{"id":7910,"date":"2019-08-16T15:12:57","date_gmt":"2019-08-16T14:12:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7910"},"modified":"2019-09-16T14:37:41","modified_gmt":"2019-09-16T13:37:41","slug":"bayreuther-festspiele-2019-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7910","title":{"rendered":"Lohengrin &#8211; Bayreuther Festspiele 2019"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. August 1850 in Weimar<\/p>\n<p>Regie: Yuval Sharon, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Neo Rauch &amp; Rosa Loy<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Festspielorchester, Festspielchor, Chor:\u00a0 Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Georg Zeppenfeld (K\u00f6nig Heinrich), Piotr Beczala (Lohengrin), Annette Dasch (Elsa), Tomasz Konieczny (Telramund), Elena Pankratova (Ortrud), Egils Silins (Heerrufer), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. August 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Lohengrin2019.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7911\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Lohengrin2019.png\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Lohengrin2019.png 649w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bayreuth-Lohengrin2019-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan; er besiegt Telramund. Dieser Fremde wird Elsa heiraten, aber sie darf nie nach seinem Namen und Herkunft fragen. Ortrud und Telramund bezichtigen den Fremden der Zauberei. Im Brautgemach bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die verbotene Fragen. Telramund dringt ein, im Zweikampf stirbt er. Nun mu\u00df Lohengrin Namen und Herkunft offenbaren. Ortrud triumphiert, aber Lohengrin bewirkt die R\u00fcckkehr Gottfrieds.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Markant und pr\u00e4gend sind in dieser Produktion die Landschaftsbilder von <strong>Neo Rauch<\/strong>. Sie zeigen eine blaue Auenlandschaft mit Wolken und Schilf, das sich hin und her bewegt, aber keine Sonne oder Wasser. Daf\u00fcr gibt es blaue Starkstrommasten, Transformatorenh\u00e4uschen, Isolatoren aus der Starkstromtechnik. Lohengrin ist somit ein blauer Starkstromtechniker mit einem Blitz in der Hand. Sein Zeichen ist ein W-f\u00f6rmiges Flugger\u00e4t, das sich bei seinem Erscheinen vom Dach des Transformatorenh\u00e4uschens erhebt. Dar\u00fcber hinaus tr\u00e4gt man passend zur Schilflandschaft Insektenfl\u00fcgel am R\u00fccken \u2013 das Gottesgericht zwischen Lohengrin und Telramund wird in der Luft entschieden: Telramund verliert einen Fl\u00fcgel. Farblich kontrastierend dazu das Ehegemach in Orange, in dem keine Ann\u00e4herung zwischen Lohengrin und Elsa m\u00f6glich ist, aber Fesselspiele. Den Schlu\u00dfpunkt setzt Gottfried als gr\u00fcnes Ampelm\u00e4nnchen der Natur.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Ein wichtiger Erfolgsgarant ist der st\u00e4ndig pr\u00e4sente <strong>Chor<\/strong> der Bayreuther Festspiele &#8211; besonders unter erschwerten Bedingungen, denn die V-f\u00f6rmige Aufstellung schr\u00e4g zur B\u00fchnenrampe scheint doch zu Irritationen, besonders bei den Eins\u00e4tzen, zu f\u00fchren. Unter der Einstudierung des Chors von <strong>Eberhard Friedrich <\/strong>sind das allenfalls Marginalien, denn die Geschlossenheit als Klangk\u00f6rper ist stets gegeben. Das ist auch wichtig, denn <strong>Christian Thielemanns<\/strong> Tempowahl f\u00fchrt manchmal zu ungewohnten Phrasierungen. Auch die Eins\u00e4tze nach den (neu eingef\u00fchrten General-)Pausen sind messerscharf sensationell. Man hat das Gef\u00fchl, da\u00df dieser Lohengrin in der Musik immer wieder neu durchdacht wird \u2013 gerade im Vergleich zu \u00e4lteren Produktionen. Dennoch ist ein stets auf Ausgleich zwischen Orchester und Gesangsstimmen ausgerichtetes Dirigat. Da ergeben sich immer noch pathetische Klangwolken wie beim <em>Brautlied<\/em>, es gibt bislang unerh\u00f6rte dynamische Steigerungen bis hin zur Ekstase, wie beim Sonnenaufgang im\u00a0 zweiten Akt. Von dieser dynamischen Tempowahl profitieren auch die Solisten, sie k\u00f6nnen mit der Melodielinie atmen.<\/p>\n<p>So gibt <strong>Annette Dasch <\/strong>der Elsa immer noch eine jugendlich klare, aber auch durchschlagsstarke Stimme, mit sicherer H\u00f6he, die jedoch immer eindimensionaler wird und nicht frei von Sch\u00e4rfen ist. Generell zeigen die Solisten eine deutliche Aussprache, so da\u00df man auf eine \u00dcbertitelungsanlage weiterhin verzichten kann \u2013 auch <strong>Piotr Beczala<\/strong> \u00fcberzeugt mit klarer Diktion Auch beeindruckt er mit seinem lyrischen baritonal fundiertem Tenor, sicherer H\u00f6he und er meistert die anspruchsvollen Passagen der <em>Gralserz\u00e4hlung<\/em> Lohengrins meisterhaft. Lediglich in der \u201eunendlichen\u201c Melodie und der Klangbildung wird deutlich, da\u00df er eher ein Verditenor ist \u2013 \u00a0aber ein sehr durchschlagsstarker Tenor. <strong>Tomasz Konieczny<\/strong> kann in Punkto Durchschlagskraft in der Bayreuther Akustik nur eingeschr\u00e4nkt mithalten. Sein Telramund klingt aber immer unangestrengt und m\u00fchelos, problemlos die Spr\u00fcnge in die H\u00f6he und die Tiefe. <em>So zieht das Unheil in dies Haus<\/em>, wird zu einem d\u00fcsteren Menetekel. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> ist ohne jeden Zweifel derzeit der weltbeste K\u00f6nig Heinrich. Diese samtweiche Stimme, mit gro\u00dfer Reichweite in die Tiefe ohne je zu schwarz zu wirken ist mittlerweile unverwechselbar. <strong>Elena Pankratova <\/strong>kann der Ortrud ungewohnte menschliche Z\u00fcge abringen, trotz dramatischen Kr\u00e4ften. Welch eine Wonne die Ortrud nicht gebr\u00fcllt sondern technisch sicher ausgesungen zu h\u00f6ren \u2013 was auch zu einer besseren Textverst\u00e4ndlichkeit f\u00fchrt. <strong>Egils Silins <\/strong>bleibt als Heerrufer viel zu unauff\u00e4llig und so auch zu bla\u00df, auch wenn sein Ruf aufr\u00fcttelnd daherkommt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Mal stellt sich unter Beweis, da\u00df ber\u00fchmte Maler keine genialen B\u00fchnenbildner sind. Zwar ist es korrekt, da\u00df Wieland Wagners <em>Lohengrin<\/em> in blau gehalten war (A-Dur ist blau?), aber bei ihm gab es keine verwirrenden Kulissen oder Schilf, das sich hinter dem Projektions-Gazevorhang bewegt und die Akustik behindert. Seine Inszenierung von 1958 gilt als Meisterwerk der Personenpr\u00e4sentation in pr\u00e4gnanter B\u00fchne.<\/p>\n<p>Daran sollte sich die Regie von <strong>Yuval Sharon<\/strong> lieber orientieren, denn diese verwirrende Geschichte um Starkstrom und Insekten in einer blauen Uferlandschaft macht keinen Sinn. Teils heftige Buh-Rufe f\u00fcr eine Szenerie, die auf Insekten statt auf Neuenfelsratten setzt \u2013 der Niedlichkeitsfaktor fehlt eben! Ansonsten Jubelst\u00fcrme f\u00fcr die musikalische Seite, besonders f\u00fcr eine festspielw\u00fcrdige S\u00e4ngerriege. Es geht auch ohne Superstars wie Anna Netrebko, die wegen eines nicht genehmigten Teleprompters abgesagt hat. Und von Roberto Alagna, der 2018 absagte, weil er den Text nicht kannte, redet niemand mehr.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elena Pankratova (Ortrud) mit 1. und 2. Edler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. 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