{"id":7818,"date":"2019-05-18T18:43:26","date_gmt":"2019-05-18T17:43:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7818"},"modified":"2019-05-25T09:06:49","modified_gmt":"2019-05-25T08:06:49","slug":"manon-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7818","title":{"rendered":"Manon &#8211; Paris, Op\u00e9ra-Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet (1842-1912), Op\u00e9ra-comique in f\u00fcnf Akten, Libretto: Henri Meilhac und Philippe Gille nach dem Roman: <em>Histoire de Chevalier des Grieux et de Manon Lescaut <\/em>von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost, UA: 19. Januar.1884 Paris, Op\u00e9ra-Comique, Salle Favart<\/p>\n<p>Regisseur: Olivier Py, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Pierre-Andr\u00e9 Weitz und Daniel Izzo, Choreographie: Daniel Izzo,<\/p>\n<p>Dirigent: Marc Minkowski, Orchestre Les Musiciens du Louvre, l&#8217;Acad\u00e9mie des Musiciens du Louvre et le Jeune Orchestre de l&#8217;Abbaye (Saintes), Chor de l\u2019Op\u00e9ra National de Bordeaux, Chorleitung: Marine Thoreau La Salle<\/p>\n<p>Solisten: Patricia Petibon (Manon Lescaut), Fr\u00e9d\u00e9ric Antoun (Le chevalier Des Grieux), Jean-S\u00e9bastien Bou (Lescaut), Damien Bigourdan (Guillot de Morfontaine), Philippe Est\u00e8phe (Monsieur de Br\u00e9tigny), Laurent Alvaro (Le comte Des Grieux), Olivia Doray (Poussette), Ad\u00e8le Charvet (Javotte), Marion Leb\u00e8gue (Rosette)<\/p>\n<p>Koproduktion mit dem \u00a0Grand Th\u00e9\u00e2tre Genf und der Op\u00e9ra National de Bordeaux<\/p>\n<p>Besuchte Vorstellung: 16. Mai 2019 (Premiere 7. Mai 2019)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Paris-OC-Manon.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7819\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Paris-OC-Manon.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Paris-OC-Manon.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Paris-OC-Manon-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Weg ins Kloster trifft Manon in Amiens zuf\u00e4llig den Chevalier Des Grieux. Beide sind auf der Stelle ineinander verliebt. Sie fliehen nach Paris und beziehen eine gemeinsame Wohnung. Wegen Geldmangels gibt Manon dem Dr\u00e4ngen des reichen Br\u00e9tigny nach. Er und ihr Vetter Lescaut hatten Des Grieux\u2018 Vater informiert, der seinen Sohn entf\u00fchren lie\u00df. Danach lebt Manon mit Br\u00e9tigny zusammen. Auf dem Stadtfest auf dem Cour de la Reine (heute Champs-\u00c9lys\u00e9es) wird sie Zeuge eines Gespr\u00e4chs zwischen Des Grieux\u2018 Vater und Br\u00e9tigny. Dabei erf\u00e4hrt sie, da\u00df Chevalier Des Grieux Priester werden will und heute seine erste Predigt in St. Sulpice halten wird. Sofort eilt sie zur Kirche, und es gelingt ihren weiblichen Verf\u00fchrungsk\u00fcnsten, Des Grieux wiederzugewinnen. Doch das aufwendige Leben beider veranla\u00dft Manon, Des Grieux zum Kartenspiel zu dr\u00e4ngen. Als er gegen Guillot gewinnt, klagt dieser ihn des Falschspielens an. Manon und er werden verhaftet. Des Grieux\u2018 Vater erreicht die Freilassung seines Sohns, doch Manon wird nach Amerika verbannt. Auf dem Transport nach Le Havre kann Des Grieux sie von den Mitgefangenen trennen. Aber die ersch\u00f6pfte Manon stirbt auf der Stra\u00dfe in seinen Armen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Hohe Hotels mit Neonreklamen bilden einen kleinen Platz auf dem halbnackte Prostituierte sich treffen. Sie am\u00fcsieren sich mit den M\u00e4nnern, indem sie sich auf deren R\u00fccken setzen, w\u00e4hrend diese sich auf allen Vieren vorw\u00e4rtsbewegen. Dann erscheint eine Menge Reisende mit Koffern, die die Postkutsche von Amiens nach Paris besteigen wollen. Auf der B\u00fchne sind vier Zimmer zu sehen, je zwei \u00fcbereinander angeordnet. In einem der Zimmer halten sich die leicht bekleideten Prostituieren auf, in einer anderen Manon. Diese hat ihr graues Oberkleid ausgezogen. Darunter sieht man einen blutroten Unterrock. Nur mit rotem Unterrock bekleidet trifft sie auf der Stra\u00dfe Chevalier Des Grieux. Beim Fest auf dem Cours de la Reine steht mitten auf einer Trib\u00fcne Manon in einem goldfarbenen, schulterfreien Paillettenkleid. Drumherum sieht man mit eine Menge Damen in R\u00fcschenkleidern und bunten, blumenbesetzten H\u00fcten und Herren.<\/p>\n<p>Szenenwechsel zur Kirche St. Sulpice. Des Grieux in schwarzem Hemd und schwarzer Hose sitzt an einem kleinen Tisch mit einem Gebetbuch vor sich. Gleichzeitig erscheint eine nackte Frau als Schatten. An der hohen Wand im Hintergrund h\u00e4ngt ein Kreuz. Manon tritt auf in engem, dunkelblauem Kleid und schwarzen Seidenstr\u00fcmpfen. Sp\u00e4ter im Spielsalon sieht man Des Grieux in einem r\u00fcschenbesetzten, rosenroten Kleid mit Federbusch auf dem Kopf am Spieltisch mit Guillot. Daneben Manon in Hosen mit Reitstiefeln. Dar\u00fcber tr\u00e4gt sie einen taillierten Rokokomantel, alles rosarot wie ihr Geliebter. Die Schlu\u00dfszene ist auf der Stra\u00dfe. Manon tr\u00e4gt ein schulterfreies, graues, perlmuttbesetztes Kleid und liegt auf dem Boden in den Armen Des Grieux\u2018.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Der erfahrene Dirigent Marc Minkowski hat das Orchester gut im Griff indem er den l\u00e4rmenden Beginn des Pr\u00e9lude, gefolgt von Manons Motiv kontrastreich darstellt und in eleganter Manier den Soldatenmarsch folgen l\u00e4\u00dft. Auffallend ist die rhythmische Stabilit\u00e4t und die subtile dynamische Energie, die Minkowski den ganzen Handlungsverlauf durchzuhalten wei\u00df.<\/p>\n<p>Im anschlie\u00dfenden spa\u00dfigen Streit von <strong>Damien Bigourdan<\/strong> (Br\u00e9tigny), <strong>Philippe Est\u00e8phe<\/strong> (Guillot), den \u201eleichten\u201c M\u00e4dchen <strong>Olivia Doray<\/strong> (Poussette), <strong>Ad\u00e8le Charvet<\/strong> (Javotte), <strong>Marion Leb\u00e8gue<\/strong> (Rosette) sowie dem Hotelier, der das Essen trotz dauernden Bittens nicht serviert, ist ein gut abgestimmtes Ensemble mit perfekter Intonation und Rhythmik zu erleben. Bemerkenswert war, da\u00df man trotz der engen Stimmf\u00fchrung alle Worte gut verstehen konnte. Kein Vergleich zu anderen Auff\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Freude bereitet <strong>Patricia Petibons<\/strong> (Manon Lescaut) Auftritt. Manon ist eine Paraderolle vieler Sopranistinnen. Doch kaum eine von ihnen trifft das franz\u00f6sische Timbre, das so schwierig f\u00fcr Nicht-Franzosen ist. Es braucht ungemein viel Einf\u00fchlung. Das besitzt diese S\u00e4ngerin im \u00dcberma\u00df. Allein wie sie mit allem femininen Charme ihrem Vetter gegen\u00fcber die Erm\u00fcdung der langen Kutschfahrt schildert <em>je suis encore tout engourdie \u2013 ich bin noch ganz bet\u00e4ubt\u00b4\u2026. <\/em>Die Spitzent\u00f6ne g\u2018\u2018 und a\u2018\u2018 sind von einer Klarheit und Klangsch\u00f6nheit, \u00fcber welche nur wenige Sopranistinnen verf\u00fcgen. Hinzu kommt noch eine untadelige Aussprache. Die \u00fcberraschend auftauchenden, geradezu akrobatischen Koloraturen verwirklicht sie perfekt! Manon ist eine kr\u00e4fteverschlei\u00dfende Rolle, da sie fast in jeder Szene auftritt. Die franz\u00f6sische S\u00e4ngerin bew\u00e4hrt sich dabei\u00a0 scheinbar m\u00fchelos bis zum End der Oper.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00e9d\u00e9ric Antoun<\/strong> (Chevalier Des Grieux) ist ihrem K\u00f6nnen ebenb\u00fcrtig. Seine Tenorstimme ist klar und besitzt gro\u00dfe Sensibilit\u00e4t. Nirgendwo forciert er, etwa bei Spitzent\u00f6nen. So bereitet die Traumvorstellung <em>En fermant les <\/em>yeux je vois l\u00e0 bas une humble retraite \u2013 indem ich die Augen schlo\u00df sah ich dort unten ein einfaches H\u00e4uschen mit der er Manons <em>Notre petite table \u2013 unser kleiner Tisch<\/em> (2. Akt, Szene 4\/5) beantwortet, ein gro\u00dfes Gef\u00fchl der Ruhe, und keiner der Spitzent\u00f6ne wird dabei erzwungenWie bei Patricia Petibon zeichnen sich seine Spitzent\u00f6ne mit gro\u00dfer Sanftheit und W\u00e4rme aus. Es ist eine reine Freude, ihm zuzuh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Bleibt noch darauf hinzuweisen, da\u00df <strong>Jean-S\u00e9bastien Bou<\/strong> (Lescaut), <strong>Damien<\/strong> <strong>Bigourdan<\/strong> (Guillot de Morfontaine), <strong>Philippe Est\u00e8phe<\/strong> (Monsieur de Br\u00e9tigny) in ihren Rollen und der Gestaltung ihres Gesang comme il faut waren. Nicht zuletzt sollte man die gekonnte Darstellung mit wohllautender Ba\u00dfbaritonstimme der Vaters des Chevalier, <strong>Laurent Alvaro<\/strong> (Le comte Des Grieux) hervorheben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht sind die zahlreichen Szenenbilder, die der kluge Regisseur <strong>Olivier Py<\/strong> dem Zuschauer zumutet, doch ein wenig \u00fcbersetzt. Aber das Rotlichtmilieu der Belle Epoche wird damit erlebbar. Die Ausbreitung der bitters\u00fc\u00dfen Liebesgeschichte voller Bigotterie und Verzweiflung, insbesondere zwischen Manon und dem Chevalier Des Grieux, verweist auf die Jetztzeit. Gute Idee, im vorletzten Akt Des Grieux in Frauenkleider und Manon in einen Hosenanzug zu stecken.<\/p>\n<p>Mit dem Orchester und den Solisten erlebt man Sternstunde. Endlich erh\u00e4lt die Musik Massenets ihr ad\u00e4quates franz\u00f6sisches Timbre. Allermeist wird sie in der Manier eines Verdi oder Puccini geliefert. Mit Schaudern erinnert sich der Unterzeichner der <em>Manon-<\/em>Auff\u00fchrung der Berliner Lindenoper vom 26. April 2007 mit Anna Netrebko (Manon) und Rolando Villaz\u00f3n (Chevalier Des Grieux) unter Daniel Barenboims Stabf\u00fchrung. Obwohl die meisten Zeitungen die Vorstellung lobten, war sie \u2013 gelinde gesagt \u2013 eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Nein, nur Franzosen wissen diese elegante, subtile, filigrane Musik zu gestalten. Neben der Sternstunde des Gesangs auch eine Lehrstunde f\u00fcr die franz\u00f6sische Oper des 19. Jahrhunderts!<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Stefan Brion<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Patricia Petibon (Manon Lescaut), Fr\u00e9d\u00e9ric Antoun (Le chevalier Des Grieux) in der Kirche St. Sulpice.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet (1842-1912), Op\u00e9ra-comique in f\u00fcnf Akten, Libretto: Henri Meilhac und Philippe Gille nach dem Roman: Histoire de Chevalier des Grieux et de Manon Lescaut von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost, UA: 19. 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