{"id":7856,"date":"2019-07-02T18:38:27","date_gmt":"2019-07-02T17:38:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7856"},"modified":"2019-07-16T18:43:23","modified_gmt":"2019-07-16T17:43:23","slug":"die-hugenotten-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7856","title":{"rendered":"Die Hugenotten &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, Gaetano Rossi und Emile Deschamps, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. Februar 1836 Paris, Op\u00e9ra, Salle de la rue Le Peletier<\/p>\n<p>Regie: Peter Konwitschny, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Johannes Leiacker<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, S\u00e4chsische Staatskapelle und Staatsopernchor, Knaben des Kinderchors, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/p>\n<p>Solisten: Sabine Brohm (Catherine de Medicis), Venera Gimadieva (Marguerite de Valois), Jennifer Rowley (Valentine von Saint-Bris), Stepanka Pucalkova (Urbain, Page), Tilmann R\u00f6nnebeck (Graf von Saint-Bris), Christoph Pohl (Graf von Nevers, Verlobter von Valentine), John Osborn (Raoul de Nangis), John Relyea (Marcel) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Juni 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Dresden_Hugenotten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7857 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Dresden_Hugenotten.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Dresden_Hugenotten.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Dresden_Hugenotten-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Graf von Nevers feiert auf seinem Schlo\u00df den Vorabend seiner Hochzeit mit Valentine, wozu er den Hugenotten Raoul de Nangis eingeladen hat. W\u00e4hrend des Fests erh\u00e4lt Raoul einen Brief. Er stammt von Marguerite der Valois, deren Ziel es ist, Raoul mit Valentine de Saint-Bris zu verloben \u2013 in der Absicht \u2013 einen Hugenotten mit einer einflu\u00dfreichen katholischen Familie zu verbinden, um die religi\u00f6se Zwietracht zu entsch\u00e4rfen. Doch Raoul lehnt die Verlobung ab, da er Valentine (sie hat noch w\u00e4hrend des Festes ihre Verlobung mit Nevers gel\u00f6st) f\u00fcr eine vermeintliche Geliebte von Nevers h\u00e4lt. Dar\u00fcber ist Graf von Saint-Bris, Valentines Vater, so erbost, da\u00df er die Beleidigung durch ein Duell mit Raoul s\u00fchnen will. Unterdessen werden alle vom K\u00f6nig nach Paris gerufen. Dorthin eilen auch Raoul und sein Diener Marcel. Doch der Religionsstreit der Hugenotten und Katholiken entl\u00e4dt sich in einer Katastrophe: die Katholiken \u00fcberfallen die Hugenotten im Schlaf und t\u00f6ten alle, auch Marcel, Raoul und Valentine.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung auf der B\u00fchne ist eigentlich auf den Auf- und Abbau gro\u00dfer Menschenansammlungen reduziert und findet die ersten vier Akte in einem Schlo\u00dfsaal des 16. Jahrhunderts mit Bogenfenstern statt. Durch die Fenster kann man einen Blick auf eine Landschaft erhaschen, die wohl die Touraine darstellen soll, deren Wein man auf der Feier des Grafen Nevers zuspricht. In diesem Raum kommen die Katholiken zusammen: Die Herren im roten Wams mit Halskrause oder im rotem Kleid die Damen. Die Hugenotten dagegen tragen Schwarz \u2013 um zu feiern oder mit dem Schwert in der Hand zu streiten. Raoul besucht hier die K\u00f6nigin im Frauenbad. Die Damen haben sich in Handt\u00fccher gewickelt, die Wanne ist aber trocken. Die neue Figur der Catherine de\u2018 Medici scheint eine Mischung aus Angela Merkel und betrunkener Queen Mum zu sein. Zu den Aktschl\u00fcssen formiert sich die Gesellschaft zum Heiligen Abendmahl (Da Vincis bekanntes Bild sieht man raumf\u00fcllend auf dem Zwischenvorhang) \u2013 und bricht dazu das Baguette. Der Kinderchor gesellt sich als Me\u00dfdiener dazu. Im f\u00fcnften Akt verschwindet der Schlo\u00dfsaal, die Ermordung der Hugenotten findet in offener Landschaft mit Pistolenschu\u00df und Maschinengewehreinsatz statt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine wahre Luxusbesetzung ist <strong>John Osborn <\/strong>als Raoul de Nangis. Mehrfach klettert er im franz\u00f6sischen Tenor mit halsbrecherischen, aber sicher gemeisterten Wechseln zwischen Kopf- und Bruststimme bis zum hohen \u201eDes\u201c, entfacht damit wahre Begeisterungsst\u00fcrme \u2013 und braucht nicht mit den Kr\u00e4ften haushalten, da die Arien gek\u00fcrzt sind. <strong>Jennifer Rowley <\/strong>ist eine begehrenswerte Valentine. Ihr jugendlich dynamischer, aber doch durchschlagskr\u00e4ftiger Sopran zeigt enorm Ausdruckskraft. Doch ihr fehlt eine gewisse jugendliche Leichtigkeit, sie neigt zu engen Spitzent\u00f6nen, die Sch\u00e4rfe nimmt zu. Sie demonstriert, wie man Koloraturen mit technisch sauberen intonationssicheren H\u00f6hen zur Darstellung bringt. Das bekannte Liebesduett <em>Tu l\u2019as dit! Oui, tu m\u2019aimes \u2013 Du hast ja gesagt, da\u00df du mich liebst<\/em> wird zum umjubelten Beweis, da\u00df sich hier (mit Osborn) ein Liebespaar gefunden hat.<\/p>\n<p><strong>Venera Gimadieva <\/strong>als Marguerite ist die Grande Dame und geht als schwerer Koloratursopran durch. Ihr vertr\u00e4umter Sopran verf\u00fcgt \u00fcber eine warme und lyrische Stimme, auch in den H\u00f6hen. <strong>John Relyea <\/strong>ist ein durchschlagsstarker und sehr gutturaler Ba\u00df mit absoluter Tiefe. Die Gestaltung des Kammerdieners Marcel erregt auch stimmlich als Hardliner gewaltige Aufmerksamkeit. <strong>Stepanka \u00a0Pucalkova <\/strong>hat die passende clowneske Stimme f\u00fcr den dienstbaren Geist Urbain. Die Luxus-Soubrette spielt sich dankbar in den Vordergrund. Ebenso mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit bedacht wird <strong>Christoph Pohl<\/strong> als Graf von Nevers. Dieser ausdrucksstarke und facettenreiche Spielbariton gibt seinem Mitleid mit den Hugenotten die dramatische Tiefe. <strong>Tilmann R\u00f6nnebeck <\/strong>verf\u00fcgt \u00fcber die richtige, in der Tiefe sicher aufgestellte, markige Ba\u00dfstimme, um Grafvon Saint-Bris den abgrundtiefen Charakter zu verleihen. <strong>Sabine Brohm<\/strong> in der \u201eneuen Rezitativrolle\u201c der Catherine de\u2018 Medici z\u00e4hlt zu dem Urgestein der Semperoper.<\/p>\n<p>Den hohen Anspr\u00fcchen dieser Oper an den Chor, an die allgegenw\u00e4rtige \u201eStimme des Volkes\u201c, wird der S\u00e4chsische <strong>Staatsopernchor<\/strong> mehr als gerecht. Die gro\u00dfen Chorszenen wirken lebendig und entsprechend entfaltet sich die gro\u00dfe Wirkung dieser Grand Opera. Auch der Kinderchor integriert sich als Me\u00dfdiener in einem Aktschlu\u00df einwandfrei als solider heller Klangk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Die Anforderungen Meyerbeers in diesen gro\u00dfen Tableaus mitzuspielen sind sehr hoch, und es gelingt <strong>Stefan Soltesz <\/strong>nicht so recht, das Orchester, Chor und S\u00e4nger zu einer Meyerbeer w\u00fcrdigen Einheit\u00a0 zu verschmelzen. Eins\u00e4tze kommen h\u00e4ufig asynchron, Tempo\u00e4nderungen werden nur zeitversetzt \u00fcbernommen, es klappert h\u00e4ufiger im Zusammenspiel der Klangk\u00f6rper. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Dirigent und musikalischem Ensemble wirkt angespannt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich mu\u00df man froh sein \u00fcber jeden Versuch, die Werke Meyerbeers oder einer <em>Grand Opera<\/em> aufzuf\u00fchren. Zun\u00e4chst macht der Versuch im Stile eines franz\u00f6sisch-italienischen Sandalen-Farbfilms die gro\u00dfen Tableaus auf die B\u00fchne zu bringen, szenisch und musikalisch stimmigen Sinn. Jedoch erregen die massiven Eingriffe in Handlung und musikalische Fassung im Laufe des Abends den Zorn aller Beteiligten. Anfangs bringt zwar die Eingliederung der im Autographen gestrichenen Auftritte der Valentine mit dem Liebesbekenntnis zu Raoul im ersten Akt und der Auftritt der sonst im Werk nur zitierten Kriegstreiberin Catherine de\u2018 Medici im vierten Akt zwar keine musikalischen Bravourarien hervor, aber die Handlung wird verst\u00e4ndlicher.<\/p>\n<p>Danach nehmen die Eingriffe zu, sp\u00e4testens die Umwandlung des letzten Aktes in eine aktuelle Ermordung von Minderheiten (Holocaust?) mit neuzeitlichen Feuerwaffen sowie die massive K\u00fcrzung von Arien und die Umstellung von ganzen musikalischen Nummern verhindern eine musikalische Ausgewogenheit des St\u00fcckes. Die Wandlung des Marcel vom Hardliner zum mitf\u00fchlenden Menschen entf\u00e4llt. Ganz besonders fehlt die Stretta am Ende: das Terzett von Valentine, Raoul und Marcel, das man gerne geh\u00f6rt h\u00e4tte! Stattdessen spielt am Ende eine Ba\u00dfklarinette das Thema der Hochzeit zwischen Raoul und Valentine als Solo. Warum nur? Die Frage kann Peter Konwitschny nicht szenisch beantworten, so mu\u00df man sie an Stefan Soltesz weiterreichen, der diese Strichfassung abgenickt hat und h\u00f6rbar gro\u00dfe Probleme hat, diese an Solisten, Chor und Staatskapelle zu vermitteln.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne stehen bei den gro\u00dfen Tableaus Meyerbeers gef\u00fchlt mehr als hundert Personen \u2013 aber die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen dem Orchestergraben sowie der B\u00fchne hakt mehrfach deutlich: Offensichtlich hat auch die Staatskapelle Probleme mit der neuen Reihenfolge. Das Publikum reagiert entsprechend: begeisterter Applaus f\u00fcr Solisten, Chor und Orchester, deutliche Kritik an der Umsetzung.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Venera Gimadieva (Marguerite de Valois) mit dem Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, Gaetano Rossi und Emile Deschamps, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. 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