{"id":7961,"date":"2019-09-15T14:48:47","date_gmt":"2019-09-15T13:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7961"},"modified":"2019-10-06T14:53:16","modified_gmt":"2019-10-06T13:53:16","slug":"siegfried-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7961","title":{"rendered":"Siegfried &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Libretto: R. Wagner, UA: 16. August 1876, Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Markus Dietz, B\u00fchne: Ines Nadler, Kost\u00fcme: Henrike Bromber<\/p>\n<p>Dirigent: Francesco Angelico, Staatsorchester Kassel<\/p>\n<p>Solisten: Daniel Brenna (Siegfried), Arnold Bezuyen (Mime), Eglis Silins (Wanderer), Thomas Gazheli (Alberich), Runi Brattaberg (Fafner), Edna Prochnik (Erda), Kelly Cae Hogan (Br\u00fcnnhilde), Elizabeth Bailey (Stimme eines Waldvogels)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. September 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kassel-Siegfried.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7962\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kassel-Siegfried.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kassel-Siegfried.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kassel-Siegfried-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Siegfried wird vom Zwerg Mime ohne Respekt oder Furcht zu kennen gro\u00dfgezogen. Wie es der Wanderer prophezeit, gelingt es dem Furchtlosen, das Schwert Nothung aus Tr\u00fcmmern neu zu schmieden. Mimes Ziel ist es, Siegfried gegen Fafner aufzustacheln, damit er diesen t\u00f6te und ihm, Mime, den Ring verschaffe. Nachdem Siegfried den Riesenwurm get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt durch das magische Drachenblut die wahren Ziele Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildenfelsen, um dort Br\u00fcnnhilde zu erwecken und ihre Liebe zu erringen. Zuvor trifft er auf den Wanderer \u2013 den umherstreifenden Gott Wotan \u2013 und zerschl\u00e4gt seinen Speer, der Wotan die Macht \u00fcber die Welt sicherte. Wotan tritt ab und macht Siegfried so den Weg frei.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Mimes H\u00f6hle ist ein heller wei\u00dfer Lagerraum, an der hinteren wei\u00dfen Wand steht quer ein deckenhohes zweist\u00f6ckiges begehbares Stahlger\u00fcst, in dem Mime seine Habseligkeiten aufbewahrt, von Lebensmitteln \u00fcber Toilettenpapier bis hin zu einer mobilen Werkbank. Dort schmiedet Siegfried das Schwerte Nothung neu.<\/p>\n<p>Eingeschn\u00fcrt wird mit Altpapier (man beachte: so kann man keinen Stahl schmieden!), der riesige Teddy-B\u00e4r f\u00e4llt reglos von oben herab, Siegfried rei\u00dft die W\u00e4nde ein, damit man einen Blick auf das leuchtende W (steht f\u00fcr Walhall oder Wotan, wie es beliebt) werfen kann. Fafner ist ein blutverschmiertes Monster im Unterhemd, das Alberich sowie seine Nibelungen (in Unterw\u00e4sche!) im K\u00e4fig h\u00e4lt und bevorzugt Hustende erschl\u00e4gt. Neidh\u00f6hle oder Gold gibt es nicht, nur unverbindliche Videoprojektionen. Der Tarnhelm ist ein gro\u00dfer Lichtstrahler. Einzig der Ring ist real, ihn raubt Siegfried. Einen Speer hat Wotan auch nicht, nur eine Pistole, die er in der Wissenswette gegen sich selber richtet. So gibt es auch keinen Kampf mit Siegfried, den Wotan einfach passieren l\u00e4\u00dft. Unter massivem Dr\u00e4ngen des Waldv\u00f6geleins findet Siegfried die schlafende Br\u00fcnnhilde. Der omnipr\u00e4sente Auftritt durch eine T\u00e4nzerin erweitert die Rolle drastisch \u2013 sie greift auch in weiteren Szenen ein. Die Walk\u00fcre ruht auf dem wei\u00dfen Podest, welches schon in der Walk\u00fcre kein Walk\u00fcrenfelsen war. Ohne Feuersbrunst kommt weder ein Liebesspiel noch Spannung auf. Dabei hat Wotan ein Paket bereitgelegt: Ein Brautkleid, Sakko und einen Apfel f\u00fcr Br\u00fcnnhilde. Ob das Freia so gef\u00e4llt?<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die musikalischen H\u00f6hepunkte im Siegfried sind eigentlich die Schmiedelieder und das Liebesduett zum feurigen Finale. Das wird eindrucksvoll umgesetzt von <strong>Francesco Angelico<\/strong>. Unter seiner Leitung erlebt man einen unverstellten Blick auf das Klangbild, das mit gro\u00dfer lyrischer Spielfreude ohne dramatischen Pomp und gr\u00f6\u00dfere Steigerungen der Lautst\u00e4rke pr\u00e4sentiert wird. So wird das Liebesduett ohne <em>Feuerzauber<\/em> von <strong>Daniel Brenna<\/strong> (Siegfried) feingliedrig zelebriert. Brenna ist sp\u00fcrbar nach zweieinhalb Akten \u00fcberfordert, kann aber das Finale stimmlich einwandfrei meistern, den hohen Ton zum Ende singt er nicht, Br\u00fcnnhilde schon. F\u00fcr ihn sind auch die <em>Schmiedelieder<\/em> eine Herausforderung, denn hier zeigt Daniel Brenna zum ersten Mal eine kraftvolle heldentenorale Stimme, deren Rauheit markant, deren technische Feinheiten noch nicht ausgepr\u00e4gt sind, h\u00f6here T\u00f6ne geht er schon einmal von unten an, zieht die Stimme manchmal auch zu weit hinauf. Ansonsten gleicht er sich im Dialog mit Mime diesem an. Der altgediente <strong>Arnold Bezuyen<\/strong> legt die Rolle des Mime als Charakterfachstudie an und n\u00e4hert sich dem Sprechgesang immer weiter, in der H\u00f6he kann er geschickt manches kaschieren.<\/p>\n<p>Da\u00df der erste Akt nicht zum Sprechtheater wird, verhindert <strong>Egils Silins<\/strong> als kraftvoll strahlender und in der H\u00f6he sicherer G\u00f6ttervater Wanderer. Und er kann dieses hohe Niveau sogar noch steigern, wenn er sich von <em>Erda und Siegfried verabschiedet<\/em>. Die Br\u00fcnnhilde, die das Finale <em>Leuchtende Liebe, lachender Tod<\/em> so unaufgeregt gestaltet, ist <strong>Kelly Cae Hogan<\/strong>. Sie kann als jugendlicher Sopran den Dialog auf Augenh\u00f6he gestalten, aber auch der Verzweiflung mit Durchschlagskraft und Lautst\u00e4rke Raum verleihen. \u00dcber ein gro\u00dfes Stimmvolumen verf\u00fcgt <strong>Thomas Gazheli<\/strong>. Mit kluger Gestaltung der Gesangslinie und Einsatz seiner M\u00f6glichkeiten gelingt es ihm, die kurzen Auftritte des Antihelden Alberich bitterb\u00f6se klingen zu lassen. Etwas weniger dramatische Wirkung erzielt <strong>Runi Brattaberg <\/strong>als Fafner. Sein tiefensicherer Ba\u00df hat nur eine leicht geschw\u00e4rzte Stimme.<strong> Elizabeth Bailey <\/strong>ist mit ihrem verspielten Koloratursopran mit warmer, jugendlicher Stimme nicht ganz so geeignet f\u00fcr das sehr hohe Gezwitscher des Waldvogels.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild wird allgemein sehr gelobt, weil es so eindrucksvolle Bilder liefert \u2013 Bilder aus den heutigen Tagen mit Z\u00e4unen, Menschen in Unterw\u00e4sche oder mit Pistole und wei\u00df lackierte Spielfl\u00e4chen. \u00dcbersehen wird jedoch, da\u00df es zentrale Punkte nicht umsetzt. Den fehlenden Feuerzauber und die Drachenh\u00f6hle kennen nur noch altgediente Wagnerianer, die T\u00e4nzerin als Waldvogel nervt irgendwann, die Umsetzung. Fafners als menschenfressenden M\u00f6rder im Unterhemd ist ganz sicher jugendgef\u00e4hrdend &#8211; FSK ab 16? Musikalisch ist die Deutung unter der Leitung von Francesco Angelico ganz sicher ein Gewinn, da er hier unaufgeregt, das Werk Wagners wortverst\u00e4ndlich wirken l\u00e4\u00dft. Kein S\u00e4nger wird zugedeckt oder gedr\u00e4ngt, aber da\u00df die Wortverst\u00e4ndlichkeit \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dft und die S\u00e4nger sich dem Sprechgesang immer mehr ann\u00e4hern, steht auf einem anderen Blatt. Auch die (hier minimalen) Eingriffe ins Textbuch mu\u00df man beenden. Dem Publikum sind die beiden eingef\u00fcgten gesprochenen Worte nicht aufgefallen. Jubel, Jubel ohne Grenzen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Daniel Brenna (Siegfried) li., Statistin Mitte, \u00a0Eglis Silins (Wanderer) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto: R. Wagner, UA: 16. 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