{"id":7852,"date":"2019-06-23T14:16:22","date_gmt":"2019-06-23T13:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7852"},"modified":"2019-06-28T14:19:36","modified_gmt":"2019-06-28T13:19:36","slug":"madame-favart-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7852","title":{"rendered":"Madame Favart  &#8211; Paris, Op\u00e9ra-Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-comique in drei Akten, Libretto von Alfred Duru und Hanri Chivot, UA: 28. Dezember 1878 Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Folies-Dramatiques<\/p>\n<p>Dirigent: Laurent Campellone, Orchestre de Chambre de Paris, Ma\u00eetrise Populaire der Op\u00e9ra Comique, Chor der Op\u00e9ra von\u00a0 Limoges, Choreinstudierung: Marine Thoreau La Salle<\/p>\n<p>Regie: Anne Kessler, Mitglied der Com\u00e9die Fran\u00e7aise, B\u00fchne: Andrew D. Edwards, Kost\u00fcme: Bernadette Villard, Licht: Arnaud Jung Choreographie: Glyslein Lefever<\/p>\n<p>Solisten: Marion Leb\u00e8gue (Madame Favart), Christian Helmer (Charles-Simon Favart), Anne-Catherine Gillet (Suzanne), Fran\u00e7ois Rougier (Hector de Boispr\u00e9au), Franck Legu\u00e9rinel, (Major Cotignac), \u00c9ric Huchet (Marquis de Pontsabl\u00e9), Lionel Peintre (Biscotin), Rapha\u00ebl Br\u00e9mard (Sergent Larose)<\/p>\n<p>Koproduktion Bru Zane (Venedig), Op\u00e9ra de Limoges, Th\u00e9\u00e2tre de Caen<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. Juni 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung, die in Frankreich um die Mitte des 18. Jahrhunderts spielt, beruht im Kern auf einer wahren Begebenheit. Die Titelfigur, Marie-Justine Favart, war zu ihrer Zeit eine der bekanntesten B\u00fchnendarstellerinnen in Paris. Als Schauspielerin, Schriftstellerin, Komponistin und T\u00e4nzerin arbeitete sie mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Charles-Simon Favart zusammen, der ein erfolgreicher Opern- und Kom\u00f6diendichter war. Mit Mar\u00e9chal de Saxe ist Hermann Moritz von Sachsen gemeint. Er war ein illegitimer Sohn von August dem Starken und Maria Aurora von K\u00f6nigsmarck.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck basiert auf Verkleidung, Theater und Rollentausch. Offenbach hat mit diesem sehr selten aufgef\u00fchrten St\u00fcck etwas in die Welt gesetzt, das f\u00fcr ihn unverkennbar ist. Es beinhaltet schwungvolle Musik, die einen Text einkleidet, der ziemlich alles auf den Kopf stellt. Inversion ist ihm Prinzip. Was in staatlich geregeltem Alltag fest und sicher hochgehalten wird, rutscht hier in sich zusammen und was im Alltag kurz und klein gehalten wird, macht sich hier stark. Seine Musik ger\u00e4t unter dem Ansturm w\u00fcster Cancans, Mazurken, Polkas und Tyroliennes \u00f6fters aus dem Takt. Rausch herrscht und Verbr\u00fcderung, ungebremste Liebes-, Trunk, Tanz und Augenlust (z.T. nach Volker Klotz).<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-OC-Madame-Favart1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7853\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-OC-Madame-Favart1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-OC-Madame-Favart1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-OC-Madame-Favart1-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Marschall von Sachsen stellt der S\u00e4ngerin Justine Favart nach und steckt sie in ein Kloster, w\u00e4hrend ihr Mann in einem Gasthof Unterschlupf findet. Sie kann aus dem Kloster fliehen und findet ihren Mann in einem Gasthaus beim Gastwirt Biscotin. Dort lernt sie eine junge Frau mit Namen Susanne kennen, die ihr Vater, Major Cotignac, verheiraten will. Gleichzeitig will Major Cotignac beim Gouverneur Marquis de Pontsabl\u00e9 erreichen, da\u00df dieser dem erw\u00e4hlten Schwiegersohn die Stelle eines Polizeileutnants verschafft. Doch um diesen Posten bewirbt sich auch Hector de Boispr\u00e9au, f\u00fcr den Suzannes Herz entbrannt ist.<\/p>\n<p>Um Suzanne zu helfen, tauscht Justine mit ihr ihre Kleider. Als gewandte Schauspielerin ist es ihr ein leichtes, dem Gouverneur, ein Sch\u00fcrzenj\u00e4ger, den Kopf zu verdrehen, indem sie sich ihm als Frau Boispr\u00e9au vorstellt. So erreicht sie, da\u00df der Marquis ihrem \u201eMann\u201c die Stelle eines Polizeileutnants gibt. Nun kann Hector de Boispr\u00e9au Suzanne heiraten.<\/p>\n<p>In ihrer neuen Wohnung in Douai findet auch das Ehepaar Favart Unterschlupf. Aber pl\u00f6tzlich erscheint auf der Suche nach den Favarts bei den Boispr\u00e9au Marquis de Pontsabl\u00e9. Jetzt bleibt Justine nichts anderes \u00fcblich, als weiter die verheiratete Suzanne zu spielen. Hinzu kommt noch, da\u00df eine Comtesse de Montgriffon erwartet wird, der die gesuchte Mme Favart entlarven kann. Da\u00df Mme Favart nun maskiert als eben diese Comtesse erscheint und ihn t\u00e4uschen kann, hilft nicht weiter, denn auch die echte erscheint und verr\u00e4t, die Gesuchte verberge sich in der Rolle einer Dienerin.<\/p>\n<p>Marquis de Pontsabl\u00e9 hat danach nichts Eiligeres zu tun als die Favarts ins Feldlager des Marschalls von Sachsen bringen lassen. Aber er untersch\u00e4tzt die Pfiffigkeit Justines. Diese wei\u00df sich bei dem auf Besuch weilenden K\u00f6nig, der sich auch ihre Vorstellung ansieht, eine Audienz zu verschaffen. Dabei erreicht sie, da\u00df der K\u00f6nig ihr neben Geschenke f\u00fcr ihre B\u00fchnendarstellung die Freilassung zusammen mit ihrem Manne gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die ganze B\u00fchne wird eingenommen von einem Modeatelier. An der B\u00fchnenhinterwand finden sich f\u00fcnf \u00fcbereinander angeordnete Regale mit unbekleideten Modepuppen von halber K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, an den Seiten sind ebener Erde und auf zwei Etagen N\u00e4hstuben eingerichtet. Die Mitte nimmt ein gro\u00dfer Zuschneidetisch ein. Viele Besch\u00e4ftigte sieht man bei ihrer Arbeit. Der Patron Biscotin wieselt durch das Heer der Arbeitenden und ordnet hier an, dort stellt er jemand zur Rede. Er ist in einem braunen eleganten Anzug gekleidet. Die Angestellten tragen wei\u00dfe Arbeitskittel. Mme Favart hat zu Beginn ein dunkles Kleid mit heller blauer Sch\u00fcrz an. Je nach ihrem Arbeitseinsatz wechseln die Sch\u00fcrzen. Sp\u00e4ter kommt sie in verschiedenen Kleidungen auf die Szene. Am aufwendigsten ist ihr Kost\u00fcm als Mme Montgriffon. Suzanne erscheint meist in einem roten Kleid. Ihr Vater ist in eine blaue Soldatenuniform vom Anfang des 20. Jahrhunderts gekleidet. Monsieur Favart tr\u00e4gt meist ein wei\u00dfes Hemd, H\u00e4ngejacke, graue Hose, die in hohen Schaftstiefeln steckt. Auf dem Kopf findet sich eine Schl\u00e4germ\u00fctze. Hector de Boispr\u00e9au kommt in grauem Anzug daher. Schlie\u00dflich stellt sich Marquis de Pontsabl\u00e9 als ein vornehm gekleideter Mann mit neuester, vornehmer Mode von der Wende zum 20. Jahrhunderts vor. Seine h\u00fcnenhafte Gestalt macht Wirkung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Spritzig beginnt die Ouvert\u00fcre, an manchen Stellen taucht Cancan, dann taucht ein lyrischer Walzer usw. auf. <strong>Laurent Campellone<\/strong> hat alles in festem Griff, nichts l\u00e4\u00dft er unbeachtet. <strong>Marion Leb\u00e8gue<\/strong> (Madame Favart) tr\u00e4gt mit bl\u00fchendem Sopran und Verve das bekannte Couplet <em>Ma m\u00e8re aux vignes aux vignes m\u2019envoyez \u2013 meine Mutter schickt mich in die Weinberge<\/em>, wobei sie die Spitzent\u00f6ne aufleuchten l\u00e4\u00dft. Damit gewann sie sofort die Herzen der Zuschauer, denn in ihrer schauspielerischen Darstellung ist sie elegant und \u00fcberzeugend, besonders in den verschiedenen Verkleidungsszenen als Frau de Boispr\u00e9au wie auch als Comtesse de Montgriffon.<\/p>\n<p><strong>Anne-Catherine Gillet<\/strong> (Suzanne) ist allerdings vom stimmliche betrachtet ein wenig mitrei\u00dfender, vor allem in der Prononciation (Wortverst\u00e4ndlichkeit). Mit gro\u00dfer Herzlichkeit gestaltet sie <em>o mon papa, je t\u2019en supplie \u00e0 deux genoux. Il faut que vite on nous marie &#8211; mein Vater, ich flehe dich auf beiden Knien an. Man mu\u00df uns schnell verheiraten. <\/em><\/p>\n<p>Doch keineswegs sind die M\u00e4nner in Gesang und Aktionen den Frauen nachstehend. Insgesamt bot man eine gute Ensembleleistung. Hervorzuheben ist dabei und was regelrecht ins Auge f\u00e4llt ist die perfekte schauspielerische Darstellung. Sie resultiert aus der hervorragenden Personenf\u00fchrung der Regisseurin <strong>Anne Kessler<\/strong>, einem Mitglied der Com\u00e9die Fran\u00e7aise. Es geht ja in einer Operette viele mehr nach der Darstellung als nach dem Singen, obwohl das nat\u00fcrlich nicht das Niveau unterschreiten darf. Aber die Leichtigkeit, die Eleganz und Flexibilit\u00e4t der B\u00fchnenhandlung ist stets ausschlaggebend. So wurde diese Offenbachkom\u00f6die wenig hier nachgespielt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein mit leichter Hand servierter Offenbach, den \u2013 wenn er l\u00e4nger aufgef\u00fchrt w\u00fcrde \u2013 einen Besuch lohnen w\u00fcrde. Etwas schade, da\u00df alles vor einem Einheitsb\u00fchnenbild sich abspielt. Da helfen auch die bunten Kost\u00fcme wenig zu Abwechslung. Das Modeatelier soll wohl den Kleidertausch unterstreichen.<\/p>\n<p>Das Publikum jedenfalls war begeistert und der Unterzeichner auch.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Stefan Brion &#8211; Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marion Leb\u00e8gue (Mme Favart, verkleidet als Comtesse de Montgriffon), Christian Helmer (Charles-Simon Favart), re. mit \u00c9ric Huchet (Marquis de Pontsabl\u00e9 h\u00e4lt einen Gehstock mit Knauf), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-comique in drei Akten, Libretto von Alfred Duru und Hanri Chivot, UA: 28. 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