{"id":7845,"date":"2019-06-22T20:54:54","date_gmt":"2019-06-22T19:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7845"},"modified":"2019-06-26T21:21:46","modified_gmt":"2019-06-26T20:21:46","slug":"don-giovanni-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7845","title":{"rendered":"Don Giovanni &#8211; Paris Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1792); Dramma giocoso in zwei Akten (1787), Libretto: Lorenzo Da Ponte, UA: 29. Oktober 1787 Prag, Gr\u00e4flich Nostitzsches Nationaltheater (heute: St\u00e4ndetheater)<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, auch am Hammerfl\u00fcgel, Orchester und Chor der Op\u00e9ra national, Paris<br \/>\nRegie: Ivo van Hove, B\u00fchne, Licht: Jan Versweyveld, Kost\u00fcme: An D\u2019Huys, Video: Christopher Ash, Dramaturgie: Jan Vandenhouwe, Choreinstudierung: Alessandro Di Stefano<\/p>\n<p>Solisten: \u00c9tienne Dupuis (Don Giovanni), Ain Anger (Der Komtur), Jacquelyn Wagner (Donna Anna), Stanislas de Berbeyrac (Don Ottavio), Nicole Car (Donna Elvira), Philippe Sly (Leporello), Mikhail Timoshenko (Masetto), Elsa Dreisig (Zerlina)<\/p>\n<p>Koproduktion mit der Metropolitan Opera, New York (Premiere 8. Juni 2019)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juni 2019<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Don Giovanni flieht vor Donna Anna, die sich an ihn klammert. Auf ihren Hilferuf erscheint ihr Vater, der Komtur und wird im Duell von Don Giovanni t\u00f6dlich verletzt. Er flieht, doch Don Ottavio, Donna Annas Verlobter, schw\u00f6rt Rache.<\/p>\n<p>Danach erz\u00e4hlt Don Giovanni Leporello von seinem neuen Schwarm, der erscheint. Gro\u00df ist Don Giovannis \u00dcberraschung, als er feststellt, da\u00df es Donna Elvira ist, seine ehemalige Geliebte aus dem spanischen Burgos. Schnell verschwindet er. Der zur\u00fcckgebliebene Leporello z\u00e4hlt Donna Elvira anhand eines Registers alle Geliebte seines Herrn auf. Sie schw\u00f6rt Don Giovanni ewige Rache.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he seines Schlosses trifft Don Giovanni auf Zerlina, die gerade mit Masetto zu ihrem Hochzeitsfest eilt. Sofort macht er auch Zerlina den Hof und l\u00e4dt zun\u00e4chst Zerlina, dann die ganze Hochzeitsgesellschaft in sein Schlo\u00df ein. Als Zerlina gerade dabei ist, seinen Schmeicheleien zu erliegen, kommt Elvira hinzu. Zerlina h\u00f6rt auf ihren Rat und flieht. Sp\u00e4ter kommt Donna Anna hinzu und erkl\u00e4rt, Don Giovanni sei der M\u00f6rder ihres Vaters, des Komturs. Don Giovanni gibt einen gro\u00dfen Maskenball, wozu auch Donna Elvira und Donna Anna mit Don Ottavio und erscheinen. Immer wieder labt sich Don Giovanni am Essen. Schlie\u00dflich sitzt er mit Leporello bei einme solchen als pl\u00f6tzlich der Komtur auf taucht. Don Giovanni z\u00f6gert nicht, ihn auch zum Gastmahl einzuladen. Aber w\u00e4hrend des Gastmahls verschlingt die Erde den \u00dcbelt\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-Pal-Garnier.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7846 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-Pal-Garnier.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-Pal-Garnier.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Paris-Pal-Garnier-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Hohe Betonh\u00e4userfronten mit Balkonen und Rundbogenfenstern f\u00fcllen die B\u00fchne. Zum Teil f\u00fchren Treppen von einem Geb\u00e4ude ins andere oder auch auf den Platz, der in der Mitte liegt. Dieser zeigt sich ohne B\u00e4ume oder anderer Anpflanzungen. Im Handlungsverlauf r\u00fccken die H\u00e4userfronten auseinander oder bilden eine undurchdringliche Mauer zum B\u00fchnenhintergrund. Auch wird der Platz in der Mitte mal gr\u00f6\u00dfer, mal kleiner. Hier spielen sich die B\u00fchnenereignisse ab. Manchmal agieren die S\u00e4nger auch vom ersten Gescho\u00df der Geb\u00e4ude von den Balustraden herab.<\/p>\n<p>Don Giovanni und sein Diener Leporello tragen schwarze Anz\u00fcge, der erstere mit Krawatte und wei\u00dfem Hemd. Donna Annas Kleid ist grau und halblang, w\u00e4hrend Donna Elviras dunkelblau ist. Don Ottavios tr\u00e4gt einen Anzug. Masetto hat ein graues Hemd und blaue Hosen an, Zerlina ein schlichtes, graues Kleid. Beim Maskenball Ende des ersten Akts erscheinen alle in pr\u00e4chtigen, bunten Kleidern, zun\u00e4chst mit Masken, dann nehmen sie sie ab als Don Giovanni in einem wei\u00dfen Anzug erscheint.<\/p>\n<p>Zum Opernende haben Leporello und sein Herr ein ausgedehntes Mahl als pl\u00f6tzlich der Komtur dazwischen kommt und Don Giovanni in die Unterwelt gerissen wird.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit Energie und starkem rhythmischem Schwung er\u00f6ffnet <strong>Philippe Jordan<\/strong> die ausgedehnte Ouvert\u00fcre dieser Mozartoper. Nach anf\u00e4nglichen Turbulenzen sind die Violinen zum Ende perfekt zusammen. Auch die Bl\u00e4ser zeigen ein ungemein harmonisches Zusammenspiel.<\/p>\n<p>Schon ganz zu Anfang beklagt Leporello sein Schicksal als Diener eines Herrn, der keine Arbeit zu sch\u00e4tzen wei\u00df. Es ist ein Gesang, \u00e4hnlich einem Vaudeville Diese Liedform hat Mozart oft angewandt, etwa in der <em>Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/em>. Dabei f\u00e4llt sofort der klangreiche Ba\u00df von <strong>Philippe Sly<\/strong> (Leporello) ins Ohr. Es ist die ber\u00fchmte <em>Registerarie<\/em>, eine Art Troph\u00e4enregister, die alle Geliebten seines Herrn in Zahlen aufz\u00e4hlt. Er zeigt sie Donna Elvira, einer ehemaligen Geliebten seines Herrn: <em>Madamina, il catalogo \u00e8 questo \u2013 Meine Dame, der Katalog ist dieser<\/em>. Mit korrekter Atemst\u00fctzung gelingt es ihm, seinen Ba\u00df l\u00fcckenlos die T\u00f6ne im Legato aneinander zu binde, wobei seine Artikulation makellos ist . Sehr sch\u00f6n, wie er an den langsamen Stellen, z.B. <em>Ma in Ispagna son gia mille et tre \u2013 aber in Spanien sind es schon tausendunddrei <\/em>diese mit dynamischem Impuls betont. Verdienter Applaus.<\/p>\n<p>Schon immer geh\u00f6rt die Verf\u00fchrungsszene Don Giovannis mit Zerlina zu den musikalischen, aber auch zu den menschlich entlarvendsten Theaterszenen. Dabei kommt es sehr darauf an, da\u00df beide den Rollen gerecht werden. S\u00e4nger und S\u00e4ngerin gelingt dies \u00fcber die Ma\u00dfen im Palais Garnier in Paris.<\/p>\n<p><strong>\u00c9tienne Dupuis<\/strong> (Don Giovanni) beginnt mit m\u00e4nnlich grundiertem (es gibt dabei ihm ein m\u00e4nnlich-metallisches Fundament) Linienf\u00fchrung in seiner Stimme. Seine lyrische Baritonstimme vermittelt Sanftheit und S\u00fc\u00dfe, was an den gebundenen Quart- oder Quintintervalle besonders auff\u00e4llt. Da\u00df Zerlina sich von seiner Dolcezza hingerissen f\u00fchlte, ist nur zu verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p><strong>Elsa Dreisig<\/strong> (Zerlina) ihrerseits antwortet mit unbeschreiblicher Weichheit und Sanftheit ihrer deutlichen und doch zarten Sopranstimme, was in der wiegenden Melodie ihrer Antwort verzaubernd wirkt. Giovannis Gef\u00fchle sind daher leicht mitzuempfinden. Ein wunderbares Gesangserlebnis selbst in dieser von edlen Melodien angef\u00fcllten Oper! Schlie\u00dflichgibt ihr Zusammensingen ein Beispiel f\u00fcr Homogenit\u00e4t und ist aufschlu\u00dfreich f\u00fcr Weibliches und M\u00e4nnliches. Umwerfend schlie\u00dflich das <em>andiam<\/em> \u2013 <em>gehen wir<\/em> \u2026 \u00c9tienne Dupuis nimmt seine Stimme vollkommen zur\u00fcck und Elsa Dreisigs <em>andiam<\/em> \u2013 nachgebend\u00a0 \u2013 ist himmlisch!<\/p>\n<p>Die hinzukommende Elvira (<strong>Nicole Car<\/strong>) hebt warnend ihre Stimme gegen\u00fcber Zerlina: <em>Ah fuggi il traditor \u2013 ah fliehe den Betr\u00fcger<\/em>. Ihr Sopran ist klar und deutlich, doch ihre Spitzent\u00f6ne fis&#8222;, g&#8222; und a&#8222; sind eingetr\u00fcbt und forciert. Ihre Gesangslinie vermittelt recht gut ihre Best\u00fcrzung und Wut gegen\u00fcber dem Mann, der sie betrogen hat und ihre Passeggien sind rund und geformt. Aber im Opernverlauf werden ihre Intentionen gut.<\/p>\n<p><strong>Jacquelyn Wagner<\/strong> (Donna Anna), die Tochter des Komturs, hat eine eher schmale Sopranstimme. Sie bringt ihre Klage und Trauer \u00fcber den Verlust des Vaters zum Ausdruck. Ihr Elan und ihre Wut treiben ihren Verlobten Ottavio glaubw\u00fcrdig zur Rache an. Bei ihrer bewunderten Rachearie: <em>Or sei chi l\u2019onore rapire a me volse \u2013 jetzt wei\u00dft du, wer die Ehre mir rauben wollte <\/em>tr\u00fcben sich leider ihre Spitzent\u00f6ne, g&#8222; und a&#8222; ein. Auf der anderen Seite leuchten sie aber auf.<\/p>\n<p><strong>Stanislas de Berbeyrac<\/strong> (Ottavio) <em>Della sua pace la mia dipende \u2013 von ihrem Frieden h\u00e4ngt der meine ab<\/em> ist mit guter Fokussierung und voller Kraft seines Tenors vernehmbar, was ihm einen Zwischenapplaus einbringt.<\/p>\n<p>Leider fl\u00f6\u00dft das Auftreten des Komturs (<strong>Ain Anger, <\/strong>wohllautender Ba\u00df) zum Opernende kein Fr\u00f6steln des Erschauerns aus, wie das bei anderen Auff\u00fchrungen so oft zu erleben ist. Schade!<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df sollte man Zerlina (Elsa Dreisig) nochmal erw\u00e4hnen als sie mit ihrem Masetto (<strong>Mikhail Timoshenko<\/strong>, leuchtender Ba\u00df) Frieden schlie\u00dft (Szene 16, 1. Akt): <em>Batti, batti, o bel Masetto, la tua povera Zerlina, staro qui con agnellina le tue botte ad aspettar \u2026 <\/em><em>Pace, pace, o vita mia \u2026 \u2013 Schlage, schlage, o sch\u00f6ner Masetto, deine arme Zerlina: ich werde hier wie ein L\u00e4mmchen deine Pr\u00fcgel erwarten. \u2026. Frieden, Frieden, o mein Leben \u2026<\/em> Bezaubernd, mit welch weicher und flehender Stimme Zerlina bittet. Dabei kommen die Koloraturen wie Perlen aus ihrer Kehle, so, wie es eben sein sollte! Gro\u00dfer Applaus. Kaum anzunehmen, da\u00df in unserer Zeit ein Zwist zwischen einem Liebespaar so endet, wobei jeder nat\u00fcrlich wei\u00df, da\u00df alles nur metaphorisch ausgedr\u00fcckt ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eModernisieren\u201c des B\u00fchnengeschehens bringt dem Regisseur <strong>Ivo van Hove<\/strong> eigentlich nichts ein. Da Pontes und Mozarts Handlungsvorgabe ist ja metaphorisch gedacht und jede \u00dcbertragung in die Wirklichkeit schadet dem Verst\u00e4ndnis und dem Vergn\u00fcgen. Wie angenehm zu erleben war die kurze Szene beim Maskenball, in der alle Figuren \u2013 leider au\u00dfer Don Giovanni (schlie\u00dflich in wei\u00dfem Anzug) \u2013 in bunten Barockkost\u00fcmen erschienen!<\/p>\n<p>Sei\u2019s drum. Es war ein gut geschauspielerter und gesungener Opernabend.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Charles Duprat Opera national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elsa Dreisig (Zerlina), Etienne Dupuis (Don Giovanni)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1792); Dramma giocoso in zwei Akten (1787), Libretto: Lorenzo Da Ponte, UA: 29. 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