{"id":7906,"date":"2019-09-02T11:36:38","date_gmt":"2019-09-02T10:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7906"},"modified":"2019-09-15T13:49:06","modified_gmt":"2019-09-15T12:49:06","slug":"helsinki-finnische-nationaloper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7906","title":{"rendered":"Das Rheingold &#8211; Helsinki, Finnische Nationaloper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Vorabend in vier Szenen zu dem B\u00fchnenfestspiel <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Text vom Komponisten<\/p>\n<p>UA: 22. September 1869 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Anna Kelo, B\u00fchne, Licht und Videoplanung: Mikki Kunttu, Kost\u00fcme: Erika Turunen<\/p>\n<p>Dirigent: Esa-Pekka Salonen, Orchester der finnischen Nationaloper<\/p>\n<p>Solisten: Tommi Hakala (Wotan), Lilli Paasikivi (Fricka), Tuomas Katajala (Loge), Reetta Haavisto (Freia), Tuomas Pursio (Donner), Markus Nyk\u00e4nen (Froh), Jukka Rasilainen (Alberich), Dan Karlstr\u00f6m (Mime), Jyrki Korhonen (Fafner), Koit Soasepp (Fasolt), Sari Nordqvist (Erda), Marjukka Tepponen (Woglinde), Mari Palo (Wellgunde), Jeni Packalen (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. August 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Helsinki-Rheingold.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7907\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Helsinki-Rheingold.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"470\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Helsinki-Rheingold.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Helsinki-Rheingold-300x217.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Wotan hat den Riesen Fasolt und Fafner die G\u00f6ttin Freia als Lohn f\u00fcr den Bau der G\u00f6tterburg versprochen. Da die G\u00f6tter jedoch von Freias \u00c4pfeln essen m\u00fcssen, um ihre ewige Jugend zu behalten, versucht er mit ihnen zu verhandeln. Dabei hilft ihm Loge, der berichtet, da\u00df der Nibelung Alberich aus dem Rheingold einen Ring geschmiedet habe, der ihm unerme\u00dfliche Macht verleiht, indem er die Liebe verflucht habe. Diese Macht nutze er nun, um sein Volk zu knechten, das ihm Sch\u00e4tze sch\u00fcrfen und schmieden m\u00fcsse. Die Riesen willigen ein, Freia gegen den Schatz des Nibelungen zu tauschen, und Loge und Wotan begeben sich nach Nibelheim, wo sie Zeuge von Alberichs Schreckensherrschaft werden, der ihnen seinen Plan verr\u00e4t, mit dem Gold der Nibelungen sich die gesamte Welt zu unterwerfen. Loge gelingt es durch eine List, Alberich zu fesseln und gemeinsam mit Wotan zwingt er ihn, ihnen seinen Schatz, einen Tarnhelm und den Ring auszuh\u00e4ndigen. Daf\u00fcr belegt Alberich den Ring mit einem Fluch, der seinem Tr\u00e4ger den Tod bringen soll. Die Riesen bestehen auf der \u00dcbergabe des gesamten Schatzes zusammen mit dem Ring, den Wotan nicht herzugeben bereit ist. Erst nachdem die G\u00f6ttin Erda ihn vor dem Ring warnt und ihm das Ende der G\u00f6tter prophezeit, wird der Tausch vollzogen. Fafner erschl\u00e4gt seinen Bruder Fasolt, um an den Ring zu kommen und die G\u00f6tter ziehen in ihre Burg ein, die von Wotan den Namen Walhall erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Mit der kraftvollen und farbenpr\u00e4chtigen Musik Wagners korrespondiert die bildgewaltige Inszenierung, in der technisch alle Register gezogen werden. Neben der sehr abwechslungsreichen Lichtgestaltung kommen gro\u00dfe selbstleuchtende Schirme und Videoprojektionen zum Einsatz. Das B\u00fchnenbild erinnert streckenweise an \u00e4ltere Inszenierungen etwa von Otto Schenk oder Emil Preetorius. Die G\u00f6tter sind in klassisch-griechischer Weise kost\u00fcmiert und auch Walhall sieht wie ein griechischer Tempel aus. Die Riesen erscheinen auf zwei gro\u00dfen Bildschirmen. Die G\u00f6tterwelt ist in Wolken geh\u00fcllt w\u00e4hrend das finstere Nibelheim von scharfen Kanten gepr\u00e4gt ist. Die Personenregie und das B\u00fchnenbild folgen Wagners Vorgaben detailliert, bis hin zur Farbe des Kost\u00fcms der Erda. Nur in zwei Punkten weicht man davon ab und f\u00fcgt etwas hinzu: Die G\u00f6tter schwelgen und schmausen in der zweiten Szene und lassen sich dabei von zwei stummen Dienerinnen das Essen servieren. Und Loge fesselt Alberich nicht nur, sondern sperrt ihn in einen K\u00e4fig, in den Alberich wiederum Wotan einschlie\u00dft, als er den Ring verflucht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Esa-Pekka Salonen<\/strong> l\u00e4\u00dft den Es-Dur-Urbeginn des <em>Ring<\/em> im breitesten Tempo anheben, w\u00e4hlt aber ansonsten eher den goldenen Mittelweg und gibt so den S\u00e4ngern genug Luft zum Atmen und Singen. Die wuchtigen Orchesterzwischenspiele und der triumphale Des-Dur-Schlu\u00df verfehlten ihre Wirkung nicht. Bis auf ein paar leichte Ersch\u00f6pfungserscheinungen im Blech gegen Ende des St\u00fcckes gab das Orchester seinen Part tadellos wieder. Die S\u00e4nger hatten in dem einf\u00fchlsamen Instrumentalvortrag, der den vokalen Passagen stets den Vorrang gab, ein sicheres Fundament und konnten so ihre unterschiedlichen gesanglichen St\u00e4rken voll entfalten. Davon gab es an diesem Abend einige zu bewundern.<\/p>\n<p><strong>Tommi Hakala<\/strong> ist darstellerisch wie s\u00e4ngerisch ein idealer Wotan und bringt alles mit, was diese Rolle verlangt: eine beeindruckende szenische Pr\u00e4senz, viel Metall in der Stimme, einen nuancierten Vortrag und makellose Aussprache. <strong>Lilli Paasikivi<\/strong> (Fricka) pr\u00e4sentierte ihre Partie ohne Schwierigkeiten, mit einer ausgeglichenen Stimme. Auch die kleinen Rollen waren mit exzellenten Kr\u00e4ften besetzt: <strong>Reetta Haavisto<\/strong> (Freia) sang ihre kurzen hohen Einw\u00fcrfe ohne Hektik, <strong>Tuomas Pursio<\/strong> gab einen sicheren Donner und <strong>Markus Nyk\u00e4nen<\/strong> einen hoffnungslos eitlen Froh mit einer durchschlagenden Stimme. <strong>Tuomas Katajala<\/strong> (Loge) war darstellerisch souver\u00e4n und verf\u00fcgt \u00fcber eine enorm deutliche Diktion, die f\u00fcr diese Rolle auch unabdingbar ist. In letzterem Punkt wurde er lediglich von <strong>Dan Karlstr\u00f6m<\/strong> (Mime) \u00fcbertroffen. Die Aussprache von <strong>Jukka Rasilainen<\/strong> (Alberich) k\u00f6nnte hingegen deutlicher sein, vor allem, was die Zischlaute angeht. Es handelt sich hierbei um den einzigen s\u00e4ngerischen Punkt, den man an dieser Besetzung kritisieren k\u00f6nnte, w\u00e4re da nicht sein eminentes darstellerisches Spiel und sein kr\u00e4ftiger und feinst nuancierter Gesang, mit der er dieses Defizit leicht wieder wettmacht. Von einer schwachen Leistung kann hier also keine Rede sein. <strong>Jyrki Korhonen<\/strong> (Fafner) und<strong> Koit Soasepp<\/strong> (Fasolt), die ihre Parts am Szenenrand stehend sangen, w\u00e4hrend ihre technisch deformierten Gesichter auf den Bildschirmen zu sehen waren, verf\u00fcgen \u00fcber zwei imponierende Organe und hatten mit der Aussprache des Deutschen keinerlei Probleme. <strong>Sari Nordqvist<\/strong> (Erda) hat eine recht hell klingende Altstimme. Die drei Rheint\u00f6chter, gesungen von<strong> Marjukka Tepponen<\/strong> (Woglinde), <strong>Mari Palo<\/strong> (Wellgunde) und<strong> Jeni Packalen<\/strong> (Flo\u00dfhilde) harmonieren in ihren kurzen Terzettpassagen vollkommen und sind s\u00e4ngerisch wie darstellerisch einander ebenb\u00fcrtig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion des <em>Rheingold<\/em>, die den Auftakt zu einer Inszenierung des kompletten <em>Ring<\/em> in Helsinki bildet, die innerhalb der n\u00e4chsten zwei Jahren abgeschlossen sein soll, ist die erste, die ausschlie\u00dflich mit finnischen Kr\u00e4ften bestritten wird. In Finnland hat die Wagnerbegeisterung Tradition, sowohl unter Musikern als Musikliebhabern, und so war zu erwarten, da\u00df musikalisch und szenisch keine Kosten und M\u00fchen gescheut werden.<\/p>\n<p>Herausgekommen ist eine Inszenierung, die ebenso opulent wie \u00fcberw\u00e4ltigend geraten ist und in der gro\u00dfartig musiziert wird. Wer eine kluge und unaufdringliche Regie ohne unmotivierte Einf\u00e4lle, ein m\u00e4chtiges B\u00fchnenbild, bei dem Licht-, Videodesign und Dekor perfekt ineinandergreifen, sehen und S\u00e4nger auf der B\u00fchne erleben will, die durchweg stimmlich und darstellerisch auf allerh\u00f6chstem Niveau agieren, der sollte die Reise nach Finnland ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehen. Man darf auf die weiteren <em>Ring<\/em>-Teile gespannt sein.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Ralph Larmann<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tuomas Pursio (Donner), Markus Nyk\u00e4nen (Froh), Tommi Hakala (Wotan), Lilli Paasikivi (Fricka), Reetta Haavisto (Freia), v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Vorabend in vier Szenen zu dem B\u00fchnenfestspiel Der Ring des Nibelungen, Text vom Komponisten UA: 22. 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