{"id":7867,"date":"2019-07-26T12:29:26","date_gmt":"2019-07-26T11:29:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7867"},"modified":"2019-07-26T12:31:43","modified_gmt":"2019-07-26T11:31:43","slug":"rossini-festival-in-bad-wildbad-2019-kurtheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7867","title":{"rendered":"Rossini Festival in Bad Wildbad 2019, Kurtheater"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Tancredi<\/em><\/strong><\/p>\n<blockquote><p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Oper in zwei Akten Libretto: Gaetano Rossi nach <em>Tancr\u00e8de<\/em> von Voltaire, UA: 6. Februar 1813 Venedig, Teatro La Fenice, gespielte Fassung vom 21. M\u00e4rz 1813 Ferrara, Teatro Comunale<\/p>\n<p>Regie: Jochen Sch\u00f6nleber, B\u00fchne: Dragan Denga, Ivana Vukovic, Kost\u00fcme: Martin Warth, Licht: Oliver Porst<\/p>\n<p>Dirigent: Antonino Fogliani, Orchester: Passionart Orchestra Krakow, Chor: G\u00f3recki Chamber Choir<\/p>\n<p>Solisten: Diana Haller (Tancredi), Elisa Balbo (Amenaide), Patrick Kabongo (Argirio), Ugo Guagliardo (Orbazzano), Diletta Scandiuzzi (Isaura), Claire Gascoin (Roggiero)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Juli 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Festival existiert seit 1989 im Schwarzw\u00e4lder Kurort Bad Wildbad, wo sich Rossini seinerzeit einmal zur Kur aufhielt. Jedes Jahr finden Opern und Konzerte an verschiedenen Orten statt wie dem Kurtheater, der Trinkhalle oder dem K\u00f6nig-Karls-Bad. Das Opernhaus liegt idyllisch direkt am Kurpark zwischen B\u00e4umen und dem Flu\u00df Enz. Das Geb\u00e4ude stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde vor einiger Zeit wieder f\u00fcr den Kulturbetrieb instand gesetzt.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bad-wildbad-tancredi.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7868\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bad-wildbad-tancredi.png\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bad-wildbad-tancredi.png 648w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bad-wildbad-tancredi-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt im Syrakus um das Jahr 1005. Die Stadt wird von au\u00dfen durch die Sarazenen bedroht, im Innern herrscht B\u00fcrgerkrieg. Die Edelm\u00e4nner Argirio und Orbazzano k\u00e4mpfen um die milit\u00e4rische Vorherrschaft und haben sich verfeindet. Dazu kommt der jugendliche Ritter Tancredi, der sich in Argirios Tochter Amenaide verliebt hat, aber nach Byzanz verbannt wurde. Um den inneren Frieden zu sichern beschlie\u00dft Argirio, seine Tochter an Orbazzano zu verheiraten. Heimlich bittet Amenaide ihren Geliebten Tancredi in einem Brief um Hilfe. Dieser ist aber bereits inkognito am Hof Argirios in Syrakus, fordert Orbazzano im Duell heraus und siegt. Kurz sp\u00e4ter zieht er in die Schlacht gegen die Sarazenen und kehrt schwer verwundet zur\u00fcck. Er stirbt in den Armen seiner Geliebten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorhang ist bereits zu Beginn der Ouvert\u00fcre ge\u00f6ffnet. Hier werden die Ausgangssituation und der vorherrschende Konflikt pantomimisch dargestellt. Der B\u00fchnenraum ist in dunklen Farben gehalten, Beleuchtung wird sp\u00e4rlich eingesetzt und die Requisiten werden ebenfalls auf ein Minimum reduziert. So sieht man z.B. die Soldaten zu Beginn des Ersten Akts beim Trinkgelage am Tisch. Infolge dessen reduziert sich das Geschehen auf die Interaktion der S\u00e4nger, die nahezu ausschlie\u00dflich durch ihren k\u00f6rperlichen Ausdruck interagieren. Im Hintergrund erkennt man noch ein Gef\u00e4ngnisgitter, das sich wechselweise \u00f6ffnet und schlie\u00dft. Die Kost\u00fcme sind modern gehalten, und auch hier dominieren dunkle Farbt\u00f6ne. Argirio tritt auf einen Stock gest\u00fctzt auf, Isaura z\u00fcckt einige Male eine Pistole, z\u00f6gert jedoch immer wieder den Abzug zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Den S\u00e4ngern wird in dieser Produktion sehr viel Freiheit gelassen. Dies wirkt sich h\u00f6rbar musikalisch aus. Der erste Soloauftritt geh\u00f6rt <strong>Diletta Scandiuzzi<\/strong> als Isaura. Ihr warmt\u00f6nender, tiefer Mezzosopran ist kr\u00e4ftig und farbenreich. Sie er\u00f6ffnet die Szene des Ersten Aktes mit <em>Sia tra voi concordia eguale delle insegne al bel candore \u2013 Zwischen euch soll Eintracht herrschen<\/em>. Einen ebenso gro\u00dfen Auftritt hat <strong>Diana Haller<\/strong> als Tancredi mit <em>Oh patria \u2013 Oh Vaterland<\/em> in der f\u00fcnften Szene. Ein weit ausladendes <em>messa di voce<\/em> l\u00e4\u00dft das volle Timbre ihres Mezzosopran zur Geltung kommen und spannt musikalisch den Bogen zum <em>morendo<\/em> der Sterbeszene am Ende der Oper.<\/p>\n<p>Ein eindrucksvoller Orbazzano ist <strong>Ugo Guagliardo<\/strong> mit einem massiven, sonoren Ba\u00df. Sein Volumen ist raumf\u00fcllend, seine Artikulation mehr als pr\u00e4zise. Ihm zur Seite steht der Tenor <strong>Patrick Kabongo<\/strong> als Argirio. Dieser zieht alle Belcanto-Register und rei\u00dft das Publikum u.a. mit seiner Arie <em>Pensa che sei mia figlia \u2013 Bedenke, da\u00df du meine Tochter bist <\/em>zu Applausst\u00fcrmen hin. <strong>Elisa Balbo<\/strong> (Amenaide) ist ein schillernder Sopran, der in klaren Linien eine klar konturierte Partie singt. Einer der dramatischen H\u00f6hepunkte ist das Duett Amenaide \u2013 Tancredi <em>L&#8217;aura che intorno spiri \u2013 Oh Luft, die um mich weht<\/em>, wo beide S\u00e4ngerinnen zur H\u00f6chstform auflaufen. Auch die kleine Partie des Roggiero ist mit Claire Gascoin gut besetzt. Zwar dominieren hier Rezitativpartien und im Zweiten Akt ist nur eine Arie zu singen <em>Torni alfin ridente e bella Kehre lachend und sch\u00f6n zur\u00fcck<\/em> \u2013 doch auch hier \u00fcberzeugen stimmliche Souver\u00e4nit\u00e4t und Klarheit der Artikulation.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend ist das Engagement der <strong>Passionart Orchestra Krakau<\/strong>, einem jungen polnischen Ensemble, das der Rossinipartitur allerhand Klangfarben und schwungvolle Rhythmen entlockt. Unter der Leitung von <strong>Antonino Fogliani<\/strong> entsteht so ein packendes Opernerlebnis, bei dem sich S\u00e4nger und Orchester gegenseitig die B\u00e4lle zuwerfen. Auch der <strong>Opernchor<\/strong> verdient Erw\u00e4hnung: er besteht aus rund zehn M\u00e4nnern in jugendlichem Alter, die ihre Soldatenpartien mit aller nur erdenklicher Mannhaftigkeit in den Saal schmettern.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dieser <em>Tancredi<\/em> ist ein durchaus interessanter gelungener Operncoup. Die Inszenierung von <strong>Jochen Sch\u00f6nleber<\/strong> ist sehr zur\u00fcckhaltend und l\u00e4\u00dft den S\u00e4ngern alle M\u00f6glichkeiten zur k\u00fcnstlerischen Entwicklung. Im Gegensatz zu Auftritten an Repertoiretheatern ersticken diese nicht in Regieideen und Verfremdung. Die dunklen Farben auf der B\u00fchne widersprechen zwar an vielen Stellen der Grundstimmung der Oper, lenken aber den Blick nicht sonderlich vom Geschehen ab und erzeugen eine gewisse Distanz.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Patrick Pfeiffer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elisa Balbo (Amenaide) (Mitte), Patrick Kabongo (Argirio), Diletta Scandiuzzi (Isaura), Diana Haller (Tancredi) (ganz re.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tancredi von Gioacchino Rossini (1792-1868), Oper in zwei Akten Libretto: Gaetano Rossi nach Tancr\u00e8de von Voltaire, UA: 6. Februar 1813 Venedig, Teatro La Fenice, gespielte Fassung vom 21. 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