{"id":7917,"date":"2019-08-30T15:18:52","date_gmt":"2019-08-30T14:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7917"},"modified":"2019-10-21T19:41:08","modified_gmt":"2019-10-21T18:41:08","slug":"bayreuther-festspiele-2019-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7917","title":{"rendered":"Tristan und Isolde &#8211; Bayreuther Festspiele 2019"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Oper in drei Akten, Libretto: R. Wagner, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Katharina Wagner, B\u00fchne: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Matthias Lippert<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Petra Lang (Isolde), Stephen Gould (Tristan), Greer Grimsley (Kurwenal), Georg Zeppenfeld (K\u00f6nig Marke), Christa Mayer (Brang\u00e4ne), Raimund Nolte (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. August 2019 (Derniere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Tristan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7918\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Tristan.jpg\" alt=\"\" width=\"609\" height=\"872\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Tristan.jpg 609w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Tristan-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 609px) 100vw, 609px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Ritter Tristan f\u00fchrt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf get\u00f6tet hat, seinem Onkel K\u00f6nig Marke als Braut zu. Auf der \u00dcberfahrt nach England verlangt Isolde S\u00fchne f\u00fcr Morolds Tod: Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brang\u00e4ne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht, so entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft f\u00fcreinander. Isolde heiratet zwar K\u00f6nig Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verr\u00e4t die Liebenden und verwundet Tristan schwer \u2013 Kurwenal bringt den Verletzten nach Kornwall. Tristan stirbt jedoch bei Isoldes Ankunft. Als Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das allgemeine Verst\u00e4ndnis ist es ein gro\u00dfes Problem, da\u00df hier die Charaktere oder Handlungssituationen umgewidmet werden: Der Liebestrank wird versch\u00fcttet und nicht getrunken, Melot ersticht den wehrlosen geblendeten Tristan, Marke ist der b\u00f6se Onkel, Gef\u00fchle k\u00f6nnen im Licht der Scheinwerfer in Markes Stahlgittergef\u00e4ngnis nicht aufkommen.<\/p>\n<p>Auch das B\u00fchnenbild wirkt zusammenhanglos, die drei Akte passen nicht recht zusammen: Der erste Akt zeigt ein Treppenhaus mit unendlichen Abs\u00e4tzen und Wegen. Die noch dazu immer wieder verfahren oder herunterklappen werden k\u00f6nnen und so den Weg versperren. Zuerst wird verhindert, da\u00df Tristan und Isolde zusammenkommen, dann k\u00f6nnen Kurwenal und Brang\u00e4ne nicht zu Ihnen kommen.<\/p>\n<p>Der zweite Akt zeigt den Innenhof mit hohen Mauern. Auf den Zinnen sitzen Mitarbeiter K\u00f6nig Markes (sie tragen dieselbe gelbe Kleidung) und leuchten den Hof aus, beobachten jede Bewegung. Eine verl\u00f6schende Fackel als Zeichen der Ankunft Tristans gibt es nicht, er wird in den Hof geworfen.<\/p>\n<p>Im dritten Akt sitzt Kurwenal mit Hirten, Seeleuten und Statisten am rechten Rand auf St\u00fchlen vor leuchtenden Grablichtern \u2013 Tristan liegt davor auf einer Decke: Ist er schon tot? Im Hintergrund erscheinen Projektionen von Isolde in einer Pyramide. Einen Liebestod gibt es nicht, denn Marke schleppt Isolde weg.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die einzige wirkliche Neuerung ist, da\u00df nun <strong>Petra Lang<\/strong> die Isolde singt, die mit viel H\u00e4rte und Kraft wenig Lieblichkeit ausstrahlt. Ebenso permanent ist die Besetzung des Melot. Gefordert ist ein \u201eCharaktertenor, eventuell -bariton\u201c. <strong>Raimund Nolte<\/strong> ist jedoch ein Ba\u00df. Und hat somit keine Chance, die Tenorlage ohne Falsett zu erreichen. Es mag sein, da\u00df er den Melot schon an der Opera Bastille unter Philippe Jordan gesungen hat, er bleibt eine Fehlbesetzung.<\/p>\n<p>Positiv hat sich <strong>Stephen Gould<\/strong> entwickelt. Mit seiner weichen samtigen, aber doch ausdauernden Tenorstimme. Durchaus ein Heldentenor, kann er dem Tristan Konturen verleihen, die zwischen Ekstase und Mitleid liegen. <strong>Greer Grimsley<\/strong> bleibt als Kurwenal unauff\u00e4llig, seine Auftritte gehen streckenweise im mystischen Dunkel der B\u00fchne unter. <strong>Christa Mayer<\/strong> ist ein schwerer Wagner-Mezzosopran, der eine wohlige W\u00e4rme auch in den tiefen Lagen verbreitet. Ihre Gestaltung der Brang\u00e4ne ist ein wunderbares Beispiel was an \u201eMitleidensf\u00e4higkeit in der Stimme\u201c m\u00f6glich ist. Eine ebenso beispielhafte Leistung bietet <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als K\u00f6nig Marke. Obwohl ihn die Personenregie als messerschwingender Bandenchef darstellt, bleibt er doch stimmlich immer der gnadenvolle K\u00f6nig.<\/p>\n<p>Ein wundervolles Beispiel f\u00fcr die akustische Ausreizung aller M\u00f6glichkeiten, die das Festspielhaus bietet, ist das Dirigat von <strong>Christian Thielemann<\/strong>. Das Festspielorchester zeigt eine H\u00f6chstleistung, die diese musikalische Liebesgeschichte mitrei\u00dfend umsetzt und ihr mehr als w\u00fcrdig wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Auch bei der letzten Auff\u00fchrung dieser Produktion, der Derniere, ist das Urteil des Publikums eindeutig. F\u00fcr die schwer verst\u00e4ndliche Deutung des Nichtzusammenkommens des legend\u00e4ren Liebespaares, deren K\u00e4fighaltung durch den b\u00f6sen Menschenschinder Marke und f\u00fcr den nicht vorhandenen Liebestod gibt es deutliches Mi\u00dffallen beim Schlu\u00dfapplaus. Die musikalische Seite wird hingegen gefeiert. Thielemann ist der derzeitige \u201eHausgott des H\u00fcgels\u201c. Es bleibt die Hoffnung, da\u00df die szenische Umdeutung der Werke Wagners in Zukunft unterbleibt. Oder in Zukunft \u2013 wie von Wagner angedacht \u2013 unsichtbare Inszenierungen zu sehen sind.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Petra Lang (Isolde), Stephen Gould (Tristan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Oper in drei Akten, Libretto: R. Wagner, UA: 10. 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