{"id":7899,"date":"2019-08-28T11:13:05","date_gmt":"2019-08-28T10:13:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7899"},"modified":"2019-10-21T19:40:34","modified_gmt":"2019-10-21T18:40:34","slug":"bayreuther-festspiele-2019","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7899","title":{"rendered":"Parsifal &#8211; Bayreuther Festspiele 2019"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in drei Akten von Richard Wagner (1813-1883), Libretto vom Komponisten, UA: 26. Juli 1882, Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne: Gisberg J\u00e4kel, Kost\u00fcme: Jessica Karge, Licht: Reinhard Traub, Video: G\u00e9rard Nazini<\/p>\n<p>Dirigent: Semyon Bychkov, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Leitung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten:Ryan McKinny (Amfortas), Wilhelm Schwinghammer (Titurel), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Gurnemanz), Andreas Schager (Parsifal), Derek Welton (Klingsor), Elena Pankratova (Kundry), Martin Homrich (1. Gralsritter), Timo Riihonen (2. Gralsritter), Alexandra Steiner (1. Knappe), Mareike Morr (2. Knappe), Paul Kaufmann (3. Knappe), Stefan Heibach (4. Knappe), Katharina Konradi, Ji Yoon, Mareike Morr, Alexandra Steiner, Bele Kumberger, Marie Henriette Reinhold (Klingsors Zauberm\u00e4dchen), Simone Schr\u00f6der (Altsolo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. August 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Bayreuth-Parsifal2019.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7901 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Bayreuth-Parsifal2019.png\" alt=\"\" width=\"647\" height=\"419\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Bayreuth-Parsifal2019.png 647w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Bayreuth-Parsifal2019-300x194.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wagners <em>Parsifal<\/em> wurde 1882 im Bayreuther Festspielhaus uraufgef\u00fchrt. Als einziges Werk ist <em>Parsifal<\/em> eigens f\u00fcr das Festspielhaus komponiert worden, was vor allem die Instrumentierung in R\u00fccksicht auf die Akustik des Festspielhauses betrifft Dies ist einer der Gr\u00fcnde, weshalb Wagner den <em>Parsifal<\/em> seinerzeit nicht au\u00dferhalb von Bayreuth aufgef\u00fchrt wissen wollte. Nach der eher durchwachsenen Auff\u00fchrung des <em>Ring des Nibelungen<\/em> 1876 war die Urauff\u00fchrung des <em>Parsifal<\/em> in musikalischer Hinsicht und in seiner Inszenierung ein voller Erfolg. Die aktuelle Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg stammt aus dem Jahr 2016 und war urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Regisseur Jonathan Meese vorgesehen. Seit 2018 hat Semyon Bychkov die musikalische Leitung.<\/p>\n<p><strong>Kurzeinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Amfortas leidet an einer Wunde, die ihm der abtr\u00fcnnige Ritter Klingsor mit dem heiligen Speer als Strafe daf\u00fcr zugef\u00fcgt hat, da\u00df er sich von Kundry hat verf\u00fchren lassen. Kundry irrt seit Generationen durch die Welt auf der Suche nach Erl\u00f6sung, da sie vor langer Zeit Christus am Kreuz verlacht hat. Als Amfortas ein Bad nimmt, taucht der Waldl\u00e4ufer Parsifal auf und erschie\u00dft einen der heiligen Schw\u00e4ne. Der Ritter Gurnemanz unterzieht ihn einer kurzen Pr\u00fcfung und l\u00e4\u00dft ihn am Abendmahl teilnehmen. Im zweiten Akt erscheint Parsifal auf Klingsors Zauberschlo\u00df und wird von Blumenm\u00e4dchen wie auch von Kundry umgarnt. Er widersteht jedoch der Versuchung. Als Klingsor ihn mit der heiligen Waffe verwunden will, bringt er diese in seinen Besitz. Im dritten Akt bringt Parsifal den Speer zur\u00fcck zu den Gralsrittern und \u00fcbernimmt selbst das Amt des Amfortas.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne pr\u00e4sentiert im ersten Akt eine bombardierte Kreuzkuppelkirche im Zweistromland. Es herrscht Krieg w\u00e4hrend die Ritterschaft versucht, ihren Glaubensalltag so gut wie m\u00f6glich aufrecht zu erhalten. Sein Bad nimmt Amfortas in einem gro\u00dfen Taufbecken, das im weiteren als Altar dient. Bei Parsifals Auftritt erscheint ein kleiner Junge, der tot zu Boden f\u00e4llt als der Held den Schwan erschie\u00dft (\u201eWer scho\u00df den Schwan? \u201c) Die Abendmahlszene am Ende des ersten Aktes verdeutlicht mit viel Blut das Leiden des Amfortas auf schockierende Weise. Eindrucksvoll gelungen ist der Kniefall der Knappen auf die Worte \u201eDurch Mitleid wissend\u201c. Der zweite Akt f\u00fchrt in ein sch\u00f6n gekacheltes orientalisches Bad, wo leicht bekleidete M\u00e4dchen den jungen Parsifal umgarnen \u201eKomm holder Knabe\u201c). Die Kost\u00fcme sind in schrillen bunten Farben gehalten \u2013 ein lebendiger Kontrast zu den Abendmahlszenen der anderen Akte. Kundrys Verf\u00fchrung Parsifals ist ebenfalls sehr k\u00f6rperlich umgesetzt. Als Parsifal den Speer des Klingsor f\u00e4ngt, zerbricht er diesen und f\u00fcgt die Teile zu einem Kreuz zusammen. Die Zwischenspiele, die als Eintritt in die Gralsburg fungieren, werden bei geschlossenem Vorhang von Videoprojektionen begleitet. Im ersten Akt sieht man eine Art Vogelflug aus der Kirche \u00fcber den Irak, dann erscheint die Erde, am Schluss \u00f6ffnet sich der Blick auf das Weltall. Im dritten Akt erscheinen die Gesichter von Richard, Cosima und Winifred \u2013 zu Beginn blinzelnd, dann als Totenmaske im Wasserstrudel versinkend. Am Ende der Oper ist die B\u00fchne in hell beleuchteten wei\u00dfen Dampf geh\u00fcllt (\u201eErl\u00f6sung dem Erl\u00f6ser\u201c), im Saal geht das Licht an, noch bevor der letzte Ton verklungen ist. Der Sarg Titurels wurde umfunktioniert zur Entsorgungsstelle verschiedenster religi\u00f6ser Symbole.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Beim Dirigat von <strong>Semyon Bychkov<\/strong> erlebt man bereits w\u00e4hrend der ersten Takte einen \u00e4u\u00dferst gr\u00fcndlich erarbeiteten <em>Parsifal<\/em>. Die dynamischen B\u00f6gen werden zu einem gro\u00dfen Ein- und Ausatmen, die Klangfarben sind transparent gestaltet und die S\u00e4nger haben gro\u00dfe artikulatorische Freiheit. <strong>Andreas Schager<\/strong> als Parsifal macht dies schon bei seinem ersten Auftritt deutlich: er, der mehr stammelt als spricht, hat sich eindrucksvoll in seine Rolle hineinversetzt. Er ringt nach Worten, w\u00e4hrend er zugleich sein volles tenorales Timbre entfaltet. <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> als Gurnemanz ist ein sonorer raumf\u00fcllender Ba\u00df, der auch durch seine deutlich verst\u00e4ndliche Artikulation \u00fcberzeugt. <strong>Elena Pankratova<\/strong> f\u00fcllt das breite Spektrum der Kundry-Partie aus, indem sowohl ihre st\u00f6hnenden Laute und ihr Lachen als auch die epischen Passagen, in denen sie Parsifals fr\u00fcheres Leben erz\u00e4hlt, ausdrucksstark gestaltet sind. Auch <strong>Ryan McKinny<\/strong> \u00fcberrascht mit einer durchsichtigen Artikulation der deutschen Sprache, die Sch\u00e4rfen seines Timbres vermitteln die schmerzhafte Situation sehr deutlich. Auch Titurel, eine weitere dunkle M\u00e4nnerstimme, ist hingebungsvoll mit dem Ausdruck des dem Tode nahestehenden von <strong>Wilhelm Schwinghammer<\/strong> interpretiert. Ebenso ist <strong>Derek Welton<\/strong> f\u00fcr die Partie des Klingsor eine sehr gute Wahl. Man einen sonoren Bass, der mit dem Hauch des D\u00e4monischen seiner Unterhaltung mit Kundry die passende F\u00e4rbung gibt. Beeindruckend sind dar\u00fcber hinaus die Durchsichtigkeit in der Vielstimmigkeit der Chorszenen \u2013 z.B. die Ritter in den Abendmahlszenen oder auch die Frauenstimmen der Blumenm\u00e4dchen. Hier tritt Wagners Kontrapunktik h\u00f6rbar in den Vordergrund. Atmosph\u00e4risch entwickeln sich dann die finalen Takte zum Klang gewordenes Gralserlebnis.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die musikalische Seite viele Farben, Nuancen und Spannungsb\u00f6gen aufweist, hat die Inszenierung zwar ein klares Konzept zur heutigen Zeit. Allerdings wirkt dadurch alles ein wenig intellektuell und kann nicht immer die Tiefe der Wagnerschen Dramatik aussch\u00f6pfen. Wer z.B. einen rot leuchtenden Gral als Apotheose am Ende erwartet, hofft vergebens. So pendelt die Szene immer zwischen ausdrucksstarken Einf\u00e4llen, die Wagners Kunstreligion nahe stehen, und der Verarbeitung tagespolitischer Symbolik. Das Werk wurde mit einem tosenden Schlu\u00dfapplaus w\u00fcrdig verabschiedet \u2013 bis in naher Zukunft ein neuer <em>Parsifal<\/em> auf den H\u00fcgel zur\u00fcckkehrt, wird man noch ein wenig Geduld haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dr. Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elena Pankratova (Kundry), Andreas Schager (Parsifal)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in drei Akten von Richard Wagner (1813-1883), Libretto vom Komponisten, UA: 26. 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