{"id":7953,"date":"2019-09-23T15:59:23","date_gmt":"2019-09-23T14:59:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7953"},"modified":"2019-09-26T16:01:29","modified_gmt":"2019-09-26T15:01:29","slug":"in-der-strafkolonie-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7953","title":{"rendered":"In der Strafkolonie &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Philip Glass (*1937), Libretto: Rudolph Wurlitzer nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Franz Kafka, Deutsch von Cordula Engelbert und Bettina Rohrbeck, UA: 31. August 2000 Seattle, A Contemporary Theatre,<\/p>\n<p>Regie: Lothar Krause, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf<\/p>\n<p>Dirigent: Clemens Mohr, Quintett der Hofer Symphoniker<\/p>\n<p>Solisten: Andreas Drescher (Offizier), Markus Gruber (Besucher), J\u00f6rn Bregenzer (Verurteilter)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. September 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Hof-strafkolonie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7954\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Hof-strafkolonie.png\" alt=\"\" width=\"423\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Hof-strafkolonie.png 423w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Hof-strafkolonie-195x300.png 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 423px) 100vw, 423px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In einer Strafkolonie steht die Hinrichtung eines Verurteilten bevor. Ein Besucher soll sie auf Einladung des neuen Kommandanten beobachten. Diesem Besucher beschreibt der Offizier die Hinrichtungsmaschine, die er zusammen mit dem vorigen Kommandanten eingef\u00fchrt hat. Sie arbeitet mit einer \u201ebrutalen Mechanik\u201c, von deren Richtigkeit der Offizier, der sich auch als Scharfrichter betrachtet, \u00a0fest \u00fcberzeugt ist. Er glaubt, da\u00df die Maschine die Macht besitze, im Verurteilten nach langen Qualen einen Moment der Verkl\u00e4rung zu bewirken, in dem dieser sein Verbrechen und dessen Falschheit vollst\u00e4ndig verstehen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Der jetzige Gefangene, der wegen einer Nichtigkeit verurteilt wurde, wei\u00df nichts von seiner bevorstehenden Hinrichtung. Der Besucher zeigt sich zunehmend entsetzt \u00fcber das Vorgehen, sieht jedoch keine M\u00f6glichkeit, einzugreifen. Schlie\u00dflich scheitert die Hinrichtung aufgrund der Instandsetzungsm\u00e4ngel wegen eines Maschinendefekts. Der Offizier versucht, den Besucher zu \u00fcberreden, sich beim neuen Kommandanten f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen einzusetzen. Da dieser dazu nicht bereit ist, steigt der Offizier selbst in die Maschine, um sich t\u00f6ten zu lassen. Dabei fallen die Komponenten der Maschine auseinander Sie t\u00f6tet viel zu rasch, so da\u00df der Offizier den ersehnten Augenblick der Verkl\u00e4rung nicht erlebt. Der Besucher reist ab.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das einfache B\u00fchnenbild in der Studiob\u00fchne des Theaters Hof ist sehr \u00fcbersichtlich. Am Ende einer wei\u00dfen Rampe befindet sich ein wei\u00dfer, gro\u00dfer W\u00fcrfel. Durch Projektion von Zahnr\u00e4dern wird deutlich, da\u00df dies eine Hinrichtungsmaschine ist. \u00dcber eine Leiter k\u00f6nnen Offizier und Verurteilter hineinsteigen, die Funktionsweise der Technik bleibt unsichtbar. Auch der tote Offizier taucht nicht wieder auf. Vor der Rampe steht ein Tisch mit Holzst\u00fchlen, auf dem Unterlagen und Pl\u00e4ne aufgelegt werden. Und auch eine Flasche Wein, zwei Gl\u00e4ser und zwei \u00c4pfel als Gegensatz. Der Offizier tr\u00e4gt eine dunkle Uniform, der Reisende einen hellbraunen Anzug mit Weste (erinnert an einen Reisejournalisten aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts). Der Gefangene ist nur eine gestreifte Drillich-Hose und eine Zwangsjacke gekleidet. Das Publikum sitzt rund um die Spielfl\u00e4che und hat direkt die Handlung vor Augen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Musik ist wenig melodi\u00f6s, eher monoton \u2013 jedoch nicht atonal. Glass komponiert in einem hypnotisch-repetitiven Stil: Diese <em>Minimal Music<\/em> beruht auf einfachen Akkorden, deren T\u00f6ne meist nicht \u00a0gleichzeitig, sondern verz\u00f6gert gespielt werden \u2013 in endlos kreisenden Wiederholungen wird die rhythmische Technik der Todesmaschine, die d\u00fcstere Stimmung der Hinrichtung h\u00f6rbar.<\/p>\n<p><strong>Clemens Mohr <\/strong>f\u00fchrt mit einem Streichquintett der Hofer Symphoniker durch eine gruselige, aber auch tiefenpsychologisch kafkaeske Handlung. Auch die S\u00e4nger passen sich diesem Glass-Musikstil an. <strong>Markus Gruber <\/strong>gibt den Besucher einen Aufkl\u00e4rung suchenden Unterton. <strong>Andreas Drescher <\/strong>zeigt den Offizier mit Unnahbarkeit und fordernden heftigen Stakkato-T\u00f6nen. <strong>J\u00f6rn Bregenzer <\/strong>ist das eigentlich wortlose Opfer, bekommt aber Text aus der Sekund\u00e4rliteratur von Franz Kafka.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine engagierte Produktion, die um Menschenrechte und Todesstrafe kreist. Technik und die Hinrichtung selbst treten in den Hintergrund, genauso wie der biographische Kampf Kafkas gegen streng strukturierte Prozesse (u.a. in einer Prager Versicherung). Durch die perfekte Personenf\u00fchrung gelingt eine packende Darstellung (und eine detaillierte Psychoanalyse) des Dialogs zwischen zwei Personen mit diametral gegens\u00e4tzlichen Auffassungen und Zielen.<\/p>\n<p>Die musikalische Umsetzung dieser Kurzoper (in knapp 70 Minuten) mit einem kleinen Orchester und minimalistischer Instrumentalisierung ist engagiert und auf hohem Niveau, genauso wie die gesangliche Umsetzung der Solisten. Besonders die inneren Zweifel des Besuchers und die absolute Technikgl\u00e4ubigkeit des Offiziers kommen \u00fcberzeugend \u00fcber diese Rampe und prallen heftig aufeinander. Langer Beifall eines kleinen Publikums in der Enge der Studiob\u00fchne. In einer Nachbesprechung mit dem Publikum wird deutlich, da\u00df die Oper von Glass, eine geniale Umsetzung des Werkes von Kafka mit leichten \u00c4nderungen, eine sehr engagierte, das Publikum bewegende Umsetzung erfahren hat. Und da\u00df es in Hof noch ein Bildungsb\u00fcrgertum gibt, das sich auch mit Kafka und Glass besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: H. Dietz Fotografie, Hof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Andreas Drescher (Der Offizier), J\u00f6rn Bregenzer (Der Verurteilte) und Markus Gruber (Der Besucher)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Philip Glass (*1937), Libretto: Rudolph Wurlitzer nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Franz Kafka, Deutsch von Cordula Engelbert und Bettina Rohrbeck, UA: 31. 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