{"id":7887,"date":"2019-08-26T14:19:39","date_gmt":"2019-08-26T13:19:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7887"},"modified":"2019-08-29T11:21:05","modified_gmt":"2019-08-29T10:21:05","slug":"40-rossini-festspiele-2019-in-pesaro","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7887","title":{"rendered":"40. Rossini Festspiele 2019 in Pesaro"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Gala-Abend am 22 August 2019 <\/strong><\/h2>\n<p>Das klug zusammengestellte Programm bringt im ersten Teil die fr\u00fcheren Opern von Maestro Rossini: die Sinfonie <em>Il Barbiere di Siviglia<\/em> und aus der gleichen Oper Arien des Bartolo und des Grafen, danach ein Duett Melbea-Conte di Libenskof aus <em>Il viaggio a Reims<\/em> sowie zwei Arien aus <em>La Cenerentola<\/em>, die des Don Magnifico und Don Ramiro und schlie\u00dflich das Septett aus <em>L\u2019Italiana in Algeri<\/em>.<\/p>\n<p>Nach der Pause im zweiten Teil: aus der w<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-2-Flores.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7890\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-2-Flores.png\" alt=\"\" width=\"487\" height=\"305\" \/><\/a>enig bekannten Oper <em>Erminone<\/em> zwei Arien und aus <em>Guillaume Tell<\/em> zwei Arien. Als Schlu\u00dfst\u00fcck Teile aus dem Finale IV.<\/p>\n<p>Aufgeboten sind vier Damen und zehn Herren sowie der Chor des Teatro Ventidio Basso, die Giovanni Farina einstudiert hat.<\/p>\n<p>Aus dem ausgewogenes Programm sind\u00a0 herausragend: Juan Diego Fl\u00f3rez, Lawrence Brownlee, das Duo Anna Goryachova und Sergey Romanovsky. Letztere singen aus <em>Il viaggio<\/em> eine Arie und das Duett: Maliban-Libenskoff: <em>D\u2019alma celeste, oh Gott \u2013 wes bin ich schuldig, o Gott<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-3-Sextett.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7891\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-3-Sextett.png\" alt=\"\" width=\"495\" height=\"308\" \/><\/a>Sehr b\u00fchnenwirksam gestaltete der Sizilianer <strong>Nicola Alaimo<\/strong> die Arie des Magnifico aus <em>La Cenerentola<\/em>: <em>sia qualunque delle figlie \u2013 Wenn eine von euch den F\u00fcrstenthron besteigt<\/em> und <strong>Juan Diego Fl\u00f3rez<\/strong> singt aus <em>La Cenerentola<\/em>: <em>si ritrovarla io giuro \u2013 wenn ich sie wiederfinden werden, schw\u00f6re ich<\/em> mit seiner elegant t\u00e4nzerischen Art, mit m\u00e4nnlichem und doch sanftem Timbre seines <em>tenore di grazia<\/em>.<\/p>\n<p>Auch der zweite Teil ist sehr gekonnt vorgetragen, wobei zum Ende das Sextett aus <em>Guillaume Tell<\/em> dem Finale IV herausragen gesungen, aber nicht die gleiche Begeisterung wie beim formidablen Finale I aus <em>L\u2019Italiana in Algeri<\/em> hervorgerufen wird. Hier ist die Wirkung mit ihren um sich wirbelnden Stimmen und dem schwarzen Ba\u00df von Michele Pertusi einfach umwerfend.<\/p>\n<p>Leider fehlte der Text der Arien und Duetten in dem sonst hervorragenden Programmheft.<\/p>\n<p>Ein rundum gelungener Abend.<\/p>\n<h2><strong><em>L\u2019equivoco stravagante \u2013 Das bizarre Mi\u00dfverst\u00e4ndnis<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Gaetano Gasbarri, UA: 26. Oktober 1811, Bologna, Teatro del Corso<\/p>\n<p>Regisseure: Moshe Leiser, Patrice Caurier, B\u00fchne: Christian Fenouillat, Kost\u00fcme: Agostino Cavalca, Licht: Christophe Forey<\/p>\n<p>Dirigent: Carlo Rizzi, Orchestra Sinfonica nazionale della RAI, Coro del Teatro Ventidio Basso, Choreinstudierung: Giovanni Farina<\/p>\n<p>Solisten: Teresia Iervolino (Ernestina), die f\u00fcr Literatur schw\u00e4rmende Tochter Gamberottos (Contralto), Paolo Bordogna (Gamberotto), ein Bauer als Edelmann (Ba\u00dfbuffo), Davide Luciano (Buralicchio), ein reicher und t\u00f6richter J\u00fcngling, Ernestina als Br\u00e4utigam versprochen (Ba\u00dfbuffo), Pavel Kolgatin (Ermanno), ein armer J\u00fcngling, Ernestinas Liebhaber (Tenor), Claudia Muschio (Rosalia), Ernestinas Kammerzofe (Sopran), Manuel Amati (Frontino), unternehmungslustiger Diener Gamberottos, Ermannos Vertrauter, (Tenor)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. August 2019<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-1-Lequivoco-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7892\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-1-Lequivoco-1.png\" alt=\"\" width=\"506\" height=\"382\" \/><\/a>Im <em>extravaganten Mi\u00dfverst\u00e4ndnis<\/em> wie man es auch nennen k\u00f6nnte, handelt es sich um zwei M\u00e4nner, die der sch\u00f6nen Ernestine nachstellen. Diese ist die Tochter eines reichen Bauern, der geadelt wurde und interessiert sich mehr f\u00fcr geistige Werte als um alles andere. Ihr Vater Gamberotto begr\u00fc\u00dft ihre Haltung und will Ermanno, Lehrer f\u00fcr Philosophie, f\u00fcr die Tochter gewinnen. Doch gleichzeitig ist er erfreut \u00fcber die Werbung des reichen Buralicchio um seine Tochter. Frontino, der gewitzte Diener Gamberottos, verhilft Ermanno zu der Stelle als Hauslehrer. Dieser ist \u00fcber die Ohren in die sch\u00f6ne Ernestine verliebt. Die Kammerzofe Rosalia unterst\u00fctzt Frontino, der Ermanno helfen will, Ernestina zu gewinnen. Aber der reiche Gecke Buralicchio hat mehr Erfolg in seinem Werben. Nun spielt Frontino Buralicchio einen fingierten Brief zu, in dem Ernestina als Kastrat entlarvt wird, der, um das Milit\u00e4r zu umgehen, in Frauenkleidern auftreten w\u00fcrde. Dieses Mi\u00dfverst\u00e4ndnis, durch das Ernestina sogar ins Gef\u00e4ngnis gelangt, hat Buralicchio durch Denunziation bei der Beh\u00f6rde zuwegege gebracht. Es endet jedoch gut, da eben Ernestina wirklich die sch\u00f6ne Tochter Gamberottos ist. Sie und Ermannos werden ein gl\u00fcckliches Paar.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen in ein Zimmer im Landhaus Gamberottos, das ein auffallend gebl\u00fcmtes, mit Ornamenten versehene Tapete hat. Im Laufe der Oper wird im zweiten Akt ein Bett aus der Wand geschoben, das dahinter auch wiederholt verschwindet. Zur Gef\u00e4ngnisszene wird auf der rechten B\u00fchnenseite ein Teil abgetrennt. Dort wird dann Ermanno Frauenkleider zu der in M\u00e4nnerkleidung inhaftierten Ernestina hinunterlassen.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild bleibt mit den kleinen \u00c4nderungen von Anfang bis Ende. Es ist also eine sogenanntes Einheitsb\u00fchnenbild.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Durchweg singen und spielen die Darsteller auf hohem Niveau wie es sich f\u00fcr ein Festival geh\u00f6rt und entsch\u00e4digen ein wenig f\u00fcr die gro\u00dfe Entt\u00e4uschung von Rossinis au\u00dferordentlichem Melodramma tragico <em>Semiramide<\/em>.<\/p>\n<p>Am vorz\u00fcglichen in allen Vorgaben des Belcanto bew\u00e4hrt sich <strong>Teresa Ierivolino<\/strong> in der Rolle der Ernestina. Ihr Passaggio, ihre perlenden Koloraturen, ihre Spitzent\u00f6ne und ihre tadellose Intonation rissen von den St\u00fchlen. Ihre beiden Partner <strong>Pavel Kolgatin<\/strong> als Ermanno und <strong>Davide Luciano<\/strong> als Stutzer Buralicchio standen ihr in nichts nach. Schlie\u00dflich ist der schauspielerisch souver\u00e4n auftretende <strong>Paolo Bordogna<\/strong> (Gamberotto) zu nennen, der in seinem breiten Buffo wohl alle begeistert. Gewisserma\u00dfen als I-T\u00fcpfelchen bew\u00e4hrten sich <strong>Claudia Muschio<\/strong> (Rosalia) und <strong>Manuel Amati<\/strong> (Frontino). Zusammen, wie gesagt, eine in sich geschlossenen Truppe, die begeisterten.<\/p>\n<h2><strong><em>Semiramide<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Melodramma tragico in zwei Akten, Libretto: Gaetano Rossi nach dem Roman <em>S\u00e9miramis<\/em> von Voltaire, UA: 3. Februar 1823 Venedig, Teatro La Fenice<\/p>\n<p>Regie: Graham Vick, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Stuart Nunn, Licht: Giuseppe di Iorio<\/p>\n<p>Dirigent: Michele Mariotti, Orchestra Sinfonica nazionale della RAI, Chor: Coro del Teatro Ventidio Basso, Choreinstudierung: Giovanni Farina<\/p>\n<p>Solisten: Salome Jicia (Semiramide), Verduhi Abrahamyan (Arsace), Nahuel di Pierro (Assur), Antonino Siragusa (Idreno), Martiniana Antonie (Azema), Carlo Cigni (Oroe), Alessandro Luciano (Mitrane), Segey Artamonov (Geist des Nino)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. August 2019<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-4-Semiramide.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7893\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-4-Semiramide.png\" alt=\"\" width=\"336\" height=\"482\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Am Euphrat in Babylon (Mesopotamien) um 600 v. Chr. feiert man das Opferfest zu Ehren des Gottes Belus. Der Hohepriester Oroe erf\u00e4hrt in einet Vision: der Tag der Gerechtigkeit und Rache einer unges\u00fchnten Schuld sei nicht mehr fern. Die V\u00f6lker haben sich aus ganz Assyrien nach Babylon begeben, wo K\u00f6nigin Semiramide den Nachfolger des K\u00f6nig Nino, ihres Gatten, nennen will. Auch eine Gruppe Inder mit ihrem Anf\u00fchrer Prinz Idreno nehmen an dem Fest teil. Assur, ein Prinz in der Abstammung des Belus, hofft darauf, Nachfolge Ninos zu werden. Kurz bevor Semiramide den Nachfolger ihres verstorbenen Gatten nennt, erlischt auf dem Altar das Feuer durch einen Blitz. Alle sind entsetzt und die Versammlung l\u00f6st sich auf.<\/p>\n<p>Semiramide hatte den Feldherrn Arsace von seinen Truppen nach Babylon gerufen.<\/p>\n<p>Als Arsace bei Oroe auftaucht, ist dieser hocherfreut, denn ihm ist bekannt, da\u00df Arsace Ninia, der totgeglaubte Sohn Semiramides ist, was aber Arsace nicht wei\u00df. Oroe gibt Arsace ein Schriftst\u00fcck, worin K\u00f6nig Nino kurz vor seinem Tod erkl\u00e4rt, von Semiramide zusammen mit Assur vergiftet worden zu sein. Er fordert Arsace auf, ihn zu r\u00e4chen. Oroe \u00fcberreicht Arsace auch Ninos Schwert.<\/p>\n<p>Das Volk versammelt sich zum zweiten Mal und Semiramide verk\u00fcndet, da\u00df Arsace K\u00f6nig und gleichzeitig ihr Gatte werden solle. Das Volk bejubelt diese Wahl, doch Assur sinnt auf Arsaces Tod. Semiramide erf\u00e4hrt beim Zusammentreffen mit Arsace, da\u00df er von dem Mord an seinem Vater Nino wisse und da\u00df Semiramide und Assur die M\u00f6rder waren. Dennoch finden beide als Mutter und Sohn zueinander und begeben sich zu Ninos Grab in die Grabkammer. Dort lauert allerdings Assur auf Arsace. Beim Irren durch die Grabkammern wurde er fast wahnsinnig weil er meint, Ninos Geist stelle ihm nach. Dieser war auch vorher tats\u00e4chlich erschienen und hatte ihn und Semiramide des Mordes angeklagt und Arsace die Rache an den beiden empfohlen. Alle waren nun in der Grabkammer, wo pl\u00f6tzlich Arsace meint, Assur st\u00fcnde hinter ihm. Er sticht zu und ermordet unwissentlich seine Mutter, K\u00f6nigin Semiramide. Er will sich deswegen umbringen, doch man h\u00e4lt ihn davon ab und feiert ihn als neunen K\u00f6nig. Assur wird ins Verlies gesperrt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die breite B\u00fchne zeigt den mittleren Teil eines riesigen Gesichts mit auffallend traurigen Augen. Diese sind auf zwei verschiebbare Elemente gemalt. Diese werden des \u00f6fteren verschoben, um die B\u00fchne in verschiedene Fl\u00e4chen einzuteilen, die mal eine Versammlungsfl\u00e4che, dann wieder ein Zimmer oder gr\u00f6\u00dferen Raum bilden. Dabei sehen wir die beiden Augen getrennt, dann wieder zusammen. Einen sinnvollen, dem Opernablauf entsprechenden Raum zu geben, wird nicht erkennbar, keinesfalls etwa die von Rossini und seinem Librettisten angegebenen Vorgaben umgesetzt. Semiramide erscheint im schwarzen Hosenanzug mit wei\u00dfer Bluse und hochhackigen Schuhen. Sie tr\u00e4gt eine blonde Kurzhaarfrisur. Zum Opernende erscheint sie in kurzem Rock. Arsace mit gemustertem dunkelblauem Hosenanzug und wei\u00dfer Bluse. Der Busenansatz ist deutlich zu sehen. Die Darstellerin der Hosenrolle \u00fcberrascht zum Opernende im Frauenkleid.<\/p>\n<p>Prinzessin Azema tritt wie eine Braut in gro\u00dfer wei\u00dfer Robe mit Schleier\u00a0 schon zum Opernanfang auf einem Balkon auf der linken B\u00fchnenseite auf. Der in sie verliebte Prinz Idreno entspricht in seiner prachtvollen Kleidung der Vorstellung eines indischen Prinzen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-5-Semiramide.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7894\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Pesaro-5-Semiramide.png\" alt=\"\" width=\"507\" height=\"340\" \/><\/a>Wirbelnd beginnt das Orchester, um dann sogleich in den von Bl\u00e4sern intonierten \u201eChoral\u201c \u2013 wie Alberto Zedda ihn umschreibt \u2013 zu m\u00fcnden. Dieser ist mit <em>Andantino<\/em> \u00fcberschrieben. Aber Dirigent Michele Mariotti w\u00e4hlt eher <em>Adagio<\/em>, was denn doch zu langatmig wird. Sehr sch\u00f6n aber die folgenden Teile der Ouvert\u00fcre (Sinfonie), wohl die l\u00e4ngste von Rossinis vielen Sinfonien. Sie weist erstmals Motive auf, die sp\u00e4ter in der Oper, z.B. in der Grabkammerszene, aufscheinen. Sehr rasch genommene <em>Allegri<\/em> Teile, bei denen die fabelhafte Bl\u00e4sergruppe und die mit ihr in ihren rasenden 16tel im Piano kontrastierenden Streicher. Es wird ein wunderbares Musikerlebnis.<\/p>\n<p>Auch der erste S\u00e4nger, den wir h\u00f6ren, l\u00e4\u00dft kaum W\u00fcnsche offen. Gekleidet ist <strong>Carlo Cigni<\/strong> (Oroe) als Guru, fast nackt mit Lendenschurz und Vollbart. Sein kerniger Ba\u00df dringt ins Mark. Gleich darauf der als Prinz in pr\u00e4chtiger Uniform gekleidete <strong>Antonino Siragusa<\/strong> (Idreno) mit einer kernigen Tenorstimme, die er in t\u00e4nzerische Eleganz kleidet. Er l\u00e4\u00dft die Koloraturpassagen wie einzelne Sandk\u00f6rner aus seinem Mund perlen und hat keinerlei Schwierigkeiten mit den Acuti, den h\u00f6chsten T\u00f6nen, etwa C\u2018\u2018\u2018. Da\u00df er diese vielleicht ein wenig zu stark forciert, ist zwar anzumerken, aber dennoch nicht st\u00f6rend.<\/p>\n<p>Zu Opernbeginn vereinen sich Oroe (tiefer Ba\u00df), Idreno (Tenore di grazia) und Assurs (Ba\u00df) in einem geradezu ber\u00fcckenden Terzett <em>A quei detti, a quell\u2019aspetto \u2013 bei diesen Worten, bei diesem Anblick sp\u00fcre ich mein Herz erbeben.<\/em> Es wird nicht schlecht gesungen, allein es fehlt die Tiefe eines \u201eschwarzen\u201c Basses als Grundlage, eines Basses, wie ihn Michele Pertussi besitzt. <strong>Nahuel di Pierro<\/strong> (Assur) hat eine gut fokussierte Ba\u00dfstimme, doch ist seine Stimme eher baritonal.<\/p>\n<p>Auf den Auftritt von Semiramide und Arsace mu\u00df man bis zum Auftritt der Hofdamen in den \u201eH\u00e4ngenden G\u00e4rten\u201c (so im Libretto) des babylonischen Palasts warten. Das B\u00fchnenbild zeigte etwas ganz anderes. Wohl jeder, der das Libretto gelesen hatte, ist entt\u00e4uscht. Der Chor <em>serena i vaghi rai \u2013erheitere die lieblichen Blicke<\/em> ist schwungvoll und rhythmisch pr\u00e4zis. Dann Semiramide mit: <em>Bel raggio lusinghier \u2013 der sch\u00f6ne, verf\u00fchrerischen Strahl der Hoffnung. <\/em><strong>Salome Jicia<\/strong> hat einen klaren Sopran, doch ihr fortw\u00e4hrend zu vernehmendes Vibrato, was leider \u00f6fter in Stimmflattern umschl\u00e4gt, das Verschleifen der Koloraturen, die kaum verst\u00e4ndliche Aussprache, die h\u00e4ufigen Intonationstr\u00fcbungen sind kaum ertr\u00e4glich. Auf einen klaren Triller, den Rossini gerade in dieser Oper mehr als gew\u00f6hnlich fordert, hofft man vergeblich. Dann kommt der ersehnte Arsace. Die Armenierin <strong>Varduhi Abrahamyan<\/strong> ist mit ihrem Contralto wohl besser, doch ihr Vibrato-Reichtum steht ihrer Partnerin kaum nach. Auch bei ihr Intonationstr\u00fcbungen und ihre H\u00f6hen sind fast durchweg zu stark forciert. Beide eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Ein Lichtblick ist Prinzessin Azema. <strong>Martiniana Antonies<\/strong> Auftritt in gro\u00dfer wei\u00dfer Robe labt das Auge. Leider ist ihr Auftritt ziemlich kurz. Doch dabei beweist sie ein gro\u00dfes musikalisches und technisches K\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Fazit aller drei Auff\u00fchrungen<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt selten vor, da\u00df man ein solches Versagen einem ber\u00fchmten Festival im vierzigstem Jahr seines Bestehens attestieren mu\u00df. Gemeint ist hier die schlimme Inszenierung des Melodramma tragico <em>Semiramide. <\/em>Mit dieser Oper hat ja Rossini nach eigenen Angaben Abschied von Italien genommen und sein Leben weiter in Paris verbracht. Nach Aussagen gro\u00dfer Rossini-Kenner ist dieses Werk wohl eine seiner gr\u00f6\u00dften Opernsch\u00f6pfungen. Hier ist ein bedeutender Kenner des Belcanto-Stils, <strong>Rodolfo Celletti<\/strong> (1917-2004), anf\u00fchren, der in seiner <em>Geschichte des Belcanto<\/em> als Schlu\u00dfsatz schreibt: <em>La Semiramide ist die letzte gro\u00dfe Oper barocker Tradition \u2013 vielleicht die sch\u00f6nste, die phantastischste, die umfassendste, aber unwiederbringlich die letzte<\/em>.<\/p>\n<p>Wie kann man es zulassen, da\u00df eine Hosenrolle durch eine Frau auf der B\u00fchne dargestellt wird. Hier soll wohl jedem Opernbesucher jegliche Illusion genommen werden. Und wenn schon Regisseur <strong>Graham Vick<\/strong>, der die vielen psychologischen Winkelz\u00fcgen bei Rossini nachzusp\u00fcren bestrebt ist, warum hat er dann sich nichts einfallen lassen zu dem ber\u00fchmten Terzett (Semiramide, Arsace, Assur) kurz vor Opernschlu\u00df: <em>L\u2019usato ardir, il mio valore dov\u2019\u00e8 \u2013 wo ist der gewohnte Mut, wo meine Tapferkeit. <\/em>Und v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ist die Tat der mit Dolchsto\u00df ermordeten Semiramide durch Assur bei voller Beleuchtung? Im Libretto wird eine dunkle Grabkammer gefordert!<\/p>\n<p>Umso mehr bin ich erfreut \u00fcber das s\u00e4ngerische K\u00f6nnen, da mir die beiden Abenden <em>L\u2019equivoco stravagante<\/em> und der <em>Galaabend<\/em> brachten. Sie erinnerten mich an die vielen wunderbaren Erlebnisse in den vielen Jahren, in denen ich das bedeutende Festival besuchte.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bilder: Studio Amati Bacciardi<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen:<\/p>\n<p>Bild 1) Juan Diego Fl\u00f3rez mit Chor<\/p>\n<p>Bild 2) Claudia Muschio, Valeria Girardello, Lawrence Brownlee, Anna Goryachova, Michele Pertusi, Paolo Bordogna, Mirco Palazzi, v.l.n.r.<\/p>\n<p>Bild 3) Pavel Kolgatin (Ermanno), Teresia Iervolino (Ernestina), Davide Luciano (Buralicchio), v.l.n.r.<\/p>\n<p>Bild 4) Salome Jicia (Semiramide), Verduhi Abrahamyan (Arsace)<\/p>\n<p>Bild 5) Antonino Siragusa (Idreno), im Bildhintergrund, Carlo Cigni (Oroe), zweiter von li<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gala-Abend am 22 August 2019 Das klug zusammengestellte Programm bringt im ersten Teil die fr\u00fcheren Opern von Maestro Rossini: die Sinfonie Il Barbiere di Siviglia und aus der gleichen Oper Arien des Bartolo und des Grafen, danach ein Duett Melbea-Conte<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7887\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7892,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134],"tags":[],"class_list":["post-7887","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7887","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7887"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7887\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7905,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7887\/revisions\/7905"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7892"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}