{"id":7794,"date":"2019-04-08T11:23:13","date_gmt":"2019-04-08T10:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7794"},"modified":"2019-05-03T11:26:57","modified_gmt":"2019-05-03T10:26:57","slug":"platee-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7794","title":{"rendered":"Plat\u00e9e &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Adrien-Joseph <em>Le Valois d\u2019Orville<\/em> nach Jacques Autreau, Fassung 1749, UA: 31. M\u00e4rz 1745, Versailles; Les Grande \u00c9durie<\/p>\n<p>Regie: Rolando Villaz\u00f2n, B\u00fchnenbild: Harald Thor, Kost\u00fcme: Susanne Hubrich, Choreographie: Philippe Giraudeau<\/p>\n<p>Dirigent: Paul Agnew, S\u00e4chsische Staatskapelle und S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: Cornelius Volke.<\/p>\n<p>Solisten: Philippe Talbot (Plat\u00e9e), Inga Kalna (La Folie), Mark Milhofer (Thespis\/Mercure), Andreas Wolf (Jupiter), Ute Selbig (Junon), Sebastian Wartig (Momus), Giorgio Caoduro (Cith\u00e9ron\/Ein Satyr), Julia Maria Dan (Thalie\/Clarine), Tania Lorenzo (Amour), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. April 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Dresden-Platee.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7795\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Dresden-Platee.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Dresden-Platee.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Dresden-Platee-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Momus, Thespis und Thalia k\u00fcndigen an, das Publikum mit einem Spiel zu unterhalten, bei der G\u00f6tter und Menschen l\u00e4cherlich gemacht werden. Eine ausgelassene, von einem Spielmacher (La Folie) angeheizte Kom\u00f6die beginnt: Cith\u00e9ron und sein Volk leiden unter schlechtem Wetter, verursacht durch die chronische Eifersucht von Jupiters Gattin Junon. Gemeinsam mit dem G\u00f6tterboten Mercure findet Cith\u00e9ron die L\u00f6sung: eine Intrige mu\u00df her, um Junon die Eifersucht ein f\u00fcr alle Mal auszutreiben. So macht sich Jupiter an die h\u00e4\u00dfliche, in einem Sumpf lebende Nymphe Plat\u00e9e heran und l\u00e4\u00dft verbreiten, er wolle sie heiraten. Junon platzt emp\u00f6rt in die Scheinhochzeit und rei\u00dft Plat\u00e9e den Schleier vom Kopf. Zerknirscht durchschaut die G\u00f6ttergattin die Intrige, w\u00e4hrend die gedem\u00fctigte Plat\u00e9e unter allgemeinem Gel\u00e4chter in ihre S\u00fcmpfe flieht.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eines kann man dieser Produktion attestieren: man hat mit viel Aufwand ein komplexes Einheitsb\u00fchnenbild gebaut, das immer wieder blitzschnell ver\u00e4ndert werden kann, um Details zu \u00e4ndern und Auftrittsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr b\u00fchnenf\u00fcllende Arrangements der Solisten zu schaffen. Auch f\u00fcr Kost\u00fcme und Choreographie der Statisten der Kuscheltiere-Tanzgruppe wurde ein gro\u00dfer Aufwand betrieben. Die Mitte der B\u00fchne ist ein gro\u00dfer Platz vor einer modernen Schul-Cafeteria. Die Theke befindet sich links in einem gew\u00f6lbten Mauerdurchbruch, eine weitere halbhohe Mauer begrenzt nach hinten und rechts, eine Betondecke w\u00f6lbt sich \u00fcber den Platz. Mittels eines heruntergelassenen B\u00fchnenprospekts und Beleuchtung verwandelt es sich in eine Sumpflandschaft. Die handelnden Personen sind Sch\u00fcler einer Lehranstalt, erkennbar an Schuluniformen mit M\u00fctzen und B\u00e4ndern. Plat\u00e9e ist keine Nymphe, sondern ein Sch\u00fcler mit gr\u00fcnen Haaren, der lieber ein M\u00e4dchen sein m\u00f6chte, im Rock heruml\u00e4uft und das Thema \u201eGender\u201c in diese Oper bringt \u2013 auf der Suche nach der Toilette f\u00fcr das \u201edritte\u201c Geschlecht. Au\u00dferdem spielt er mit Puppen, die von der Tanzgruppe gedoppelt und damit zum Leben erweckt werden. Er wird f\u00fcr eine Intrige gegen die eifers\u00fcchtige Freundin des unangefochtenen Sch\u00fclersprechers verwendet \u2013 die vom Aussehen und der Stimme her auch die Mutter des Rektors sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Paul Agnew<\/strong> hat die <em>Haute-Contre<\/em>-Tenor-Rolle der titelgebenden Nymphe Plat\u00e9e an gro\u00dfen H\u00e4usern erfolgreich gegeben. Nun steht er der Staatskapelle Dresden vor, die mit ca. 40 Mitgliedern im Orchestergraben sitzt, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Mitglieder in Salzburg f\u00fcr die <em>Meistersinger<\/em> proben. Er bem\u00fcht sich redlich, glaubw\u00fcrdige barocke Klangbilder zu erzeugen.<\/p>\n<p>Seine Rolle der Plat\u00e9e \u00fcbernimmt <strong>Philippe Talbot<\/strong>, der keine Probleme hat auch in die h\u00f6chsten H\u00f6hen des D\u2018\u2018 vorzudringen, fast ohne Falsett, aber ohne zu stemmen. Die Arie des Narren <em>La Folie<\/em> <em>Aux langueurs d\u2019Apollon<\/em> wird bei <strong>Inga Kalna <\/strong>mit viel Kraft zu einer Art italienischer Bravourarie, einem Beispiel f\u00fcr die gelungene Mischung aus sp\u00f6ttischem Lachen und dem feierlichen Schwelgen zum Ruhm der G\u00f6tter \u2013 respektive eines franz\u00f6sischen Thronfolgers. Zu dessen Hochzeit mit einer legend\u00e4r h\u00e4\u00dflichen Prinzessin uraufgef\u00fchrt, gibt sie gewisse R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Rolle des Narren.<\/p>\n<p>Der zweite Tenor in diesem St\u00fcck darf sich wie ein echter Tenor gerieren: <strong>Mark Milhofer <\/strong>hat ausreichend Erfahrung mit alter Musik und gestaltet die Rollen als Thespis und Mercure mit einer gelungenen Charakterisierung. <strong>Andreas Wolf <\/strong>ist ein durchschlagsstarker Ba\u00dfbariton, er gibt den G\u00f6ttervater Jupiter mit Wohlklang in der Stimme.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Abend l\u00e4\u00dft viele Fragen offen. Zwar ist es lobenswert, da\u00df sich die Semperoper wieder einmal an der Alten Musik versucht. Aber es zeigt sich, da\u00df die Staatskapelle ein moderner Klangk\u00f6rper ist, der im aktuellen Opernbetrieb der Romantik und der Klassik fest verwurzelt ist. Da hilft es auch nichts, da\u00df man sich einen Spezialisten der Alten Musik holt, der noch dazu die Rolle der Plat\u00e9e mit gro\u00dfem Erfolg gesungen hat \u2013 auch in Paris unter Mark Minkowski und Laurent Pelly. Schon das Vibrato des Streicherklanges kann <strong>Paul Agnew<\/strong> nicht begrenzen, von barocken Klangbildern, Instrumenten oder Darmsaiten kann man nichts h\u00f6ren. Nur wenige der Solisten haben sich mit franz\u00f6sischer Barockmusik, der Phrasierung oder Aussprache wirklich auseinander gesetzt und k\u00f6nnen das auch umsetzen. Wer sich mit Rameau-Auff\u00fchrungen in Paris bzw. Versailles besch\u00e4ftigt hat, kann die Unterschiede deutlich erkennen: Das Werk klingt eher wie eine unbekannte Oper aus dem aktuellen Opernrepertoire, vom aktuellen Stand der Rezeption allgemeiner oder im speziellen franz\u00f6sischer Alter Musik ist man in Dresden (das fr\u00fcher einmal eng mit Hasse verbunden war(!)) weit entfernt.<\/p>\n<p>Szenisch gibt es einen gro\u00dfen Pluspunkt: Die halbh\u00e4\u00dflichen Puppen, die mit gro\u00dfem Aufwand zum Leben erwacht sind, sind ein gro\u00dfer Erfolg bei Kindern, die sich \u00fcber einen l\u00e4chelnden gr\u00fcnen Monster-Grinsch freuen k\u00f6nnen. Die \u00fcberraschende Choreographie einer Statistentanzgruppe (in einer <em>Ballet buffon<\/em> m\u00fc\u00dfte doch das Staatsballett zum Zuge kommen?) lenkt davon ab, da\u00df eine sinnvolle Rahmenhandlung sich aus den vielen peppigen szenischen Einf\u00e4llen nicht ergeben will. Gro\u00dfer Beifall des Publikums f\u00fcr den gro\u00dfen Namen Villaz\u00f2n und seine Musikanten-T\u00e4nzer-Truppe.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Philippe Talbot (Plat\u00e9e), Inga Kalna (La Folie), Komparserie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Adrien-Joseph Le Valois d\u2019Orville nach Jacques Autreau, Fassung 1749, UA: 31. M\u00e4rz 1745, Versailles; Les Grande \u00c9durie Regie: Rolando Villaz\u00f2n, B\u00fchnenbild: Harald Thor, Kost\u00fcme: Susanne Hubrich, Choreographie:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7794\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7795,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,1],"tags":[],"class_list":["post-7794","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dresden-semperoper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7794"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7794\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7797,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7794\/revisions\/7797"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7795"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}