{"id":7878,"date":"2019-05-14T15:06:02","date_gmt":"2019-05-14T14:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7878"},"modified":"2019-07-30T15:08:50","modified_gmt":"2019-07-30T14:08:50","slug":"lohengrin-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7878","title":{"rendered":"Lohengrin &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Libretto: R. Wagner, UA: 28. August 1850 Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: David Hermann, B\u00fchne: Jo Schramm, Kost\u00fcme: Katharina Tasch<\/p>\n<p>Dirigent: Joana Mallwitz, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor und Extrachor des Staatstheater N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Karl-Heinz Lehner (K\u00f6nig Heinrich), Eric Laporte (Lohengrin), Emily Newton (Elsa), Sangmin Lee (Telramund), Martina Dike (Ortrud), Daeho Kim (Heerrufer), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Mai 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Parsifal w\u00e4hlt aus den Gralsrittern seinen Sohn Lohengrin aus, um ihn nach Brabant zu senden. Die Brabanter\u00a0 unter der F\u00fchrung von Telramund h\u00e4ngen dem alten Glauben an Wotan an, w\u00e4hrend die christlichen Kreuzritter unter K\u00f6nig Heinrich um Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Feldzug gegen die Ungarn bitten. Um die christliche Elsa wieder einzusetzen, kommt es zum Gotteskampf, der von Wotan gestenreich unterst\u00fctzt und von Parsifal entschieden wird. Ortrud sammelt die von den Brabantern weggeworfenen Glaubenszeichen sowie die Raben Wotans ein und erh\u00e4lt wieder Zugang nach Brabant. W\u00e4hrend des Einzugs ins Brautgemach, feiert Wotan eine Orgie, w\u00e4hrend Parsifal Lohengrin ermuntert zur Sache zu kommen, der aber scheitert. Als Ortrud die Frage nach dem Nachfolger Gottfried stellt, erweckt Parsifal Telramund wieder zum Leben, der die Christen aus Brabant ausweist.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N\u00fcrnberg-Lohengrin.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7879\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N\u00fcrnberg-Lohengrin.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"423\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N\u00fcrnberg-Lohengrin.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/N\u00fcrnberg-Lohengrin-300x195.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan; er besiegt Telramund. Dieser Fremde will Elsa heiraten, aber sie darf nie nach seinem Namen und Herkunft fragen. Ortrud und Telramund bezichtigen den Fremden der Zauberei. Im Brautgemach bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die Fragen. Telramund dringt in Brautgemach ein, doch er stirbt im Zweikampf. Nun mu\u00df Lohengrin Namen und Herkunft offenbaren. Ortrud triumphiert, aber Lohengrin erwirkt die R\u00fcckkehr Gottfrieds.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Pr\u00e4gnantes Bauteil dieser Produktion sind 600 wei\u00dfe St\u00e4be, so hoch wie das Portal, die durch ein geschicktes H\u00e4nge-System im Schn\u00fcrboden, fast frei gruppierbar, verschiebbar sind. Computergesteuert wird die Fahrgeschwindigkeit mit Pausen so minimiert, da\u00df die Stangen nicht ins Pendeln kommen und gegeneinander schlagen. Durch den Verfahrweg und die st\u00e4ndig neuen Positionen k\u00f6nnen Menschengruppen voneinander getrennt, abgegrenzt oder neu positioniert werden. Beleuchtet wirken sie wie eine Weiterentwicklung der Lichtdome der Reichsparteitage von Albert Speer. Die Wirkung pa\u00dft zu einer szenischen Umsetzung, die an die zeitlosen Fantasieverfilmungen unserer Tage ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Die Gralsrittern sind rot ger\u00fcsteten, die Brabanter erscheinen mit Fellen, Hornhelmen und Speeren. Die christlichen Kreuzritter erscheinen in bunter Kleidung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Sehr erfreulich ist die deutliche Aussprache, die sich alle Solisten zueigen gemacht haben. Besonders <strong>Eric Laporte<\/strong>, der erstmals in N\u00fcrnberg als Lohengrin in Erscheinung tritt. Er \u00fcberzeugt mit seinem lyrischen baritonal fundierten Tenor, sicherer H\u00f6he und meistert die anspruchsvollen Passagen der <em>Gralserz\u00e4hlung<\/em>. Die geforderte <em>unendliche<\/em> Melodie und die entsprechende Klangbildung h\u00f6rt sich bei ihm weich, einfach und schwerelos an.<\/p>\n<p>Leider kann <strong>Emily Newton <\/strong>als Elsa hier nicht mithalten. Ihr fehlt die jugendlich klare Stimme, sie ist zu durchschlagsstark und neigt zu unsch\u00f6nen Sch\u00e4rfen. Hinzu kommt das Premierenfieber, ein Texth\u00e4nger steht zu Buche, aber sicherlich wird sie sich in die Rolle mit der Zeit besser einarbeiten. <strong>Sangmin Lee <\/strong>kann in punkto Durchschlagskraft dagegen problemlos mithalten. Sein tief fundierter Telramund klingt immer b\u00f6se und kraftvoll, problemlos die H\u00f6he und die Tiefe. <em>So zieht das Unheil in dies Haus<\/em> wird zu einem durchdringenden Menetekel. <strong>Karl-Heinz Lehner <\/strong>f\u00e4llt als K\u00f6nig Heinrich dagegen ab. Zu verhalten klingt die weiche Stimme.<\/p>\n<p><strong>Martina Dike <\/strong>gibt der Ortrud keinen rauhen hexenhaften Zug, sondern singt technisch sauber aus. <strong>Daeho Kim <\/strong>aus dem Opernstudio zeigt als Heerrufer vollt\u00f6nende Rufe und l\u00e4\u00dft auf eine Zukunft in N\u00fcrnberg hoffen. Ein wichtiger Qualit\u00e4tstr\u00e4ger ist der st\u00e4ndig pr\u00e4sente <strong>Chor<\/strong> und <strong>Extrachor<\/strong> des Staatstheaters N\u00fcrnberg \u2013 er ist meist optimal positioniert, manchmal statisch, manchmal in Bewegung, optimal f\u00fcr den dicht gewebten Klangteppich aus Chor, Solisten und Staatsphilharmonie.<\/p>\n<p>Hilfreich sind die etwas sehr breiten Tempi, die <strong>Joana Mallwitz<\/strong> anschl\u00e4gt. Jedoch kann so in den forte vorzutragenden Ch\u00f6ren wie <em>Ruhm Deiner Fahrt<\/em> nicht ihre monumental pathetische Wucht entfalten. Es ergibt sich ein stets auf Ausgleich zwischen Orchester und Gesangsstimmen ausgerichtetes Dirigat \u2013 wie zum Beispiel die harmonischen Klangwolken beim <em>Zug zum M\u00fcnster<\/em>, die unerh\u00f6rten dynamischen Steigerungen bis hin zur Ekstase beim <em>In Fr\u00fchn versammelt uns der Ruf<\/em> im zweiten Akt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Weniger w\u00e4re mehr gewesen: die Optik des B\u00fchnenbilds im Stil von <em>Game of Thrones<\/em>, <em>Herr der Ringe<\/em> oder der <em>Superhelden Hollywoods<\/em> erm\u00f6glicht es, wieder geh\u00f6rnte Helme, R\u00fcstungen, Kettenhemden, Speere oder Messer zu zeigen. Da\u00df Parsifal und Wotan als stumme Rollen die Figuren des Lohengrin und Ortrud quasi anleiten, geht noch in Ordnung. Jedoch geht es viel zu weit, ein Trinkgelage Wotans mit den Walk\u00fcren statt des Einzugs ins Brautgemach zu zeigen oder da\u00df Parsifal am Ende Telramund wieder zum Leben erweckt und er statt Gottfried die Macht \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Musikalisch ist neben dem Licht und Schatten in der S\u00e4ngerriege die erfrischende Sicht der neuen <strong>GMD Joana Malwitz<\/strong> auf das Orchester sehr wichtig. Im Gegensatz zu ihren Vorg\u00e4ngern gelingt es ihr, dem Orchester Pianostellen abzutrotzen, die es den Solisten erm\u00f6glichen, sich auch mit leiseren T\u00f6nen in den Vordergrund zu spielen. Hysterischer Beifall f\u00fcr die musikalische Seite, durchwachsener Beifall f\u00fcr die Regie. Entt\u00e4uschte Abonnenten sind schon in den Pausen gegangen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Bettina St\u00f6\u00df<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Eric Laporte (Lohengrin), Karl-Heinz Lehner (Heinrich der Vogler), Emily Newton(Elsa von Brabant)und Ensemble, (v.li.n.re.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Libretto: R. Wagner, UA: 28. 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