Komponisten Fritz, <strong>Daniel Johansson<\/strong>, hatte an diesem Abend mit einer abklingenden Erk\u00e4ltung zu k\u00e4mpfen. Das merkte man lediglich im ersten Akt, in dem seine Eins\u00e4tze etwas zu oft schluchzend klangen, was an sich ein gutes Mittel ist, diese leicht gequ\u00e4lte und etwas sentimentale Rolle musikalisch zu realisieren. Mit den schnellen Sprechpassagen kam er nicht \u00fcberall zurecht, weil die Stimme nicht schnell ansprach.<\/p>\n<p><strong>Ola Eliasson<\/strong>, dessen Tenor einen f\u00fclligeren Eindruck als derjenige des Primo uomo (Hauptperson) machte, stellte einen souver\u00e4nen Grafen auf die B\u00fchne, auch darstellerisch. <strong>Klas Hedlund,<\/strong> in den Rollen als h\u00e4misches zweifelhaftes Individuum und als unmoralischer Kavalier, spielte beweglich und dringt mit seinem spieltenoralen Timbre ohne Schwierigkeiten durch. Eine s\u00e4ngerisch starke Leistung im letzten Akt zeigte <strong>Lars Arvidson<\/strong> als Dr. Vigelius.<\/p>\n<p>All die S\u00e4nger der vielen kleineren Rollen hier aufzuz\u00e4hlen, ist kein Raum. Sie machten so wie die zahlreichen Komparsen ihre Sache darstellerisch und musikalisch ausgezeichnet. Bet\u00f6rend sch\u00f6n waren die Chors\u00e4tze im zweiten Akt. Die Aufstellung der Choristen lie\u00df die r\u00e4umliche Dimension der Komposition deutlich zum Vorschein kommen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die wahrhaft berauschende Musik dieses Werkes wird in Stockholm in all ihren Nuancen und ihrem enormen Abwechslungsreichtum dargeboten mit S\u00e4ngern, die in ihren Rollen zur G\u00e4nze aufgehen. Szenenbild und Musik greifen wunderbar ineinander. <strong>Christof Loy<\/strong> bietet hier eine \u00fcppige Bilderwelt zusammen mit einer gro\u00dfartigen Personenregie. Eine Oper \u00fcber den perfekten Klang in perfekter Darbietung!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Agneta Eichenholz (Grete)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Franz Schreker (1878-1934), Oper in drei Akten, Libretto: Franz Schreker, UA: 18. 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