{"id":790,"date":"2009-09-02T22:26:40","date_gmt":"2009-09-02T20:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=790"},"modified":"2010-03-21T23:42:06","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:06","slug":"bruhl-schlos-haydn-festival-2009-armida","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=790","title":{"rendered":"Br\u00fchl, Schlo\u00df: Haydn-Festival 2009 &#8211; ARMIDA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p> Armida von Joseph Haydn (1732-1809), Dramma eroico in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta nach verschiedenen Vorlagen, darunter Torquato Tassos Epos: La Gerusalemme liberata \u2013 Das befreite Jerusalem,<br \/>\nSolisten: Ver\u00f3nica Cangemi (Armida), Daniel Behle (Rinaldo), Jud Perry (Ubaldo), Andrew Forster-Williams (Idreno), Ditte Andersen (Zelmira), Dirigent Andreas Spering, Capella Augustina<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 29. August 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p>An der S\u00fcdgrenze K\u00f6lns in Br\u00fchl steht das vom kurf\u00fcrstlichen Erzbischof Clemens August 1728 erbaute  Rokokoschlo\u00df, das durch den M\u00fcnchener Hofbaumeister Fran\u00e7ois de Cuvilli\u00e9s ausgestaltet und durch das Treppenhaus Balthasar Neumanns seine Einmaligkeit erhielt. Seit acht Jahren stehen die Kompositionen Joseph Haydns im Mittelpunkt der Br\u00fchler Schlo\u00dfkonzerte. Seit letztem Jahr hebt man den Habsburger Meister aus den von Mai bis August laufenden Festwochen hervor, indem man die letzten anderthalb Wochen (vom 21. bis 30. August) als <em>Haydn-Festival<\/em> ank\u00fcndigt, das einzige <em>Haydn-Festival<\/em> \u00fcberhaupt in Deutschland, wie man nicht ohne Stolz hervorhebt. Spiritus Rector ist Andreas Spering, der mit der Capella Augustina die Oper <em>Armida<\/em> (1784) am 29. und 30. August konzertant auff\u00fchrte.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/bruhl-armida.jpg\" TITLE=\"bruhl-armida.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/bruhl-armida.jpg\" ALT=\"bruhl-armida.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Bei den K\u00e4mpfen der Kreuzritter gegen die Sarazenen hat sich der Kreuzritter Rinaldo in die sch\u00f6ne Zauberin Armida verliebt und lebt im Lager der Sarazenen. Seinem Freund Idreno gelingt es, Renaldo aus der Verzauberung Armidas zu l\u00f6sen. Die Oper dreht sich um die Liebe der Beiden und deren schmerzhafte Trennung.<br \/>\nIm weltber\u00fchmten Rokoko-Treppenhaus von Balthasar Neumann sitzt das Publikum auf der Galerie und am Fu\u00df der Treppe, dort, wo vor 250 Jahren die Kutschen ankamen und die \u00fcberreich gekleideten  Damen und Herrn in ihren Per\u00fccken ausstiegen, um zum Empfang des Kurf\u00fcrsten zu eilen. Es ist daher kein Platz f\u00fcr eine B\u00fchne bzw. f\u00fcr eine szenische Darstellung. Doch eine gute Akustik und die unverw\u00fcstliche Pracht des 18. Jh. ergibt ein f\u00fcr Haydn zeitgerechtes Ambiente.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIm Kopfthema der Sinfonie st\u00fcrmt die <strong>Capella Augustina<\/strong> unter <strong>Andreas Spering<\/strong>s Leitung energisch mit seinen schnellen Noten davon, unterbrochen vom lieblichen, kantablen Seitenthema. Auffallend dabei die rhythmische Pr\u00e4zision der Streicher und die Intonationssicherheit der Bl\u00e4ser, das im folgenden Menuett des Solos der beiden Oboisten noch lyrisch \u00fcberh\u00f6ht wird. Haydn entwirft hier eine regelrechte programmatische Abfolge der Opernhandlung, was zu seiner Zeit nicht allgemein \u00fcblich war: Kampf, Liebe, pastorale Idylle und Katastrophe.<br \/>\n<strong>Daniel Behle<\/strong> (Rinaldo) er\u00f6ffnet die Handlung <em>vado al pugnar \u2013 auf in den Kampf und idolo del mio cor \u2013 die geliebte<\/em> (Armida)<em> im Herzen<\/em>. Sein starker, lyrischer Tenor l\u00e4\u00dft solches auch nachempfinden. Doch verschleift er die Koloraturen seines Ziergesangs und die rhythmische Konstanz fehlt ein wenig. Aber die Artikulation ist gut, gro\u00dfe Intervalle kommen rein. Insgesamt hat die Stimme Leidenschaft und Pathos, manchmal bis zum etwas unkontrollierten Forte. Alle S\u00e4nger haben allerdings mit den Koloraturen ihre Schwierigkeiten. Die Notenketten kommen nicht perlend heraus, die H\u00f6hen werden nur mit Anstrengung erreicht und Intonationsst\u00f6rungen sind besonders beim Bassisten <strong>Andrew Forster-Williams<\/strong> (Idreno) an der Tagesordnung, z.B. bei seiner Auftrittsarie: <em>Se dal suo braccio oppresso \u2013 Wenn, \u00fcberw\u00e4ltigt von seinem Arm<\/em>, wo man bei der Fermate auf<em> il regno istesso \u2013 mein K\u00f6nigreich<\/em> eine unsch\u00f6nes Abgleiten der Stimme erleben mu\u00df. <strong>Jud Perry<\/strong> (Ubaldo) allerdings meistert seine Tenorpartie ohne gr\u00f6\u00dfere Entgleisungen.<br \/>\nZeigte schon die D\u00e4nin <strong>Ditte Andersen<\/strong> (Zelmira) mit ihrem hohen klaren Sopran die Sch\u00f6nheiten des Ziergesangs, so kann das Publikum bei der Argentinierin <strong>Ver\u00f3nica Cangemi<\/strong> (Armida) erleben, wie meisterhaft Haydn die Gesangsstimme zu f\u00fchren vermochte. Ihr <em>Canto sul fiato \u2013 Singen auf dem Atem<\/em>, so nennt man den Ziergesang der Belcantozeit \u2013 ist nicht leicht zu \u00fcberbieten, geh\u00f6rt Cangemi doch zu den  gefragtesten Barocks\u00e4ngerinnen im Sopranstimmenfach. Zahlreiche CDs unter Ren\u00e9 Jacobs, William Christie und Thomas Hengelbrock beweisen ihre F\u00e4higkeiten. Schon ihre Auftrittsarie rei\u00dft uns von den St\u00fchlen: das zweigestrichen A bei <em>oh Numi<\/em> in: <em>se pietade avete \u2013 wenn ihr Mitleid habt, ihr G\u00f6tter<\/em> kommt glockenrein. Ihre Stimme tr\u00e4gt, ist rund, angenehm und klar. Was will man mehr! Peinlich genau die Sechzehntelnoten, die Triller, die Ausweitung der Fermaten, ihre Artikulation. Selbst das Orchester scheint mehr mitgerissen, ist noch elastischer, noch dynamischer. Ein H\u00f6hepunkt ist zweifellos ihre Wutarie:<em> Odio, furor, dispetto \u2013 Ha\u00df, Zorn, Abscheu<\/em> (2. Akt), was sie dem untreuen Rinaldo entgegenschleudert. Die Arie wird in einem irrsinnig schnellen Tempo vorgetragen. Dennoch hat Cangemi keine Atemschwierigkeiten bei den Koloraturen, nirgendwo h\u00f6rt man ein Hakeln beim ungemein schnellen Registerwechseln der Stimme. Zartes Piano und leuchtendes Forte tun ein \u00fcbriges, den inneren Sinn der Musik zu offenbaren. Unnachahmlich das hinausgeschleuderte hohe C beim Abschlu\u00df ihrer Arie:<em> ho cento smanie al cor \u2013 der Wahnsinn tobt in meinem Herzen<\/em> \u2013 begeisterter Beifall. Eine Barockoper mit ihrem Belcanto steht und f\u00e4llt nun mal mit der hohen Kunst des Ziergesangs.<br \/>\nDr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Das Bild zeigt das Treppenhaus von Balthasar Neumann im Br\u00fchler Schlo\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armida von Joseph Haydn (1732-1809), Dramma eroico in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta nach verschiedenen Vorlagen, darunter Torquato Tassos Epos: La Gerusalemme liberata \u2013 Das befreite Jerusalem, Solisten: Ver\u00f3nica Cangemi (Armida), Daniel Behle (Rinaldo), Jud Perry (Ubaldo), Andrew Forster-Williams (Idreno),<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=790\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,1],"tags":[],"class_list":["post-790","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bruhler-schlos","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=790"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1305,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/790\/revisions\/1305"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}