{"id":7799,"date":"2019-05-15T12:36:22","date_gmt":"2019-05-15T11:36:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7799"},"modified":"2019-05-20T14:00:04","modified_gmt":"2019-05-20T13:00:04","slug":"nixon-in-china-kopenhagen-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7799","title":{"rendered":"Nixon in China &#8211; Kopenhagen, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von John Adams (* 1947), Oper in drei Akten, Text von Alice Goodman<\/p>\n<p>UA: 1987 Houston, Texas<\/p>\n<p>Regie: John Fuljames, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Dick Bird, Licht: Ellen Ruge, Video: Will Duke, Sounddesign: Cameron Crosby, Choreographie: John Ross<\/p>\n<p>Dirigent: Alexander Vedernikov, K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle, Chor der k\u00f6niglich d\u00e4nischen Oper. Leitung: Steven Moore<\/p>\n<p>Solisten: Johan Reuter (Richard Nixon), David Kempster (Chou En-lai), Zachary Altman (Henry Kissinger), Arnold Bezuyen (Mao Tse-tung), Sarah Tynan (Pat Nixon), Sofie Elkj\u00e6r Jensen (Chiang Ch\u2019ing, Madame Mao Tse-tung), Hanne Fischer (Nancy T\u2019sang, Maos erste Sekret\u00e4rin), Kari Dahl Nielsen (Maos zweite Sekret\u00e4rin), Johanne Bock (Maos dritte Sekret\u00e4rin)<\/p>\n<p>Ko-Produktion mit der schottischen Oper und dem Stanislawski- und Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheater Moskau<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Mai 2019 (d\u00e4nische Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Kopenhagen-Nixon.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7800\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Kopenhagen-Nixon.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Kopenhagen-Nixon.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Kopenhagen-Nixon-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Richard Nixon und seine Frau Pat landen im Februar 1972 zu einem improvisierten Staatsbesuch in China, dem ersten eines amerikanischen Pr\u00e4sidenten in dem kommunistischen Land. Die Erwartungen sind hoch. Man hofft darauf, da\u00df sich das gro\u00dfe isolierte Land dem Westen \u00f6ffnen wird. Nixon trifft den Revolutionsf\u00fchrer Mao, der sich jedoch in r\u00e4tselhaften Metaphern ergeht, was das Gespr\u00e4ch mit ihm zu einer bizarren Reihe von Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen und abgebrochenen Gedanken werden l\u00e4\u00dft. Besser l\u00e4uft es mit dem Premierminister Chou En-lai, der bei einem abendlichen Bankett eine vielversprechende Rede h\u00e4lt, auf die Nixon h\u00f6flich antwortet, und in der eine zuk\u00fcnftige Zusammenarbeit beider L\u00e4nder in Aussicht gestellt wird. Alle Teilnehmer sto\u00dfen euphorisch auf die neuen Zeiten an. Pat Nixon besucht Schulen, Tierfarmen und Fabriken und bekommt eine Einf\u00fchrung in die revolution\u00e4re Geschichte Chinas in Gestalt des von Chiang Ch\u2019ing geschriebenen Tanztheaterst\u00fccks <em>Das Frauenbataillon des roten Heeres.<\/em> W\u00e4hrend dieser Vorstellung identifiziert sich Pat Nixon r\u00fcckhaltlos mit der Protagonistin des St\u00fcckes, einer von ihrem Grundbesitzer mi\u00dfhandelten B\u00e4uerin, die sich der kommunistischen Bewegung unter Mao anschlie\u00dft. Am Ende des Besuchs des amerikanischen Pr\u00e4sidenten macht sich Ern\u00fcchterung breit. Mao und Chiang Ch\u2019ing, Chou En-lai sowie Nixon und seine Frau erinnern sich an ihre Jugend und den Krieg und fragen sich, was ihr Beitrag zur Geschichte sein wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Szene ist dank zahlreicher Projektionen von historischen Fotografien und Dokumenten sehr abwechslungsreich und historisch akkurat bebildert. Bilder, Filme und Textdokumente sind authentisch. Sie stammen aus der Richard-Nixon-Stiftung und dem Richard-Nixon-Archiv und Museum. Anhand ihrer kann sich der Zuschauer davon \u00fcberzeugen, wie exakt das B\u00fchnenbild dem erhaltenen historischen Bildmaterial nachempfunden ist und des \u00f6fteren den Charakter eines Lebenden Bildes annimmt. Beleuchtung, Choreographie und B\u00fchnenbild folgen den Spannungsverl\u00e4ufen der Musik. Kost\u00fcm und Maske versuchen die Erscheinungen der S\u00e4nger den historischen Vorbildern so genau wie m\u00f6glich anzugleichen, was im Falle von Kissinger und Nixon \u00fcberaus gut gelungen ist. Die Regie h\u00e4lt sich eng an die szenischen und darstellerischen Vorgaben des Librettos und h\u00e4lt gekonnt die Balance zwischen Tragik und Komik.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Jeder der drei Akte birgt seine eigenen musikalischen und darstellerischen Herausforderungen in sich. Im ersten Akt ist das Tempo hoch und das St\u00fcck ger\u00e4t bisweilen zur satirischen Kom\u00f6die. Hier konnte der S\u00e4nger der Titelrolle, <strong>Johan Reuter<\/strong>, stimmlich und vor allem darstellerisch brillieren. Er sang also nicht nur deutlich und wohlklingend, sondern hatte sich auch die K\u00f6rpersprache dieser gelinde gesagt kontroversen Figur in der j\u00fcngeren Geschichte angeeignet. Seine Passagen sind oft geschwind vorzutragen, mit viel Text und raschen Motivrepetitionen. Nur punktuell, etwa im dritten Akt, kann er einen Ton voll aussingen und das enorme Volumen seines Baritons herausstellen. <strong>Arnold Bezuyen<\/strong>, dessen laute T\u00f6ne vergessen machen, da\u00df er kein regelrechter Heldentenor ist, sondern immer noch dem Fach des Spieltenors verbunden ist, trug den Part des kranken und zeitweise verwirrten Mao mit ebenso gro\u00dfer musikalischer wie schauspielerischer Virtuosit\u00e4t vor. Ihm sekundierte das Terzett der drei Sekret\u00e4rinnen, zackig und klanglich wie schauspielerisch homogen gesungen von <strong>Hanne Fischer<\/strong>, <strong>Kari Dahl Nielsen<\/strong> und<strong> Johanne Bock<\/strong>. Die darstellerischen Leistungen s\u00e4mtlicher Akteure in dieser Produktion sind durchweg erstklassig. Das gilt auch f\u00fcr die zwischen Arroganz, Sadismus und L\u00e4cherlichkeit changierende Figur Henry Kissingers, gl\u00e4nzend dargeboten von <strong>Zachary Altman<\/strong>. Im zweiten Akt stehen die weiblichen Hauptrollen im Vordergrund. <strong>Sarah Tynan<\/strong> (Pat Nixon) \u00fcbernimmt hier den eher lyrischen Part w\u00e4hrend<strong> Sofie Elkj\u00e6r Jensen<\/strong> in der Rolle der langj\u00e4hrigen Weggef\u00e4hrtin und Frau Mao Tse-tungs zum Ende des Aktes ihre mechanische und virtuose Arie \u00fcber die sogenannte Mao-Bibel singt. Der einem Kampfschrei gleichende Spitzenton am Abschlu\u00df ihres Refrains \u2013 \u201ethe book!\u201c\u2013 wird vom Frauenchor \u00fcbernommen und beschlie\u00dft den zweiten Akt mit einem Ausrufezeichen. Im dritten Akt sind die hektischen und triumphalen T\u00f6ne verklungen, und S\u00e4nger und Orchester haben nicht mehr perkussiv, sondern elegisch und verhalten zu musizieren. <strong>David Kempster<\/strong> (Chou En-lai) hat das melancholische letzte Wort nach seinen kr\u00e4ftigen Eins\u00e4tzen im ersten Akt.<\/p>\n<p>Die K\u00f6niglich d\u00e4nische Hofkapelle unter <strong>Alexander Vedernikov <\/strong>musizierte mit absoluter Perfektion. Die mit elektronischen Instrumenten angereicherte Partitur verlangt vor allem im ersten Akt ein H\u00f6chstma\u00df an rhythmischer Pr\u00e4zision und von Streichern und Bl\u00e4sern repetitive Figuren, die eher zu einem Schlag- denn einem Melodieinstrument passen. Die Sicherheit, mit der Chor und Orchester vor allem den gesch\u00e4ftig-hektischen ersten Akt zu Geh\u00f6r brachten, war umwerfend.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man kann es kurz machen: eine inhaltlich und musikalisch anspruchsvolle Oper, die zu Recht als moderner Klassiker gehandelt wird, wird in Kopenhagen auf Weltklasseniveau inszeniert und dargeboten. Auch wenn Sie mit der neueren Musik bisher nicht viel anfangen k\u00f6nnen \u2013 diese Produktion wird Sie begeistern. Garantiert!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Camilla Winther<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Johan Reuter (Richard Nixon)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von John Adams (* 1947), Oper in drei Akten, Text von Alice Goodman UA: 1987 Houston, Texas Regie: John Fuljames, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Dick Bird, Licht: Ellen Ruge, Video: Will Duke, Sounddesign: Cameron Crosby, Choreographie: John Ross Dirigent: Alexander Vedernikov,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7799\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7800,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[151,1],"tags":[],"class_list":["post-7799","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kopenhagen-det-kongelige-teater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7799","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7799"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7799\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7808,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7799\/revisions\/7808"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7800"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7799"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7799"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7799"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}